Sometimes

GeschichteDrama, Romanze / P16 Slash
Aidan Turner Godfrey Gao
20.04.2018
20.04.2018
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20.04.2018 630
 
Manchmal denke ich, dass ich vielleicht ein Masochist bin. Wie sollte ich sonst erklären, dass ich mit Freude etwas tat, das mich letzten Endes immer wieder verletzte? Das mich jedes Mal mehr zerbrach, Stück für Stück? Ich müsste es mittlerweile besser wissen, vielleicht wusste ich es auch besser. Aber so oft ich mir vornahm, es hier und jetzt zu beenden, so oft bin ich auch wieder weich geworden. Nennt es Dummheit, wenn ihr wollt. Abhängigkeit, Sucht nach dem Unerreichbaren, meinetwegen auch fehlender Bezug zur Realität.

Manchmal würde ich euch Recht geben, in den wenigen klaren Momenten, in denen ich mich selbst hasse, meiner ungeheuren Schwäche wegen. Doch die meiste Zeit des Tages würde ich euch womöglich noch nicht einmal zuhören. Ich würde euch reden lassen, es vielleicht akkustisch wahrnehmen, aber mein Verstand wäre nicht dazu in der Lage, die Worte zu verarbeiten. Ich würde nicht einmal verstehen, dass es Hilfestellungen sein sollen, gut gemeinte Ratschläge, die mir in meiner derzeitigen Situation vielleicht sogar helfen würden. Aber ich will das nicht, obwohl ich Hilfe bestimmt bitternötig hätte.

Manchmal ertappe ich mich sogar bei dem Gedanken, dass ich dringend in eine auf Geisteskrankheiten spezialisierte Einrichtung müsste. Dabei bin ich garnicht verrückt. Ich würde es dann doch lieber als eine Form der Dummheit bezeichnen. Oder eine Unterart der Abhängigkeit. Oder.....

Vielleicht bin ich doch nicht mehr zurechnungsfähig.

Vielleicht ist diese sogenannte Abhängigkeit schon eine Obsession. Eine Obsession, die mein komplettes Sein in tiefe, niemals enden wollende Finsternis gestürzt hat. Es ist nicht zu glauben, welchen Einfluss eine Person auf einen anderen Menschen haben kann. Und doch kann ich ihm nicht die Schuld geben.

Es wäre so leicht, es ihm in die Schuhe zu schieben. Die Tatsache, dass meine Seele nur noch ein verdorbener pechschwarzer Haufen ist und dass meine Unschuld in Scherben zu meinen Füßen liegt, könnte ich ihm zur Last legen. Aber wäre das gerecht? Wäre das überhaupt die Wahrheit? Es ist die Wahrheit..... Aber es nur ein Bruchteil des kompletten Ganzen.

Die völlige Wahrheit ist, dass ich mich auf ein Spiel eingelassen hatte, bei dem von Anfang an klar war, dass ich es unmöglich gewinnen könnte. Es war meine grenzenlose Arroganz, die mich mit einem unschuldigen Lächeln aus dem Hinterhalt in den Abgrund der Selbstzerstörung geschubst hatte. Und ich habe keine Sekunde daran gedacht, dass ein freier Fall, egal aus welcher Höhe, meinen Tod bedeuten könnte.

Die nackten Tatsachen vor mir liegen zu sehen, immer und immer wieder, lässt mich jedes Mal in Scham und Selbsthass versinken.

Doch dann sehen mich braune Augen an, die Augen der vollkommenen Sünde, voller Begierde und ohne jeglichen Gedanken an den nächsten Morgen. Und ich lächle und breite meine Arme aus, bereit, das manifestierte Unheil in Empfang zu nehmen.

Immer und immer wieder. Und an jedem Morgen danach verfluche ich meinen Körper und meinen Geist, die meinen Verstand ignoriert und somit auch mich verraten hatten.

Vielleicht sollte ich mittlerweile akzeptieren, dass ich nie wieder diesem Teufelskreis entkommen werde. Denn dazu müsste ich lernen, zu widerstehen. Und das ist unmöglich. Vor allem ist es unmöglich, weil ich garnicht widerstehen will.

Es ist wie mit einer Droge. Probiert man nur einmal, kommt man nie wieder davon los. Da ist egal, wie bitter der Beigeschmack ist oder wie schmerzhaft der Aufprall, wenn man von seinem Höhenflug auf dem harten Boden der Realität aufschlägt.


Es ist selbst egal, wie hoch der Preis ist, den man für einen kleinen Rausch zu zahlen bereit ist.


Wenn ich so darüber nachdenke, ist es erbärmlich. Erbärmlich, wie ich nach einem Kuss, einer Berührung lächze, von einem Mann, der mich immer wieder hoch fliegen und dann tief fallen lässt.

Doch ich kann nicht anders.
Der Rausch, in den mich selbst ein kleines Lächeln auf seinen Lippen fallen lässt, ist ein gebrochenes Herz wert.
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