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Pamela: Meine mysteriöse Freundin

von Hobbit91
Kurzbeschreibung
KurzgeschichteMystery, Liebesgeschichte / P12 / Het
30.04.2018
02.05.2018
2
6.801
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30.04.2018 2.979
 
Ich war zwölf, als ich Pamela kennenlernte. Eines Tages verkündete uns unsere Klassenlehrerin, Mrs. Brown, dass wir nun eine neue Mitschülerin in unseren Reihen zu begrüßen hätten, was für uns alle ziemlich überraschend kam. Immerhin war schon die Hälfte des Schuljahres herum.

Wir alle starrten neugierig das kleine Mädchen an, welches kurz darauf das Klassenzimmer betrat und sich mit dem Rücken zur Tafel stellte. Hinter mir stieß Morris einen anerkennenden Pfiff aus, was ihm sogleich einen giftigen Blick von unserer Lehrerin einbrachte. Danach traute sich keiner mehr auch nur einen Mucks von sich zu geben.

Mrs. Brown räusperte sich kurz, ehe sie das Mädchen zu ihrer linken fragte, ob es sich nicht einmal vorstellen wolle.

Die Neue sah uns mit einem freundlichen Lächeln an, ehe sie sagte: „Mein Name ist Pamela und ich komme aus Kanada. Erst vor kurzem bin ich mit meinen Eltern hierher gezogen.“

„Erzähl doch mal etwas von deiner alten Schule oder von deinen Hobbies“, bat Mrs. Brown als klar war, dass Pamela nichts weiter sagen wollte.

„Ich bin gern auf diese Schule gegangen und hatte dort viele Freunde, die ich jetzt schon sehr vermisse. Besondere Hobbies habe ich eigentlich nicht.“

In meinen Ohren klang diese Antwort irgendwie komisch. Beinah so, als würde Pamela etwas aufsagen, was sie vorher auswendig gelernt hatte.

„Na schön. Du darfst dich setzen. Such dir einfach einen freien Platz. Die anderen schlagen bitte schon mal ihre Hefte auf. Wir vergleichen jetzt die Ergebnisse der Hausaufgaben.“

„Wie jetzt? Wir hatten etwas auf?“, murmelte Chris, mein Banknachbar.

Ich verdrehte nur kurz die Augen und richtete meine Aufmerksamkeit lieber der Neuen, welche auf der Suche nach einem freien Platz durch die Bankreihen lief oder besser gesagt: schwebte. Jedenfalls sah es für mich so aus.

Bisher hatte ich mich nie wirklich für Mädchen interessiert. Ich hatte auch nie das Bedürfnis gehabt, einfach mal ein Mädchen aus der Schule anzusprechen. Bei ihr lagen die Dinge aber anders. Pamela faszinierte mich irgendwie. Noch dazu sah sie echt süß aus. Sie war von zierlicher Gestalt, hatte lange, schwarze Haare, welche ihr fast bis zu den Hüften reichten, eine kleine, leicht spitze Nase und große hellbraune Augen.

Während der gesamten Stunde warf ich Pamela flüchtige Blicke zu, gab mir aber gleichzeitig auch große Mühe, um nichts von dem zu verpassen, was Mrs. Brown uns versuchte beizubringen. Als es zum Ende der Stunde läutete, verließen alle so fluchtartig den Raum, dass man denken könnte, sie würden vor einem Tornado fliehen. Ich dagegen packte wie immer in aller Ruhe meine Sachen zusammen, ehe ich mich gemächlich von meinem Platz erhob.

Bevor ich allerdings das Klassenzimmer verlassen konnte, wurde ich von meiner Lehrerin abgefangen. „Könnte ich Sie wohl um einen Gefallen bitten, Mr. Fletcher?“, fragte sie mich.

„J-ja. Na-natürlich“, entgegnete ich.

„Begleiten Sie doch bitte Ihre neue Mitschülerin zur nächsten Unterrichtsstunde und in den Pausen können Sie sie ja noch ein wenig über das Gelände führen und ihr alles zeigen, damit sie sich schnell zurechtfindet.“

„K-kein Problem“, meinte ich.

Die mir erteilte Aufgabe versuchte ich so gut wie möglich zu erfüllen. Bis zum Ende des Tages hatte ich ihr alles gezeigt und ihr noch ein paar zusätzliche Informationen gegeben. Als es dann an der Zeit war, den Heimweg anzutreten, fragte ich sie, ob ich sie noch etwas begleiten sollte. Schließlich wollte ich nicht, dass sie sich hier irgendwo verlief. Da sie gerade erst hergezogen war, kannte sie sich wahrscheinlich noch nicht so gut in dieser Stadt aus.

„Den Weg nach Hause finde ich schon. Danke der Nachfrage“, rief sie und schenkte mir ihr wundervolles Lächeln.

„O-okay. W-wenn du m-meinst...“

„Wir sehen uns dann morgen in der Schule! Also bis dann, Collin!“

„J-ja. Tschü-tschüss, Pamela!“



Am nächsten Tag wartete sie bereits vor dem Schulgebäude auf mich. Als sie mich sah, begann sie zu winken.

Unglücklicherweise hatte ich heute ein bisschen verschlafen. Daher beschleunigte ich meine Schritte noch etwas mehr, um so schnell wie möglich bei ihr zu sein.

„D-du h-hättest doch n-nicht auf m-mich w-w-warten müssen, Pamela“, begrüßte ich sie. „G-gehen wir l-lieber schnell rein! I-ich will n-nicht, d-d-dass du wegen m-mir z-zu spät kommst. Immerhin ist es e-erst d-d-dein zweiter Tag hier. N-nicht, dass d-du Ärger kriegst, w-weil...“

„Interessant zu beobachten, wie der Stotterheini die Neue anbaggert.“

Mir rutschte das Herz in die Hose. Offenbar hatte sich Morris ebenfalls verspätet und mit dem wollte ich jetzt wirklich nicht allein sein.

Grinsend baute er sich vor mir auf. Zwar war Morris in meiner Klasse, aber da er schon ein paarmal sitzen geblieben war, war er halt auch etwas älter und erheblich größer als ich.

„Ein süßes Pärchen seid ihr zwei. Das muss ich schon sagen“, meinte Morris. „Aber was anderes. Ich will mir nachher noch was zum Futtern kaufen, hab aber kein Geld dabei.“

Was nun passieren würde, war klar.

Ich seufzte.

„Komm schon!“ Morris streckte die Hand aus. „Wenn du nicht willst, dass ich dir vor den Augen deiner kleinen Freundin eine verpasse...“

„V-viel h-hab i-ich aber auch n-nicht b-b-bei mir“, erwiderte ich, während ich schon mal in meinen Hosentaschen herumkramte.

„Lüg mich nicht an und gib her!“

„Darf ich mal kurz?“, fragte Pamela freundlich und stellte sich zwischen uns.

„Was soll das?“, brummte Morris.

„Dasselbe könnte ich dich auch fragen“, erwiderte sie. „Dir ist doch hoffentlich klar, dass das hier kriminell ist, oder?“

„Mir doch egal!“, maulte er. „Ich will einfach bloß ein paar Scheine, verdammt! Danach lasse ich den kleinen Wicht auch in Ruhe, versprochen.“

„Jetzt pass mal gut auf!“, rief Pamela streng. Alle Freundlichkeit war aus ihrer Stimme gewichen. „Du wirst jetzt nach Hause gehen und dir ein schönes, großes Sandwitch zubereiten. Dann solltest du doch für heute versorgt sein, oder?“

Wie angewurzelt stand Morris da. Nach einer Weile breitete sich ein extrem dümmliches Grinsen auf seinem Gesicht aus. „Ich glaub, ich mach mir jetzt einfach ein Sandwitch Zuhause“, murmelte er dann vor sich hin, ehe er sich umdrehte und wie ein Betrunkener davontorkelte.

„W-was zur Hölle w-w-war d-das denn eben?“, fragte ich.

Eine Antwort bekam ich allerdings nicht. Stattdessen ergriff Pamela meinen Arm und rannte mit mir rüber zum Schulgebäude. „Komm schon!“, rief sie. „Der Unterricht beginnt gleich.“



Ich kapierte einfach nicht, was mit Morris geschehen war. Es hatte ja fast den Anschein, als wäre er das Opfer einer Gehirnwäsche geworden. Aber das konnte doch nicht sein, oder?

Über diese Sache dachte ich noch mehrmals am Tag nach, kam aber auf kein wirklich gutes Ergebnis und als ich später Pamela deswegen befragen wollte, tat sie so, als wüsste sie nicht, wovon ich da eigentlich redete.

Als Pamela mir nach der Schule erlaubte, sie noch ein Stückchen zu begleiten, dachte ich schon, sie wäre nun bereit, mit mir darüber zu sprechen. Tatsächlich schnitt sie aber ein Thema an, über das ich eigentlich nicht reden wollte.

„Die Art und Weise wie du redest ist irgendwie... na ja... komisch“, meinte sie ein wenig verlegen.

Ich wurde rot.

„Tut mir leid! Habe ich dich jetzt gekränkt? Das wollte ich nicht“, rief sie und sah mich dabei mit großen Augen an.

„Sch-schon gut“, erwiderte ich. „Das ist ein Sp-p-prachf-fehler.“

„Hattest du das schon immer?“

Ich nickte. Leider schien dagegen einfach nichts helfen zu wollen.

„Wegen dieser Sache hast du es nicht besonders leicht in der Schule, hm? Einige Schüler lachen, wenn du etwas sagst.“

„D-das ist m-mir b-bewusst.“

„Wie gemein!“, rief sie empört.

„D-damit k-komme ich sch-schon k-klar“, sagte ich, was aber nicht stimmte. Es nervte mich, dass ich ständig irgendein blödes Wort nicht richtig rausbekam. Außerdem hatte ich von den ganzen Hänseleien die Schnauze voll.

„Komm mal her!“, bat mich Pamela und nahm meinen Kopf zwischen beide Hände.

„W-was h-hast d-du v-vor?“, fragte ich.

„Ich möchte mal etwas ausprobieren. Bitte entspann dich!“

„Ähm... G-gut.“

Pamela schloss die Augen, ehe sie ihre Stirn gegen die meine drückte. Augenblicklich fuhr eine eisige Kälte durch meinen Körper. Mich schauderte. Ich versuchte mich loszureißen, doch Pamela ließ das nicht zu. Sie war viel stärker als ich. Es gab nichts, was ich tun konnte.

Nach und nach begann sich die Kälte jedoch zurückzuziehen und eine wohlige Wärme breitete sich in meinem Innern aus. Ich hätte dieses Gefühl ewig genießen können, aber dies war mir nicht vergönnt.

Plötzlich gab Pamela mich wieder frei und sprang einen Schritt zurück. Sie hatte Schweißperlen auf der Stirn und ein paar nasse Haarsträhnen klebten in ihrem Gesicht. Hin und wieder entwich ihr ein leises Keuchen. Allgemein machte sie einen ziemlich erschöpften Eindruck. Aber sie lächelte.

„Und?“, fragte sie neugierig. „Wie fühlst du dich?“

„G-ganz in Ordnung“, meinte ich. „W-w-was hast d-du da eben gem-m-macht?“

Sie zuckte mit den Schultern und meinte dann: „Denk einfach nicht weiter darüber nach! Scheinbar hat es sowieso nicht funktioniert.“

Aber da lag sie falsch. Am nächsten Morgen war das Stottern auf einmal verschwunden und kam auch nicht wieder. Keiner konnte sich das erklären. Nur Pamela hätte mir eine Antwort auf all meine Fragen geben können, doch zog diese es vor zu schweigen. Nicht das kleinste Detail war aus Pamela herauszubekommen.

Dafür erfuhr ich andere Dinge über sie.

Da Pamela eine überaus begabte Schülerin war, die nicht einmal mit den schwierigsten Aufgaben Probleme zu haben schien, trafen wir uns oft am Nachmittag, damit sie mir ein bisschen Nachhilfeunterricht geben konnte. Bei dieser Gelegenheit fragte ich sie einmal – vollkommen stotterfrei natürlich – was sie denn sonst noch so in ihrer Freizeit machen würde.

„Ich beobachte gerne den Sternenhimmel“, antwortete sie. „Dort, wo ich wohne gibt es einen tollen Platz für diese Beschäftigung?“

„Würdest du mich auch mal dorthin mitnehmen?“, fragte ich, ohne lange zu überlegen. Ich wollte so gern noch mehr Zeit mit ihr verbringen und mehr über sie erfahren, denn obwohl wir in der Zwischenzeit richtig gute Freunde geworden waren, wusste ich zu diesem Zeitpunkt immer noch verhältnismäßig wenig über sie.

„Klar! Warum nicht?“ Es hörte sich fast so an, als hätte sie nur auf eine solche Frage gewartet.



Und so verabredeten wir uns eines Abends auf einem grasbewachsenem Hügel. Pamela hätte wohl kaum eine bessere Nacht wählen können. Die Luft war warm und am Himmel waren keine Wolken zu sehen.

Kaum am Treffpunkt angekommen wurde ich auch schon von Pamela begrüßt. Sie trug ein hübsches, weißes Kleid, welches oberhalb ihrer Knie endete. Auf Schuhe hatte sie allerdings verzichtet.

Als sie mich erblickte, eilte sie mit nackten Füßen auf mich zu und umarmte mich kurz. „Schön, dass du gekommen bist“, rief sie glücklich, ehe sie mich an die Hand nahm. Zusammen mit mir legte sie noch ein paar Schritte zurück, ehe sie plötzlich stehen blieb. Von dieser Position aus hatten wir nun einen tollen Blick auf das Tal.

„Siehst du? Dort unten wohne ich. Es ist das kleine Haus am Rand von diesem Wäldchen.“ Sie wies mit dem Zeigefinger dorthin. Das Haus wirkte etwas unscheinbar und besaß auch nur eine Etage. Ich fand, dass es dort unten ein bisschen verloren aussah, was ich Pamela auch sagte.

Meine Freundin zuckte jedoch nur mit den Schultern. „Mir gefällt es dort sehr gut.“

„Fühlst du dich nicht manchmal ein bisschen einsam?“

„Eigentlich nicht.“

„Hast du noch Geschwister oder lebst du mit deinen Eltern allein?“

„Geschwister habe ich keine und was meine Eltern betrifft: Die sehe ich im Grunde ziemlich selten, weil sie anderswo beschäftigt sind.“

„Oh...“

„Kein Grund, gleich so ein betrübtes Gesicht zu machen. Wir haben uns doch hier getroffen, um uns die Sterne anzusehen, oder? Also komm her!“ Mit diesen Worten ließ sie sich einfach ins Gras fallen.

Dort lag sie nun in ihrem weißen Kleid auf dem Rücken und lächelte zum Sternenhimmel hinauf. Ich legte mich neben sie und bald darauf ergriff sie meine rechte Hand und drückte diese leicht. Eine kleine, zarte und sehr warme Hand...

Mit der freien Hand deutete Pamela nach oben und begann mir die Sternbilder zu erklären. Dazu erzählte sie mir Mythen und Legenden. Sie konnte wirklich schön und interessant erzählen. Es war sehr faszinierend, doch obwohl sie über ein echt großes Wissen verfügte, schlichen sich hin und wieder doch ein paar kleine Fehler ein. Zwar kannte ich mich damals mit meinen fast dreizehn Jahren noch nicht so gut mit solchen Dingen aus, aber ich war mir trotzdem ziemlich sicher, dass sie manche Sternbilder völlig falsch bezeichnete. Und was die Mythen und Legenden betrafen, so waren die mir allesamt total fremd.

„Das hast du dir doch eben ausgedacht, oder?“, fragte ich nach einer weiteren ziemlich interessanten Geschichte.

„Nein“, beteuerte sie.

„Oh doch! Du versuchst mich hier gerade auf den Arm zu nehmen, stimmt's?“ Hin und wieder trieb Pamela gerne Späße mit mir, weshalb ich mir ziemlich sicher war, dass es dieses Mal genauso war.

„Gar nicht! Genauso steht es in den Fachbüchern geschrieben.“

„Du kannst es ruhig zugeben. Da ist doch nichts dabei.“

„Aber ich habe das nicht erfunden“, beteuerte sie.

„Na gut“, meinte ich. „Und was ist mit der Geschichte, die du mir davor erzählt hast?“

„Das war eine uralte Prophezeiung.“

„Ach komm schon! Du machst doch bloß Spaß, oder?“ Ich richtete mich etwas auf und grinste sie an. „Der Schwur der sieben Drachen... Also für mich klingt das nach einem Fantasy-Roman.“

Jetzt setzte sich auch Pamela auf. „Weißt du, Collin“, sprach sie geheimnisvoll. „Dort oben gibt es Dinge, von denen du nicht das Geringste ahnst. Vielleicht habe ich gerade geflunkert. Ich könnte aber auch die Wahrheit gesagt haben. Wer kann das schon so genau wissen?“ Sie lächelte mich an.

„Ich denke, ich weiß, wie ich dich dazu bringen kann, dass du mir etwas verrätst.“

„Na, da bin ich aber mal gespa... Hey! Lass das!“

Ich hatte damit begonnen, sie am Hals zu kitzeln, was sogleich eine richtig starke Reaktion bei ihr auslöste. Offenbar war sie furchtbar kitzlig. Wie niedlich!

Ich neckte sie weiter, woraufhin sie wild loskicherte. Sie ruderte mit den Armen und strampelte mit den Beinen, versuchte mich irgendwie abzuwehren, was ihr aber nicht ganz gelang. Erst als ich merkte, dass Pamela vor Lachen kaum noch in der Lage war nach Luft zu schnappen, ließ ich von ihr ab.

Sie lag wieder auf dem Rasen. Die schwarzen Haare fächerförmig ausgebreitet. Aus dem leicht geöffneten Mund drang warmer Atem. In ihren schönen, großen Augen spiegelten sich die Sterne.

Ohne es verhindern zu können beugte ich mich über sie. Unsere Gesichter waren sich nun so nah wie noch nie zuvor.

Pamela lächelte, ehe sie mir eine Hand auf die linke Wange legte.

„Sag mal, Collin“, flüsterte sie. „Hast du eigentlich schon mal ein Mädchen geküsst?“

Augenblicklich wurde ich rot. Aber auch das Gesicht Pamelas wies einen leichten Rotschimmer auf.

Ich schüttelte den Kopf.

„Bist du schon mal in ein Mädchen verknallt gewesen?“

„Nein“, gab ich zu. „Um genau zu sein bist du meine erste Freundin, Pamela...“

„Ich habe noch nie zuvor einen Jungen geküsst, würde es aber gerne mal ausprobieren. Also...“

„Du meinst, ich...“

„Ist doch ein guter Moment, findest du nicht? Richtig romantisch. Wir zwei. Allein auf einem Hügel. Über uns funkeln mehr als hundertmilliarden Sterne... Außerdem hast du schon mal kurz darüber nachgedacht, bevor ich das Thema angesprochen habe, stimmt's?“

„Woher...?“

Sie zwinkerte mir nur einmal zu. „Ich weiß einfach, dass du das hier ebenfalls willst.“

Pamela legte ihre andere Hand auf meine rechte Wange, schloss dann die Augen und spitzte die Lippen. Das Herz klopfte wild in meiner Brust. Ich spürte, wie sie mich zu sich hinabzog und schon vereinigten sich unsere Lippen zu einem Kuss. Es waren nur ein paar Sekunden gewesen. Doch wie ist es möglich, in dieser kurzen Zeit so viel zu fühlen und zu empfinden?

Nach dem Kuss schauten wir uns einfach nur noch an. Keiner von uns beiden traute sich etwas zu sagen. Schließlich sollte jener magische Augenblick, der zwischen uns herrschte, noch ein wenig aufrecht erhalten werden. Erst als mir klarwurde, dass ich eigentlich schon längst hätte Zuhause sein müssen, sprang ich auf. Zwar wussten meine Eltern, dass ich mich mit Pamela treffen wollte, jedoch hatten wir beide vollkommen die Zeit vergessen.

„Herrje! Das wird eine Menge Ärger geben. Bestimmt bekomme ich Hausarrest und Fernsehverbot“, klagte ich, während ich mir die Jeans abklopfte.

„Keine Sorge! Ich kümmere mich darum“, rief Pamela. „Lasst uns gehen!“ Sogleich ergriff sie meine Hand und flitzte mit mir zusammen den Hügel hinab.

Besonders große Hoffnungen machte ich mir ehrlich gesagt nicht. Was sollte Pamela schon ausrichten können? Aber da hatte ich sie schon wieder unterschätzt...

Es gab das erwartete Theater. Mom und Dad standen in der Tür und wollten wissen, warum ich erst jetzt nach Hause käme, ob ich die Uhr nicht kennen würde und ob ich mir vorstellen könnte, was für Sorgen man sich hier um mich gemacht hätte. Seltsamerweise wurden die beiden aber wieder ganz ruhig, nachdem Pamela ihnen einen sehr intensiven Blick zugeworfen hatte. Ich verstand nicht ganz warum, aber aus irgendeinem Grund erhielt ich dieses Mal keine Strafe.

Mom riet mir nur, ich solle jetzt lieber ins Bett gehen und mich ordentlich ausschlafen und Dad merkte an, dass ich eine echt sympathische Freundin hätte.

Ja, dachte ich. Das ist sie wirklich. Gerade eben hat sie mir mal wieder den Hintern gerettet. Außerdem hat sie dafür gesorgt, dass ich endlich richtig sprechen kann.

Natürlich ließ ich davon nichts verlauten. Das würde nämlich unser Geheimnis bleiben.

Ich dachte an Pamela, während ich mich bettfertig machte und als ich schließlich unter die Bettdecke schlüpfte, hatte ich noch immer ihr Bild vor Augen.

In der Regel träume ich nicht besonders viel, doch jenen Traum, den ich in dieser Nacht hatte, werde ich wohl niemals vergessen. Ich sah mich, wie ich ihre Hand hielt, während wir gemeinsam durch ein unendliches Meer aus Sternen wanderten.

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