Zimt ist in 99% aller Fälle heterosexuell

GeschichteHumor, Romanze / P16 Slash
30.04.2018
22.08.2019
6
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Matteo hasste Liebesgeschichten. Unnötig übertriebene Beschreibungen von Äußerlichkeiten, surreale Emotionen, die man angeblich spürte, wenn die eine Person in der Nähe war, viel zu viele Zufälle, die manchmal so absurd waren, dass es doch gar nicht möglich sein konnte, einen Haufen heiße Luft zwischen Drama und noch mehr Drama und natürlich all diese grässlichen Happy Ends. Das echte Leben war kein von Zucker geschmückter, rosa Weg.

Was er aber noch mehr hasste als diese von Klischees triefenden Romanzen, war seine eigene Liebesgeschichte – oder eher Tragödie.

„Oh! Tu- Tut mir leid! Ich wollte Ihnen das Buch nicht- Sie- Sie können es gerne haben!“, stotterte die kleine Blondine nervös und streckte das Buch aus. Bevor er jedoch reagieren konnte, ließ sie es vor Aufregung fallen. „Tut mir leid!“, murmelte sie und beugte sich hinunter, um es aufzuheben.

Im selben Moment sank Matt jedoch mit einem kurzen „Ist schon in Ordnung.“ auf die Knie, um es ebenfalls zu nehmen. Unglücklicherweise – natürlich – berührten sich ihr Hände während dieser Bewegung.

Vergesst es. Dies war keine Liebesromanze oder eine Tragödie. Matteos Leben ist jetzt offiziell so lächerlich geworden, dass man es auch eine Komödie nennen konnte.

„Tut mir leid“, kam es erneut aus der jungen Frau herausgeschossen, während sie sich schnell wieder aufrichtete.

Matteo konnte schwören, dass er ein Geräusch gehört hatte, als wäre etwas runtergefallen, aber er vergaß es im nächsten Moment wieder. „Du…“, er übersprang einfach mal die Formalitäten, „du musst dich nicht entschuldigen, schließlich hast du ja nichts falsch gemacht.“ Er versuchte sie aufmunternd anzulächeln.

„Oh-“

„Oiii! Matt!“, rief Alexander noch lauter, nachdem sein bester Freund ihn beim ersten Mal gekonnt ignoriert hatte.

Zur selben Zeit trat eine weitere Person näher. Ihr Blick war auf ein Buch gerichtet, während sie die kleine Blondine ansprach: „Lys, denkst du, dass ihm ein Buch über die Geschichte Afrikas gefallen würde?“

Alexander stützte einen Unterarm auf Matteos Schulter. „Können wir los? Jenn und ich haben alles, was wir brau- Hä?“ Alexander verstummte, als er die hochgewachsene Frau vor ihm sah.

„Huh?“, murmelte auch sie, als sie ihn erkannte.

Beide schauten sich einen Moment lang nur mit einem stirnrunzelnden Blick an, bevor Alexander die Stille unterbrach: „Du!“ Er klang wie jemand, der gerade wieder auf seinen jahrelangen Erzfeind gestoßen war.

Die schwarzhaarige Frau stemmte eine Hand in ihre Hüfte und grinste ihn spöttisch an. „Wenn das nicht der Womanizer höchstpersönlich ist.“

Er erwiderte ihren Blick. „Sagt die Richtige.“

„W- Was?“, murmelte die Blondine – Lys – kaum hörbar.

Matteo musste ihr recht geben. Was. Zur. Hölle. Er sah sich die Frau genauer an. Wenn er sie mit einem Wort beschreiben müsste, wäre es schlicht und einfach: Punk. Sie sah jedenfalls so aus, als ob sie gerne Rock und Metal aus den 80ern hören würde. (Bedeutete das automatisch, dass sie eine Punkerin war? Wahrscheinlich nicht. Matt zuckte innerlich mit den Schultern.) Eine hochgewachsene Asiatin, das stand fest, kurze, schwarze Haare, eine schwarze Lederjacke, ein Shirt, auf dem „AC/DC“ stand und – wie konnte es auch anders sein – Doc-Martens-Stiefel. Wer war diese Frau? Eine Ex von Alex? Wenn ja, dann waren sie offensichtlich nicht mit guten Erinnerungen auseinandergegangen. Jedoch musste Matt zugeben, dass sie nicht wirklich in Alex übliches „Jagdschema“ passte.

„Minh?“, machte Lys auf sich aufmerksam, nachdem sich die zwei mehrere, giftige Blicke zugeworfen hatten, „stimmt etwas nicht?“ Sie musste ihren Kopf leicht nach oben richten, so groß ist der Höhenunterschied zwischen den zwei Frauen gewesen.

Matt musste gestehen, irgendwie ist der Anblick ziemlich interessant gewesen. Auf der linken Seite stand die lässige, großgewachsene Punkerin und neben ihr eine kleine, plumpe Blondine mit blasser Haut und einem pastellrosafarbenem Kleid.

„Mh?“ Der Blick von Minh änderte sich von der einen auf die andere Sekunde schlagartig und sie sah Lys mit einem heiteren Lächeln an. „Nein, mach dir keine Sorgen. Es ist nichts. Lass uns gehen.“

„Hey! Wie kannst du es wagen, mich einfach so zu ignorieren?!“ Alex konnte es einfach nicht lassen, seine Stimme erneut zu heben.

„Huh?“, murmelte die Punkerin zu Lys, „hast du gerade auch einen Volltrottel gehört?“

„Minh! Wieso bist du-“, begann sie, aber anscheinend war es ihr heute nicht erlaubt, nur ein einziges Mal auszureden.

Die Ladenbesitzerin tauchte plötzlich hinter einem Regal auf und sah alle vier wütend an. „Ihr da! Raus mit euch! Ich habe anfangs noch über das Geschrei hinweg gesehen und gehofft, dass ihr Tölpel selbst zur Vernunft kommen würdet! Aber jetzt reicht es! Jeder von euch: raus!“

Um ehrlich zu sein, es war ein Wunder, dass sie überhaupt so lange im Laden bleiben konnten…

-     - -

Jennifer konnte immer noch nicht aufhören, ihren Kopf zu schütteln, als sie und die zwei jungen „Männer“ – sie verhielten sich jedenfalls nicht so – endlich in ihrem Auto saßen. Sie seufzte laut. „Ich betrete nie wieder ein öffentliches Gebäude mit einem von euch zwei.“

Matt verkniff sich, „Ich war das nicht!“ zu jammern und ließ sich in den Sitz fallen.

„Sorry, sorry…“, murmelte Alexander und spielte an der Klimaanlage herum. Sie war nicht mal an, er brauchte nur etwas, um seine Hände zu beschäftigen.

„Habt ihr Glück, dass ich mein Buch kaufen konnte, bevor ihr rausgeschmissen wurdet.“ Jennifer legte ihr Exemplar von „We Should All Be Feminists“ auf die vordere Ablage und startete das Auto.

Es verstrichen mehrere Minuten, in denen Alex angefangen hatte, Jennifers Buch zu lesen, während Matteo an den bizarren Vorfall vorhin denken musste. Im Hintergrund lief – schon wieder – Ed Sheerans „Galway Girl“. Jennifer summte leise mit und genoss die beruhigende, aber doch so seltene Stille ihrer zwei Jungs.  

Und so blieb es auch.

Für zwei Minuten.

„Alex?“, machte Matt auf sich aufmerksam.

„Huh?“, gab dieser als Antwort zurück und steckte das Nächstbeste – eine alte Rechnung – zwischen die Buchseiten als Lesezeichen. (Was nicht wirklich Sinn ergab, weil er auf der zweiten Seite war.)

„Kennst du die zwei Frau, denen wir vorhin begegnet sind?“

„Ich kenne nur die Asiatin, keine Ahnung wer die andere war. Na ja, „kennen“ ist vielleicht etwas zu viel…“ Er kratzte sich am Hinterkopf.

„Ihr konntet euch offensichtlich ja nicht leiden. Ist sie eine Ex von dir?“

„Pff! Sie und ich? Nie und nimmer!“, antwortete Alexander verächtlich.

„Nicht? Wer ist sie dann?“ Matteos Neugierde wurde geweckt. Er kannte ein paar von Alex Frauenbekanntschaften – zwar nur flüchtig, aber er hatte sie jedenfalls schon mal gesehen. Diese Minh schien jedoch eine ganz andere Rolle zu spielen. Vielleicht doch eine unglückliche Liebe?

Jennifer fügte hinzu: „Klingt interessant. Ich will die Geschichte auch wissen.“

„Ah, na ja… Also gut…“, gab Alex sich schließlich geschlagen, „Minh An und ich sind uns vor einigen Monaten zum ersten Mal begegnet. Das war, bevor ich euch kennenlernte. Ich war im Dizzy Rooster und…“

- - -

Alexander Kösters fühlte sich gut. Er war heute in Topform! Er spürte es einfach. Charmant wie eh und je, die Haare saßen perfekt, die neue Outfitkombination, die er ausprobiert hatte, stand ihm wirklich ausgezeichnet und sein Cousin nervte ihn ausnahmsweise mal nicht mit diesem verrückten, zum Scheitern verurteilten Plan. Selbstbewusst trat er durch die Tür unter der leuchtenden LED-Lampe eines betrunkenen Hahns.

Der Barkeeper – der gute, alte Johnny – nickte ihm zu. Die Frage, ob es nun wirklich gut war, dass er so oft ins Dizzy Rooster ging, dass der Barkeeper ihn persönlich kannte, wurde erst mal zur Seite gestellt.

Alexander ging auf die Bar zu und begrüßte seinen alten Freund mit einem strahlenden Lächeln: „Johnny! Lang nicht gesehen!“

„Letztes Wochenende“, hakte dieser nach.

„Jeder Tag ohne dich ist wie ein Tag ohne Sonnenschein, Johnny.“ Alexanders Stimme klang wie ein in Sonnenblumenöl eingetauchtes Stück Butter.

Der Barkeeper rollte mit den Augen. „Dein Masche zieht bei mir nicht, Kösters. Du kannst es sooft versuchen, wie du willst, du kriegst keinen Rabatt.“

„Schade. Vielleicht nächstes Mal.“ Er zuckte mit den Schultern.

„Das Übliche?“

„Du kennst mich.“ Alexander schüttete sich den Schnaps herunter und bestellte gleich das nächste Glas.

„Ey Kösters, die Frau dort“, der Barkeeper deutete auf eine junge Frau in einem femininen, blauen Kleid, „wirft dir die ganze Zeit komische Blicke zu.“

„Mmh?“ Ein kokettes Lächeln breitete sich auf Alex Gesicht aus. „Johnny, einen Cocktail für die Dame, wenn ich bitten dürfte.“ Mit diesen Worten glitt er elegant vom hohen Barhocker und ging auf die Frau zu.

Heute war sein Glückstag. Er hatte noch nicht mal etwas getan und schon fand jemand Gefallen an ihm. Zudem war die junge Dame genau sein Typ. Alexanders Meinung nach waren alle Menschen des weiblichen Geschlechts wunderschön, jedoch fand er besonders Gefallen an Frauen mit blondem Haar und blauen Augen.

Heh, wenn Alexander eine Frau wäre, würde er sich sowas von selbst daten.

Alex schenkte ihr ein charmantes Lächeln und verbeugte sich. „Alexander Kösters, wenn ich mich vorstellen dürfte.“

Die junge Frau fing an zu kichern und hielt sich dabei eine Hand vor dem Mund. „Bitte, Sie müssen sich doch nicht verbeugen.“

„Nicht? Und ich dachte, dass man sich immer vor einer Prinzessin verbeugen müsste.“

Vielleicht lag es an seiner offenen, heiteren Art, vielleicht war es auch einfach sein Charisma, aber oftmals musste Alexander feststellen, dass er mehr Erfolg hatte, wenn er sich nicht verstellte und einfach „locker vom Hocker“ auf Menschen zuging.

Die Blondine sah ihn lächelnd an. „Das ist wirklich sü-“

„Lächerlich. Das Wort, nachdem du suchst, ist lächerlich.“ Wie aus dem Nichts saß auf einmal eine weitere Frau hinter ihr: eine Asiatin mit schwarzen, kurzen Haaren und einer Lederjacke.

Die junge Frau erschrak und drehte sich zu ihr. „Entschuldigen Sie. Ich habe Sie nicht gesehen.“

„Minh An. Du kannst mich einfach Minh nennen.“ Ein einziges, kokettes Lächeln und die Blondine fing an, rot zu glühen.

Alexander stand währenddessen still, empört und unbeachtet neben den beiden.

„Sophia“, stellte die Blondine sich leise vor. „Du fandest das lächerlich?“

„Das lächerlichste, was ich jemals gesehen habe.“

„Entschuldigung?“, gab Alexander von sich, jedoch bezweifelte er, dass irgendjemand ihn gehört hatte.

„Wenn ich jemanden für mich gewinnen wollen würde, dann würde ich es ganz anders machen.“

„Ach ja?“ Sophia stützte ihren Kopf auf ihre Handfläche.

„Nun, ich würde keinen auf Hochstaplerprinzen machen, denn seien wir ehrlich… Was eine Prinzessin wirklich braucht, ist ein mutiger Ritter – oder in diesem Fall… Ritterin.“

„Wer will schon eine skrupellose Barbarin, die keine Manieren kennt“, unterbrach Alexander sie und drehte den Barhocker, sodass Sophia jetzt ihn ansah. „Ein Prinz würde seine Prinzessin mit den prachtvollsten Sachen des ganzen Königreichs beschenken.“

„Schnösel“, kommentierte Minh trocken und drehte den Hocker wieder zu sich.

Die arme Sophia konnte nur ein kurzes „Huch!“ von sich geben, bevor es wieder weiterging.

„Herzlose Krähe.“

„Dummer Oger.“

„Hässlicher Kobold.“

„Hirnloser Trampel.“

„Alte Hexe.“

„Charmant. Wirklich sehr charmant, Kösters. Hier, dein bestellter Cocktail.“ Der Barkeeper legte das Glas vor Alex auf den Tisch. Ein Strawberry Pina Colada mit einem pinken Schirmchen, Strohhalm und süßen Dekorationen – schick.

„Wenn das nicht mein Kumpel Johnny ist! Perfektes Timing! Sophie, wie wäre es mit einem-“ Alex verstummte. Dort, wo seine Herzensdame gerade noch saß, war nun gähnende Leere und er starrte in die mit Spott gefüllten Augen einer ganz bestimmten Asiatin.

„Sie ist gegangen“, war alles, was Minh dazu sagte.

„No shit, Sherlock“, gab Alexander unbeeindruckt zurück.

„Na ja, da sie jetzt weg ist, gibt‘s hier ja nichts Interessantes mehr zu sehen.“ Minh stand auf und ging von der Bar weg.

Alex wollte ihr noch irgendeine Beschwerde an den Kopf werfen, doch er wusste, dass es eh nichts bringen würde. Also gab er sich damit zufrieden, einfach schmollend seinen Strawberry Pina Colada zu trinken. Die kleinen Herzen, die an der Ananas angebracht waren, wackelten leicht hin und her, während er Minh finstere Blicke zuwarf.


- - -

Jennifer fing an, laut zu lachen. „Sie hat dir jemanden ausgespannt? Dir? Dem einzig waren Womanizer Alexander Kösters?“ Den letzten Satz konnte sie kaum aussprechen, ohne die ganze Zeit dazwischen zu lachen. Matteo machte sich langsam wirklich Sorgen, dass seine Managerin noch einen Unfall bauen könnte.

Alex runzelte die Stirn. Da erzählter er seinen Freunden einmal seine tragische Hintergrundgeschichte und auf was stieß er? Gelächter.

„Diese Minh ist also lesbisch?“, fragte Matteo.

„Natürlich, wie hätte sie sonst dem unwiderstehlichen Charme unseres Prinz Charmings hier entkommen können“, kam es zwischen einigem Gegacker aus Jennifer heraus.

Alexanders Stirnfalten bildeten unterdessen einen regelrechten Canyon. „Was soll das überhaupt bedeuten: „ausspannen“? Am Ende wollte Sophia niemanden von uns beiden!“

„Ist schon gut, ist schon gut“, gab sie sich letztendlich geschlagen, „hast du Minh An denn seitdem wiedergesehen? Von heute natürlich ausgenommen.“

„Das ist es ja! Seitdem begegne ich ihr immer wieder im Dizzy Rooster! Ich schwöre, diese Asiatin verfolgt mich…“

„Oder sie ist dir vorher noch nie aufgefallen“, fügte Matt hinzu.

„Hmpf“, war alles, was Alex noch grummelte, als sein Handy einen Ton von sich gab, den Matt heutzutage als „Biep-pe-di-biep-biep“ wiedererkannte.

„Hey“, murmelte Alex, nachdem er sein Handy gefunden hatte, „sag mal, Matt… Hast du mir gerade eine Nachricht geschrieben?“

„Was?“ Matteo sah ihn verwirrt an – seinen Hinterkopf zumindest. „Nein, habe ich nicht. Ich habe mein Handy nicht mal in der Hand. Warte mal kurz…“

„Alexander Kösters“, ließ Gleichnamiger die Nachricht vor, „dein Freund hat sein Handy im Buchladen vergessen. Er kann sich glücklich schätzen, dass Lys es gefunden hat. Wir warten noch 15 Minuten im Starbucks im Einkaufszentrum. Wenn ihr das Ding zurückhaben wollt, holt es euch ab! Ach und ernsthaft? 0000 als Pincode?“

„Mein Handy!“, kam es aus Matt herausgeschossen, während Jennifer und Alex gleichzeitig sagten: „0000? Dein Ernst?“

Matt schreckte auf und stieß dabei fast an die Decke des Autos. „Wir müssen sofort wieder ins Einkaufszentrum! Meine ganzen Ideen zu den nächsten drei Büchern sind in den Memos gespeichert!“, schrie Matt.

„Gottverdammt, ich hasse euch alle!“, stöhnte Jennifer und drehte um.

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„Vielen, vielen Dank“, wiederholte Matt zum gefühlt hundertsten Mal, nachdem sie sich vorgestellt hatten.

„Tut mir leid, dass wir euch so viele Umstände gemacht haben.“ Jennifer gab den beiden Frauen ein entschuldigendes Lächeln.

„Es ist schon in Ordnung“, sagte Lysandra, „wir mussten schließlich nicht wirklich viel machen, außer zu warten. Zum Glück bin ich nochmal reingegangen, um mir ein Buch zu kaufen.“

„Und man hat euch nicht wieder rausgeschmissen?“, fragte Matteo.

„Ein Lächeln kann halt Wunder wirken“, antwortete Minh An.

„Dein Lächeln bestimmt nicht“, fügte Alexander still und heimlich in seinen Gedanken hinzu.

„Ja, aber die Verkäuferin hat mich schon irgendwie komisch angeguckt, als ich das Buch kaufen wollte.“

Ein unterbewusstes Grinsen schlich sich auf Matteos Gesicht. „Lass mich raten: Cthulhus Ruf? H. P.-“

„Lovecraft!“, beendete Lys seinen Satz. „Und ich dachte, ich wäre die einzige, die sowas liest!“

„Nun ja, man erwartet das bei dir irgendwie auch nicht“, gestand Matt.

„Deswegen heißt es: Bewerte ein Buch nicht bei seinem Einband! Aber bei dir ist es ja mehr als nur offensichtlich!“ Lys schaute fasziniert auf Matteos grünen Kapuzenpullover, auf dem deutlich die Silhouette eines gewissen Herrn und Erlösers Kopfes mit Tentakeln zu sehen war.

„Oh, das!“ Matt lachte. „Ich habe den Pullover bei der Buchmesse gekauft.“

„Ugh“, machte Alex im Hintergrund, „Horrorzeug.“

„Ich stehe auch nicht wirklich darauf, keine Ahnung was Lys damit am Hut hat.“ Minh seufzte und stütze ihre Hände in die Hüfte. „So wie ich sie kenne, wird das noch Stunden dauern. Jemand Lust auf Kaffee?“

„Ich brauche definitiv einen. Vielleicht sogar zwei“, antwortete die eindeutig unterbezahlte Managerin.

„Kaffee? Das erste Gute, was ich aus deinem Mund höre, seitdem wir uns kennen“ sagte Alex zu seiner Rivalin.

„Nur weil die Mädels lieber eine echte Ritterin wollen, als einen Hochstaplerprinzen auf einem alten Gaul.“

„Pff, das wird bestimmt amüsant mit euch zwei.“ Jennifer lief an ihnen vorbei und schaute kurz zu Matteo und Lysandra, die aufgeregt in ein Gespräch über die „Großen Alten“ oder was auch immer vertieft waren. „Wenn ich mir die zwei dort mal so ansehe, beschleicht mich irgendwie das Gefühl, dass ihr euch langsam aneinander gewöhnen solltet.“

Minh An hob eine Augenbraue und sah den anderen erwartungsvoll an.

„Waffenstillstand?“

„Von mir aus.“

„Bist du sowieso nicht gerade mit jemanden zusammen?“

„Wie bitte? Was? Seit wann?“

„Lys.“ Alex deutete auf die kleine Blondine.

„Lys und ich? Nein.“ Minh grinste. „Aber den Eindruck kriegt man schon oder? Sie ist… sagen wir, die Person, die ich am wenigsten auf der Welt hasse.“

„Wie romantisch formuliert“, kommentierte Jennifer sarkastisch.

„Also deine beste Freundin?“, hakte Alexander nach, als sie sich an der Schlange anstellten.

„Kitschig, aber im Grunde genommen ja.“ Ihr Blick wanderte erneut zu Lys und ein winziges Lächeln schlich sich auf ihre Lippen. „Und was ist mit dir und deinem Freund dort? Zwischen euch ist doch definitiv mehr, als zu sehen ist.“

„100% hetero, tut mir leid“, antwortete er.

Jennifer schnaubte. „Wer‘s glaubt.“

„Aber...“, Alexander musste beim Gedanken an ihr erstes Treffen anfangen zu grinsen, „wir sind unzertrennliche, jahrelange, beste Freunde.“

„Sie kennen sich wortwörtlich erst seit einem halben Jahr.“ Einen kurzen Applaus für Jennifer Rodriguez, die unbeachtete Kommentatorin im Hintergrund.

„Wow, du stehst wirklich auf Kitsch“, stellte Minh fest, bevor sie sich einen Chai Latte bestellte.

Er rollte daraufhin nur genervt seine Augen.

Der Verkäufer wandte sich zu Alex: „Und für Sie?“

„Das Übliche – einen mittelgroßen Kaffee mit einer Prise Zimt.“
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