Jenny

GeschichteAllgemein / P16 Slash
26.04.2018
13.07.2018
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Dieses Kapitel
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So hier ist der weitere Weg einer der Personen, die unbedingt wieder kommen sollten.
Alle die nach den ersten fünfhundert Worten noch nicht ahnen, wer Jenny ist, sollten die 6. Folge der 4. Staffel ansehen, bevor sie weiterlesen. Hier die Kurzfassung zu einer meiner liebsten Doctor Who Folgen: https://www.youtube.com/watch?v=PBFflbA5Bkk

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„Jack, hast du es?“, erklang  Toshikos Stimme über das Headset an seinem Ohr. Der Braunhaarige sah sie um, aber in den Straßen von Cardiff war nichts Ungewöhnliches zu sehen. Straßenlaternen, Autoscheinwerfer und Reklametafeln beleuchteten die nächtlichen Straßen der Innenstadt, durch die auch zu dieser späten Stunde zahlreiche Leute unterwegs waren. Alle waren absolut entspannt und machten keinen Eindruck, als sei etwas anders als an jedem anderen Abend.

„Nein, alles ist ruhig.“ Eine Gruppe junger Leute schlenderte an Jack vorbei, sie redeten und lachte miteinander. Ein Erwachsener im Anzug diskutierte lautstark mit seinem Handy und eilte die Straße entlang. Dabei musste eine Frau eines ihrer beiden Kinder aus dem Weg ziehen, damit es nicht umgestoßen wurde. Auf der anderen Straßenseite stieg eine Rentnerin in ein Taxi und fuhr weg. Am Ende der Straße saßen auf einer Straßenbank saßen zwei Teenager und aßen Pommes. Keiner schien beunruhigt oder gar in Panik zu sein, wie es normalerweise geschah, wenn etwas durch den Riss kam oder Weevils auftauchten. „Bist du dir sicher, dass wir am Richtigen Ort sind?“

„Ja, die Energiesignaturen unterscheiden sich deutlich von menschlichen. Sie ist in der Mitte der King‘s-Street. Du bist ganz nah bei ihr.“ Wieder ließ der Käpten seinen Blick über die Menge schweifen. „Owen und Gwen sind an den Enden den Kreuzungen nördlich und südlich von dir auf Position.“

An der Bank mit den beiden Jungen blieb sein Blick hängen, oder besser gesagt an der schmalen Person, die sich zu ihnen gesellt hatte.  Sie trug eine schwarzen Lederjacke, wodurch ihre fast weißen Haare leuchteten, und hatte ihre Hände in die Taschen gesteckt. Er schmunzelte als ihm das Bild des „alten“ Doctors vor Augen kam. Dann beugte sich die Blonde zu einem der Jungen hinunter nahm seine halbvolle Frittentüte und ging die Straße hinunter. Die beiden sahen ihr wie hygnotisiert hinter her, aber sie machten keine Anstalten ihr zu folgen und riefen ihr auch nichts hinter her.

„Die Kreatur bewegt sich etwa zwanzig Meter zu deiner Linken, Jack. Gwen, sie geht in deine Richtung.“

„Verstanden“, kam ihre Antwort, aber das hörte Jack kaum, als das Lächeln ihm auf dem Lippen gefror. Nun verstand er, wieso ihm die Kleine so seltsam vorkam. Jack griff möglichst unauffällig an den Kommunikator an seinem Ohr. „Okay, ich glaube ich hab es. Das Alien tarnt sich als Mensch. Weiblich, etwa achtzehn Jahre, lange hellblonde Haare, schwarze Jacke, recht klein und dünn“ Der Braunhaarige ging hinter dem unbekannten Mädchen her, achtete aber darauf auf sicherem Abstand zu bleiben.

„Ich bin rechts von dir.“, kam die Nachricht über das Headset. Der Anführer brauchte sich nicht umzudrehen, um zu wissen, dass Owen nur wenige Meter von ihm entfernt war, während die Unbekannte direkt auf ihr neustes Torchwood Mitglied zuging.

„Ihr habt den richtigen“, bestätigte Tosh, wovon Jack bereits absolut überzeugt war. „Gwen, sie sind gleich bei dir. Bist du bereit?“ Obwohl das eigentlich schon Monate her war, dass Gwen die Polizei verlassen hatte und sie schon zahlreichen Kreaturen gegenüber gestanden hatte, kam es ihm immer noch so vor als wäre sie die Neue, der man noch helfen muss.
„Ja“, kam die knappe Antwort.

„Das ist der Plan“, fuhr Jack fort, wobei er die Blonde nicht aus den Augen ließ. „Gwen du sprichst sie an und lockst sie in eine der schmalen Gassen. Dann versperren Owen und ich ihr den Rückweg und betäuben sie.“

„Verstanden“ Mitlerweile waren sie so nahe, dass Jack Gwens Nicken sehen konnte. Beide Männer blieben stehen und beobachteten, wie die Schwarzhaarige an ihre Zielperson herantrat. Gemeinsam gingen beide einige Meter weiter und bogen in eine schmale Gasse zwischen zwei Hochhäusern ein.
Fast gleichzeitig setzten sich die Männer wieder in Bewegung doch ein ungutes Gefühl wollte den ehemaligen Zeitagenten nicht loslassen. Eine leise Stimme in ihm sagte, dass dies zu einfach war. Niemand, auch wenn er noch so jung und naiv ist, wäre so blöd einer Fremden in eine dunkle Gasse zu folgen, auch eine Außerirdische nicht.

„Also was ist los?“, erklang eine hohe, weibliche Stimme. Owen und er standen der Abzweigung bereit sich auf sie zu stürzen, doch Gwen gab ihnen ein Zeichen zu warten und so duckten sich beide in den Schatten hinter einem Müllcontainer. „Was ist?“, fragte die Blonde wieder, während sie wartete. Noch immer war kein Misstrauen zu hören, eher Neugierde und Genervtheit.

Gwen wandte ihre Aufmerksamkeit wieder der Fremden zu. „Ähm… also… Mein Name ist Gwen Cooper. Wie heißt du?“
„Jenny“, antwortete sie und begann wieder von den Pommes zu essen, die sie den beiden Jungen abgenommen hatte. „Ich schätze das mit dem zusammen gebrochenem Freund, war eine Lüge.“ In Gwens Augen war so was wie ein schlechtes Gewissen zu erkennen, doch als sie zu einer Erklärung ansetzte, winkte die Kleine ab. „Spielt keine Rolle.“ Sie steckte wieder eine Pommes in ihren Mund. „Was willst du von mir?“

Die Schwarzhaarige schluckte, dann versteinerten sich ihre Gesichtszüge und auch ihre Stimme verlor jede Freundlichkeit. „Wer bist du? Wo kommst du her? Was willst du hier?“

Fall sich die Fremde über den Stimmungsumschwung oder die Fragen gewundert haben sollte, ließ sie es sich nicht anmerken. „Mein Name ist Jenny. Ich komme von Messaline. Zuerst hatte ich einen bewohnten Ort gesucht. Vorhin habe ich mir etwas zu Essen besorgt. Jetzt muss ich herausfinden, wo ich bin und woher ich ein neues Schiff bekommen kann.“

Ihre knappen präzisen Antworten und ihr strategisches Vorgehen erinnerten Jack automatisch an den Bericht eines Soldaten, wenn nicht ihr Verhalten wäre. Anstatt stramm zu stehen und respektvoll in die Augen der älteren Frau zu sehen, pickte Jenny die letzten Fritten aus der Tüte. Dann knüllte sie das Papier zusammen, warf es über ihre Schulter und traf zielsicher den Müllcontainer, hinter dem Gwens Verstärkung wartete.

Owen zuckte und griff nach seiner Waffe, aber Jack packte seinen Arm. Er legte einen Finger auf die Lippen und bedeutete dem anderen still zu bleiben. Noch war nicht klar, ob die Außerirdische die beiden Männer bemerkt hatte. Um sie zu überwältigen, wäre es am einfachsten, wenn sie den Überraschungsmoment auf ihrer Seite hatten. Dem Captain war nicht klar wieso, aber er ahnte, dass sie auf diesen Augenblick der Verwirrung angewiesen sein würden.

„Wie wär‘s, wenn du mit mir mitkommst?“, Gwens Stimme war wieder weicher geworden und sie lächelte freundlich. „Ich hab ein paar Freunde, die dir bestimmt helfen können.“

Jetzt wurde die Blonde wohl doch misstrauisch. „Nein, danke, ich komme gut alleine zurecht.“, sagte sie, während sie sich zum Gehen wandte

„Jetzt“, flüsterte Jack. Noch bevor Jenny zwei Schritte gehen konnten, bauten sich Jack und Owen  mit schussbereiten Waffen am Ausgang der Gasse auf.

„Du willst doch nicht schon gehen?“, fragte Owen spöttisch, aber Jenny reagierte kaum. Auf ihrem Gesicht spiegelten sich weder Überraschung noch Angst oder Wut wieder.

Sie drehte ihren Kopf Gwen zu, die nun auch den Lauf ihrer Pistole auf das Gesicht des angeblichen Mädchens richtete. „Ich will euch nicht weh tun. Ich will nur weiterziehen.“, rief sie und hob wie zum Beweis ihre Hände. „Aber ich werde mich wehren, wenn ich muss.“

„Das ist gut zu wissen“, antwortete Jack in seiner typisch lockeren Art, obwohl ihm dieses Mädchen immer noch nicht geheuer war. Ihr Verhalten war einfach zu paradox. Sie beteuert keine Gefahr zu sein, obwohl sie unbewaffnet war und drei Pistolenmündungen auf sie gerichtet waren. Eigentlich hätte sie Angst haben müssen. ‚Sie sollte darum betteln, dass wir sie gehen lassen, oder uns mit Vergeltung drohen, falls wir sie verletzen würden. Stattdessen tut sie so, als wäre sie auch ohne Waffen eine Bedrohung. Einen Bedrohung, die so offensichtlich ist, dass sie nicht ausgesprochen werden muss.‘

„Komm einfach mit uns und beantworte unsere Fragen, dann muss niemandem hier etwas geschehen.“, schaltete sich Gwen wieder ein.

„Und was geschieht dann?“, fragte Jenny und sah misstrauisch einen nach den anderen an. ‚Nein, nicht sehen.‘, dachte Jack, während ihm wieder das Bild eines Soldaten vor Augen kam. ‚Sie analysiert uns. Sie will wissen, ob wir wirklich schießen,‘ Er umschloss den Pistolengriff mit seiner zweiten Hand, um das Zittern der Waffe zu unterdrücken. ‚und wie sie uns ausschalten kann.‘

„Das hängt davon ab, was du hier willst“ Jack gab Owen mit einer Kopfbewegung zu verstehen, sie festzunehmen. Dieser hing seine Pistole an den Gürtel und zog Handschellen hervor. „Keine Sorge, das ist eine reine Vorsichtsmaßnahme“

Zuerst sah es so aus, als würde sie sich wehrlos gefangen nehmen lassen. Doch als der Ältere nach ihrer Hand griff, schlug sie ihm einen Ellenbogen ins Gesicht. Benommen taumelte er zurück und noch bevor Owen reagieren konnte, schnappte sie sich seine Waffe. Dann schleuderte sie ihn mit einem kräftigen Tritt gegen Jack und beide gingen zu Boden.

Etwa einen Meter neben ihrem Fuß borte sich eine Kugeln in den Asphalt. „Das war die letzte Warnung.“, drohte Gwen in einem schneidenden Tonfall, den Jack noch nie bei ihr gehört hatte. Doch Jenny schien sich davon nicht einschüchtern zu lassen und ging auf sie zu. Wieder schoss Gwen einmal auf die Blonde, doch mit unglaublicher Geschwindigkeit sprang diese aus dem Weg. Zwei weitere Kugeln ausweichend lief sie auf die Schwarzhaarige zu und holte mit dem Knauf von Owens Waffe zum Schlag aus. Mit einer kleinen Platzwunde an der Stirn sackte die Frau zusammen und blieb benommen liegen.

„Nein!!!“, schrie Owen, der sich als erster wieder aufgerappelt hatte und auf das Mädchen zustürmte. Doch anstatt auf ihn zu schießen, ließ sie die Waffe klappend zu Boden fallen und fixierte ihren nächsten Gegner. Ohne große Mühe wich sie den Fäusten, die auf sie zu sausten, aus und schlug mir äußerster Präzision zurück.

Jack sprang auf die Füße und hob seine Pistole, aber er konnte nicht schießen, da sein Freund die Schussbahn blockierte. Entweder riskieren Owen zu verletzen oder ihn gar zu töten, oder er musste weiterhin zu sehen, wie der andere von dieser Jenny zusammengeschlagen wurde. Faust um Faust traf sie in sein Gesicht. Nach kürzester Zeit war der durchtrainierte Mann, zu benommen, um noch nennenswert zurück zu schlagen.

Jetzt musste Jack sich eingestehen, dass sein Instinkt ihm mal wieder das Richtige gesagt, aber er nicht zugehört hatte. Er hatte auf den ersten Blick gesehen, dass man dieses zierliche Mädchen nicht unterschätzen durfte. Sie hatte selbst angedeutet, dass sie sich wehren konnte, und nun hatten sie sich als Killermaschiene entpuppt.

Es kam Jack ewig vor, aber es vergingen bestimmt nur wenige Sekunden bis die Kämpferin einen gezielten Tritt gegen Owens Kiefer landete und somit diesen endgültig bewusstlos zu Boden schickte.

Wut kochte in den Captain auf und benebelte seinen Verstand, als er auf seinen wehrlose Freund blickte. Bis her konnte Jack nur seinen Rücken sehen, aber nun schaute er auf das blutige und mit Prellungen übersäte Gesicht hinab. ‚Das ist meine Schuld‘, schoss es ihm durch den Kopf. ‚Ich habe zu lange abgewartet, zu lange gezögert.‘ Ohne einen klaren Gedanken schoss er eine Kugel nach der anderen auf die Blonde.

Diese versuchte, wie zuvor bei Gwen, auch Jacks Kugeln auszuweichen. Die erste ging noch ins Leere, aber die Zweite traf sie in den rechten Arm. Das Mädchen schrie, aber das hörte der Braunhaarige kaum. Alles um ihn herum klang stumpf und wirkte weit entfernt, als würde er einem Film zu sehen. Er merkte den wilden Ausdruck nicht, der in seinen Augen war. Die Blonde griff reflexartig nach der Wunde und krümmte sich vor Schmerz, sodass die dritte Kugel sie knapp unterhalb ihres linken Knies traf. Wie fest ein trainiert, ließ sie sich fallen, um eine kleinere Zielfläche für weitere Kugeln zu bieten.

Noch während sie nach Owens auf dem Boden liegende Waffe griff, streifte eine weitere Kugel sie an der Hüfte. Verletzt und die Pistole an die Brust gepresst krabbelte Jenny bäuchlings hinter einen zweiten Container. Die Kugeln schlugen ein und hinterließen tiefe Löcher, aber sie blieben stecken. Der Lärm von Metall auf Metall hallte in der Gasse und in den angrenzenden Straßen wieder. In der Ferne waren schreiende und wegrennende Menschen zu hören, aber das bemerkte Jack kaum. Sein rauschendes Blut übertönte alles. Die junge Frau wagte es nicht, sich auch nur einen Millimeter aus ihrer Deckung zu bewegen, um zurück zu schießen, doch trotzdem feuerte Jack  immer weiter bis seine Munition ausgegangen war.


„Jack! Jack!“, schrie Gwen und übertönte das Klingeln in seinen Ohren. Erst jetzt bemerkte er, dass seine Pistole nur noch leise klickte. Mit beiden Hände hielt er seine Waffe so verkrampft fest, dass seine Fingerknöchel weiß hervor traten. Sein Atem ging schnell und Schweiß lief über seine Stirn. Verwirrt sah Jack zu Gwen und versuchte zu verstehen, was gerade geschehen war. Er hatte nicht gemerkt, wann sie sich wieder aufgerappelt hatte.

„Jenny?“, vorsichtig näherte sich die Frau der Verletzten, die der Captain von seinem Standort aus nicht sehen konnte. Keuchend stand Jack in der Gasse und starrte den Container an, hinter dem die Blonde wartete. Zumindest dachte er das.

„Was hast du getan?“, hauchte die Schwarzhaarige, die sich über das Mädchen beugte. Tränen sammelten sich in ihren Augen. „Was ist nur in dich gefahren!?“ Er konnte es selbst nicht sagen. Jack wusste nur noch, dass er seine Freunde beschützen wollte. Es war seine Pflicht sein Team zu beschützen, oder?

„Jenny, bitte wach auf, bitte“ Gwen griff nach den Schultern der Jüngeren und schüttelte sie leicht.
Mit steifen Schritten kam der Anführer von Torchwood näher. Jenny lehnte stark blutend und regungslos an der Wand. Ihr Kopf war zur Seite gekippte und Blut rann aus ihrem Mund. Ein paar Kugeln waren doch durch das Metall geschlagen und hatten die junge Frau schwer verletzt.

„Jack?“, Gwen sah ihn verzweifelt an. „Was sollen wir jetzt tun?“
Der grausige Anblick ließ ihm den Atem stocken. Er ließ die Waffe fallen. Seine Hände zitterten. Was war bloß in ihn gefahren? Die kriegerische Außerirdische, die er nur vor wenigen Sekunden noch gesehen hatte, die Gwen und Owen niedergeschlagen hatte, und dieses hilflos dar liegende Mädchen passten einfach nicht zusammen. Mit einem mal war nicht mehr sie sondern er der Angreifer, die Bedrohung, derjenige, der aufgehalten werden muss. Jack wusste, dass er genau dies in Gwens Augen sehen würde, aber er weigerte sich in ihr Gesicht zu sehen.

Die Schwarzhaarige richtete ihren Blick wieder auf das Mädchen und untersuchte ihre Wunden, doch ein Blick genügte um zu wissen, dass Jenny sofort richtige medizinische Hilfe brauchte. Das sah auch Gwen schnell ein und griff nach ihrem Headset. „Tosh, hörst du mich?“

„Laut und deutlich“, kam prompt die Antwort. „Was ist passiert?“
„Schick Ianto zu unseren Koordinaten. Wir… Wir haben eine Schwerverletzte.“ Gwen sah kurz die Gasse hinunter. „Und Owen ist bewusstlos.“  
„Was ist passiert? Geht es dir gut? Was ist mit Jack?“ Die Schwarzhaarige zögerte kurz, wagte es aber nicht zu ihm aufzusehen. „Gwen?!“
„Uns geht es gut.“, antwortete sie. „Sag Ianto, er muss sie beeilen, sonst verblutet sie uns.“


Etwa eine Minute nachdem Gwen Hilfe angefordert hatte, war Owen wieder zu sich gekommen.
„ohhh...“ Stöhnend richtet er sich auf und betastete die Wunde an seiner linken Schläfe. Gwen hob den Kopf. „Owen, wie geht es dir?“

„Halb so schlimm.“ Er hob seinen Kopf und sah zu Jack, der immer noch wie versteinert in der Mitte der Gasse stand und auf den Boden starrte. Doch bevor der Braunhaarige fragen konnte, was mit dem Captain los sei, tauchte ein schwarzer Jeep am Eingang der Straße auf.

„Ich habe die fliehenden Menschen gesehen. Also bin ich langsam in die entgegengesetzte Richtung gefahren.“, erklärte Ianto, nahm den Erste-Hilfe-Koffer vom Beifahrersitz und sprang aus dem Auto. „Als Tosh mich kontaktiert hat, war ich schon fast hier.“ Ianto warf einen schnellen Blick zu Jack und sah erleichtert, dass dieser unverletzt war. Dann wandte er sich Owen zu, doch der winkte sofort ab.

Schließlich ließ er sich neben Gwen auf die Knie fallen und stellte den Koffer auf den Boden. Vorsichtig beugte er sich über die bewusstlose Jenny und legte zwei Finger an ihren Hals. „Es… es ist zu spät.“, flüsterte der Mann.

„Nein, das kann nicht sein.“ Gwens Stimme war fast panisch. Tränen strömten über ihr Gesicht und ihre blutigen Hände krallten sich in Ianto Hemd. „Tu was, Ianto!“ Sie drehte ihrem Kopf zu dem Arzt der immer noch benommen am Boden saß. „Owen?!“

„Gwen“ Der Braunhaarige legte eine Hand an Gwens Wange und sah eindringlich in ihre grauen  Augen. „Sie hat keinen Puls. Sie ist tot.“ Die Schwarzhaarige vergrub ihr Gesicht in Iantos Hemd. Tröstend strich er über ihren Rücken, doch sie weinte nur noch stärker.

Jack seufzte. Was sollte er tun? Wie konnte er sie bloß  beruhigen? „Gwen?“, hauchte der Captain und kam einen Schritt auf die beiden am Boden hockenden Freunde zu. „Es…. es tut mir so leid… ich...“

„Es tut dir leid?!“, schrie sie weinend. Ihre gesamte Trauer wandelte sich in einem Wimpernschlag zu rasender Wut. Sie sprang auf die Füße und funkelte Jack an, als wolle sie sich am liebsten auf ihn stürzen. „Gar nichts tut dir leid! Du hast sie umgebracht!“

„Beruhige dich, Gwen. Du kannst nichts mehr tun.“ Ianto griff wieder nach ihren Schultern, aber dieses Mal schüttelte sie ihn ab.

„Das ist es ja! Er hat sie umgebracht“, schrie sie jetzt den Braunhaarigen an, bevor sie sich wieder zu Jack umdrehte. „Verstehst du nicht?! Jack! Was ist bloß in dich gefahren!“

Er schwieg. Es gab nichts, was er sagen konnte. Der ehemalige Zeitagent konnte sich nicht mal selbst erklären, warum er so reagiert hatte. Obwohl er es sich niemals selbst geschweige denn einer anderen Person gestanden hätte, in jenem Moment hatte es sich richtig angefühlt zu schießen. Sein Instinkt hatte ihm gesagt, dass jenes Mädchen gefährlich ist, und dann war sie auf seine Freunde losgegangen.

Jacks Schweigen machte Gwen noch rasender, doch bevor sie den Captain wieder anschreien oder schlimmeres machen konnte, heulten in der Ferne Sirenen auf. Alle erstarrten und lauschten. Keiner der vier hatte wirklich Lust den Polizisten zu erklären, wie sie an den Körper einer erschossenen Siebzehnjährigen gekommen waren, noch bevor die Polizei sie gefunden hatte.

„Wir sollten von hier verschwinden.“ Taumelnd versuchte Owen auf zu stehen und schaffte es schwankend auf die Füße zu kommen. Doch die Schwarzhaarige reagierte nicht, sondern starrte weiterhin den Mann vor ihr an.

„Gwen, kannst du Owen helfen.“, fragte Ianto der immer noch hinter ihr stand, bereit sie zu packen sollte sich doch noch etwas Unüberlegtes machen. Zähneknirschend wandte sie sich zu Owen. Ihn stützend gingen beide in Richtung Jeep und stiegen auf den Rücksitz.

Ianto entdeckte Jacks Waffe am Boden, hob sie auf und steckte sie ein. Dann ging er wieder zu dem Mädchen und hob sie einfach hoch, als wäre sie nicht schwerer als eine Puppe. Dass seine Kleidung sich mit ihrem Blut tränkte, störte ihn herzlich wenig. „Jack?“, fragte Ianto, als er bemerkte, dass der Anführer von Torchwood sich immer noch nicht gerührt hatte. „Komm, Jack, wir müssen hier weg.“

Wie ein Schlafwandler folge der Unsterbliche schließlich den anderen und stieg auf dem Beifahrersitz ein, während der Braunhaarige die Leiche in den Kofferraum legte und eine Decke über sie ausbreitete. Kaum knallte die hintere Tür zu hielten drei Polizeiwagen neben den schwarzen Jeep.

„Wir sind von Torchwood.“, sagte Ianto in einem gelangweilten Tonfall zu den aussteigenden Polizisten und hielt seinen Ausweis hoch, während er mit schnellen Schritten in Richtung Fahrertür ging.

„Wir wurden wegen einer Schießerei gerufen.“, wandte ein älterer, untersetzter Mann mit finsterer Miene ein und stellte sich dem Jüngeren in den Weg. Misstrauisch musterte schaute er auf das Blut bedeckte Hemd und Jacket.

„Richtig.“, erwiderte er und schob sich an dem Mann vorbei. „Und wir haben sie beendet.“ Ohne sich weiter mit dem Protest der Uniformierten zu beschäftigen, stieg Ianto hinter das Steuer und führ mit quitschenden Reifen davon.
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