Die Dunkelheit des Kristalls

von Honora
GeschichteAbenteuer, Fantasy / P16
??? Nevra OC (Own Character) Valkyon
28.04.2018
07.08.2019
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Erschöpft schleppte ich mich auf mein Zimmer und ließ mich auf dem harten Bettgestell nieder. Das alte Holz ächzte vernehmlich und ich schlüpfte aus meine Stiefel. Ezarel hatte mir das Leben heute zur Hölle gemacht. Mal wieder. Seit ich Mitglied der Absinth-Garde geworden bin, hat er es sich zur Aufgabe gemacht persönlich dafür zu sorgen, dass es auch so bleibt. Heute hatte er mich mit der Aufgabe betraut, die Fenster im Hauptquartier zu putzen. Ich bin nicht einmal ansatzweise fertig geworden. Die restlichen Tage seit meiner Ankunft in Eldarya verbrachte ich hauptsächlich mit Putzen. Das Laboratorium war bis vor meiner Anwesenheit wahrscheinlich nicht mehr so glänzend sauber. Die Stufen der Wendeltreppe blitzen und blinkten und jeder wusste, dass die kein Ende nahm. Die restliche Zeit spielte ich Ezarels Mädchen für alles. Ich holte seine Essens-Rationen aus dem Speisesaal, kümmerte mich um seine Wäsche, erledigte Besorgungen und räumte das Laboratorium zu seinen Wünschen um. Wenn er Langeweile hatte, und die hatte er oft, stellte er mir unmögliche Aufgaben, z.B. Dinge zu besorgen, die nicht einmal existierten. Jetzt kauerte ich mich auf meiner harten Pritsche zusammen. In einem Punkte hatte Jamon Recht, wer hart arbeitete, konnte überall schlafen und mit diesem Gedanken fiel ich in einen endlosen Schlaf.

Das erste was ich am nächsten Morgen sah, war Sabis Gesicht, als er mich wach schleckte. „Jaja, ist schon gut. Ich bin wach“.
Langsam schob ich ihn von mir und setzte mich schläfrig auf. Mein treuer Gefährte Sabali musterte mich mit seinen klaren, lebensfrohen Augen. Er stupfte mich mit seiner Nase und gab ein freudiges Quietschen von sich. Ich wusste was jetzt kam. Er hüpfte auf  meinen Schoß und ließ sich ausgiebig von mir knuddeln. „Du alter Lustmolch. Immer das Eine im Kopf, wie?“, grinste ich und kraulte ihn hinter seinen Ohren. Er schnurrte genüsslich als Antwort. Das gehörte zu unserem Morgenritual. Erst einmal ausgiebig streicheln und dann kann der Tag anfangen. Ohne Sabi hätte ich jeden Morgen verschlafen. Am ersten Morgen stand Ezarel um sieben Uhr in meinem Zimmer und schüttete mir einen Eimer Wasser ins Gesicht. Arbeitsbeginn sei um sieben Uhr und es wäre ihm eine Ehre mich jeden Morgen mit dieser alt-ehrwürdigen Weck-Methode zu wecken. Seitdem übernahm Sabi das und ich erschien pünktlich bei Ezarel im Laboratorium.

Ohne groß Nachzudenken, griff ich nach meinem braunen Kleid und meinen Stiefeln und begann mich herzurichten. Es war noch dunkel draußen, aber ich schätzte, dass es bald dämmern würde. Mein Zimmer war eine Baracke, die Wände waren grau vor Schmutz und der Schimmel hatte bereits Einzug gehalten. Aber wie um alles in der Welt sollte ich hier in Eldarya Schimmel-Entferner herbekommen? Der Boden war verstaubt und klebte an einigen Stellen. Neben dem hölzernen Bettgestell stand eine Holzkiste um einige Sachen zu verstauen. Das Zimmer bot einen erbärmlichen Anblick, aber durch meine Arbeit, fand ich keine Zeit es zu putzen. Nach einem Happen zu Essen, fiel ich meist hundemüde ins Bett. Als Schülerin war ich harte Arbeit nicht sonderlich gewöhnt. Dreimal hatte ich versucht Miko aufzusuchen, um mich zu beschweren, aber entweder war sie nicht da oder ich wurde von Jamon böse angeknurrt, dass sie keine Zeit für mich habe.

Ich öffnete die Tür und Sabi schlüpfte hinaus. Er ging auf Expedition, heute Abend würde er wieder kommen. Ich hingegen schlurfte lustlos und übermüdet in Richtung Laboratorium.
„Du kommst gerade recht“, begrüßte mich der Elf und ich nickte schweigend, „Gestern Abend sind Chemikalien umgestoßen worden. Kümmer dich darum und wenn du fertig bist, kannst du die Rezepte alphabetisch und kategorisch sortieren.
Ich verdrehte die Augen: „Nach welchen Kategorien denn?“
Er musterte mich nur von oben bis unten abschätzig und murmelte: „ Dummer Mensch“. Daraufhin drehte er mir den Rücken zu und verschwand im Zutatenraum. Ich schluckte einen bösen Fluch hinunter und bewaffnete mich mit Putzzeug. Wie ich diesen Elfen hasste! Aber das beruhte auf Gegenseitigkeit. Eigentlich hätte ich gute Lust ihn solange zu beschimpfen bis er mich freiwillig aus seiner Garde entlässt, aber als ich einmal einen Blick in seinen privaten Tränke-Schrank geworfen hatte, schluckte ich meine bösen Kommentare einfach hinunter. Nicht alle Beschriftungen konnte ich entziffern, aber manche Tränke klangen nach furchtbaren Foltermethoden wie „Haarausfall“, „schwarze Zähne“, „Wahrheitsserum“ und mein besonderer Liebling „Gefügigkeit“. Wenn es Ezarel darauf anlegte, hatte er Mittel und Wege mich nach allen Regeln der Kunst zu quälen. Ich wollte es nicht herausfordern. Im Zweifelsfalle würde man ihm, einem Leiter der Garde eher glauben, als einem fremden Menschen. Ich wurde geduldet, das war aber auch schon alles.

Als die Sonne im Zenit stand, erlaubte Ezarel mir eine Pause. Ich holte meine Ration ab und ging in den Garten, um ein wenig Sonne zu tanken. Die meisten Bewohner Eels ignorierten meine Anwesenheit. Ich kannte nicht viele und ging ihnen lieber aus dem Weg. Die meisten beäugten mich eh misstrauisch und so hatte ich überhaupt keine Lust mit ihnen zu reden. Was brauchte ich auch Kontakte? Ich wollte so schnell wie möglich nach Hause. Eigentlich wartete ich nur, bis Miko einen Weg fand mich wieder nach Hause zu schicken. Ich setzte mich auf eine Bank und mümmelte an meinem Brot. Eine Pause tat gut. In der Nähe sah ich einige Gefährten spielen. Eigentlich war dies eine so schöne Welt, zumindest der Bruchteil, den ich bis jetzt kennen gelernt hatte.

Auf einmal hörte ich ein lautes Fiepsen. Ich drehte mich um, das Geräusch kam von einem Gebüsch. Um den Busch waren drei Crowmeros versammelt, die gierig auf den Busch einhackten. Jetzt stießen die Crowmeros lautes Krähen aus und das Fiepsen wurde immer panischer. Von wem auch immer das Fiepsen kam, dieser jemand oder etwas fürchtete sich vermutlich vor den Crowmeros. Automatisch stand ich auf, trat auf den Busch zu und verscheuchte die Crowmeros mit dem Herumwedeln meiner Arme „Kusch, kusch! Weg mit euch!“ Einer der Vögel stieß ein gellendes Krähen aus und musterte mich mit seinen giftgrünen Augen. Sie flogen einen Kreis und nachdem ich mir einen Stock aus dem Gebüsch griff, zogen sie lärmend von dannen. Ich seufzte. Was für ein hartnäckiges Pack. Eigentlich dachte ich, alle Gefährten sind lieb, aber vermutlich täuschte ich mich.
„Sie sind weg“, sagte ich in Richtung des Busches und linste so gut es ging hinein, doch ich konnte nichts erkennen. Ich hörte ein leises Piepsen und sah einen kleinen Schatten hin- und her huschen.

Plötzlich kroch ein kleines weißes Mäuschen aus dem Gebüsch. Es sah freudig zu mir hoch und piepste mir zu. Ich hielt meine Hand hin, damit es schnuppern konnte und blitzschnell krabbelte es auf meine Hand. Erst jetzt erkannte ich seinen Schwanz, der ungewöhnlicherweise in einer Rose endete. Es hatte also eine Rosenblüte als Schwanzende. Ich staunte nicht schlecht, denn das Mäuschen war in dieser Form absolut niedlich. „Alles ok, mein kleiner Freund? Hast du dein Herrchen verloren?“ Es piepste einmal kurz. Ich glaubte, dass es „ja“ bedeutete und setzte den kleinen Nager auf meine Schulter.
„Dann suchen wir mal dein Herrchen“, sagte ich fröhlich und setzte mich in Bewegung.

In der Halle der Pforten sah ich mich fragend um. Vielleicht fragte ich mal Kero. Er kannte sich ziemlich gut aus mit allem was Eldarya betraf. Möglicherweise kam ihm dieser Gefährte vertraut vor. Gesagt getan und zielstrebig lief ich zur Treppe, aber in diesem Moment hüpfte das Mäuschen piepsend von meiner Schulter und in meiner Überraschung, machte ich eine direkte Kehrtwendung und rannte in jemanden hinein.

„Autsch“, murmelte ich.
„Mavis? Alles in Ordnung?“, sagte eine tiefe Männerstimme. Ich hob meinen Blick und sah Valkyon. Er hielt mir seine Hand hin und zögernd ergriff ich sie.
„Ja, ich habe nicht geguckt, wo ich hinlaufe. Tut mir leid“
„Es ist ja nichts passiert. Warum hattest du Floppy auf deiner Schulter?“
„Wen?“, fragte ich verwirrt, doch in den Moment erkannte ich das Mäuschen auf seiner anderen Handfläche sitzen. Es quiekte vergnügt.
„Was? Das Mäuschen ist dein Gefährte?“
Valkyon nickte. Ich machte große Augen. Valkyon war ein Krieger, mit Leib und Seele. An seiner Seite hätte ich einen Bären oder einen Löwen erwartet, aber doch kein Mäuschen.
„Nun?“, fragte er drängend. Er hatte noch immer keine Antwort auf seine Frage bekommen. Ich zuckte zusammen und antwortete zügig: „Ich habe das Mäuschen draußen in einem Busch gehört, wie es um Hilfe gequiekt hat. Es wurde von mehreren Crowmeros angegriffen“
Valkyon zog eine Augenbraue hoch und sein Blick zeigte eindeutig Unglauben.
„Crowmeros greifen keine anderen Gefährten an“
„Es stimmt aber!“, protestierte ich und in dem Moment piepste das Mäuschen laut und sprang mit einem Satz auf meinen Kopf.
„Floppy?!“, Valkyon sah entsetzt zu seinem Gefährten. Das Mäuschen quiekte laut, als ob es mit mir protestieren wollte.
Dann seufzte der Krieger und sah mich an: „Tut mir leid, dass ich dir nicht geglaubt habe. Normalerweise reagieren Crowmeros so nicht“ In dem Moment hüpfte das Mäuschen wieder zu Valkyon und machte es sich in seiner Handfläche gemütlich.
„Danke, dass du mein Musarose gefunden hast“, sagte Valkyon und wandte sich zum Gehen.
Ich sah dem Krieger nach, bis er in der Schmiede verschwunden war. Aus Valkyon wurde ich nicht schlau. Es war so schwierig seine Gesichtsausdrücke hinter dieser ernsten Fassade zu deuten. Ich seufzte.

In dem Moment hörte ich Schritte in der Halle und die nervtötende Stimme Erzarels: „Mavis! Wo hast du gesteckt?! Deine Pause ist seit 15 Minuten um! Ich erwarte, dass die Fenster heute endlich fertig werden!“
„Ja, schon auf dem Weg!“, stöhnte ich genervt und suchte mein Putzzeug.


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