Promises

GeschichteRomanze / P18
OC (Own Character)
24.04.2018
24.04.2018
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24.04.2018 2.006
 
Yukimura Nagisa seufzte während sie das Blatt Papier in ihrer Hand genauer betrachtete. Ihre Augen überflogen die darauf stehenden Sätze, während sich die Stirn ihres sonst so femininen Gesichts in Falten legte. „Akaya… schon der erste Satz ergibt keinen Sinn. Außerdem ist ‚buy‘ ein unregelmäßiges Verb… also müsste es ‚bought‘ heißen und nicht ‚buyed“. Ein weiterer Seufzer folgte während Kirihara ihr genervt das Papier aus der Hand riss. „Wer braucht schon Englisch? Sie einen Mist bekomm ich einfach nicht in meinen Kopf rein…“ Sichtlich entnervt lies Kirihara Akaya das Papier in den Mülleimer fallen und fuhr sich durch die dunklen Locken. Nagisa schüttelte den Kopf. In Momenten wie diesem fragte Sie sich manchmal warum sie überhaupt versuchte ihm zu helfen. Natürlich tat sie es auch um seines Willen. Seit ihrem ersten Jahr in Rikkai Dai war sie in der selben Klasse als auch Akaya gewesen, dennoch konnte Nagisa bis heute nicht beantworten, ob sie Akaya wirklich mochte oder ob er ihr Leid tat und sie irgendwie den Drang hatte sich um ihn zu bemühen. Nagisa hoffte auf Ersteres, versuchte der Sache aber nicht wirklich auf den Grund zu gehen.

Ein weiterer Grund warum das Mädchen ihm versuchte mit Englisch zu helfen war die Bitte Ihres Bruders. Yukimura Seiichi war eine regelrechte Berühmtheit an der Schule. Nicht nur wegen seiner Position als Captain der Tennis Mannschaft, sondern vor allem bei den weiblichen Schülern auch aufgrund seines Äußeren. Nagisa sah ihrem ein Jahr älterem Bruder schon sehr ähnlich. Beide hatten die dunklen Haare, die im Licht leicht bläulich schimmerten, auch wenn die des Mädchens bedeutend länger waren als die Ihres Bruders. Auch ihre Gesichtszüge ähnelten sich. Dennoch gab es so viele Dinge, in denen die Geschwister sich unterschieden. Während Seiichi sich komplett auf das Tennis konzentrierte, war dies für Nagisa lediglich etwas aus ihrer Vergangenheit. Schon lange hatte sie keinen Schläger mehr in der Hand gehabt. Es war nicht, dass sie kein Talent hatte, dies hatte sie zweifelsfrei. Sie war gut gewesen und der Sport hatte ihr Spaß gemacht. Aber sie war es leid gewesen ständig mit ihrem Bruder verglichen zu werden. Ihre Eltern waren da keine Ausnahme gewesen. Die Leere, die die Aufgabe des Sportes hinter lies, hatte sie mit Volleyball gefüllt, dies war allerdings nur ein Hobby und Nagisa hatte keine Intention den Sport wettkampftechnisch zu betreiben. Seiichi hatte sie schon fast angefleht, Akaya mit Englisch zu helfen. Er selbst hatte schlichtweg die Zeit dazu nicht, musste sich allerdings den Drohungen des Englischlehrers seines jüngeren Teammitglieds beugen und versprechen, dass Akaya‘s Englischnoten nicht unter dem Tennistraining litten. Ihrem Bruder etwas abzuschlagen war schon fast ein Ding der Unmöglichkeit. Also begleitete Nagisa zweimal die Woche den Devil von Rikkai Dai nach Hause und paukte mit ihm Englisch. Richtig gefruchtet hatte es bis jetzt zwar nicht aber Nagisa konnte schlecht nach zwei Wochen aufgeben.

Seufzend ließ sie ihre Finger über die Schulter ihres Sitznachbarn streifen. „Neuer Versuch… zumindest diese eine Aufgabe müssen wir heute noch schaffen.“ Der Körper des Schwarzhaarigen versteifte sich. Nagisa beachtete dies kaum. Sie war es schlicht und einfach gewohnt, dass Akaya so auf ihre Berührungen reagierte. Trotz allem hatten die beiden eine gewisse Verbindung. Wenn Kirihara sich trotzig auf das Schuldach verzog, war es meist Nagisa die ihn früher oder später suchte und ihm zu hörte. Sie kannte seine Launen und sein Temperament, lies sich davon allerdings nicht abschrecken. Mittlerweile hatte Akaya ein neues Blatt vor sich liegen und versuchte erneut die Englischaufgabe zu lösen. Zwar fluchte er leise vor sich hin, dennoch hatte sich sein Körper bereits wieder entspannt. Das Vibrieren Ihres Handys brauchte Nagisa zurück aus Ihren Gedanken. Mit flinken Fingern wischte Sie über das Display um die Textnachricht zu öffnen. Bereits der Absender ließ sie grinsen. Niou Masaharu. Der Trickster war nicht nur der Mannschaftskamerad ihres Bruders, sondern mittlerweile auch Ihr Freund. Liebe auf den ersten Blick wäre allerdings zu viel gesagt. Nagisa kannte Niou bereits seit er der Tennismannschaft beigetreten war. Oft hatten sich die Jungen bei ihrem Captain zu Hause getroffen und Nagisa war ihnen unweigerlich über den Weg gelaufen. Niou war für sie immer nur ein Freund ihres Bruders gewesen. Jemanden mit einer großen Klappe und zu viel Schneid, als für ihn gut war. Verliebt hatte sie sich allerdings in eine ganz andere Seite von ihm. Nagisa konnte sich genau an den Moment erinnern, in dem sie diesen Gefühlen bewusstwurde. Es war einer der schwersten Tage ihres Lebens gewesen.

- 6 Monate zuvor -

Nagisa hatte sich beeilt und war nach der Schule direkt mit dem Fahrrad hingefahren. Dennoch war sie zu spät. Mit schwitzigen Händen und zähneknirschend stand sie vor der geschlossenen Zimmertür. Sie konnte nicht genau sagen, wie viele Personen im Zimmer waren. Dennoch erkannte sie mindestens drei dieser Stimmen. Das Mädchen ballte die Hände zu Fäusten. Allerdings half es nichts. Seufzend drehte sie sich um. Sie konnte einfach nicht reingehen, solange Seiichi nicht alleine war. Vielleicht später. Nagisa schluckte die aufsteigenden Tränen hinunter und stapfte durch den langen Gang des Krankenhauses. Der Geruch nach Desinfektionsmittel drang durch ihre Nase und verursachte ein flaues Gefühl in ihrem Bauch. Morgen war Tag X. Der Tag, den alle so lange herbeisehnten und gleichzeitig hofften das er nicht kommen würde. Seiichi würde operiert werden. Natürlich verstand Nagisa seine Beweggründe. Er wollte wieder spielen und ein uneingeschränktes, normales Leben führen. Aber die Operation machte Nagisa Angst. Mehr als das, sie hatte Panik. Deshalb konnte sie nicht in sein Krankenzimmer gehen, solange seine Freunde im Raum waren. Sie wollte nicht, dass sie irgendjemand so sah. GBS… das Guillain-Barré-Syndrom… eine neurologische Erkrankung die nach und nach die Muskeln des Körpers beeinträchtigt… Nagisa hasste dieses Wort. Und diese Erkrankung. Es war, als hätte sie den Boden unter den Füßen verloren. Als sie dieses Gefühl von Panik das erste Mal spürte, wurde ihr erst richtig bewusst, wie wichtig ihr Bruder für sie war.

Mittlerweile war das dunkelhaarige Mädchen auf der Dachterrasse angekommen und blickte in die Ferne. Ihre Arme baumelten über das Geländer und der leichte Wind blies immer wieder Strähnen ihrer Haare in ihr Gesicht. Sie schreckte erst zusammen, als sich zwei starke Arme um Ihre Schultern schlangen. Sie hatte den Schrecken bereits überwunden und lehnte sich zurück gegen die Brust der Person hinter ihr. Sie kannte seinen Geruch bereits gut und seine Nähe war beruhigend. „Woher wusstest du, dass ich hier bin?“ Das Mädchen flüsterte die Worte und erntete ein leises Lachen. „Woher? Wer weiß…“ Er hauchte beinahe die Worte in ihr Ohr, was ihr eine Gänsehaut bescherte. „Niou-Senpai…“ Der Angesprochene seufzte während er die Arme etwas enger um den Körper des Mädchens schlang. „Hatten wir uns nicht auf Masa geeinigt? Oder kommt es dir immer noch zu schwer über die Lippen?“ Der Silberhaarige hatte sein Kinn auf ihre Schulter gelegt und blickte aus den Augenwinkeln in ihr Gesicht. Die Röte war bereits in ihr Gesicht gestiegen als das Mädchen die Augen schloss und tief Luft holte. „Masa….Senpai…“. Sie verzog das Gesicht als der Ältere hinter ihr seinen Kommentar abgab: „Na… fast. Am Weglassen des senpai müssen wir noch arbeiten, Nagisa.“ Der klang ihres Namens aus seinem Mund lies ihr Herz lauter schlagen und sie hoffte, dass der sonst so scharfsinnige Trickster dies nicht mitbekam. Das Mädchen wusste nicht, woher er immer wusste, dass sie hier oben war. Oder was er ihrem Bruder sagte wohin er verschwand. Oder ob Seiichi wusste, dass sie beide hier oben waren und das Niou Masaharu mittlerweile einen großen Platz in ihrem Herzen eingenommen hatte. Er war so etwas wie ihre Stütze, brachte ihr Ablenkung und Trost. Und sie wollte nicht danach fragen. Zu sehr hatte Nagisa Angst, das kaputt zu machen, was auch immer sie hatten. Sie fühlte sich wohl in seinen Armen und für kurze Momente konnte sie an etwas anderes Denken, als an die Operation ihres Bruders morgen. Allerdings hatte sie nicht die leiseste Ahnung was der Ältere in ihr sah. War da mehr als nur die kleine Schwester die er zufällig weinend auf dem Dach der Schule gefunden hatte? Oder war es lediglich die Loyalität zu Seiichi, die ihn dazu brachte sie weiterhin zu treffen? Nagisa wusste es nicht und war sich nicht sicher ob sie es überhaupt wissen wollte. Sie hatte genug über Niou nachgedacht um zu wissen, dass sie sich in ihn verliebt hatte. Dennoch konnte sie es ihm nicht sagen. Sie konnte ihn nicht verlieren, nicht jetzt. Selbst wenn er sie immer noch trösten kommen würde, wäre die Situation dann anders. Nagisa biss sich auf die Lippen und seufzte kaum hörbar. Wenn die Operation gut verlaufen und vorbei wäre, was dann? Nagisa hasste sich selbst für diesen Gedanken. Sie durfte nicht daran zweifeln, dass die Operation gut verlaufen würde, noch dürfte sie darüber traurig sein, dass diese morgen stattfinden würde. Sie hasste sich wirklich für diesen selbstsüchtigen Gedankengang. Und alles nur weil sie nicht wollte, dass das was Masaharu und sie hatten plötzlich zu Ende war.

Das was als nächstes passierte ging zu schnell, als dass ihr Verstand folgen konnte. Niou hatte ihren Körper zu sich gedreht. Seine langen Finger hatten über ihre Wange gestrichen. Sie hatte nicht mitbekommen, dass sie weinte. Sanft hatte er die Tränen weggewischt und in ihre nassen Augen gesehen. „Es wird alles gut werden. Dein Bruder ist stark und hat einen unbändigen Willen.“ Nagisa konnte nur nicken. Seine blauen Augen hatten Sie bereits in deren Bann gezogen. „Ich werde dich nicht alleine lassen…jetzt nicht, und morgen nicht… und danach nicht. Eigentlich wollte ich warten, aber…“ Masaharu hatte nicht zu Ende gesprochen. Anstelle dessen hatte er sich vorgebeugt und alles was Nagisa in diesem Moment noch wahrnehmen konnte, waren seine warmen, weichen Lippen die sich auf Ihre pressten.

- Gegenwart -

Nagisa verzog unweigerlich das Gesicht als sie an diesen Tag dachte. Zu viel Gefühlschaos auf einmal. Angst, Panik aber auch Schmetterlinge im Bauch. Es war ein verwirrendes aber zugleich unbeschreiblich schönes Gefühl, wenn der Mensch, den man liebt das Selbe für einen empfindet. Ihre Beziehung war kein Geheimnis. Seiichi hatte ein wenig gebraucht, um sich mit dem Gedanken anzufreunden. Sanada Genichirou war wenig erfreut gewesen, da aus seiner Sicht Niou sich mehr auf das Tennis, als auf sie konzentrieren sollte. Und Akaya… dies war schwer zu deuten. Er war bockig gewesen und hatte sie für ein paar Tage links liegen gelassen. Warum konnte sich Nagisa nicht recht erklären.

„Hörst du mir überhaupt zu?“ Akaya hatte den Blick zu ihr gewandt und schaute ihr strafend entgegen. Nagisa schüttelte den Kopf und tippte schnell eine Textnachricht an Masaharu, dass sie heute Abend Zeit hatte. „Bitte entschuldige, was meintest du?“ Nagisa schaute schuldbewusst zurück und der Angesprochene schnaubte. Das Mädchen seufzte erneut und strich Akaya über die Haare. Wieder erstarrte dieser und blickte starr auf das Blatt vor ihm. „Akaya, es tut mir wirklich leid. Ich musste Masa nur antworten, dass…“ Weiter kam sie nicht, sondern wurde vom Second Year Ace unterbrochen. „Ich will es gar nicht wissen. Der Gedanke ist immer noch bleh…“ Nagisa verdrehte die Augen. Sie wusste genau, dass Akaya auf Ihre Beziehung zu dem Trickster anspielte. Diese Spitzen war sie bereits gewohnt. Das Mädchen atmete tief ein um ruhig zu bleiben und die Bemerkung einfach zu übergehen. „Was wolltest du denn sagen?“ Aufmerksam blickte sie ihren Gegenüber an. Dieser reichte ihr nur wortlos das Blatt Papier. Immer noch schmollend lehnte er sich zurück und verschränkte die Arme. „Außerdem muss ich gleich zum Training.“ Nagisa schaute auf Ihre Armbanduhr und nickte. „Schon so spät. Dann gehen wir die Aufgabe doch nächstes Mal durch…“. Akaya war bereits aufgestanden und hatte die Trainingstasche aus der Ecke gezogen. „Nicht meine Schuld… Ekelhafte Tagträumerei…“. Nagisa ignorierte sein murmeln und griff ebenfalls nach Ihrer Tasche. „Okay, dann bis morgen, Akaya.“ Das Mädchen winkte einmal kurz bevor Sie das Zimmer und anschließend das Haus verlies und sich auf den Heimweg machte. Masaharu würde später vorbeikommen. Nach dem Training. Dieser Gedanke lies die Schmetterlinge in Ihrem Bauch wieder fliegen. Immer noch Grinsend erreichte sie wenig später die U-Bahn Station uns setzte ihren Heimweg fort.
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