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Fototermin

von Isaria
OneshotHumor, Liebesgeschichte / P16 / MaleSlash
Agron Nasir
24.04.2018
24.04.2018
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Zum wiederholten Male sah Nasir auf seine Uhr. Zwanzig nach zehn las er und schüttelte leise seufzend den Kopf. Er stand hier in seinem kleinen Fotoatelier und sah mit geübtem Blick, dass alles was er für die anberaumte Session um zehn arrangiert hatte auch dem entsprach, was er sich vorgestellt hatte.

Zwanzig nach zehn und dieser verdammte Agron Kühn war noch immer nicht da. In einer guten Stunde würde bereits sein nächstes bestelltes Model in der Tür stehen und er hatte doch weiß Gott um Pünktlichkeit seiner Klientel gebeten.

Zu seiner Erleichterung hörte er die sanfte Türklingel läuten und machte sich auf in den Vorraum um seinen zehn Uhr Termin ins Atelier zu scheuchen. Der Anblick, der sich ihm jedoch gleich darauf bot entsprach aber nicht im Mindesten dem was er erwartet hatte.

Da stand Agron Kühn mit hängendem Kopf vor ihm, sein einfaches Shirt war blutbefleckt, oder waren das nur Saftflecken? An der Seite war es zudem eingerissen und seine Hände und Unterarme wiesen tiefe blutige Kratzer auf und auch sein so hübsches Gesicht war arg in Mitleidenschaft gezogen.

Wortlos zerrte Nasir ihn mit sich in das Atelier und reichte ihm eine Box mit Taschentüchern. „Danke.“, hörte Nasir ihn sagen, während er ihn vor den Spiegel schob und sich dann auf den hohen Hocker setzte.

„Sie sind spät Herr Kühn, unser Termin war für zehn angesetzt. Außerdem sehen sie aus als hätten sie sich geprügelt. Ich höre mir gern ihre Entschuldigung an, weiß aber nicht ob ich sie akzeptieren werde. Also, ich höre.“

Der war beim Klang seines Nachnamens merklich zusammengezuckt und überlegte nun fieberhaft, wie er dem überaus gutaussehenden Fotografen seine bereit gelegte Geschichte am besten verkaufen sollte. Einfach die Wahrheit sagen? Nein, die war viel zu peinlich und er schämte sich ihrer. Tief durchatmen, das half ja vielleicht.

„Ich habe mich nicht geprügelt. Ich bin nur mit dem Haustier meines neuen Freundes aneinandergeraten. Wir haben uns vor ein paar Tagen kennengelernt und es war wie Boom auf beiden Seiten. Und gestern Abend war ich zum ersten Mal in seinem kleinen Haus und es war wirklich unglaublich toll mit ihm.“

Nasir seufzte ungehalten. „Herr Kühn, ihre Liebesgeschichten gehören nicht hierher. Ich will einfach nur wissen, warum sie erstens zu spät sind und zweitens warum sie aussehen als wären sie von einem Bus überrollt worden.“

„Mein Freund hat mich heute Morgen allein in seinem Haus gelassen, weil er zur Arbeit musste und ich hatte versprochen mich um sein Haustier zu kümmern.“ Er machte eine Pause in der Nasir nun die Arme vor seiner Brust verschränkte. „Er hat eine kleine Ziege und die ist plötzlich auf mich losgegangen, hat mich geschubst und mehrmals getreten und ich bin nach hinten in den Drahtzaun gefallen.“

„Eine Ziege war das? Ich bin wirklich beeindruckt, frage mich allerdings warum eine Ziege auf sie losgehen sollte.“ Es klang spöttisch und Agron sah ihn finster an.

„Jetzt bin ich ja da Herr...Herr Memas. Meine Agentur verlangt nach den Aufnahmen.“ Ganz kurz schloss Nasir seine Augen und wies dann auf den Kleiderständer hinter dem Vorhang. „Wenn sie sich einfach umziehen würden, damit wir endlich anfangen können, dann wäre ich ihnen sehr dankbar.“

Während sich Agron nun umzog, kontrollierte Nasir noch einmal seine Ausrüstung und sprach dann in ruhigem Ton weiter.

„Sie sind falsch informiert Herr Kühn. Die Aufnahmen, die wir heute machen sind nicht für die Agentur sondern für eine Modezeitschrift und für die Werbung eines Duschshampoos.“ Die Antwort ließ Nasir stöhnen.

„Und ich hatte gehofft, ich mache Fotos für ein Pornomagazin, zumindest hat mir mein neuer Freund so etwas unterstellt. Wie erkläre ich ihm das ohne ihn allzu sehr zu enttäuschen?“ „Dann sagen sie ihrem neuen Freund, dass wir hier ernsthaft arbeiten und keine Schmuddelfotos fabrizieren sondern Hochglanzaufnahmen anfertigen, die in der gesamten Modebranche angesagt sind und wenn sie unbedingt als Pornostar arbeiten wollen, gebe ich ihnen gerne eine entsprechende Adresse.“

„Oder ich bitte meinen Freund um diesen kleinen Gefallen. Schließlich haben wir ja gestern schon ein paar Probebilder gemacht und die waren ziemlich heiß, falls sie verstehen, was ich damit meine Herr Memas.“

Endlich hatte sich Agron umgezogen und nahm die gewünschte Pose ein und Nasir fing an zu fotografieren und ihn zu dirigieren. Und dann folgten die Aufnahmen für das Duschshampoo und dafür trat Agron nur mit einer Boxershort vor die Kamera.

Der sich ihm bietende Anblick ließ bei Nasir kaum Wünsche offen und er hatte Mühe sich auf seine Arbeit zu konzentrieren vor allem da es Agron schaffte mit seinem Grinsen und seinem verdammt guten Aussehen ihn in den schieren Wahnsinn zu treiben.

„Soll ich den Ventilator einschalten? Sie sehen aus als würden sie schwitzen.“, bot Agron frech grinsend an.

Es fiel Nasir schwer seine Gedanken auf die Arbeit zu richten aber irgendwie schaffte er es und die Bilder waren im Kasten.

„Wie sind sie nur zu diesem Job gekommen Herr Kühn?“ „Oh, durch gezieltes Fragen, ein wenig flirten mit den richtigen Leuten in den richtigen Positionen.“ „Für ihre Karriere würden sie wohl so einiges tun, sehe ich das richtig?“ „Alles, was mir helfen würde, kann ich mir zumindest vorstellen.“ „Alles? Wirklich?“ Agron lächelte still in sich hinein. „Nun ja, fast alles. Ehrlich gesagt, ich würde sogar mit dem Producer ins Bett gehen, der mich in diesen Auftrag geschoben hat und mir einen weiteren besseren in Aussicht gestellt hat.“

„Sie sind ja sehr von sich eingenommen, möglicherweise etwas zu sehr. Das ist manchmal schlecht für die Karriere, wenn man die vielen Stolpersteine betrachtet, die da auftauchen können und einen schnell zu Boden gehen lassen.“

„War das eine Drohung Herr Memas?“ „Nein, wohl eher eine Warnung und jetzt sollten sie lieber aus meinem Atelier verschwinden und sich um die Ziege ihres Freundes kümmern, nicht dass sie die heutige Nacht in ihrem Stall verbringen müssen, weil sie seine Anweisung missachtet haben.“

Agron riss vor Schreck die Augen auf und verschwand nach einem kurzen Gruß aus dem Atelier.


„Du bist so ein Arschloch, weißt du das?“ „Das hat dich aber gestern Abend im Bett nicht sehr gestört.“ „Da habe ich ja auch noch nicht gewusst, was du alles für deine Karriere tun würdest.“


Agron Kühn und Nasir Memas standen sich mit verschränkten Armen in Nasirs Küche gegenüber und lieferten sich ein hitziges Wortgefecht in dessen Verlauf es beiden immer schwerer fiel den gespielten Ärger beizubehalten und nicht vorzeitig kleinbeizugeben.

„Na ja, wenigstens hat dich Susi in die Schranken verwiesen. Was ist so schwer daran eine kleine Ziege mit Futter und Wasser zu versorgen?“ „Ich war noch so müde von gestern Nacht und von allem, was wir gemacht haben und dann bestellst du mich auch noch so früh ins Atelier für diese verdammten Aufnahmen.“

„Komisch. Ich bin gestern auch hier gewesen und ich weiß sehr gut, was wir getan haben und trotzdem war ich heute Morgen pünktlich im Atelier.“ „Gut, nachdem du gegangen bist bin ich noch einmal eingeschlafen. Ich war so in Gedanken wegen der Fotoaufnahmen und der möglichen Pornobilder, dass ich deiner Ziege wohl das falsche Futter gegeben habe und vergessen habe das Gatter zu schließen, so dass sie mich überrumpeln konnte.“

„Ja, sie hat dich ganz schön erwischt, mein Freund. Und was die Bilder für das Pornomagazin angeht, da habe ich ein wenig geflunkert. Die Bilder sind nur für mich, falls du mal einen Auftrag hast und längere Zeit unterwegs bist und ich dich dann vielleicht vermisse.“

„Gekauft. Um dem vorzubeugen sollten wir vielleicht mit der Fotosession fortfahren, die wir gestern begonnen haben.“

„Gute Idee aber erst nach dem Essen und wie wäre es, wenn wir die Fotos im Beisein von Susi machen würden?“ Agron schluckte schwer. „Du hast mich erwischt, wegen meiner Aussage, dass ich für die Karriere so ziemlich alles tun würde.“

Nasir grinste schelmisch. „Fast alles.“
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