Children of Eos

GeschichteHumor, Freundschaft / P12
Gladiolus Amicitia Ignis Scientia Noctis Lucis Caelum Prompto Argentum
28.04.2018
27.05.2019
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Es war eine Seltenheit Ignis länger als ein paar Minuten ohne seine Brille zu sehen. Statt auf seiner Nase zu sitzen, steckte sie mit einem Bügel in der Brusttasche seines Hemdes. Fast jedes Mal, wenn er sich schnell bewegte oder vorbeugte sah es so aus, als würde sie herunterfallen. Aber selbst als er den Baum, auf dem Prompto sich zuvor versteckt hatte, gründlich überprüft und auch den Boden rundherum inspiziert hatte, rutschte sie nicht raus.

In den Ästen hatte er gerissene Seile entdeckt. Auf dem Boden lagen unscheinbare dünne Glasscherben und er war froh, dass weder Gladio noch Prompto sich verletzt hatten. Allerdings war es der einzige Baum, in dem Seile hingen. Er vermutete, dass der Schütze beim Runterklettern irgendeine Falle ausgelöst hatte.

Einzig und allein das Brüllen eines Baumschrats hatte den Berater daran gehindert auch die anderen Bäume auf derartige Fallen zu überprüfen. Nun, eigentlich haben ihn eher seine Freunde daran gehindert. Meine zu Kindern gewordenen Freunde. Er seufzte und sah zum Horizont. Die Sonne stand bereits etwas tiefer. Tiefer, als es für diese Uhrzeit gewöhnlich war.

Der Weg von der Brücke bis zum Refugium hatte sich leichter gestaltet, als er es am Anfang für möglich hielt. Allerdings wusste er noch nicht, inwieweit es – Was auch immer es ist… - auf Gladio und Prompto wirkte. Ob es nur ihre Körper betraf. Ob es ihre Erinnerungen löschte. Denn eine Antwort war schlicht und weg Fehlanzeige. Das ist das einzige, was ich weiß. Sie sehen nicht nur so aus, sie benehmen sich auch wie kleine Rotzlöffel. Ignis stieß etwas Luft mit einem Lächeln aus.

»Chocobos stinken!«, maulte Gladio, der dem Berater genauestens dabei zusah, wie er mühevoll das Zelt aufbaute.

»Du stinkst!«, rief Prompto und funkelte den Älteren an.

»Sei du laufender Meter mal leise in deinem lila Leohemd!« Er streckte dem Blonden die Zunge raus und grinste.

»Es ist doch gar nicht lila…«, murmelte Prompto leise.

Ignis zog den Mund zu einem schmalen Strich. Einfach schnell das Zelt aufbauen, damit sie still sind… Dann Noct fragen, wo er bleibt. Seine Motivation hatte er bereits verloren, als er daran dachte, dass er sich ums Zelt kümmern musste. Für gewöhnlich war das Gladios Job, aber – so klein wie er ist wohl eher nicht. Kurz drehte der Berater sich zu Gladio, der ihn mit in die Hüften gestemmten Händen ansah und unzufrieden die Unterlippe vorschob.

»Das ist doch schief!«

»Ich weiß, Gladio«, entgegnete Ignis und richtete sich auf. Der Dunkelhaarige, der ihm fast bis zu den Ellenbogen reichte, verdrehte die Augen und schüttelte den Kopf.

»Ich will meinen Chocobo«, murmelte Prompto so leise, dass es keiner mitbekam. Mit bebenden Lippen senkte er den Blick und betrachtete das Hemd, das Ignis ihm geliehen hatte. Wenn er lief, musste er es hochheben, damit der Boden den Stoff nicht kaputt machte. Die Ärmel waren zwar etwas hochgekrempelt, aber so lang, dass er schon gar nicht mehr versuchte mit den Händen rauszukommen. Murrend blickte er zu Ignis, der sich erschöpft auf einem der Campingstühle niederließ und seine Brille wieder auf die Nase schob.

»So. Ich versuche jetzt noch mal Noctis zu erreichen, okay?«

»Nein?« Gladio verschränkte die Arme und schüttelte verständnislos den Kopf: »Hat dir schon jemand gesagt, dass das Zelt schief steht?«

»Es steht oder? Ich rufe jetzt erst Noct an.« Ignis zog sein Smartphone aus der Brusttasche seines Hemds und wackelte bedeutungsvoll damit. »Und egal was ihr tut… Macht nicht so viel Unfug.«

»Machen wir schon nicht«, versicherte Gladio, der hinter seinem Rücken die Finger kreuzte. Ignis hob eine Augenbraue, stand dann aber auf und entfernte sich ein paar Schritte, blieb aber auf der schützenden Plattform des Refugiums. Gladio verschränkte die Arme und sah zu Prompto, der die Ärmel von Ignis‘ geliehenem Hemd vor- und zurück schaukeln ließ. Unzufrieden brummend trat er auf seinen jüngeren Freund zu: »Komm mal her, Prompto.«

Prompto, der deutlich kleiner war als Gladio, wich zurück und blickte hilfesuchend zu Ignis, der mit dem Rücken zu ihnen stand. Wenn er gerade mit Noctis sprach, würde er sich wahrscheinlich nur von lautem Gebrüll ablenken lassen.

»Jetzt sei nicht so ein Chocoschisser!« Der Ältere schnellte nach vorn und schnappte nach den herunterhängenden Ärmeln. Prompto quietschte erschrocken und zog sofort in die entgegengesetzte Richtung. Gladio riss die Augen auf, als er das Gleichgewicht verlor und mit seinem Freund auf den Boden stürzte. Ernst sah er den Jüngeren an: »Bitte fang jetzt nicht an zu heulen. Wir sind doch eigentlich erwachsene Männer.«

Der Schütze schluckte und schwieg. Er wusste, dass Gladio Recht hatte, aber alles in ihm flehte danach laut zu schreien, zu weinen und wegzulaufen. Nicht weinen, nicht weinen, bloß nicht weinen… Worte, die ihm immer wieder durch den Kopf schossen. Zitternd atmete er aus und gab keinen Ton von sich. Stumme Tränen kullerten über seine geröteten von Sommersprossen geküssten Wangen.

Gladio knirschte mit den Zähnen und sah zu Ignis, der sich immer noch mit Noctis unterhielt. Mit einem Anflug von Panik fuhr er wieder herum. So war das auch immer, wenn er seine Schwester zum Weinen gebracht hatte. Bloß aufräumen, bevor es Ärger gibt. Er zog Prompto wieder hoch und klopfte das Hemd ab: »Siehst du, nix passiert.«

»I-ich weiß…«

»Also. Dann hör jetzt auf und zeig, dass in dir ein ganzer Kerl steckt! Spaghettiggy ist bestimmt stolz auf dich.« Gladio klopfte ihm auf die Schulter. Prompto, der mit einem weiteren Ziehen oder Zupfen gerechnet hatte, konnte seine instinktive Reaktion nicht mehr abbrechen und watschte Gladio einen Hemdärmel ins Gesicht.

Ignis bekam von dem Gezanke überhaupt nichts mit. Er war zu sehr damit beschäftigt den Prinzen von der momentanen Lage zu überzeugen. Seufzend streifte er eine kleine Chocobodaune von seinem Jackett: »Noctis… Ich meine es wirklich ernst.«

Neben dem sonoren Brummen des Regalias dröhnte erneut Noctis‘ Lachen durch das Handy. Der Berater nahm seine Brille ab und rieb sich mit den Knöcheln frustriert die Augen. Er hatte eigentlich schon damit gerechnet, dass der Prinz ihm nicht glauben würde. Zumindest musste er zugeben, dass es schon reichlich absurd klang.

»Sorry, Specs«, kicherte der Prinz, von dem Ignis deutlich hören konnte, dass er sich einen weiteren Lachanfall verkniff. »Der war echt gut, aber du hattest doch nicht wirklich gedacht, dass ich ihn dir abkaufe?«

»Gewiss nicht, Hoheit«, murmelte Ignis und wandte sich zum Refugium. Er hörte Noctis noch etwas sagen, aber das war ihm ausnahmsweise egal. Erschrocken hastete er zurück auf das runengezeichnete Gestein und zog Gladio und Prompto mühevoll auseinander. »Was ist denn in euch gefahren!?«

»Er hat angefangen!«, schnauzte Gladio sofort und wischte sich über die blutende Unterlippe. Ignis ging auf ein Knie runter und sah zwischen den beiden hin und her. Es sind doch immer noch Gladiolus und Prompto. Boxen sie sich jetzt nur, weil sie ihre Selbstbeherrschung verloren haben? Seufzend zog er die Stirn in Falten und zog Gladio näher ran, um die aufgeplatzte Lippe betrachten zu können. »Tut es sehr weh?«

»Nein!« Gladio ballte die Hände zu Fäusten und starrte auf den Boden. Murmelnd griff Ignis nach der Schulter des - meiner Schätzung nach – Sechsjährigen und lächelte ihn warm an. Der Junge leckte sich über die Lippe und funkelte Prompto an, während sich ganz seichte Tränen in seinen Augen sammelten. Ignis hob die Augenbrauen, doch keine Träne fand ihren Weg über das wutverzerrte Gesicht.

»Also…  Sagt ihr mir, warum das passiert ist?« Ignis versuchte die Reaktionen beider gleichermaßen einzufangen, was sich nicht als sonderlich kompliziert herausstellte. Prompto sah nur ganz kurz zu Gladio, bevor er den Kopf so weit senkte, dass er bis zur Nase hinter dem Kragen des Hemds verschwand. Schweigend ließ er die Ärmel schaukeln. Nachdem auch Gladio nicht antwortete, zog Ignis seine eigenen Schlüsse. Vermutlich musste da wer den Stärkeren markieren… Er richtete sich wieder auf und stemmte die Hände in die Hüften: »Nun gut. Ich habe eben mit Noctis telefoniert und er ist bald hier. Es gab imperiale Probleme, deshalb ist er so spät.«

»Will Chocobo«, brummte der Schütze, der mit der Nase immer noch im Hemdkragen steckte und warf Ignis einen verstohlenen Blick zu. Der Berater sah auf sein Handy, verschwendete einen kurzen Gedanken daran, dass er einfach aufgelegt hatte und wandte sich dann den Reitvögeln zu. Aus einer Satteltasche zog er eine kuschelige Wolldecke, in der ein von Zeit und Liebe abgenutztes Plüschtier eingewickelt war.

Prompto drückte das gelbe, etwas ausgewaschene Kuscheltier an sich. Als er Gladios Blick bemerkte, drehte er sich weg, als wolle er damit sagen, dass der Ältere erst gar nicht versuchen solle es ihm wegzunehmen.

»Was denn? Ich will deinen blöden Chocobo gar nicht haben«, murmelte der Dunkelhaarige und lief zu einem der Campingstühle, die Ignis aufgestellt hatte. Brummelnd ließ er sich darauf nieder und griff nach der Decke, die Ignis noch in der Hand hielt. Überrascht ließ der Berater sie los und sah zu, wie Gladio sich darin einwickelte.

»Mach Feuer.«

»Bitte?« Ignis sah Gladio an, der schmollend die Decke enger zog. Wie bockig er ist… Ignis wandte sich ab und schmunzelte. Irgendwie… Er schüttelte den Kopf und drehte sich zu Gladio: »Wie wäre es, wenn ihr zwei euch zusammenrauft und das gemeinsam macht?«

Gladio schnaubte und sah mit verengten Augen zu Prompto. Der Schütze blickte argwöhnisch zurück. Seine nackten Füße machten auf dem Felsen leise Geräusche, als er näher an die Stühle herantrat. Leise murmelnd setzte er seinen Chocobo neben Gladio: »Wetten… ich schaff es vor dir?«

»Setz dich lieber hin, bevor du dir noch wehtust«, brummte Gladio und schlug umgehend die Decke weg. Hochmotiviert sprang er auf: »Ich geh Feuerholz sammeln!«

»Du verlässt das Refugium nicht!«, sagte Ignis bestimmend und wies mit der Hand auf das Gelände. »Bei deiner Größe fressen dich die Seeteufel in einem Happs.«

»Iggy. Ich schaff das!«

»Tu es nicht!«, rief Prompto panisch, doch es war schon zu spät.

Gladio streckte seine Hand in die Höhe. Blauweiße Funken flimmerten durch die Luft und nur den Bruchteil einer Sekunde darauf materialisierte sich ein Großschwert aus dem Nichts. Der Dunkelhaarige schrie auf, als der Stahl seinen Arm runterriss und mit lautem Getöse auf den Boden fiel.

»Gladio!« Ignis war mit zwei großen Schritten bei dem Jungen, der lauthals brüllte und sich nicht darum scherte, dass ihm die Tränen übers Gesicht liefen. Besorgt öffnete er ein paar Hemdknöpfe und zog Gladios Arm vorsichtig raus. Ignis sparte sich das Fragen, tastete lieber sofort, hob und drehte den Arm. Mehr Schock als Schmerz, dachte er erleichtert und zog ihm das Hemd wieder über die Schulter. Etwas zögerlich fuhr der Berater durch das dunkle strubbelige Haar und drückte Gladio an sich: »Ist doch alles gut, keine Sorge.«

»Ich bin ein Schwächling!«, plärrte Gladio in einer Lautstärke, die Ignis‘ Ohren schrillen ließ. Seufzend blickte er zu Prompto: »Und warum weinst du?«

»Gladio…«

Götter… Ignis winkte Prompto heran und zog ihn ebenfalls an sich. »Was soll das nur mit euch werden…«

***


»Verdammt… Ich dachte wirklich bis zum letzten Moment du würdest mich auf den Arm nehmen.« Noctis kratzte sich am Kopf und sah Gladio an, der genervt auf seinem Campingstuhl saß und den Prinzen anfunkelte: »Offensichtlich ja nicht.«

Noctis starrte ihn einen Moment lang an, bevor er zum fünften Mal anfing lauthals zu lachen. Er ließ sich auf den Stuhl gegenüber von Gladio fallen und hielt sich den Bauch: »Ich kann nicht mehr! Das ist zu gut!«

»Das ist vor allem nicht witzig!«, fauchte Gladio und deutete auf das schief stehende Zelt. »Sei lieber froh, dass Prompto keine Windeln braucht! Reicht schon, dass er die ganze Zeit flennt und müde ist.«

»Gladio, bitte schrei doch ni-«

»Ich schrei so viel ich will!«, keifte der Junge wütend und wandte seinen Kopf zu Ignis.

Alle drei drehten sich zum Zelt, als der Reißverschluss aufgezogen wurde. Noctis, der Prompto bisher noch nicht gesehen hatte, riss die Augen auf und starrte seinen geschrumpften Freund an. Ganz entgegen seiner Vorstellung war Prompto überhaupt nicht mollig. Lediglich kindliche Pausbäckchen hatte er.

»Noct..?«, murmelte der Blonde verschlafen, als er aus dem Zelt rauskam. Unter seinem rechten Arm klemmte sein Chocobo-Plüschtier. Am rechten Bein war deutlich der schwarze Faden zu sehen, mit dem Ignis es wieder „heile“ gemacht hat. Der Berater sah kurz zu Gladio, der schuldbewusst an seiner Unterlippe nagte. Darüber würden sie sicher noch mal reden, wenn sie wieder ganz die Alten waren.

»Wie winzig du bist«, grinste Noctis, rutschte von seinem Stuhl runter auf den Boden, um mit seinem besten Freund auf Augenhöhe zu sein. Prompto blieb abrupt stehen und drückte unsicher den Chocobo an seine Brust.

Ignis legte das Kochbesteck beiseite und sah auf Prompto herab. Wenn er wenigstens die Ärmel… Der Berater seufzte, stellte die Flamme etwas niedriger und trat zwei Schritte auf Prompto zu. Sein Knie knackste, als er sich auf den Boden begab. Sehr zum Missfallen des Blonden, dem ein Schauer über den Rücken fuhr und dafür sorgte, dass er sich noch unwohler fühlte. Dass alle drei ihn anstarrten, war schon schlimm genug.

»Raus damit, was willst du sagen?«, fragte Ignis und legte seine Hand auf Promptos Schulter. Der Schütze stammelte etwas Unverständliches, bevor er sich mit einem gemurmeltem „Iggy“ zu genanntem drehte und Hilfe in den grünen Augen suchte. Aufmerksam und sorgenvoll blickten sie zurück in die seinen und gaben ihm ein Gefühl von Geborgenheit. Nichtsdestotrotz half es ihm nicht das loszuwerden, was er Noctis an den Kopf werfen wollte. Vor allem kam ihm alles, was er sagen wollte, idiotisch vor.

Ignis seufzte, als er sah, dass sich in den großen blauen Augen wieder Tränen sammelten. Prompto drückte sein Plüschie noch fester an sich und senkte den Blick. Dicke Tränen kullerten über seine Wangen und tropften auf den Stoff-Chocobo. Ignis rückte ein Stück näher und zog den Schützen in eine sanfte Umarmung: »Es ist alles gut, kleiner Krieger.«

»Toll gemacht, Noct«, brummte Gladio vorwurfsvoll und schüttelte den Kopf. »Jetzt weint er.«

»Wieso soll das meine Schuld sein?«, knurrte Noctis verärgert und erhob sich wieder. Gladio stöhnte auf und wies mit beiden Händen auf den Schwarzhaarigen: »Weil du manchmal ein echt dödeliger Primelprinz bist!«

Ignis blendete die giftspuckenden Streithähne aus. Noctis wird schon mit ihm klarkommen. Stumm hob er Prompto hoch und lief zur Straße, um zum Parkplatz zu gelangen, auf dem Noctis den Wagen stehen lassen hat. Er setzte Prompto auf der noch warmen Motorhaube des Regalias ab und ließ sich neben ihm nieder. So sieht das also aus, wenn er nicht alles mit einem Lächeln überspielen kann.

»Komm, sieh mich an«, sagte Ignis leise und zupfte an dem Hemd, das er Prompto gegeben hatte. Es war das, das er zuvor am Vesperspiegel getragen hatte. Er trug es nicht oft und jetzt… Er seufzte: »Ist es wegen Noctis?«

Der Schütze nickte und vergrub sein Gesicht im weichen Plüschtierstoff. Noct regte ihn auf. Dass er klein war, störte ihn. So vieles überforderte ihn und er tat sich schwer damit eines nach dem anderen anzugehen. Aber es gab eine Sache, die so sehr danach schrie herausgelassen zu werden, dass er wenigstens das hervorquetschte.

»I-ich… Ich will nach Hause…«

»Oh Prompto…« Ignis griff nach dem rechten Hemdärmel, der sich wieder ausgerollt hatte, doch der Blonde zog seinen Arm zurück: »Nicht…«

»Nur ein bisschen. Damit du nicht drauftrittst und hinfällst.« Er ließ sich nicht von der leichten Gegenwehr beirren. »Außerdem kannst du deinen Chocobo dann besser festhalten.« Er merkte, dass Prompto sehr mit seiner Fassung zu kämpfen hatte und nichts sagen wollte, weil er sie sonst vermutlich verlieren würde. Jetzt lag es an dem Berater eine Silbe seiner Arbeit zu entfernen. Vom Berater zum Rater. Eh... Ignis seufzte: »Jetzt wo Gladio nicht da ist… Willst du etwas sagen?« Kopfschütteln. »Über die Sache mit Noctis reden?« Kopfschütteln. »Andere Kleidung?«

»Nein.« Prompto zog den Arm weiter in den Ärmel zurück.

»Hunger? Toilette? Ist dir kalt?«, fragte Ignis weiter, ließ den rechten Ärmel schließlich los und sah Prompto verwirrt an: »Bitte rede mit mir.«

»I-ich hab… meine…«

Ignis seufzte, als er wieder nur ein schweigsames Kopfschütteln bekam und dachte über die wenigen Mittel nach, die ihm zur Verfügung standen. Lächelnd beugte er sich etwas nach vorn, um Promptos volle Aufmerksamkeit zu erlangen: »Sagst du’s mir, wenn ich nicht weiter nachfrage? Ich glaube im Kofferraum sind sogar noch Kekse.«

»Kekse?«

»Ja, sicher.« Ignis stand auf. Prompto zuckte erschrocken, als der Wagen sich aufgrund des verlorenen Gewichts ein paar Zentimeter anhob und quietschte laut. Der Berater konnte sich ein Grinsen nicht verkneifen, wuschelte Prompto durch die Haare und lief auf die Fahrerseite. Natürlich hat Noctis die Schlüssel stecken lassen. Murmelnd zog er sie ab, um dann die Kekse zu holen.

Als er den Kofferraum öffnete, griff er sich seufzend an den Kopf. Und natürlich ist er gefahren wie… Ach egal. Nicht aufregen Ignis, einfach nicht aufregen. Brummend räumte er die durcheinander geworfenen Sachen etwas auf. Schon viel besser. Zufrieden hob er den Boden an und zog eine kleine zusammengerollte Papiertüte raus, die er stets beim Ersatzrad versteckte. Weder Gladio noch Prompto suchten dort nach Süßigkeiten.

»Also?«, lächelte Ignis, als er sich wieder neben Prompto setzte. Mit großen Augen sah Prompto dabei zu, wie Ignis die Packung öffnete und wollte danach greifen. Der Brillenträger zog sie schnell wieder weg und sah ihn erwartungsvoll an: »Ich höre.«

Prompto verzog den Mund und drehte seinen Chocobo so, dass er Ignis ansah. Er ließ den Kopf wackeln, als wolle er Ignis zunicken. Zusätzlich drehte er den Kopf und sprach mit verstellter Stimme: »Hallo Iggy.«

»Hallo Quby.« Ignis lächelte und sah zwischen Prompto und dem Plüschtier hin und her. Er kam sich albern vor… Aber wenn er redet, wieso nicht? Der Berater winkte dem Plüschtier und rückte seine Brille etwas höher: »Sag mal, was hat dein Prompto denn?«

Prompto rückte den Chocobo zu Ignis und deutete mit dem Schnabel auf das Handgelenk des Beraters.

»Hast du dir wehgetan?«

Der Chocobo schüttelte, gesteuert durch die Hand seines Besitzers, den Kopf und zeigte abermals auf das Handgelenk. Ignis schloss für einen Moment die Augen. Natürlich... Wovon Noctis nichts erfahren soll, bis er es ihm selbst sagt.

Er sah Prompto aufmunternd an: »Ich mach dir was drum, okay?«

Der Blondschopf nickte nur und auch das Plüschtier wackelte eifrig mit dem Kopf.

Der Berater zog stumm die Autoschlüssel aus seiner Hosentasche. Da er sie die meiste Zeit hatte, hatte er es sich nicht nehmen lassen ein paar Dinge daran zu befestigen. Mühelos löste er einen der Anhänger und hielt dann einen orangefarbenen Stoffstreifen in die Höhe. »Den hat mir vor vielen Jahren ein guter Freund geschenkt, als ich in Not war. Pass mir gut darauf auf, okay?«

Prompto nickte stumm, als Ignis den Stoff um sein Handgelenk wickelte und verknotete.
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