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JoBe - Ritter mit Brille

Kurzbeschreibung
GeschichteFantasy, Freundschaft / P6 / Gen
27.04.2018
31.05.2018
2
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27.04.2018 1.797
 
Endlich war Schulschluss und das allerbeste, es war auch noch Freitag und somit stand das Wochenende vor der Tür. JoBe schlenderte mit seinen besten Freundinnen Sophie und Lisa nachhause und erzählte ihnen von seinen Plänen für die nächsten freien Tage: „Ich fahr mit Papa zum Baumarkt, wir kaufen neues Material für meine Burg.“

„Ey, klasse, kann ich da später zu dir kommen und gucken, was ihr baut“, fragte Lisa. „Ich würde auch gern kommen, aber ich fahr mit Mama einkaufen, wir wollen heute Abend angrillen. Papa ist guckt nur noch auf die Wetter-App, ob das Wetter hält“, verdrehte Sophie die Augen.  JoBe hätte super gern mit Sophie an der Ritterburg gebaut, weil er die ein kleines bisschen lieber mochte als Lisa, aber mit der spielte er auch sehr gern. Das waren eben nicht so Zicken, die immer gleich heulten und trotzdem konnte er die beiden super beschützen, wie z.B. vor Mike, der die Gruppe gerade einholte.

Michael, genannt Mike, war der größte und stärkste Junge in der Klasse. Eigentlich war er total in Ordnung, aber er ärgerte immer die Mädchen, besonders Lisa. Auch jetzt zog er Lisa am Zopf und pöbelte ein bisschen herum. „JoBe geht mit seinen Geliebten …uuuhuhuuu“, äffte er. Sophie holte sofort aus und knuffte Mike in die Seite. „Sei nicht immer so blöd. Mit JoBe kann man super Ritter und Detektiv und so’n Zeugs spielen. Du könntest ja mal mitmachen, aber nicht, wenn du dich so benimmst.“, schimpfte Sophie. Lisa stimmte ihr zu und JoBe wurde sogar ein bisschen rot. Er war eben ein richtiger Ritter mit allem Drum und Dran, allerdings fehlte ihm jetzt sein Schwert, das durfte er nicht mit zur Schule nehmen. Sobald er heimkam, schnallte er sich als erstes „Donnerklinge“ um, so hieß es. Für alle sah es aus wie ein Holzschwert, aber JoBe allein wusste, dass dies das schimmernste und schneidigste Schwert im ganzen Reich war, über magischem Feuer geschmiedet, hatte es ihn noch nie im Stich gelassen.

„O.K, wenn ihr nichts dagegen habt, dann kann ich ja heute Nachmittag mal vorbei kommen“, meinte Mike jetzt ein wenig kleinlaut. An einer Ritterbug zu bauen, dazu hätte er voll Lust. „Ja, wenn ich mit Papa wieder da bin, kannst du helfen. Lisa kommt auch und Sophie, du kannst ja auch noch kommen, wenn du eingekauft hast.“ JoBe hoffte ganz schwer, dass es Sophie auch noch schaffen würde, zum Spielen vorbeizuschauen. An der Straßenecke verabschiedeten die Vier sich und jeder ging seiner Wege und alle freuten sich auf das Mittagessen, denn Schule macht hungrig.

JoBe half Papa beim sägen, Mike schleppte neue Bretter heran und Lisa strich eine fertige Wand an der Ritterburg an, als Sophie in den Garten gelaufen kam. Ganz aufgeregt war sie und bekam erst kein Wort heruas, so sehr muss sie gerannt sein. „Booa, das glaubt ihr nicht“, keuchte sie, immer noch nach Luft ringend.“ Da hat jemand Opa Fredis Zähne geklaut.“ Während Lisa und JoBe eher erschrocken guckten, wollte sich Mike vor Lachen nicht mehr einkriegen. „Wie jetzt, geklaut? Aus dem Mund? Wie geht das denn?“, kicherte er.

„Man, Mike, das ist nicht witzig. Opa hat ein Gebiss und heute Abend gibt es Maiskolben, die mag Opi so sehr und ein Holzfällersteak hat er sich auch gewünscht und wenn jetzt die Zähne weg sind, kann er nichts essen, nur Brei.“ Sophie war fast den Tränen nah.

„Vielleicht hat dein Opa die Zähne ja im Schlaf verloren und die liegen noch im Bett“, meinte JoBe und legte Sophie freundschaftlich den Arm um die Schultern. Er wollte seine Freundin um jeden Preis trösten und ihr auch helfen. Auch Lisa und Mike boten sofort an, dem gemeinen Zahndieb das Handwerk zu legen.

Ritter JoBe brauchte sein Schwert, hinter dem Zahnklau konnte doch nur wieder sein größter Widersacher stecken: Der Miesepetrige Michael. Das war ein ganz fieser und gemeiner Drache, der seinen Freund, den Feurigen Friedrich immer ärgerte. Ritter von Gertenbach ließ Friedrich unter seiner Ritterburg in der Höhle wohnen, der Drache war schon alt und konnte nicht mehr richtig Feuer spucken, nur ab und zu mal ein Fünkchen, wenn er Schluckauf hatte.

„Los, lasst uns erst mal zu Sophie laufen, wir müssen das Gelände absuchen“, unterbrach Mike JoBes Gedanken.  „Ja, wir müssen Opa Fredi befragen und die Nachbarn, vielleicht hat einer was gesehen“, pflichtete Lisa ihm bei, so dass Mike verlegen grinste. „Ich habe Opa schon gefragt, der weiß nicht wo die Zähne sind, aber vielleicht ist ihm jetzt was eingefallen“, sagte Sophie. Die Vier meldeten sich bei Papa ab, der froh, sich endlich einen Kaffee gönne zu können und liefen zu Sophies Haus, wo ihr Opa die kleine Einliegerwohnung bewohnte, seit die Omi tot war. Er öffnete ihnen auch, mit der Hand vor dem Mund begrüßte er die Kinder. „Kinners nää, wat en Elend, ich kann die Zähne nirgends finden.“ Opa Fredi hörte sich ganz komisch an, die Freunde konnten ihn kaum verstehen.

„Am besten, Sophie und ich gucken hier in der Wohnung und ihr sucht nochmal im Garten“, bestimmte Lisa. Mike und JoBe schoben ab und teilten sich daraufhin den Garten auf. Während Mike die Terrasse absuchte, knöpfte sich JoBe die Büsche vor.

Ritter von Gertenbach war froh, dass er das Schwert mit hatte. Sein treuer Gefährte zerteilte das Grün und er war sich sicher, dass er jeden Moment auf den Miesepetrigen Michael treffen würde. Wahrscheinlich würde er ihn auf frischer Tat ertappen, wenn er die Zähne des Feurigen Friedrichs in seine Höhle schleppen wollte. Aber er, Ritter JoBe würde sie ihm in einem heftigen Kampf abjagen und seinem Freund zurückbringen und sein Burgfräulein Sophie würde ihm zum Dank bei der Tafel ihr Eis schenken. Verbissen kämpfte er sich durchs Dickicht: „Ergib dich, elender Michael. Du kommst eh nicht weit mit den Zähnen“, zischte der Ritter zwischen den Zähnen.

„Ey, JoBe, spinnst du? Ich hab doch nicht die Zähne von Sophies Opa.“ Mike stand plötzlich vor ihm und schaute grimmig auf ihn herab. „Äh, ich hab dich doch gar nicht gemeint.. ich..“, stotterte JoBe. Gott sei Dank kam Sophie gerade mit Djamal in den Garten. Der syrische Junge war mit ihnen eingeschult worden und er und seine Eltern hatten seit neustem endlich eine eigene Wohnung. Djamal war sehr nett und man konnte auch super mit ihm spielen, trotzdem war JoBe manchmal ein bisschen eifersüchtig auf ihn. Djamal hatte kohlrabenschwarze Haare und Augen und Sophie himmelte ihn an. Bestimmt war die verknappt in den. Das hatte Lisa auch letztens vermutet, als Sophie angeboten hatte, Djamal bei den Hausaufgaben zu helfen.

Von Gertenbach bedauerte, dass er sein edles Ross Eduard nicht dabei hatte. Auf seinem Rücken würde er das Gelände besser überblicken können, vielleicht sogar das Gebiss finden, statt dessen sah er sich nun dem geheimnisvollen, schwarzen Ritter gegenüber, der wie immer schwieg, wann immer sie sich auch begegnet waren. Ritter JoBe nickte ihm zu, ging dann aber auch ohne ein weiteres Wort an ihm vorbei. Der hatte ihm jetzt gerade noch gefehlt. Wenn einer sich einen Zweikampf mit dem gefährlichsten aller Drachen lieferte, dann war ER das.

„Sophie sagt, ihr sucht Zähne von Opa“, sagte Djamal. „Darf ich helfen? Vielleicht suchen wir in Bäume, Vogel kann genommen haben.“ „Boa, Djamal, das heißt IN DEN Bäumen und EIN Vogel kann vielleicht die Zähne weggeflogen haben“, JoBe konnte nicht anders, er war auf einmal furchtbar wütend und wollte gar nicht, dass Djamal sich auch noch einmischte. Am besten wäre sowieso, wenn er jetzt heim ginge und Mama fragte, ob sie mit ihm zum Reitstall ginge. Ein Ritt auf dem Pony Eddi hatte ihn noch immer beruhigt. Sollten sie doch die blöden Zähne alle selber suchen. Zur Bekräftigung schlug er mit seinem Schwert kräftig auf die Buchsbaumhecke.

„Ritter JoBe, wart Ihr erfolgreich? Kann ich heute zum Abendmahl meine geliebten Kokosnüsse knacken“, der Feurige Friedrich neigte hoffnungsvoll seinen großen, hornigen Kopf und blickte seinen Freund mit traurigen Bernsteinaugen an. „Friedrich, feurigster aller Feuerdrachen, ich befürchte, ich habe versagt“, Von Gertenbach blickte traurig zu Boden, mit dem Schwert Kreise in den Sand malend. „Der geheimnisvolle Schwarze hat sich mir in den Weg gestellt und damit wohl den Miesepetrigen Michael vertrieben, der gewiss mit den Zähnen auf und davon ist.“

JoBe rannte aus dem Garten geradewegs in die Mama von Sophie. „Hey, JoBe, wo willst du so schnell hin?“, fragte sie. „Ich muss sofort nachhause, wir bauen gerade an meiner Burg und Papa wartet bestimmt schon“, antwortete er. „Irrtum, deine Mama und Papa kommen gleich zum Grillen, Lisas und Djamals Eltern auch.“ Sophies Mutter rief jetzt Mike „Mike, lauf doch schnell zu euch und frag deine Eltern, ob sie auch eine Wurst essen wollen und wenn sie noch Brot mitbringen könnten, wäre noch besser!“

Das ließ sich Mike nicht zweimal sagen, Grillen mit den jetzt neuen Freunden wäre bestimmt super. JoBe jedoch blickte Sophies Mama traurig an. „Wir haben doch gar nicht Friedrichs Zähne gefunden, der kann doch jetzt gar keine Nüsse.. kein Steak essen!“ „Wie, Opas Zähne sind weg, die hat doch……“

„….der Papa gerade vom Zahntechniker abgeholt!“ Sophies Vater kam, ein Päckchen schwenkend, in den Garten marschiert und wunderte sich über all die Kinder. Auch Opa Fredi kam jetzt raus, die Hand immer noch vor dem Mund. „Ech han jetzt ü’erwerall gesü’eckt, ech kann de Teng nit finden“, sagte er im breitesten Platt. Hatten die Kinder ihn schon nicht wegen des fehlenden Gebiss‘verstanden, so konnten sie es mit Dialekt erst recht nicht. Aber der Opa hörte sich einfach zu komisch an.

„Verehrter Ritter, mein Freund, habt Dank, da sind die Zähne doch. Der Knappe hat sie soeben gebracht. Und sie sind wie neu und drücken nicht.“ Der Feurige Friedrich hatte das riesige Gebiss mit den vielen, tödlich scharfen Zähnen vorsichtig in sein großes Maul gesetzt und knirschte erst und pfiff dann zur Probe. Dann warf er sich eine Kokosnuss ein und zerknackte diese mit einem Biss, dass die Kokosmilch nur so spritzte. Ritter von Gertenbach konnte sich ein Schmunzeln nicht verkneifen, war er doch froh, dass sein Freund wieder essen konnte, wenn dies auch nicht sein Verdienst war. „Stets zu Diensten, teurer Freund“, verabschiedete er sich.

Opa Fredi war froh, dass er wieder befreit lachen konnte und bedankte sich bei den Blagen, wie er sie immer nannte, dass sie fleißig geholfen hatten, die Zähne wieder zu finden. Dabei hatte er nur vergessen, dass Sophies Papa das Gebiss morgens mitgenommen hatte, um es beim Zahntechniker unterfüttern zu lassen, damit die Prothese nicht so drückte. Als Dank versprach er Sophie und ihren Freunden, mit ihnen am nächsten Tag Drachen zu bauen und ihnen beizubringen, wie man anständig auf Grashalmen pfiff.



Wie Ritter JoBe beim Drachenflug auf einen riesigen Schatz stieß und diesen vor dem Miesepetrigen Michael rettete und wie der geheimnisvolle Schwarze Ritter ihm dabei half, das erfahrt ihr in einer neuen Geschichte.
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