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Wunder geschehen

von Carrow
GeschichteAllgemein / P12 Slash
21.04.2018
21.04.2018
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Wenige Monate nach Yukis Rettung verdichteten sich die Hinweise, dass Reiga einen erneuten Angriff plante. Die Lage spitzte sich zu, als Tsukomo immer häufiger Fetzen ihrer Gespräche aufschnappte. Zu allem Übel kämpfte Takashiro immer mehr mit dem Duras in seinem Inneren und war dadurch recht geschwächt. Alles in Allem sah es vor jenem Kampf alles Andere als gut für den Giou Clan aus. Der Clanchef bat Luca, dieses Mal den Hauptkampf gegen Reiga zu führen. Im Vergleich zu den drei Opathen schien diese Aufgabe fast lächerlich einfach. Die Zweilt waren zusammen in der Lage Elegy und eventuell auch Candenza zu töten. Aber sein Bruder war von einem ähnlichen Kaliber wie er selbst. Und daher wahrscheinlich zu stark und gerissen für die zwei. Wohl oder übel würde er es mit zwei starken Gegnern aufnehmen müssen und gleichzeitig auch noch Yuki beschützen. Und auf Gottes Licht konnte er nicht mit Sicherheit bauen. Diese Attacke war für einen Duras dieses Kalibers schlicht zu langsam. Alles im Allem verspürte Luca das erste Mal in seinem langen Leben soetwas wie Furcht vor einem Kampf.
Zu später Stunde klopfte er an Touko´s Tür. Scheinbar konnte sie auch nicht schlafen, denn sie bat ihn augenblicklich herein. Sie saß im Schlafanzug in ihrem Bett und wirkte erstaunt, als sie Luca sah. Fragend sah sie ihren Besucher in die Augen. Dieser hielt sich nicht lange auf und kam direkt zur Sache
„Touko, kann ich dich um einen kleinen Gefallen bitten? Auch wenn ich nicht hoffe, dass es jemals dazu kommt.“
Sie nickte nur.
„Ich habe hier einen Brief. Sollte ich jemals im Kampf fallen, soll er an Yuki gehen.“
Touko war überrascht über eine solche Bitte „Also hast du Angst, dass du morgen sterben könntest? Du hast doch Reiga mit links plattgemacht.“
Luca konnte über ihren aufrichtigen Optimismus nur den Kopf schütteln „Ich muss für zwei kämpfen. Für mich und Takashiro. Ich habe einfach die Befürchtung, dass mein kleiner Bruder eine Falle ausgeheckt hat. Der Plan steht, ich werde daran nichts mehr ändern. Ich hoffe einfach, dass es nie soweit kommt, dass Yuki diesen Brief lesen muss.“
Touko ahnte, was in Luca vorgehen musste. Wortlos stand sie auf, umarmte ihn, nahm den Brief aus seiner rechten Hand und steckte ihn unter ihr Kopfkissen.
„Gute Nacht Luca. Träum von Yuki“
Der Duras kommentierte dies bewusst nicht weiter „Gute Nacht Touko“
Leider sollten sich Lucas Befürchtungen bewahrheiten. Er wurde mehrfach von Reiga und den drei Opathen angegriffen. Die Zweilt verschafften ihm etwas Zeit, aber nicht genug, um zwischendurch auch nur eine Sekunde aufzuatmen. Bei den Bemühungen Yuki zu beschützen wurde sein linker Arm abgerissen, eine List seines Bruders kostete ihn ein Bein. Ihm fehlte die Kraft, sie mitten im Kampf zu regenerieren. Gottes Licht tötete zwar Reiga und Elegy, aber das reichte einfach nicht. Er kämpfte mit Zaubern an eine Mauer gelehnt, bis auch das letzte bisschen Energie verbraucht war. Haarscharf konnte er Cadneza und seinen Bruder besiegen. Die Zweilt überlebten, aber er selbst fiel ins Koma. Yuki gab alles, um ihn zu heilen, doch es schien nicht genug. Yukis Kraft vermochte Vieles, aber Körperteile konnte Gottes Licht scheinbar nicht ersetzen.
Drei Tage nach dem Kampf wachte Yuki völlig erschöpft aus einem Alptraum auf. Sein erster Weg führte ihn ins Krankenzimmer, zu Luca. Der Blick des Arztes sagte ihm, dass sich nichts an seinem Zustand geändert hatte. Die Chancen standen schlecht. Yuki versuchte alles, um seinen Freund zu wecken. Ihn zu heilen. Aber sein Zustand wollte sich einfach nicht bessern. Angeschlossen an unzählige Maschinen schien der stolze, mächtige Opath nur ein Schatten seiner selbst.
Tage vergingen. Aus Tagen wurden Wochen, aus Wochen wurden Monate. Nach einem halben Jahr gab Touko Yuki schließlich Lucas Brief. Sie hatte wie alle anderen Bewohner von Tagorekan die Hoffnung längst verloren. Gottes Licht war geschockt darüber, dass Luca so einen Brief hinterlassen hatte. Er konnte nicht anders, als sich auf das Krankenbett zu setzen, bevor er anfing zu lesen.
Liebster Yuki,
wenn du dies liest, bin ich wahrscheinlich nicht mehr unter den Lebenden. Bitte lies sie mit Bedacht, sie werden meine letzten Worte sein.
Ohne dich
Bin ich allein
Ohne dich
Fühle ich nur Dunkelheit
Ohne dich
Gibt es kein „ich“
Ich war eine Puppe
Ein lebendiger Toter
Geboren für den Krieg
Eine Familie, kaum mehr als ein militärisches Zuchthaus für Magie
Da stand ich nun
In einem Meer von Blut
Eine ganze Armee, ausgelöscht von wenigen Zaubern
Und die blutige Walze der Anführer zog einfach weiter
Kein Dank
Nur ein Sold, wenn überhaupt
Ein Leben in Blut getränkt
An der Seite von Verwandten
Und doch so einsam wie auf dem Mond
Dann traf ich dich
Meine graue Welt aus Blut bekam Farbe.
Das Grün des Waldes
Das Blau des Wassers
Das Gold deines Haares
Die unzähligen Farben der Schmetterlinge, die du so liebst.
Du gibst mir mehr, als ich mir je zu träumen gewagt hatte
Ohne Vorurteile öffnetest du mir dein reines, grundgütiges Herz.
Eröffnetest mir eine ganze Welt, die mir so lange verborgen geblieben war.
Ich fand in deinen Armen ein Zuhause
In deinem Beschützen eine Bestimmung
Etwas, wofür das ganze Blutergießen einen Sinn machte.
Doch dein gütiges Herz war nicht stark genug.
Du saugst das Leid anderer auf und hast dich immer wieder überschätzt.
Viel zu oft musste ich mitansehen, wie du vom Leid anderer zerfressen wirst.
Viel zu oft habe ich deine Seele gesucht und deinen Körper erneut heranwachsen sehen.
Ein viel zu oft durchlebter glücklicher Alptraum.
Und dann wurdest du als Junge wiedergeboren.
Ein Schock und gleichzeitig ein Hoffnungsschimmer.
Auch wenn wir uns nun nicht wie Mann und Frau lieben können, so ist unsere Beziehung nicht weniger innig.
Das Vertrauen nicht weniger groß.
Ein blindes Vertrauen von Geburt an, für dich unverständlich.
Auch wenn unsere Lippen in diesem Leben nicht zueinander finden werden, ändert das nichts an meinen Gefühlen dir gegenüber.
Umarmen werde ich dich.
Ein enger Kamerad und Vertrauter wirst du mir sein.

Und wenn dein Körper sein Ende nimmt, wird dein nächster Körper mich ebenso glücklich machen.
Von jetzt bis in alle Ewigkeit
Solange ich lebe
Wirst du immer meins sein
Mein Ein- und Alles

In ewiger Liebe,
dein Luca

Nur mit Mühe schaffte er es, den Brief zu Ende zu lesen, bevor er in Tränen ausbrach. Er verstand nun, was seine seltsamen Träume bedeuteten. Ahnte, was für einen tiefen Schmerz sein Gefährte immer wieder aufs Neue hatte erleiden müssen. Yuki konnte sich nicht länger zurückhalten und schluchzte laut. Er beugte sich über seinen Kameraden. Er weinte über Schicksal des Mannes, der ihn in so vielen Leben bereits unzählige Male beschützt hatte. Und ihn trotzdem hatte sterben sehen.

So viele Qualen, zu viel für die schmalen Schultern, wie alt auch immer sie sein mögen. Und er schaffte es nicht, dieses eine Mal sein Leben zu retten? Nein, er durfte nicht aufgeben. Noch nicht. Angestrengt überlegte er, wie er seine Stärkungszauber für die Amulette auf einen Menschen anwenden könne. Die normalen Zauber, mit denen er Tokumo gerettet hatte, wirkten scheinbar nicht. Er musste etwas wachsen lassen. Aber egal wie er es drehte und wendete, seine Kraft würde nicht reichen. Ihm kam eine Idee. Wenn er die Kraft der Anderen auch nutzen könnte, bestünde vielleicht eine Chance. Yuki schöpfte neue Hoffnung.

Wie üblich um diese Zeit fand er die anderen Hausbewohner beim Abendessen. Sogar Takashiro saß an der Tafel, wenn auch um Jahre gealtert. Mit neuem Mut erzählte er von seiner Idee. Hotsuma und Shusei erklärten sich bereit, ihm bei einem ersten Test zu helfen. Die drei testeten die Energieübertragung noch am Abend aus. Yuki versuchte, für eine abgebrochenen Tasse einen neuen Henkel mit der Kraft von Hotsuma zu erschaffen. Es gelang, wenn auch recht holprig. Yuki verbrachte den Rest der Nacht damit, die Rettung seiner Kameraden zu planen. Am nächsten Morgen ging er direkt zu Takashiro und erzählte ihm davon. Der Clanchef gab seine Zustimmung und wollte selbst mithelfen.

Im Laufe der nächsten Woche waren alle Bewohner mit den Vorbereitungen beschäftigt, bevor es wirklich losging. Yuki schlief in dieser Zeit weniger als es gut für ihn war, was seiner Entschlossenheit keinen Abbruch tat. Unermüdlich studierte er jedes Detail bezüglich der zu ersetzenden Gliedmaßen, und übte den Ersetzungszauber an diversen Gegenständen.

Nach dem Frühstück eine Woche später machten sie sich ans Werk. Touko war die Erste, die ihm ihre Energie zur Verfügung stellte. Gottes Licht versuchte die Energie auf den kläglichen Rest des linken Armes von Luca zu konzentrieren. Nutzte seine angelesenen Anatomiekenntnisse, um die Energie in möglichst geordnete Bahnen zu lenken. Milimeter für Milimeter, Stunde um Stunde ließ er mithilfe der Energie der anderen Hausbewohner die verlorenen Körperteile nachwachsen. Als am nächsten Tag die Sonne aufging, war es vollbracht. Luca hatte wieder alle Körperteile. Aber er erwachte einfach nicht. Mit dem letzten bisschen seiner eigenen Kraft befahl Yuki den Gliedmaßen seines Freundes, von selbst zu funktionieren. Die Angst um das Leben seines Freundes ihn hatte ihn die seelischen Qualen seines Patienten während des Heilungsprozesses ausblenden lassen. Doch als Yuki völlig erschöpft über ihm zusammenbrach, drängten sie sich nur umso stärker in das Bewusstsein des jungen Mannes. Doch er kämpfte. Für Luca. Für seinen Gefährten.

Im Halbschlaf spürte er noch, wie ihn jemand in sein Zimmer trug. Sein Bewusstsein wollte sich dagegen wehren, doch sein Körper war zu schwach, um noch irgendeine Art von Gegenwehr zuzulassen. Mehrere Tage später wurde er durch Sodom geweckt. Zuerst glaubte er seinen Ohren nicht. Sagte der Drachengeist tatsächlich „Willkommen Meister?“. Schwerfällig öffnete Yuki die Augen und richtete sich auf. Ihn traf der Schlag. Luca stand wahrhaftig an seinem Bett. Freudig sprang er auf, um seinen Freund zu begrüßen. Doch er bremste sich im letzten Moment und beließ es bei einer engen, weniger stürmischen Umarmung.

Mit Tränen in den Augen plapperte er seine Gedanken auch einfach aus „Luca, du lebst. Wie geht es dir? Funktioniert dein Körper?“

Luca strich seinem Gefährten beruhigend durchs Haar „Mir geht es gut, dank dir. Ich bin nur noch etwas schwach, aber das wird schon noch. Jedenfalls werde diese Schuld niemals begleichen können“.

Yuki sah zu Luca hinauf, ihn noch immer eng umarmt „Du hast schon mehr als genug getan. Ich habe dir nur etwas zurückgegeben. Außerdem hatte ich Hilfe.“

Der Duras sah zu seinem Freund herab. So sehr er die Situation auch genoß, aber andere Dinge gingen vor: „Naja, lass uns später darüber reden. Jetzt gehen wir erstmal runter frühstücken. Du hast sicherlich Hunger, immerhin hast du drei Tage durchgeschlafen“

Sein Kamerad nickte zustimmend „Das machen wir. Ich ziehe mich nur noch vorher um.“

“Ok, wir sehen uns gleich unten”
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