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von Su Yeon
OneshotAllgemein / P12 / Gen
Hakuryuu Ren OC (Own Character)
22.04.2018
28.10.2018
11
9.378
4
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Dieses Kapitel
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07.07.2018 836
 
Er konnte sich an ihre Hochzeitsnacht erinnern, als wäre es erst gestern gewesen.
Die gesamte Hochzeit war reiner Stress für ihn und seine Frau gewesen, aber sie hatten da durch gemusst. Zum Glück hatten sie es geschafft von der Feier zu flüchten. Ja, sie waren von ihrer eigenen Hochzeitsfeier abgehauen. Beide mochten keine Feiern. Der Lärm, die betrunkenen Leute, die grellen Lichter, alles war irgendwie zu viel gewesen.
Sie hatten beschlossen eine kleine Pause von alle dem, in einem der kleinen Innengärten des Palastes, zu nehmen und die Sterne zu betrachten. Auch wenn sie nicht viel miteinander gesprochen hatten, war es sehr schön gewesen. Sie hatten die Stille gebraucht.

Einer ihrer Untergebenen hatte sie wieder auf die Hochzeit zurückgebracht, bevor noch jemand Wichtiges mitbekommen konnte, dass sie verschwunden waren. Die Feier war zu diesem Zeitpunkt aber sowieso schon fast vorbei gewesen.
Er hatte nie herausgefunden, wie ihr Untergebener sie so schnell gefunden hatte, aber schlussendlich war es auch nicht von belangen. Seine Frau war ein wenig seltsam und so waren auch ihre Begleiter.
Ein geflüchtetes Liebespärchen zu finden war sicherlich ein Kinderspiel für sie.

Die Hochzeitsnacht war für beide unangenehm gewesen. Hakuryuu war weit davon entfernt naive oder dumm zu sein, daher wusste er, was jeder nun von ihnen erwartete. Eine Hochzeit, ein Vertrag, eine Feier, eine Hochzeitsnacht. Und hoffentlich bald auch die Geburt eines Kronprinzen
Es war eine Tradition im Kaiserreich Kou, dass ein Prinz, sobald er vierzehn Jahre alt wurde, nachts Besuch von Konkubinen bekam. Glücklicherweise musste er das nie durchmachen, da er dafür im Rang zu niedrig war, aber jetzt musste er mehr oder weniger das tun, was ihm all die Jahre erspart geblieben war. Das war, was jeder von ihm erwartete – und von ihr. Das war, was sie tun mussten, da sie nun Kaiser und Kaiserin waren.
Es war ein Teil der Hochzeit. Ohne die Hochzeitsnacht war es keine richtige Ehe, oder?

Es war unsäglich peinlich gewesen, als sie sich beide vor dem Bett gegenübergestanden – sie auf der einen Seite, er auf der anderen – und schweigend herabgesehen hatten, nicht wissend, was sie nun sagen oder tun sollten. Sie hatten Augenkontakt vermieden.
Schlussendlich war es sie gewesen, die die Stille durchbrochen hatte.
Nachdem sie im Badezimmer verschwunden war, hatte er sich auf das Ehebett gesetzt und in die Luft gestarrt.
Beide wussten, was bald kommen würde. Beide wussten, was sie rein theoretisch zu tun hatten.
Er hatte zuvor noch nie Sex gehabt und er war sich sicher, dass das gleiche auch auf seine Frau zu traf. Zwar wusste er nicht, wie es in anderen Ländern ablief, aber war es nicht überall das gleiche für Prinzessinnen? Kein Sex vor der Ehe! Nun, Sindria mochte da vielleicht eine Ausnahme sein, aber sie war nicht die Prinzessin von Sindria.

Nach Stunden – es hatte sich zumindest wie Stunden angefühlt – verließ sie das Badezimmer wieder. Er war nun an der Reihe und er nahm sich reichlich Zeit. Seine Gedanken waren ganz woanders.
Was zur Hölle sollte er jetzt machen?
Wie sollte er anfangen?
Sollte er etwas sagen?
Was wenn sie seinen Narben abstoßend fand?
Bis zu diesem Zeitpunkt hatte sie nur die Narbe in seinem Gesicht gesehen.
Was sollte er machen, wenn sie von ihm angewidert war?
So viele Gedanken ohne Antworten.
Damals hatten sie ihn fast um den Verstand gebracht, heute wusste er, dass es seiner Frau egal war, wie viele Narben er hatte oder nicht.
Für sie war er die schönste Person – nach ihrer selbsternannten Ehefrau natürlich – der Welt!

Als er wieder ins Schlafzimmer zurückgekehrt war, hatte sie sich bereits ins Bett gelegt. Sie schlief nicht und gaukelte es auch nicht vor, sie hatte sah ihn einfach nur angesehen. Er hatte sich neben sie gelegt. Und dann war das wieder die Stille gewesen, aber dieses Mal war es eine unangenehme, unruhige Stille gewesen.
Sie brauchten Stunden um endlich einzuschlafen. In diesen Stunden hatten sie nicht gesprochen und nicht einmal gewagt sich auch nur im Geringsten zu bewegen.

Im Gedanken hatte er versucht einen Plan zu schmieden, was er tun sollte. Doch jedes Mal, wenn er dachte, dass er jetzt bereit wäre, seinen Plan umzusetzen, hielt ihn etwas in seinem Inneren davon ab. Irgendetwas in ihm, sagte ihm, dass er ihr nicht zu nahe kommen sollte, dass er sie in Ruhe lassen sollte. Irgendetwas in ihm, sagte ihm, dass er einfach nur neben ihr lieben bleiben und sich darüber freuen sollte. Er mochte dieses „etwas“.
Er hoffe, dass dieses „etwas“ auch zu ihr sprach – er hatte ihr nie davon erzählt, weil es ihm zu peinlich war.

Der nächste Morgen begann genauso unbehaglich, wie der vorherige Tag geendet hatte, aber am Ende des neuen Tages hatten sie beide herausgefunden, dass es für sie beide mehr als nur in Ordnung war, keinen Sex miteinander zu haben.
Und es musste auch kein anderer wissen, was in der vorherigen Nacht passiert oder besser gesagt nicht passiert war – und niemals passieren würde.

Ihre Hochzeitsnacht verewigte sich in der Geschichtsschreibung – seiner Geschichtsschreibung – als die wohl unbehaglichste und peinlichste seines – noch – jungen Lebens!
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