Blick auf eine Beziehung

GeschichteRomanze, Schmerz/Trost / P6
25.04.2018
25.04.2018
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Du, du bist die Sonne.
In deinem Licht wirkt als klar und rein. Nur durch dich sehe ich das tiefblaue Wasser der Ozeane und die immergrünen Wälder auf meinem Lieblingsplaneten; der Erde.

Doch du, du bist göttlich mit deinem goldenen Glanz, während deine Strahlen mich ausnahmslos in silberne Schimmer tauchen. Alles wirkt kühl, geisterhafte Kreaturen und mystische Gestalten fühlen sich in meinem Schatten geborgen, denn ich bin der Mond.

Je näher ich dir komme, desto mehr verliere ich mich in dir. Verblasse in deinem Antlitz.
Am Tag bist du "der Star" , zumal du alles und jeden mit deiner Schönheit und Perfektion überlagerst; sogar mich (oder sollte ich eher sagen gerade mich? ). Nicht einmal die Sterne siehst du funkelnd am Nachthimmel stehen.
Ich bin dir deshalb nicht böse, denn du kannst ja nichts dafür; es liegt einfach in deiner Natur.

Die Menschen jedenfalls lieben dich; vor allem wegen der Wärme, welche du ausstrahlst. Sie kommen aus ihren Häusern und feiern Feste; zu deinen Ehren . Getanzt und gelacht wird bis die Dunkelheit hereinbricht. Bis man mich wieder sieht. Sogleich verziehen sich die meisten wieder in ihr Heim; wo es sicher ist, weil sie Angst haben. Etwa vor mir?
Denn ich bewege auf der Erde ziemlich viel; Gewaltige Wassermassen gehorchen mir, lediglich bei dir scheine ich keinerlei Regung hervorrufen zu können.

Im Gegenteil noch, stiehlst du sogar nachts meine kostbaren Stunden, lässt mich von deinem Schimmer kosten. Deine Wärme reicht bis tief in mein Innerstes, durchdringt meine Atmosphäre, heizt meinen Körper auf, damit du ignorieren kannst, wie ich am Morgen ohne dich zu zittern beginne und tagsüber neben dir völlig verblasse und erfriere. Ein Block aus Eis neben deiner Hitze.
Wenn ich versuche nach dir zu greifen bekomme ich nur heiße Luft zu Fassen. Verbrenne meine Finger jedes Mal an deiner Haut.

Ich will wissen, wie es in deinem Inneren aussieht. Ist es hinter dem Schein genauso hell wie auf deiner Oberfläche? Oder schleppst du die Dunkelheit mit dir herum wie ich mein Lächeln für dich an manchen Tagen?
Wieso tun wir uns so schwer es zu erklären? Wieso verlassen uns die Worte, wenn wir sie am dringendsten benötigen?

Bei mir im Dunkeln aber, fühlst du dich beschützt, fühlst dich sogar sicher. Du kannst endlich mal loslassen. Keine Augen, welche dich vorwurfsvoll Anstarren, dir in Seele und Gewissen blicken. Kein verächtliches Tuscheln hinter vorgehaltener Hand. Und Ohren, die sich nach sündvollem recken. Schön zu wissen, dass ich nachts wenigstens dafür genug für dich bin.

Sobald es jedoch hell wird, willst du nichts mehr von mir wissen. Bin ich dann nur noch Luft für dich? Ein karger Klumpen grauen Gesteins, der deines Strahlens nicht mehr würdig ist? Einer der vielen Planeten, der auf einer Bahn um dich kreist? Doch warte ... ich kreise ja gar nicht um dich, zumindest nicht direkt. Ich ziehe meine Bahnen um etwas, dass mit uns beiden erschaffen wurde.

Für mich ist es mein kleiner Mittelpunkt, meine Stütze, die mich aufbaut. Es sind Erinnerungen, welche größer sind als ich selbst es bin; fantasievoller und farbenreicher als ich es je werde sein können. Es ist meine kleine Welt, an der ich immer noch festhalte. Aus deren Umlaufbahn ich nicht entkommen kann.
Für dich allerdings ist dieser Planet einer aus einer ganzen Reihe. Etwas außergewöhnlicher durch seine zahlreichen ungewöhnlichen Lebensformen. Du hast vieles darauf entdeckt, was die gefällt; hast dich aber nicht lange damit abgegeben. Nun wahrst du eine große Distanz zur Erde, während ich mich schon panisch an sie klammere.

Verstehe mich jetzt bloß nicht falsch. Ich bin dir auch für vieles dankbar. Erst durch dich habe ich diesen Blick auf die Welt entwickelt, lässt mich meinen Mikrokosmos in neuem Licht sehen. Erfüllst ihn mit kostbarem Leben.
Was kann ich alles wiederum für _dich_ tun? Ich kann dir nur meine Sicht der Dinge zeigen. Wenn das Licht schwindet und ich im Schutze der Erde Milliarden von Sternen leuchten sehe, bis in unendliche Weiten erstreckt sich dieser Teppich aus funkelnden Himmelskörpern.
Ich rauschen wie im Stummfilm an ihren Konstellationen vorbei, wobei sie mir einzelne Erinnerungen zeigen, die aufflackern und drohen zu erlöschen, doch sich davor Nacht für Nacht auf meiner Seele einprägen. Eingebrannt wie deine Stahlen auf meiner Haut. Wunderschön, zugleich pures Gift in meinen Adern. Halten mich wach mit ihrem Sirenengesang. Krallen sich in meinen Gedanken fest, kratzen im Inneren meines Schädels, wollen dich anschreien, warum du mich so behandelst! Womit ich das verdient habe!? Melodien von Freiheit und Freude in nächtlichem Schein, um bei dir zu sein, um sich einen Moment fallen zu lassen.
Jeder dieser Sterne kostbarer als der nächste und der zuvor. Es sind Momentaufnahmen, von uns. Unsere Geheimnisse.

Ich wünschte mir nur du würdest eines nachts in den Himmel schauen und ihn so betrachten wie ich allabendlich Abend tue.
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