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Do you see me?

Kurzbeschreibung
GeschichteFantasy, Liebesgeschichte / P12 / FemSlash
BigFoot Dr. Helen Magnus Dr. Will Zimmerman Henry Foss Kate Freelander OC (Own Character)
28.04.2018
13.12.2020
10
16.356
3
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Dieses Kapitel
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28.04.2018 1.721
 
Ein leises, gequältes Stöhnen hallte in dem winzigen Zimmer wieder. Auf einem Holzstuhl saß ein junger Mann, das Kinn auf der Brust. Der Oberkörper zur Seite geneigt. Die Hände hinter dem Rücken an der Lehne gefesselt. Ein weiteres Stöhnen war zu hören, gefolgt von leisem Knarren und Knarzen. Es war ein Mann mit dunklen Haaren, leger gekleidet und bis vor wenigen Sekunden war er bewusstlos gewesen. Plötzlich ging ein Ruck durch seinen Körper und er versuchte aufzustehen. Er schien nicht zu wissen, dass er gefesselt war, denn durch die kraftvolle Bewegung kam der Stuhl ins wanken. Mit einem dumpfen Knall fiel er samt dem Stuhl nach vorne. Desorientiert blinzelte er und versuchte sich zu erinnern, wo er war. Was passiert war. Oder wie zum Teufel er in diese Lage gekommen war. Sein Gedächtnis war jedoch keine große Hilfe und mehr als ein paar vage Bilder und Empfindungen konnte er nicht abrufen. Er musste betäubt worden sein.

Ein tiefes, tierisches Knurren baute sich in seiner Kehle auf und ließ seine Brust vibrieren. Henry Foss konzentrierte sich ganz auf seine Handgelenke und mit einem festen Ruck riss das dicke Seil problemlos. Wenig elegant rappelte er sich auf und kickte den Stuhl einmal quer durch den Raum. Er war wütend. Weniger auf die Situation selber als auf sich. Er hatte es verbockt. Es sollte eine einfache Mission sein und er hatte es so gründlich Mist gebaut. Den mutmaßlichen Schmuggler beschatten und wenn sich die Gelegenheit ergab, festsetzten. Nur wie es aussah, wurde er festgesetzt und der Schmuggler entkam. Henry rieb sich sein schmerzendes Kinn wobei er sich in dem Zimmer umsah. Es schien ein schlichtes, spärlich möbliertes Motelzimmer zu sein. Schrank, Stuhl, Bett, Lampe und … Er konnte seinen Augen nicht trauen. Auf dem Nachttisch lag eine alte, leicht vergilbte Bibel und darauf lag sein Handy und sein Funkgerät. Allerdings fehlte von seiner Waffe jede Spur. Magnus würde ihn umbringen.

Mit zwei großen Schritten durchquerte Henry den Raum und schnappte sich das Funkgerät. Er drückte den Knopf. „Hier Henry, bitte kommen. Ich habe … uhm möglicherweise ein klitzekleines Problem.“

Er brauchte nicht lange auf eine Antwort zu warten.

„Henry!“ Es war Will und er hörte sich ziemlich erleichtert an. „Wir haben uns schon Sorgen um dich gemacht. Wo bist du gewesen? Geht es dir gut?“

Henry seufzte und rieb sich mit der freien Hand über die Stirn. „Ich habe keine Ahnung, Mann. Ich kann mich nur noch daran erinnern dass ich diesen Schmuggler verfolgt habe … danach ist alles verschwommen. Ich muss ziemlich eins auf den Kopf bekommen haben oder ich wurde unter Drogen gesetzt.“ Er knurrte frustriert.

Er konnte hören wie sich mehrere Leute bewegten und Schritte halten dumpf wieder. „Hey, das wird schon wieder, keine Sorge. Kannst du uns sagen wo du bist? Wir holen dich ab.“

Suchend sah Henry sich um. Er fand keinen Anhaltspunkt. Er reckte die Nase in die Luft und schnüffelte. „Keine Ahnung, aber es stinkt widerlich … es ist irgendeine billige Absteige, ein Motel würde ich sagen. Ich rieche Alkohol, Zigarettenrauch und … bäh, andere Dinge, von denen ich lieber nicht reden will.“ Er schüttelte sich und zielstrebig auf die schäbige Zimmertür zu. Probehalber rüttelte er an dem Türknauf, doch als die Tür sich nicht öffnete, war er keinesfalls überrascht. „Und ich bin eingesperrt, na prima … Will, ich melde mich gleich wieder bei euch.“

Ohne eine Antwort abzuwarten, steckte Henry das Funkgerät in dieselbe Tasche wie das jetzt wieder angeschaltete Handy. Magnus und Will würden sicherlich seinen Standort anhand seines Handys bestimmen können. Er rüttelte noch ein paar Mal an dem Türknauf während er überlegte, ob er es wagen sollte die Tür mit roher Gewalt zu öffnen. Der Knauf war leicht schief. Es schien als wäre er nicht der Erste gewesen, der etwas rabiater vorging.

Doch eher Henry auch nur eine weitere Entscheidung oder gar einen Gedanken fassen konnte, wurde die Tür aufgerissen und er blickte in den abgesägten Lauf einer Schrottflinte.

Hastig stolperte er einige Schritte nach hinten und riss die Arme nach oben. „Woho, hey Lady, nicht schießen, nicht schießen!“

„Dann sollte ich dir sagen, dass es keinen Grund gibt meine Tür zu misshandeln. Ich versichere dir, das sie nichts Böses getan hat und dir nicht wehtun will … ganz anders als ich wenn du so weiter machst!“

Henry wusste sofort, dass es ihr ernst war. Die Frau vor ihm war vielleicht nicht groß; er überragte sie um gut einen Kopf, doch ihr Blick und ihre Körperhaltung sprachen Bände. Sie würde nicht eine Sekunde lang zögern und abdrücken wenn er eine falsche Bewegung machen würde. Das wollte er unbedingt vermeiden. Er war zwar schnell aber mindestens einmal könnte sie ihn treffen. Darauf wollte er es nicht ankommen lassen. Er musterte sein Gegenüber genau. Sie war klein, rundlich mit einigen Kilos zu viel auf den Rippen. Um die Mitte 50. Die Haare waren orange-rot und in einem schlampigen Zopf zusammen gebunden. Ihre Augen waren blass blau und zu Schlitzen verengt.

„Ok, ok … ich rühre mich nicht einen Millimeter.“ Henry lächelte die Unbekannte, wie er hoffte, charmant an. „Ich weiß es hört sich vielleicht bescheuert an aber ich habe keine Ahnung wie ich hier her gekommen bin oder wo ich überhaupt bin … und das Sie mit der Schrottflinte auf mich zielen macht es nicht besser.“

Die Frau gluckste. „Du erinnerst dich nicht, wie du hier her gekommen bist?“ Sie musterte ihn abschätzig von oben bis unten. „Naja, von hier aus der Gegend bist du jedenfalls nicht … aber es ist auch kein Wunder, dass du dich nicht erinnern kannst. Du warst total besoffen. Dein Freund musste dich nach oben schleifen.“

Das ließ Henry hellhörig werden und er machte unbedarft einen Schritt nach vorne. Er hielt augenblicklich inne als der Lauf der Schrottflinte direkt in sein Gesicht deutete. „Mein Freund? Ich habe keine Ahnung von wem Sie sprechen. Ich habe nichts getrunken und bin an einem Stuhl gefesselt aufgewacht. Die Tür war von außen verschlossen!“ Seine Worte schienen nicht umsonst gewesen zu sein. Er atmete erleichtert auf als sie die Waffe langsam sinken ließ. Jedoch blieb ihr Blick weiterhin misstrauisch.

„Mir kam das gleich alles ziemlich komisch vor aber ich habe gelernt bei gewissen Situationen nicht weiter nachzufragen. Ist besser für die Gesundheit, wenn du verstehst.“ Sie sicherte die Schrottflinte und hielt sie seitlich an ihren Körper. „Dann komm mal mit, Bürschchen.“ Ohne auf eine Reaktion zu warten, drehte sie sich auf den Absatz um und marschierte den kurzen, engen Flur entlang auf eine steile Treppe zu.

Henry folgte ihr; wenn auch zögerlich. Er konnte nicht sagen was, aber irgendetwas stimmte hier ganz und gar nicht. Er hatte schon immer einen guten Riecher gehabt aber viel zu selten hörte er auf diese Gefühle. Deshalb brauchte er auch ein paar Sekunden zu lange bis er begriff, was gerade geschah. Die ältere Frau hatte sich umgedreht und der Griff der Schrotflinte raste auf ihn zu. Ein stechender Schmerz, ein dumpfer Knall und dann tanzten hunderte und aberhunderte Sterne um ihn herum ehe die Dunkelheit alles verschluckte. Noch bevor er zu Boden ging, war er bewusstlos.

Die Rothaarige hockte sich neben den bewusstlosen Mann und fühlte kurz seinen Puls. Sie nickte kurz, sicherte die Waffe und legte sie neben ihn. Die würde sie nun nicht mehr brauchen. Sie war zu auffällig und die eigentliche Besitzerin dieses Etablissement würde sie sicher noch mal brauchen. Dieses Mal machte sie sich nicht die Mühe den Bewusstlosen zu fesseln. Ihre Geschäfte waren abgewickelt und das Geld auf ihrem Konto. Sie fuhr sich durch die ungewohnt langen Haare und schnaufte. Himmel, sie konnte es nicht erwarten wieder ihre eigene Kleidung zu tragen; von ihrem eigenen Aussehen ganz zu schweigen.

Sie stand auf und ging um den schäbigen Tresen herum. Mit einem großen Schritt trat sie über die ebenfalls bewusstlose und gefesselte Besitzerin des Motels. Bis auf die Kleidung sahen sie sich zum verwechseln ähnlich. Eilig packte sie die Kleidungstücke in eine große Sporttasche, die auf dem Boden verteilt lagen ehe sie aufstand und die Tasche schulterte. Dabei behielt sie die ganze Zeit über die Vordertür im Auge und öffnete eine Schublade des rostigen Aktenschranks. Heraus holte sie die Waffe des Jungen, der sie verfolgt hatte.

Kopfschüttelnd warf sie einen letzten Blick über die Schulter. Sie hätte nicht gedacht, dass es ihr so ein Leichtes wäre ihn abzuschütteln. „Junge Menschen sind enttäuschend … etwas erträglicher werden sie ab 35“, murmelte sie leise vor sich hin während sie den engen, verwinkelten Gang zur Hintertür entlang schritt. Sie konnte es kaum erwarten diese Stadt wieder zu verlassen und sich eine schöne Zeit mit dem Geld zu machen. Irgendwo wo es warm und sonnig war und es musste verdammt gute Cocktails geben! Ein breites Lächeln legte sich auf ihre Lippen und mit mehr Schwung verließ sie das Motel.

„Stehen bleiben!“

Sie schloss die Augen und blieb augenblicklich stehen als sie das leise Klicken einer Waffe vernahm. Sie war so kurz davor gewesen zu verschwinden, so kurz.

„Stellen Sie die Tasche ab und legen Sie die Waffe auf den Boden, aber langsam.“

Langsam schob sie den Riemen der Sporttasche nach unten und ließ sie dann auf den Boden fallen. Doch die Waffe hielt sie weiterhin fest in der Hand. „Ich werde mich ganz sicher nicht über den Haufen ballern lassen“, erwiderte sie betont ruhig während sie den Finger an den Abzug legte.

Schnell drehte sie sich um und zielte auf den Mann vor sich, der knapp 10 Meter von ihr entfernt stand. Weiter kam sie jedoch nicht – sie spürte plötzlich den Lauf einer Waffe zwischen ihren Schulterblättern. „Das würde ich an ihrer Stelle nicht tun … denn wie es aussieht brauchen Sie jetzt meine Erlaubnis um weiter zu atmen“, kam es vom Eigentümer der Waffe. Nur das der Eigentümer eine Sie war.

Bevor jedoch irgendeiner der Drei reagieren konnte, wurde die Tür des Motels ein weiteres Mal aufgerissen. Die Tür wurde mit einer solchen Wucht aufgestoßen, dass sie gegen die Wand knallte. Dann ging alles sehr schnell. Die Rothaarige schoss auf den Mann vor sich. Will Zimmermann wich hastig aus und erwiderte das Feuer mit einem Schuss aus seiner Energiewaffe. Helen Magnus machte einen schnellen Schritt zur Seite und die Rothaarige lag nun zu ihren Füßen; bewusstlos. Und Henry Foss … er starrte atemlos auf die Szene vor sich und rieb sich seinen schmerzenden Kopf. Der Kopfschmerz jetzt war nichts im Vergleich zu den Schmerzen in ein paar Stunden.
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