Folge 4: Eigene Angst

GeschichteKrimi, Mystery / P16
Javier Esposito Kate Beckett Kevin Ryan Richard Castle
20.04.2018
20.04.2018
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Eigene Angst

Staffel 9, Episode 4

Geschrieben von „whatifellinlovewith“

Übersetzt von AnChager

Gegengelesen von Copop83

Dieses ist eine fiktionale Arbeit von Autoren, die keine professionelle Verbindung zum TV-Sender „ABC“ und dessen Serie „Castle“ haben. Die Figuren, die wiedererkannt werden, gehören in den Besitz von Andrew Marlowe und ABC.

Namen, Plätze und Vorgänge sind immer das Produkt der Phantasie des Autors und werden nur zu fiktionalen Zwecken genutzt. Jede Ähnlichkeit mit tatsächlichen Personen, lebend oder verstorben, Geschäften, Firmen, Veranstaltungen oder Plätzen sind vollkommen zufällig.

***
Kapitel 1

Lora erwachte mit einem Schrecken, Augen weit aufgerissen, mit ihren Handgelenken gegen die Einschränkung kämpfend. Ihre Füße stemmten sich hart gegen den Boden, als sie an den Fesseln an ihren Fußknöcheln zog.

Angst. Panik. Perfektion.

Fragen füllten die Luft, gestottert und zitternd und wundervoll. ‚Was möchten Sie?‘ und ‚Wo bin ich?‘ und ‚Wer sind Sie?,‘ gingen mit keuchenden, schweren Atemzügen ineinander über. Ihre Augen suchten den Raum ab, die Wände, den Boden, die Reihen von Fliesen und den Rand des Zubers, der vor ihr stand.

Wasser kräuselte sich an der Oberfläche. Angst blitzte in ihren Augen auf.

Eine Hand umfasste fest einige Locken ihres Haares. Sie schaffte es fast nicht den Atem anzuhalten beim ersten Mal – ruckte und zuckte und versuchte unter dem Druck des Wassers nicht zu atmen. Finger gruben sich in das Seil, das ihre Handgelenke zusammen hielt, Zehen rollten sich gegen die Fliesen für Sekunden, lange Sekunden. Vielleicht sogar eine Minute.

Und sie keuchte, als sie wieder nach oben kam. Versuchte Luft zu bekommen, was nicht gelang. Schnappte nach Luft zwischen gestotterten Worten, gebrochenen Forderungen, ihr Betteln verloren im Auf und Ab ihrer Brust, mit Panik in ihren Augen.

Erinnerungen kamen, gingen. Wut kam hoch. Ihr Kopf wurde erneut unter Wasser gedrückt.

Und wieder. Und wieder. Und wieder.

Sie wehrte sich, bis sie nicht mehr konnte. Bis die Panik ihr die Kräfte raubte und ihre Augen sich nicht wieder öffneten, sie keine Fragen mehr stellte und vergaß um ihre Freiheit zu flehen.

Es hätte nicht geholfen.

Die Hand ihres Angreifers immer noch in ihrem Haar, ihre Kraft weg, versank sie wieder im Wasser und vergaß ihren Atem anzuhalten, zu kämpfen, zu leben.

Lora starb, unter Wasser und verängstigt. Und es war wundervoll.

Die Fesseln wurden von ihren Handgelenken und Knöcheln geschnitten. Ihr Körper, vollkommen nass und schlapp, wurde über den Boden gezogen. Über die Fliesen zur Tür und dann in ein Auto. Sie war leichter. Am leichtesten zu tragen und zu verhüllen. Ein parkendes Auto, ein kurzer Kampf mit dem Ballast, ein Weg mit Zielstrebigkeit.

Ihre schlaffen Füße wurden über den Boden gezogen, Arme fest um ihren toten Körper geschlungen. Ein maskiertes Gesicht, das sich in die nassen Locken ihres Haares presste, als sie durch die Schatten getragen wurde. Verborgen durch den Abend, die Dunkelheit, die Stadt.

In einem Brunnen wurde sie abgelegt. Und der Mörder glitt in die Menge, verloren in der Nacht.

***

Das Abendessen war wundervoll. Am Abend hatte Kate keine morgendliche Übelkeit mehr und es war ihr möglich die Zeit mit ihren Freunden zu genießen. Ryan und Lanie waren in der Küche, Castles und Jennys Unterhaltung wurde fortgesetzt. Sie war aufgestanden und hatte sich in Richtung des Wohnzimmers gedreht, um die Ursache des begeisterten Kreischens zu finden.

Esposito saß auf der Couch, Sarah Grace genau neben ihm. Immer wieder wegstrampelnd von den Kitzel-Attacken ihres ‚Onkel Javi‘. Nicolas schaute zu und streckte sich mit einem bezaubernden Baby-Lachen seiner Schwester entgegen.

Es war beendet, als Kate hereinkam und sich auf den leeren Platz am Kopf von Sarah Grace setzte. Das kleine Mädchen flüsterte ein „Dankeschön“ für die Rettung vor Espo. Sie schaute Sarah Grace zu, wie sie von der Couch hüpfte und losrannte um ein Buch zu holen, von dem sie annahm, dass es Onkel Javi unbedingt sehen musste. Und Onkel Javi blieb zurück mit dem Baby in seinen Armen und einem Lächeln auf seinem Gesicht.

„Du bist richtig gut mit ihnen“, sagte sie ihm. „Auf jeden Fall ein ‚Onkel Javi‘.“

Lächelnd blickte er sie nur flüchtig an, bevor Nicholas seine Aufmerksamkeit wieder auf sich zog. Und gerade Esposito, von dem man es kaum erwarten würde, schnitt Grimassen, um das Baby auch weiterhin glücklich und lachend zu sehen.

„Wer hätte das vor all‘ diesen Jahren gedacht“, fuhr sie fort, „dass Du, Esposito, so ein toller Onkel wirst?“

Er zuckte nur mit den Schultern und drehte sich wieder zu ihr, während Nicholas sich selber damit amüsierte am Ohr seines Onkels zu zupfen. Sein Lächeln kehrte zurück, als Sarah Grace mit einem Buch in ihren Händen in das Zimmer zurückkehrte. Sie krabbelte auf die Couch zurück und legte das Buch in Kates Schoß.

„Du bist auch gut mit ihnen“, sagte Espo. „Eine großartige Tante Katie. Wer hätte das gedacht?“

Sie öffnete ihren Mund um ihm etwas entgegen zu setzen, als sie bemerkte, dass es im Esszimmer ruhig geworden war. Castle und Jenny schauten dem Austausch mit Lächeln auf den Gesichtern zu. Der Blick ihres Ehemannes glitt dorthin, wo Sarah Grace ihren kleinen Körper an Kates Seite gekuschelt hatte.

„Das bist du wirklich, Kate“, sagte Jenny und ihre Augen blitzten mit Humor als sie fortfuhr und fragte: „Plant ihr auch eines Tages ein eigenes zu haben?“

Kate versuchte das Brennen ihrer Wangen in Grenzen zu halten. Ihre Augen glitten zu Castle um sein Lächeln zu sehen und mit ihrem eigenen zu beantworten.

Beinahe kam eine beabsichtigt vage Antwort. Aber diese wurde durch das Vibrieren ihres Handys unterbunden. Sie lächelte entschuldigend und hielt das Telefon an ihr Ohr um den Anruf entgegen zu nehmen.

„Beckett.“

***

Das Opfer saß gegen den Beckenrand gelehnt, die Arme über den Rand gelegt. Das Genick war schlapp, der Kopf zurück gefallen. Lanie bewegte sie vorerst nicht. Nicht im Moment. Sie würde nur das tun, was sie mit dem Körper in dieser Position tun könnte, solange die Spurensicherung den Tatort bearbeitete.

Kate hatte Ryan und Espo zu der Person geschickt, die den Mord gemeldet hatte und zu den anderen Zeugen, die zu dieser Zeit in der Nähe gewesen waren. Uniformierte waren schon dabei die Gegend und benachbarte Geschäfte nach möglichen Informationen zu durchkämmen und Überwachungsvideos zu sichern. Castle stand an Kates Seite, seine Augen auf ihr Gesicht gerichtet, ein andauerndes Lächeln und nicht gesprochene Worte bis Lanie sie rüber rief.

„Was haben wir?“, fragte Kate.

Lanie deutete zu dem Opfer.

„Eine Identifizierung“, antwortete sie, während Castle etwas davon grummelte, wie schnell das gegangen wäre.

„Der Name des Opfers ist Lora Burton. Ihre Fingerabdrücke waren im System. Sie wurde letzte Woche wegen eines Überfalls verhaftet.“

Kate nickte. „Denkst du, dass hier eine Verbindung besteht?“

„Könnte sein“, sagte Lanie. „Grund für den Tod ist Ertrinken. Könnte Folter gewesen sein, aber…“

„Folter?“

„Ja, Castle“, antwortete Kate unter Augenrollen. „Warum?“

Er zuckte mit den Schultern. „Könnte die Mafia sein. Sie kam in Kontakt mit ihnen, raubte das falsche Geschäft aus, sie versuchten von ihr Informationen zu bekommen und brachten sie um, um sie still zu halten.“

„Die Mafia drapiert keine toten Körper in einem Brunnen.“

Lanie deutete erneut auf das Opfer. Ihre behandschuhten Hände legten sich um Loras Handgelenk und drehten es so, dass sie sehen konnten, was dort war. Abdrücke der Fesselung und Fingerabdrücke.

„Die Mafia hinterlässt auch keine offensichtlichen Abdrücke auf ihren Opfern.“

Castle war ernüchtert und steckte seine Hände in seine Taschen. „Gut, dann nicht die Mafia”, räumte er ein. „Aber wer immer das tat, ließ die Leiche aus einem bestimmten Grund hier.“

„Irgendeine Idee, welcher Grund das sein könnte?”

Seine Hände flogen in die Luft, sein Mund öffnete sich in gespielter Aufregung und Kate rollte mit ihren Augen, bevor er auch nur ein Wort sagen konnte. Sie kannte ihren Ehemann zu gut, um nicht seine Antwort schon zu wissen.

„Keine Ahnung.”

„Das dachte ich mir”, sagte sie, drehte sich wieder zu Lanie und schaute zu, wie diese mit fremder Hilfe die Leiche endlich aus dem Wasser zog.

***

Er hasste es immer zu sehen, wie sich ihre Schultern in dem Moment anspannten, wenn die Familie eines Opfers den Flur betrat. Die Erinnerung in ihren Augen auch schon einmal diese Person gewesen zu sein, die schlimmsten Neuigkeiten ihres Lebens zu erfahren. Durch die Rollos in ihrem Büro schauten sie zu, wie ein Polizist Loras Eltern in den Pausenraum begleitete.

Genau neben ihr stehend, schaute er zu, wie Kate ihre Schultern straffte, bevor sie sich zur Tür drehte. Mit einem sanften Lächeln, das sie ihm über ihre Schulter zuwarf, lud sie ihn ein, ihr zu folgen.

Als sie den Pausenraum betraten, saßen Mr. und Mrs. Burton bereits dicht aneinander gedrängt auf der Couch. Ihre Gesichter waren bereits voller Sorgenfalten in Erwartung der schlechten Neuigkeiten, die kommen würden.

Als sie sich vorstellte, lächelte Beckett gezwungen. Ein kläglicher Versuch etwas Trost zu spenden, als sie sich gegenüber von Mr. und Mrs. Burton hinsetzte. Er stand an ihrer Seite und schaute zu, wie sie sich vorbeugte und ihre Ellbogen auf den Knien abstützte.

„Es tut mir leid, dass ich Sie noch so spät hierher rufen ließ”, sagte sie ihnen, "besonders unter solchen Umständen.“ Sie unterbrach und schaute zu, als Mrs. Burton sich an ihren Ehemann presste. Mr. Burton nickte in ernster Akzeptanz von Kates unvermeidlichen Neuigkeiten. „Sie sind also Loras Eltern?”

Mr. Burton nickte. „Bitte, Captain, sagen Sie…”

Auch Kate nickte. „Es tut mir leid, Mr. und Mrs. Burton, aber Ihre Tochter wurde am heutigen Abend tot aufgefunden.”

Die Stille, unterbrochen vom Weinen der trauernden Eltern, zerriss sein Herz und ließ ihn sich zu Kate umdrehen, um zu sehen wie sie auf ihre Hände starrte und ihren Kopf noch weiter senkte, um einen Blick auf ihren noch flachen Bauch zu wagen, bevor sie wieder aufblickte.

Sie wartete. Sie wusste genau über die Notwendigkeit von Polizeiarbeit und diese mit Sympathie und Empathie abzuwägen Bescheid. Sie wartete, bis Mrs. Burton sich ihre Tränen abwischte und Mr. Burton erneut nickte damit Kate fortfahren konnte.

„Um herauszufinden, wer das getan hat, Mr. und Mrs. Burton, benötigen wir mehr Einblicke in das Leben Ihrer Tochter”, sagte sie. „Wissen Sie von Jemandem, der möglicherweise Lora schaden wollte?”

Mrs. Burton wimmerte, schüttelte ihren Kopf gegen die Schulter ihres Mannes. Aber Mr. Burton verspannte, sein Kiefer knirschte, als er nickte.

„Ihr Freund. Es war keine… gesunde Beziehung. Er verletzte sie”, sagte er gebrochen und angespannt. „Ich hätte stärker versuchen müssen ihr zu zeigen, wie schlecht er für sie gewesen ist.”

Kate lächelte wieder. Ein weiterer halbherziger Versuch Trost zu spenden von dem Castle wusste, dass Kate annahm, er würde nicht helfen. „Ich bin sicher, Sie taten das Beste für Ihre Tochter, Mr. Burton”, sagte sie und hielt inne. „Kann ich den Namen des Freundes haben?”

„Garrett”, antwortete Mr. Burton. „Garrett Brewer.”

***

„Irgendwas gefunden?”, fragte sie und trat aus ihrem Büro in das Großraumbüro als Ryan die Akte mit den gesammelten Informationen über Brewer auf seinen Schreibtisch knallte. Er nahm die Akte wieder in die Hand und reichte sie ihr rüber, während Esposito das noch fast leere Board mit einem Bild des Opfers, einem leeren Zeitstrahl und einem weiteren Bild, dieses von ihrem derzeit einzigen Verdächtigen, vervollständigte.

„Garrett Brewer wurde bereits wegen mehrerer Drogendelikte angeklagt, war ein Verdächtiger bei einem Raubüberfall und wurde wegen eines sexuellen Übergriffs auf seine Ex-Freundin beschuldigt”, sagte Ryan während er auf seinen Schreibtisch starrte und Kate über die Akte einen Blick auf ihn warf. „Zwischen dem und dem, was die Eltern sagten, dass er das Opfer misshandelte, wäre es kein weiter Weg mehr zu Mord.”

Kate nickte, schloss die Akte und legte sie auf die Ecke von Ryans Schreibtisch. Dann drehte sie sich zu Castle um und nahm sofort das so vorhersehbare Stirnrunzeln war.

„Nicht unterhaltsam genug für dich?”, fragte sie.

Er zuckte mit den Schultern. „Das ist es nicht”, sagte er. „Es ist nur… warum würde er sie ertränken? Das hört sich nicht nach einem Mord aus Leidenschaft an.”

Sie spiegelte sein Schulterzucken mit einem eigenen wider und drehte sich, um ihn anzuschauen. „Vielleicht war es auch keiner”, sagte sie. „Wenn er sie misshandelt hat-”

„Die meisten gewalttätigen Beziehungen enden mit Schlägen, die zu weit gegangen sind“, erinnerte er sie und sie stimmte dem zögernd zu. „Nicht mit einem vorbereiteten Ertränken.”

„Du denkst also nicht, dass es der Freund gewesen ist?”, fragte sie.

Er zuckte mit den Schultern. „Er könnte es gewesen sein”, lenkte er ein. „Er ist brutal. Und ihre Eltern sagen, dass Brewer es nicht gut aufnahm, als sie einen Auftrag vermasselt hatte.“ Er hielt inne und sie schaute ihm zu, wie Gedanken durch seinen Kopf schossen, die Szenarien, die sich abspielten, bis er sich für eines entschied, das ihm am plausibelsten erschien. „Bestimmt wusste sie es und mied ihn seit ihrer Verhaftung.”

„Aber er fand es heraus”, nahm sie den Gedankengang auf. „Und da sie zusammen lebten, konnte sie ihn nicht für immer meiden.”

Er nickte. „Und wie üblich, war er ärgerlich über den vermasselten Job und entschied sich, sie zu bestrafen.”

„Wovon die Fesselmerkmale kamen”, setzte sie das Szenario fort und nickte zustimmend, als die Puzzleteile sich ergänzten. „Sie wusch sich danach, aber er hatte immer noch nicht alle Wut verloren.”

„Eins führte zum anderen und…”

Er musste den Satz nicht beenden, sie nickte ihm bereits zu und Ryan sprang von seinem Stuhl auf und riss seine Jacke von der Stuhllehne.

„Ihr Jungs geht und holt ihn her”, sagte sie zu Ryan. „Ich möchte mit Garrett Brewer reden.”

„Geht in Ordnung”, sagte Ryan, drehte sich um, um zu gehen und hielt nur an, weil Espo ihm nicht folgte. Dieser rammte seinen Hörer auf das Telefon und zog so die Aufmerksamkeit des ganzen Reviers mit seiner dröhnenden Stimme auf sich, als er Ryan zurückrief.

Auch Kate drehte sich ihm zu, ihre Arme fest über der Brust verschränkt, bis sie seinen Gesichtsausdruck wahrnahm und seinen Notizblock, den er immer noch festhielt.

„Wir haben ein Problem, Boss”, sagte Esposito. „Der Fingerabdruck auf dem Handgelenk unseres Opfers? Da war ein Treffer im System. Keine Identität, aber der Abdruck wurde in einem anderen Fall ebenfalls gesucht. Gerade letzte Woche.” Er hielt inne. „Ein weiterer Mordfall.”

„Du denkst doch nicht…”

Ihr Herz sank bei Ryans halb geflüsterten Worten und sie hörte Castles Atem in der Kehle stecken bleiben.

„Nein”, beharrte sie, ihre Stimme fester als sie sich fühlte. „Ein gleicher Abdruck muss das nicht bedeuten. Alles, was es bedeutet ist, dass der Mörder das schon einmal gemacht hat. Ich hole den Bericht des anderen Falles, aber bis wir genaueres wissen, behandeln wir diesen wie jeden anderen Mordfall.”
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