Einmal durch die Stadt

OneshotHumor / P12
Chuya Nakahara Dazai Osamu
29.04.2018
29.04.2018
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Du bist auf mich angewiesen.

Dieser Satz brannte in Chuuyas Ohren und wiederholte sich wieder und wieder. Wütend schloss er seine Hände fester um das Lenkrad des Wagens. Dass er viel zu schnell fuhr, war ihm bewusst, aber er hatte wirklich größere Probleme.

Du bist auf mich angewiesen. Wie kam er dazu, das zu sagen? Als ob Chuuya Nakahara auf irgendjemanden angewiesen wäre. Und niemals, unter keinen Umständen, auf seinen gestörten Partner.

Der saß gerade neben ihm auf dem Beifahrersitz und diese Tatsache veranlasste Chuuya dazu, ernsthaft nachzudenken, den Wagen gegen die nächstbeste Wand zu lenken. Nur leider wusste er genau, dass diese Aktion ihm rein gar nichts nutzen würde. Alles, was ihm blieb, waren seine Gedanken und die Mordlust, die mit jeder Sekunde, die er mit seinem Partner in diesem Wagen verbrachte, stieg.

Dazai starrte nach draußen und sagte kein Wort. Chuuya war versucht, einfach auszusteigen und ihm die ganze Sache allein zu überlassen, wenn er es doch so gut konnte. Alles, was ihn davon abhielt, war der Respekt und die Treue an die Mafia.

„Chuuya.“

Dazai hörte sich nicht so an, als würde er irgendetwas von dem, was in seinem Partner gerade vorging, bemerken und Chuuya entschied sich, ihn zu ignorieren. Am liebsten hätte er ihn geschlagen oder ins All geschickt, aber-

„Chuuya.“

„Was ist los?“, fauchte Chuuya und hielt den Wagen an. Durch den Ruck wurde Dazai nach vorne geworfen, was Chuuya doch eine Spur Genugtuung einbrachte, wenngleich es seinen Partner nicht zu stören schien. Chuuya drehte sich zu ihm um. Dazai deutete nur aus dem Fenster. „Du bist zu schnell gefahren“, kommentierte er schlicht.

Chuuya sah aus dem Fenster. Ein Polizeiwagen hatte neben ihm angehalten.

Genervt schloss Chuuya kurz die Augen. Ihm blieb aber auch gar nichts erspart. Dieser Tag konnte unmöglich noch schlimmer werden. „Sei du bloß still“, wies er Dazai scharf an. „Ich regle das.“



„War das der Teil, an dem du das geregelt hast, oder kommt der erst noch?“

„Wenn du nicht auf der Stelle die Klappe hältst, bring ich dich um! Jetzt und hier!“

Fast wünschte sich Chuuya, der Polizist hätte ihn einfach an Ort und Stelle erschossen. Alles, alles war besser als das hier: Auf der Rückbank eines Polizeiwagens sitzend und mit Handschellen an Dazai Osamu gekettet.

Wie war das passiert? Chuuya war sich bei bestem Willen keiner Schuld bewusst. Und selbst, wenn es so wäre, gäbe es nichts, was er tun hätte können, um diese Strafe zu verdienen.

Chuuya sagte während der gesamten restlichen Fahrt kein Wort mehr, es kostete ihn all seine Selbstbeherrschung, nicht den Polizeiwagen mit all seinen Insassen in die Luft zu jagen. Aber damit hätte er dann wohl auch sein eigenes Todesurteil unterschrieben.

Nach einer gefühlten Ewigkeit hielt der ältere Polizist den Wagen endlich an. Der jüngere, der neben Chuuya gesessen hatte, öffnete die Tür und schien aufzupassen, dass Dazai und er auch ja das taten, was sie sollten. Chuuya schloss genervt die Augen. So wütend er auch war, er würde sich nicht widersetzen, er würde alles brav mitspielen, wenn es ihm nur die Möglichkeit gab, aus diesem Albtraum zu entkommen.

Kaum standen sie alle geordnet in der kleinen Polizeistation, begann der ältere Polizist, irgendetwas über Beamtenbeleidigung vorzutragen. Chuuya hörte nicht zu. Es würde ihn schließlich nur unnötig aufregen. Es reichte ihm, den Blick seines Partners zu spüren, der schon die ganze Zeit auf ihm lag.

Endlich wurde Chuuya erlöst, indem der den Betrag, den er nun zu zahlen hatte, hörte. Er presste die Lippen aufeinander und gab dem älteren Polizisten das Geld. Er würde alles tun, um endlich diese verdammten Handschellen loszuwerden. Kaum hatte er ihm das Geld gegeben, wandte er sich dem anderen Polizisten zu. „Ich habe doch getan, was ihr wolltet, erlöst ihr mich jetzt?“

„Äh…“ Der jüngere Polizist sah Chuuya verunsichert an, und Chuuya ahnte, dass dieser Blick nichts Gutes zu bedeuten hatte. „Der Schlüssel ist weg.“

„Was?“ Fassungslos starrte Chuuya den jungen Polizisten an. Sehr kompetent hatte der von Anfang an nicht gewirkt- aber so etwas hätte Chuuya ihm trotzdem nicht zugetraut. „Das ist doch ein Scherz, oder?“

„Leider nicht…“ Der Polizist sah zur Seite. „Aber“, fuhr er hastig fort, als Chuuya ansetzte, noch etwas dazu zu sagen, „wir können nach den Zweitschlüsseln sehen… das würde allerdings ein paar Stunden dauern…“

„Nein!“, fauchte Chuuya und wandte sich ab. Er hatte endgültig genug von dieser verdammten Polizeistation. „Wir fahren nach hause!“ Im Hauptquartier der Mafia würde es bestimmt eine Möglichkeit geben, diese Handschellen zu zerstören.

„Aber…“ Der Polizist hob eine Hand, aber Chuuya wandte sich ab und zog Dazai nach draußen, während er den Polizisten und die ganze Station nach allen Regeln der Kunst verfluchte.

„Chuuya…“ Dazai blieb stehen, sodass Chuuya durch die Kette, durch die sie verbunden waren, ebenfalls anhalten musste. Er stolperte und drehte sich wütend zu seinem Partner um. „Was?“

Dazai sah ihn kühl an. „Wir können so nicht fahren, es sei denn, du willst riskieren, dass sich diese Geschichte wiederholt. Außerdem steht das Auto immer noch auf der Straße.“

Das durfte doch nicht wahr sein! Chuuya schloss die Hände zu Fäusten. Am liebsten wäre er einfach zum Auto zurückgegangen und losgefahren, ohne über irgendwelche Konsequenzen nachzudenken, aber dieser Tag war schon schlimm genug und das letzte, was Chuuya brauchte, war es, noch mehr Zeit mit seinem Partner zu verbringen. „Dann gehen wir eben zu Fuß! Es ist sowieso nicht mehr weit.“

Dazai blinzelte zweifelnd und verdrehte die Augen. „Bei allem Respekt, Partner, aber mir macht das genauso wenig Spaß wie dir. Wenn es dir recht ist, nehmen wir die Bahn, das geht schneller.“

Diese Möglichkeit war Chuuya alles andere als recht, allein deshalb, weil es die Idee von Dazai Osamu gewesen
war, aber er sagte nichts mehr. Wütend folgte er seinem Partner, achtete jedoch darauf, den größtmöglichen Abstand zu halten, den die kurze Kette zuließ. Durch den Größenunterschied der beiden war Dazais Handgelenk ein ganzes Stück weiter oben als sein eigenes, wodurch sein rechter Arm komplett ausgestreckt war. Chuuya senkte den Blick. Noch nie hatte er etwas so demütigendes erlebt, nicht einmal, als er Dazais Hilfe gebraucht hatte, um beim Einkaufen das obere Regal zu erreichen. Wenn ihn jetzt die anderen Mafiosi sehen würden, würden sie ihn das mit Sicherheit nie vergessen lassen.

Nichtsdestotrotz weigerte sich Chuuya aufzuholen, bis Dazai in den U-Bahn Schacht hinunterging. Chuuya starrte auf den Boden. Anders als sein Partner hatte er nur sehr wenig Erfahrung damit, selbst in der U-Bahn zu fahren, wozu auch, er hatte schließlich sein Auto. Normalerweise.

Dazai bewegte sich mit einer ziemlichen Sicherheit durch das Gedränge der Menschen und Chuuya stolperte gezwungenermaßen hinter ihm her. Er spürte die Blicke, die er und sein Partner auf sich zogen, und senkte den Kopf noch tiefer. Wenn dieser Tag endlich vorbei war, würde er sich Dazai für die nächsten drei Jahre nur noch während Aufträgen nähern- und selbst dann so viel Abstand wie möglich halten.

„Oh.“ Dazai blieb stehen und Chuuya ging zu ihm nach vor, durch die vielen Menschen um sie herum war es ihm nicht mehr möglich, Abstand zu halten, und er stand nun so dicht neben seinem Partner, dass sie sich fast berührten. „Was ist?“

„Wir haben ein Problem.“ Dazai sah Chuuya an, der machte sich nicht die Mühe, seinen Blick zu erwidern. Er war nicht einmal überrascht. Sein Leben schien ihn heute zu hassen.

„Das wäre?“

„Unsere Bahn fährt nicht.“

Chuuyas Hände begannen zu zittern. Das hier war nun offiziell der schlimmste Tag seines Lebens. „Und was bedeutet das?“

„Dass es möglicherweise schneller gegangen wäre, auf den Polizisten zu warten.“ Dazai hob die Schultern, sodass Chuuyas Hand, die mit der von seinem Partner verbunden war, nach oben zuckte und ihn noch einmal wie nachdrücklich daran erinnerte, in welcher Situation er sich befand. „Wir müssen eine andere Bahn nehmen, aber wir müssen dann ein paar Mal umsteigen und…“ Dazai hielt kurz inne. „Der Weg geht durch die ganze Stadt.“

Das war zuviel. „Ich werde ganz bestimmt nicht durch die ganze Stadt fahren, solange ich an dich gekettet bin!“, schrie Chuuya, die Blicke der Leute um sie herum ignorierend. Die hatten sie schließlich vorher schon dumm angeglotzt, jetzt hatten sie wenigstens einen Grund dazu.

Zu Chuuyas Erleichterung dauerte es wenigstens nicht lange, bis Dazai in die erste Bahn einstieg und er ihm mehr oder weniger freiwillig folgte. Wütend lehnte sich Chuuya an die Glaswand hinter den ausnahmslos besetzten Sitzen und starrte auf den Boden. Wenigstens eine Sache, die sich nicht komplett gegen ihn verschworen hatte. Auch, wenn es den Rothaarigen nicht gewundert hätte, wenn sie in der falschen Bahn wären. Er würde nicht noch einmal den Fehler machen und annehmen, dass der Tag nicht noch schlimmer werden könnte.

Sie fuhren etwa eine halbe Stunde, dann stieg Dazai aus. „Wir müssen jetzt…“ Er hielt kurz inne und warf einen Blick auf den Fahrplan. „Ich schlage vor, dass wir den Weg gehen… das ist schneller.“

„Alles, solange es nur schnell ist“, knurrte Chuuya. Er folgte seinem Partner wieder die Treppen hinauf ans Tageslicht. Ein bisschen fragte er sich, wann Dazai sich dieses genaue Wissen über die U-Bahn Linien angeeignet hatte. Natürlich kannte er selbst sich in der Stadt gut aus, aber er hatte keine Ahnung, wo sie hingehen müssten, um zur nächsten U-Bahn Station zu gelangen.

Nach knapp einer Minute blieb Dazai in einer Schlange stehen. Chuuya versuchte, ihn weiter zu ziehen, aber sein Partner war stärker als er. Wütend sah sich der Rothaarige um. Seit wann das denn? „Was willst du?“

„Was?“ Dazai sah ihn an. „Ich habe Hunger, du etwa nicht?“

„Nein!“, fauchte Chuuya. „Wie wäre es, wenn wir zuerst daran arbeiten, das hier loszuwerden, “ er wackelte mit seiner rechten Hand, mit der er an Dazai gekettet war, „und zuhause essen?“

Dazai schien kurz zu überlegen, dann wandte er sich ab. „Nein“, antwortete er knapp. Chuuya Augen blitzten wütend. Das machte sein Partner mit Absicht. Es gab keine andere Möglichkeit.

Fünfzehn Minuten dauerte es, bis sie endlich weitergehen konnten. Chuuya war sich sicher, dass er sich das nicht nur einbildete, Dazai ging langsamer als zuvor. Mittlerweile glaubte Chuuya, es sich zuzutrauen, den Weg auch zu finden, wenn sein Partner ihn nicht mehr anwies… wenigstens war er mit den Nerven genug am Ende, dass er bereit war, die Idee, die ihm vor einigen Minuten in der Schlange gekommen war, durchzuziehen.
Ein roter Blitz, und sein Partner schwebte über ihm in der Luft. „Chuuya?“ Mit Genugtuung hörte der Rothaarige die genervte Irritation in Dazais Stimme. Er wusste, dass dieser seine Fähigkeit mit einer einzigen Berührung aufheben konnte, immerhin war das das Grundkonzept von Doppelschwarz, aber sollte er das tun, würde das schmerzhaft werden.

Chuuyas Glück war jedoch von sehr kurzer Dauer, es hielt nur an, bis er bemerkte, dass Dazai nun an ihm hing wie der Luftballon am Arm eines Kleinkindes. Frustriert presste er die Lippen aufeinander und beschleunigte seine Schritte. Damit ging seine Würde endgültig dahin. Dieser Tag hasste ihn wirklich abgrundtief. Er würde heute Abend sehr viel trinken müssen, um die Ereignisse irgendwie zu verdrängen.

Chuuya ließ seinen Partner erst wieder hinunter, als sie schließlich die Treppen zur U-Bahn Station hinuntergingen. Dazai kam stolpernd auf dem Boden auf und murmelte etwas von „ich hasse dich“, sagte aber ansonsten kein Wort.

„Das ist doch die richtige Station, oder?“, knurrte Chuuya mit einem fast schon warnenden Blick auf Dazai. Dieser studierte den Fahrplan, doch an seiner gerunzelten Stirn konnte Chuuya erkennen, dass scheinbar schon wieder etwas nicht stimmte. Er knurrte. Wie konnte es jetzt auch anders sein? Seine Hoffnungen, die er in den Abend gesetzt hatte, schwanden. Kein Alkohol der Welt könnte die Erlebnisse dieses Tages aufwiegen.

„Die gute Nachricht“, begann sein Partner schließlich zu sprechen, „ist, dass das unsere letzte Station ist. Wir fahren nur fünf Minuten und sind dann quasi am Hafen.“ Er sah Chuuya an. „Die schlechte Nachricht ist, dass wir die Bahn verpasst haben… in einer Stunde fährt die nächste.“

„Machst du das mit Absicht?“, fauchte Chuuya. „Zuerst müssen wir plötzlich durch die ganze Stadt und jetzt das? Das ist doch kein Zufall mehr! So viel Pech kann eine einzige Person doch gar nicht haben!“

Dazai blieb gänzlich unbeeindruckt von seinem Wutanfall, was Chuuya nur noch mehr aufregte. Das sichtbare, braune Auge seines Partners lag auf ihm, bis er zu schreien aufgehört hatte. „Ich habe es dir schon einmal gesagt, Chuuya, aber das ist für mich auch nicht lustig. Es wäre allerdings ein ganzes Stück angenehmer, wenn du dich etwas beruhigen könntest und aufhören zu schreien.“ Seine Stimme klang kalt.

„Nein!“, fauchte Chuuya. „Ich werde mich nicht beruhigen, schon gar nicht für dich! Das ist alles deine Schuld!“  Frustriert verschränkte Chuuya die Arme und wartete darauf, dass Dazai antwortete, aber sein Partner blieb still.

Die folgende Stunde verging, ohne dass die beiden viel sprachen. Die Menschen, die mit ihnen warteten oder an ihnen vorbeigingen, sahen sie weiterhin an, aber sobald sie Chuuyas Blick bemerkten, wandten sich die meisten ab. Chuuya war das mittlerweile herzlich egal. Er wollte einfach nur noch nach hause und diese Kette endlich zerstören.

Als die Bahn schließlich endlich am Bahnsteig anhielt, hätte Chuuya beinahe gejubelt. Nur noch ein paar Stationen trennten ihn von der Freiheit. Ohne es zu wollen in einem relativ hohen Tempo stieg Chuuya ein, diesmal zog wieder er Dazai hinter sich her. Die Bahn war nicht sehr voll und er setzte sich auf einen Platz, sein Partner ihm gegenüber. Das hatte zur Folge, dass ihre Hände ausgestreckt die Mitte zwischen den beiden markierte, aber Chuuyas Gedanken waren bereits im Hauptquartier der Mafia. Nicht mehr lange, dann wäre er endlich wieder frei.

„Was ist?“ Chuuya warf Dazai einen kurzen Blick zu. Sein Partner musterte ihn auf eine eigenartige Weise, die der Rothaarige nicht ganz deuten konnte. „Behalt’ deine Augen bei dir, du Freak.“ Er stützte den Kopf in die freie Hand und drehte sich weg, spürte jedoch, dass Dazai ihn weiterhin ansah.

Die letzte Fahrt dauerte nur wenige Minuten, aber für Chuuya fühlte es sich an wie eine Ewigkeit. Mit jeder Sekunde, die verstrich, näherte sich der Moment, in dem er endlich von diesen verdammten Handschellen befreit sein würde und seinem gestörten Partner nirgendwo hin mehr folgen musste.

Kaum hatten sich die Türen geöffnet, lief Chuuya aus der Bahn und die Treppen hinauf. Dazai ging scheinbar betont langsam hinter ihm her. „Beeil dich“, fauchte Chuuya. „Ich dachte, du willst genauso schnell wie ich nach hause?“ Nach hause. Er schloss kurz die Augen. Wie wunderschön sich das anhörte. Zuhause und endlich ohne dieses lästige Anhängsel, das sich seinen Partner nannte.

Dazai sagte noch etwas, Chuuya hörte nicht mehr zu. Die Geräusche des Meeres und der Schiffe hatten erstmals an diesem gottverdammten Tag seine Ohren erreicht und Chuuya war noch nie so froh gewesen, sie zu hören.



„Geht das nicht schneller?“

„Nein.“

„Lass mich das machen!“

„Nein.“

Wütend starrte Chuuya die Hände seines Partners an, die das Metallstück im Schloss der Handschellen herumdrehten, ohne dass etwas passierte. Mit jeder Sekunde, die verging, wurde Chuuya ungeduldiger. Er hatte den ganzen Tag näher an seinem Partner verbracht, als er es je gewollt hatte, und er konnte es kaum erwarten, diesen Albtraum endlich zu beenden.

Schritte näherten sich und blieben schließlich stehen. Chuuya drehte sich um. „Geh weiter! Das ist eine lange Geschichte.“ Er hatte weder die Nerven noch die Energie, seine Wortwahl an ein gleichrangiges Mitglied der Mafia anzupassen.

„Hallo, Hirotsu.“ Dazais Stimme klang fast fröhlich, dann wandte er sich wieder dem Schloss zu. Chuuya starrte den Anführer der Schwarzen Echse weiter an, denn er blieb entgegen dem, was Chuuya gesagt hatte, stehen und musterte die Situation.

Knapp eine Minute verging, dann kam er näher. „Warum habt ihr mich nicht angerufen?“, fragte er.
„Eh?“ Bevor Chuuya genauer darüber nachdenken konnte, was Hirotsu gerade gesagt hatte, legte dieser zwei Finger auf die Kette. Diese eine Berührung genügte, das Metall zersprang. „Gern geschehen.“ Hirotsu wandte sich ab und ging schließlich wieder weiter.

Fassungslos starrte Chuuya sein freies Handgelenk an. Hirotsu… Er war so sehr damit beschäftigt gewesen, sich über Dazai zu ärgern, dass er diese Möglichkeit gar nicht bedacht hatte.

Ein Geräusch von seinem Partner aus ließ Chuuya zusammenzucken. Dazai hatte die Augen geschlossen und grinste. Du… Chuuya ging näher zu ihm und packte Dazai am Kragen. Er hatte Glück, dass sein Partner saß, ansonsten hätte er ihn wohl überhaupt nicht erreicht, aber Chuuya war zu wütend, um sich darüber Gedanken zu machen. „Du hast das gewusst!“, fauchte er. „Du hast die ganze Zeit gewusst, dass wir einfach nur Hirotsu anrufen hätten müssen! Du hast uns mit Absicht durch die ganze Stadt geführt-“

„Aber Chuuya…“ Dazais Gesichtsausdruck hatte sich nicht verändert, auch seine Stimme klang nach wie vor fröhlich. „Das habe ich doch nur für dich gemacht. Wäre ich nicht gemein, wenn ich dir die Lösung einfach sagen würde, wenn du einmal die Möglichkeit hättest, ganz ohne meine Hilfe etwas zu erreichen?“

Chuuya war sprachlos. Was fiel Dazai ein, so mit ihm zu reden? Sie waren immer noch Partner, und ohne ihn, Chuuya Nakahara, wäre Doppelschwarz nichts. Überhaupt nichts hätten sie ohne ihn erreicht, ohne ihn und Verdorbenheit, ganz gleich, ob er sie kontrollieren konnte oder nicht.

Dazai lächelte gespielt süß. „Dir hat dieser Tag doch gefallen, nicht wahr, Chuuya? Willst du das denn gar nicht wiederholen?“

Chuuya murmelte etwas, von dem er selbst nicht ganz wusste, was es bedeuten sollte. Er würde Dazai keine Antwort geben, nicht auf diese Aussage. Er wollte überhaupt nicht mehr mit ihm reden, am besten für immer.

Chuuya erkannte sich selbst kaum wieder, aber auch, wenn er sein bestes tat, sich das nicht einzugestehen, wünschte sich ein Teil von ihm fast, dass sich ein Tag dieser Art wiederholte.

Aber das würde er Dazai niemals sagen, nicht in tausend Jahren.





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Hallo!
Ein kleiner Oneshot, rechtzeitig zu Chuuyas Geburtstag noch fertig geworden. :D Er hat vielleicht inhaltlich und auch sprachlich einige Schwächen, aber ich hoffe, dass er euch gefallen hat. Danke, dass ihr euch hierher verirrt habt ^^
LG Silver Silence
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