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OneshotSchmerz/Trost / P12 Slash
Noriaki Kakyoin
26.04.2018
26.04.2018
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Er findet, dass es hier eigentlich ganz schön ist. Es ist warm und angenehm, weich. Ein wenig, wie im Bauch seiner Mutter damals. Zumindest stellt er es sich so vor. Hat es sich damals genauso angefühlt? Behütet und geborgen, von der ganzen Gewalt und den vielen Gefahren der Außenwelt geschützt?

Vermutlich.

Langsam lässt er sich auf die flauschige Wolke sinken, merkt, wie sie durch sein Gewicht ein wenig nach unten gedrückt wird. Jedoch weiß er, dass er keine Angst haben muss, er könnte durchfallen, oder sich verletzen. Schließlich existiert er gar nicht mehr. Zumindest nicht im herkömmlichen Sinne.

Die Beine lässt er ein wenig baumeln, betrachtet das unendliche Blau unter ihm. Ganz oft macht er das, immer, wenn er sich einsam fühlt. Jedes Mal, wenn er ihn vermisst. Wenn er sich wünscht, wieder in seinen Armen gehalten zu werden. Wenn er sich daran erinnert, wie sie sich das erste Mal gesagt haben, was sie füreinander empfinden. Aber auch jedes Mal, wenn er sich an die gesamte Gruppe zurück erinnert. Daran, wie unterschiedlich sie doch waren, aber trotzdem gut zusammenarbeiten konnten.

Avdol, der so unglaublich aufbrausend und impulsiv war. Dessen Herz eine lodernde Flamme war, ein heißes Feuer, vor dem man sich in Acht nehmen müsste. Der zwar immer sehr ruhig wirkte, aber mit dem es schnell gefährlich und brenzlig werden konnte. Jemand, der sich selbstlos für andere opferte.

Polnareff, der es wirklich immer schaffte, egal, wo sie hinkamen, irgendeinen Unfall mit den dortigen Toiletten zu haben. Der sich viel Mühe mit seinem Aussehen gab, sich jedoch ziemlich kindisch verhielt. Gutgläubig und ziemlich naiv war, aber trotzdem ein starker Kämpfer, den er zu schätzen wusste.

Herr Joestar, ohne den ihm diese Reise vermutlich gar nicht möglich gewesen wäre. Der gerne mal von seinen Geschichten aus seiner turbulenten Jugend erzählte, wobei man sich nie sicher sein konnte, ob er nun die Wahrheit sagte, oder ob das alles Schauermärchen waren. Doch Kakyoin weiß es mittlerweile besser. Denn hat er ihn damals noch angezweifelt, den schrägen, alten Kauz, weiß er heute, dass es alles stimmte. Jeder einzelne Geschichte von ihm. Denn er hat jemanden kennengelernt, der ihn aus dieser Zeit kannte.

Und dann ist da noch Jotaro.

Es fühlt sich so an, als ob sein Herz einen kleinen Satz machen würde, als er an diesen Namen denkt. Was merkwürdig ist, denn schließlich hat er doch gar kein Herz mehr.

Jotaro war… Jotaro ist etwas besonderes. Ein Mensch, den er niemals vergessen würde. Ein Mensch, der durch seine kühle und abweisende Art immer sehr distanziert wirkt. Dem man seine Gedanken nie ansieht, von dem man nicht denkt, dass er überhaupt eine Freundschaft führen könnte. Oder gar eine Beziehung. Der nie wirklich gut mit Frauen umging, sollten Sie ihn denn zu sehr nerven, oder in Verlegenheit bringen. Doch hinter dieser kalten, gefühllosen Maske, war etwas, was sonst scheinbar niemand sehen konnte. Etwas, was so hell strahlte, dass es Kakyoins lilafarbene Augen blendete. Ein Licht, was einen zuerst stört, aber sobald man sich daran gewöhnt hat, einladend ist. Und dann möchte man es nie wieder missen.

Und eben diesen Menschen beobachtet er so gerne von seinem Platz aus. Von seinem Platz, an dem keiner sehen, niemand hören, geschweige denn wahrnehmen kann.

Er fasst sich ein wenig an die große Wunde an seinem Bauch, schließt die Augen und lächelt. Die Narben in seinem Gesicht sind immer noch da, werden dort für die Ewigkeit verweilen. Damals, von dem Angriff, der ihm fast sein Augenlicht nahm.
Als er diese wieder öffnet, sieht er genau das, was er sich erhoffte.

Jotaro.

Er kann nicht mit ihm reden, auch, wenn er es sich immer wieder wünscht. Er kann ihn nicht umarmen, auch, wenn er alles dafür tun würde, damit das möglich wäre. Doch er kann ihn sehen. Er kann ihn beobachten, schauen, was er gerade tut.

Und gerade ist sein damaliger Schwarm in Morioh, war ursprünglich dorthin gegangen, um einen Bericht über einen Seestern zu schreiben, seinen Onkel kennenzulernen. Doch mittlerweile hat sich das alles ein wenig zugespitzt, weswegen er dort länger bleiben muss, um einen Serienkiller ausfindig zu machen.

Wer hätte schon gedacht, dass er irgendwann mal Meeresbiologe werden würde? Ein weltbekannter, berühmter und vor allem anerkannter, gefragter.

Und dann fängt es an zu stechen. Ein Schmerz, der in seinem Bauch anfängt, sich durch seinen gesamten Körper zieht. Der dafür sorgt, dass er das Gefühl hat, er könne nicht mehr atmen. Er umfasst seinen Bauch, macht seinen Körper ganz klein.

„Argh…“
„Nori.“

Der Rotschopf schreckt auf, als er seinen Spitznamen vernimmt. Langsam löst er sich auf seiner verkrampften Position, schaut über die Schulter hinter sich.

Vor ihm steht jemand, der sich unter dem Namen Caesar Zeppeli vorgestellt hat. Ein großer, gut gebauter Italiener, mit blondem Haar und strahlend blauen Augen. Merkwürdigen, kleinen Malen auf der Wange und einem Akzent, der ihn charmant wirken lässt.

„Es schmerzt.“

Keucht Kakyoin etwas. Eben noch die Arme etwas vor dem Brustkorb verschränkt gehabt, löst er sich nun aus dieser Position. Die eine Hand stemmt er ein wenig in die Hüfte, während er zu ihm nach unten sieht. Mit einem fast schon mitleidigen Blick. Einem Blick, der wohl so etwas aussagt wie 'Ich weiß genau, wie du dich fühlst.‘

Und das tut er tatsächlich. Denn dieser junge Mann vor ihm war wohl der damalige Weggefährte von Herrn Joestar. Als sie noch jung gewesen waren, kaum älter als 20, haben sie sich zusammengetan, um eine große Bedrohung zu bekämpfen. Die Säulenmänner, wie er sie genannt hatte. Und deswegen weiß er auch, dass Herr Joestar nicht gelogen hat.
Denn Caesar Zeppeli ist sein Zeuge.

„Ich vermisse ihn.“

Sagt er, legt dabei den Kopf ein wenig in den Nacken und schließt die Augen. Gleich wird seine Stimme brechen. Genauso, wie es sein Herz tut. Oder zumindest fühlt es sich so an.

Denn das einzige, was er tun kann, ist ihn von hier zu beobachten. Ihm dabei zuzusehen, wie er sein Leben nun meistert. Wie es ihm ergeht, ob er glücklich ist, oder nicht.

Doch in Caesar hat er einen guten Freund gefunden. Manchmal sitzen sie einfach nur stundenlang auf den Wolken, essen köstliche Kirschen, während der Blonde ihm verzaubernde Tricks mit Seifenblasen zeigt. Er weiß nicht, wie er das macht. Caesar selbst hat das nur so erklärt, dass es eine bestimmte Atemtechnik ist, die er innerhalb von vielen Jahren perfektioniert hat.

Langsam öffnet er die Augen wieder, merkt, wie sich langsam Tränen in diesen bilden. Wenn er doch überhaupt kein Herz mehr besitzt, herrje, wenn er doch gar nicht mehr existiert - wieso leidet er dann immer noch?!

Caesar reicht ihm seine Hand, möchte ihn so zum Aufstehen ermutigen. Mit etwas zittrigen Fingern greift er nach dieser, wird von ihm hochgezogen.

„Du wirst dich daran gewöhnen.“

Caesar muss es wissen. Schon seit unzähligen Jahrzehnten sitzt er auf diesen Wolken, beobachtet Herr Joestar, der von ihm lediglich JoJo genannt wird.

Am Anfang konnte er es nicht verstehen. Würde es nicht weh tun, jemanden, der einem so wichtig ist, ständig zu beobachten, ständig zu sehen, dabei aber nicht bei ihm sein zu können? Doch mittlerweile tut er es selbst. Und ja, es tut weh. Es tut höllisch weh. Aber das ist es wert.
Der Griff ihrer Hände löst sich, als sie ein leises Spielen der Harfe hören. Wie lange haben Sie dieses nun nicht mehr vernommen? Beide drehen sich um, schauen in Richtung Licht.

„Wirklich?“

Caesar kratzt sich etwas am Kopf, geht ein wenig auf dieses zu und bemerkt dabei gar nicht, dass etwas an ihm vorbei läuft.

Ein kleines, goldenes Spielzeug ähnliches Wesen, welches direkt auf Kakyoin zu geht. Dieser kniet sich hin, nimmt das unbekannte Objekt auf die Hand.

„Caesar, schau –“

Doch bevor er seinen Satz beenden kann, folgen noch mehr von diesen merkwürdigen Gestalten. 10, 20, 30. Irgendwann so viele, dass sie überhaupt nicht mehr zu zählen sind.

Caesar schreckt ein wenig zurück, doch dann sehen die beiden eine kleine Silhouette im Licht, welche immer näher auf sie zukommt.
Es stellt sich heraus, dass es sich um einen Jungen handelt, der ein Goldstück in der Hand trägt. Eine große, glänzende Münze. Er ist verängstigt, hat Tränen in den Augen und weiß nicht so recht, was mit ihm los ist. Man sieht ihm man, dass er sich fragt, wo er hier denn gelandet ist.

Kurz sehen die Beiden sich an, bevor Kakyoin sich dann erhebt und gemeinsam mit den Blondschopf auf den Neuling hinzu geht.
Caesar steckt sich die Hände in die Hosentaschen, tritt etwas von dem einen Bein auf das andere, betrachtet die fragwürdige Person vor sich. Er sieht merkwürdig aus. Nicht wirklich, wie ein echter Mensch. Ja, wie ein unglücklich geformtes riesen Baby eher.

„Kind, was machst du hier? Hast du dich irgendwie verlaufen?“

Noriaki hingegen setzt das goldfarbene Wesen mit den lila Streifen in seiner Hand wieder ab, geht in die Knie.So, dass er mit dem Neuzugang auf einer Augenhöhe ist. Sanft lächelt er ihn an, deutet auf die glänzende Münze in seiner Hand.

„Du magst funkelnde Dinge, habe ich Recht?“
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