'Till the sun goes down

GeschichteDrama, Romanze / P18 Slash
Hank Schrader Jesse Pinkman OC (Own Character) Skyler White Walter White
29.04.2018
21.07.2018
4
10.249
 
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29.04.2018 2.170
 
Hallo!
Ich versuche mich seit langem mal wieder an einer Breaking Bad Story, natürlich Slash, WW x JP. Ich liebe dieses Pairing und finde einfach so gut wie gar keine Stories darüber, deshalb hier meine! Sie spielt ab der vierten Staffel, wo Walter und Jesse schon lange in Frings Labor zusammen arbeiten. Ich hoffe natürlich, euch gefällt die Geschichte! Sie kam mir in den Sinn, weil wir die Serie wieder angefangen haben zu gucken... Kopfkino vom Feinsten! :)

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Genervt und mit einem leichten Stöhnen warf Jesse den Kopf in den Nacken und lehnte sich im Sitz des Autos zurück, die Augen verdreht, und fuhr sich mit einer Hand durch die Haare.

Fahrig tastete er in seiner Jackentasche nach seinen Kippen; als er die etwas rampunierte Packung schließlich gefunden hatte, zog er eine leicht eingedrückte Zigarette heraus, steckte sie sich in den Mund und zündete sie an. Der erste Zug tat gut – er zog so lange, bis er eindeutig das heftige Brennen in den Lungenflügeln spürte, dass sich fast bis in den Magen zog. Es half bei dem, was sich am rechten Wagenrand abspielte, auch wenn er Blicke in die Richtung tunlichst vermied.

Er wollte das nicht sehen.

Denn auf dem Bürgersteig, eng aneinander gepresst und sich säuselnd unterhaltend, stand Mr. White mit seiner Frau. Skyler. Jesse hasste sie, er hatte sie schon immer gehasst. Auch bevor das Ganze losgegangen war, diese Sache.

Diese Sache, die es Jesse ganz und gar nicht einfach machte und die jeden Arbeitstag in einen Arbeitstag aus der Hölle verwandelte.

Er hatte das Fenster nur einen winzigen Spalt auf, gerade genug, damit der Rauch ein wenig entweichen konnte und er Mr. White's Auto nicht komplett mit seinem Rauch füllte. Und obwohl das Fenster nur einen winzigen Spalt breit offen war, konnte Jesse die Worte genau hören. Es war zum Kotzen.

„Ja, Skyler, natürlich... ich werde heute Abend pünktlich sein und wir werden uns einen ganz wunderbaren Abend machen. Ich kann kochen, wenn du möchtest, ich dachte da an etwas Chilenisches, vielleicht ein wenig schärfer...“

Ja, kochen konnte Mr. White anscheinend nicht nur gut im Labor. Jesse hatte schon oft daran gedacht, wie es wohl wäre, wenn Mr. White für ihn kochen würde. So richtig. So wie das Paare nun einmal taten. Was konnte er auch dafür, dass diese dumme Frau im Weg stand?

Jesse rutschte ein kleines Stück tiefer in den Sitz und fuhr sich über die Augen, die Zigarette immer noch im Mundwinkel paffend. Er war müde und angeschlagen.

Als es ihm zu bunt wurde und zu lange dauerte, kurbelte er das Fenster noch ein Stück herunter.

„Yo, Mr. White! Ich will ja nicht stressen, aber wir haben heute garantiert noch etwas mehr vor als nur hier rumzusülzen!“

Skyler's Augen verengten sich, und Jesse schnaubte, als er ihren Blick sah. Ja, so war sie. Ihr abwertender Blick sagte alles, was er wissen musste – sie akzeptierte ihn weder als White's Partner, noch duldete sie seine Anwesenheit. Mr. White schnaubte, hob aber beschwichtigend die Arme und drehte sich noch einmal zu seiner Frau um; Jesse wandte den Blick ab, er wollte das nicht sehen. Es tat auch so schon weh genug.

Nach einer gefühlten Ewigkeit ging neben Jesse die Tür auf, und Mr. White stieg ins Auto ein.

Er sagte zunächst gar nichts; er sah Jesse jedoch an.

„Was?“, schnauzte Jesse – seine Augen verengten sich, und er warf die mittlerweile aufgerauchte Zigarette aus dem Wagenfenster.

„Was habe ich dir über das Rauchen in meinem Wagen gesagt?“, sagte Mr. White leicht verärgert; seine grauen Augen blieben Jesse haften. Der zuckte nur mit den Schultern, erwiderte den Blick aber nur solange es nötig war.

„Ich hatte aber Bock drauf.“

„Das ist mir doch egal. Halte dich das nächste Mal zurück.“

„Sie haben doch gar keinen Krebs mehr...“, murmelte Jesse leicht genervt; er zog seine Ärmel etwas mehr über die Handgelenke und lehnte sich mit dem Kopf leicht gegen die Scheibe. Als Mr. White den Motor startete, vibrierte es leicht an seiner Haut.

„Damit hat das nichts zu tun. Man nennt es auch Anstand, Jesse. Man raucht nicht einfach in Autos, die einem selbst nicht gehören. Zumindest fragt man vorher.“

„Ich bin keine zwölf,yo!“

„Anscheinend schon.“

„Mein Gott, haben wir es heute wieder? Sie können so ein verdammter Oberlehrer sein...Dann sagen Sie Ihrer Frau das nächste Mal, dass sie sich dazu herablassen kann, mich auch mal zu grüßen. Immerhin sage ich auch jedes Mal Hallo.“

Jesse zog sich diese Tatsache wirklich nicht aus den Fingern – obwohl er Skyler hasste, sagte er dennoch Hallo. Immer, wenn er sie sah. Die Tatsache, dass er heimlich in Ihren Ehemann verliebt war, tat nichts zur Sache. So musste er sich wenigstens nicht die ganze Zeit das Gejammer anhören.

Von wegen er sei unhöflich und ungezogen. Mit 25 musste man sich das sowieso nicht mehr sagen lassen.

Mr. White umfasste das Lenkrad stärker; kleine Äderchen traten auf seiner Haut hervor, und die Knöchel wurden etwas weiß. Jesse wusste, dass er angespannt war – er umfasste immer alles stärker, wenn ihn etwas beunruhigte oder ihm etwas unangenehm war.

Jesse wusste selbst, dass es ein wenig krank war, doch er hatte Mr. White, den er in Gedanken schon lange Walter nannte, oft genug heimlich und verstohlen beobachtet. Ihm wurde immer wieder heiß davon, wenn er daran dachte, wie sich die älteren Hände wohl auf seiner Haut anfühlen würden.

Eine leichte Röte stieg auf Jesse's Wangen; er kaschierte es jedoch, in dem er aus dem Fenster sah.

Mr. White rang sich nach der Zeit auch endlich mit einer Antwort ab.

„Sie mag es ohnehin nicht, was wir tun. Seitdem sie es weiß, ist sie nun einmal etwas... schwierig. Nimm ihr das nicht übel.“

„Tu ich aber. Und mir einen von Anstand erzählen.“

„Jesse, lass uns nicht schon den Tag von Anfang an mit Streit beginnen. Wir haben heute viel zu tun.“

„Und Sie wollen pünktlich zu Hause sein, na klar.“

Mr. White zuckte mit den Schultern, sagte aber nichts mehr. Jesse lehnte seinen Kopf wieder an das Fenster; die leichten Vibrationen waren aufgrund der Geschwindigkeit stärker geworden. Er mochte das Gefühl auf der Haut, vor allem, weil Walter's Geruch im Wagen so präsent war.

Sie kamen pünktlich wie immer an; Jesse verlor keine Zeit und schnallte sich ab, um aus dem Wagen zu steigen – die Wäscherei war noch nicht so besucht wie immer, viele der Arbeiter waren noch nicht da. Kein Wunder – sie waren heute auch extrem früh dran.

Extrem früh dran sein hieß extrem harte Arbeit – Jesse merkte das bereits nach einer halben Stunde im Labor, als sie sich umgezogen hatten und begannen, die einzelnen Schritte zum Kochen vorzubereiten. Mr. White hetzte ihn unerlässlich – mach dies, mach das, pass auf jenes auf – natürlich! Innerlich kochte Jesse, denn er wusste – Walter beeilte sich nur, weil er heute Abend pünktlich zu seiner Frau wollte. Doch das konnte Jesse ihm noch vermiesen.

Es war fast Mittag, als Jesse seine Maske abzog und sich auf einem der metallenen Drehstühle niederließ.

Mr. White starrte ihn an.

„Jesse, wir machen keine Pause!“

„Sehen Sie doch, ich schon! Ich acker doch nicht stundenlang durch, nur damit Sie heute Abend früher zu Ihrer Frau können.“, murrte er; er wollte nicht, dass Mr. White so früh ging. Momentan genoss er jede Sekunde, auch wenn sich zwischen ihnen nichts verändert hatte.

Verändert hatte sich nur Jesse – er hatte lange mit Walt zusammen gearbeitet, schon über ein Jahr, da hatte es auf einmal gefunkt. Er wusste es noch ganz genau, als wäre es erst gestern gewesen – sie waren im Labor gewesen, waren ganz aufgedreht vom Kaffee gewesen und hatten viel Spaß gehabt, und bei einem Moment – einem winzigen, unbedeutenden – da hatten sie sich kurz angesehen, und Walter's Hand hatte Jesse nur einen Augenblick lang berührt. Scheinbar aus Zufall, natürlich – doch Jesse's Körper hatte mit einem heftigen Herzschlag und so übermäßiger Hitze reagiert, dass ihm sofort klar geworden war, das hier etwas nicht stimmte. Er hatte sich an diesem Tag Hals über Kopf in Mr. White verliebt. Und seitdem hielt dieses Gefühl an.

Eine Zeit lang hatte er sich dafür gehasst – hatte sich vor sich selbst geekelt, weil Walter nun einmal schon sein Vater hätte sein können, und er nicht wusste, warum es passiert war. Er hatte sich dagegen gewehrt, eine sehr lange Zeit. Und war immer wieder eingeknickt, egal, wie sehr es ihn selbst störte. Er hatte gerätselt, ob er vielleicht einen Vaterkomplex hatte, dass er Walt so anziehend und attraktiv fand – doch das war es nicht. Er hatte sich einfach verliebt.

Dass er auf Männer stand, nun, das wusste Jesse schon länger. Er hatte sich vor Freunden und vor allem in der Szene immer als Poser aufgespielt, der so und so viele Mädels knallen würde – alles eine Lüge. Jesse hatte nicht oft Sex, nein, schon gar nicht, seitdem er in Walt verliebt war. Das Einzige, was er tat, war, dass er sich ab und zu, vielleicht alle paar Monate, auf einen der Präsidenten eines Motorradclubs einließ – ein relativ junger, gut aussehender Typ, den Jesse aber nur besuchte, wenn er wirklich drauf war und die Abwesenheit von Walt nicht mehr aushielt.

Dass er für diese Sache auch noch Meth bekam, obwohl er es selbst kochte, machte das Ganze nicht besser.

Jesse lehnte sich in dem Stuhl zurück und verschränkte die Arme – er sah Walter herausfordernd an.

„Bist du heute wieder zum Spaßen aufgelegt? Ich gehe nachher, ob mit oder ohne dich.“; sagte Walter energisch; anhand seiner Stirnfalten konnte Jesse sehen, dass er leicht verstört war.

Oho, Stress im Haus.

„Sie haben Stress zu Hause, mit ihr, meine ich?“, fragte Jesse neugierig und lehnte sich auf dem Stuhl vor; er kam Walt so etwas näher. Walter schnaubte ärgerlich; die Art und Weise, wie er sich in diesem Moment an die Brille fasste, zeigte Jesse, dass er recht hatte.

„Ich... nein, wir... momentan ist einfach nur zu wenig Zeit für die Familie, und ich versuche das zu ändern.“

Jesse nickte leicht und biss sich auf die Lippe.

„Ich bin doch auch da.“, sagte er leise, und Walt lächelte, doch es war kein ehrliches Lächeln.

„Ich weiß. Aber du weißt auch, wie ich das meine. Es ist leider so, dass meine Familie alles bedeutet.“

„Ja.“, sagte Jesse leise, ihm fiel einfach nichts besseres ein. Was sollte man auch dazu sagen?

Sie fuhren tatsächlich sehr früh weg an diesem Tag; Jesse zog die Knie im Wagen an und stemmte sie gegen das Amaturenbrett, auch wenn Walter leise schnaubte. Er war still.

„Yo, Mr. White... ich kann morgen auch mit meiner Karre fahren, wenn Ihre Frau das so stört.“

Er sah zu Walt herüber; der ältere Mann hatte Sorgenfalten auf der Stirn und tat Jesse in diesem Moment leid. Er überlegte einen kurzen Moment lang, ob er nicht einfach seine Hand ausstrecken und Walt über den Arm streicheln sollte, doch es kam ihm zu liebevoll und zu offensiv vor.

Auch wenn es in seinen Nerven kribbelte.

„Nein, ist schon gut. So kann ich wenigstens sicher gehen, dass du pünktlich zur Arbeit kommst.“

Ja, wie immer. Pünktlichkeit. Jesse verdrehte die Augen und schwieg den Rest der Fahrt, solange, bis sie an seinem Haus angekommen waren. Erst dann schnallte er sich ab, stieg jedoch noch nicht direkt aus. Er sah herüber zu Walt, der diesen Blick jedoch nicht erwiderte.

„Haben Sie morgen Abend Lust etwas zu machen? Vielleicht... einfach was snacken gehen, ein bisschen... reden, und so. Wissen Sie.“, sagte Jesse, und er ärgerte sich, dass die Röte erneut auf seine Wangen stieg. Wie ein Mädchen, dachte er.

Walter rührte sich zunächst nicht; er wischte sich nur kurz über die Brillenränder und sah aus dem Fenster.

„Ich werde mit Skyler drüber reden, aber ja. Sonst gerne.“

Jesse riss sich zusammen, jetzt ja keinen blöden Spruch loszulassen – er wollte seine Chance nicht versauen.

„Okay, cool. Das... wir sehen uns dann morgen.“, sagte Jesse, und Walt nickte. Doch Jesse stand nicht sofort auf. Er blieb noch kurz sitzen, wägte die Situation ab. Seine Haut begann zu kribbeln, und ihm wurde ganz warm in seinem Hoodie. Einen Augenblick wollte er es tun – sich vorbeugen, Walt am Hemdkragen packen und ihn fest küssen, die Lippen des älteren Mannes auf seinen spüren, fühlen, wie seine Gefühle durchdrehten – und er wollte, dass Walt ihn berührte, dass er seine Jacke vielleicht öffnete und ihn zu streicheln begann, und es brannte so sehr in ihm – doch alles, was er tat, war, noch einen Moment herumzudrucksen und dann eilig aus dem Wagen zu klettern, hinaus in den dunkler werdenden Tag, und die Kühle tat gut; denn innerlich war Jesse so erhitzt, dass er meinte, ihm stünde der Schweiß auf der Stirn.

Er sah dem Wagen noch lange nach, fuhr sich dabei mit der etwas zitternden Hand durch die Haare und biss sich auf der Lippe herum – was war er nur für ein Feigling! Vielleicht ergab sich ja morgen die Gelegenheit.

Die Gelegenheit, endlich Initiative zu ergreifen und zumindest anzutasten, ob Walt ihm wirklich komplett und für immer versagt war.
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