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Reflexion einer Liebe

GeschichteAngst, Liebesgeschichte / P12 / Het
Kate Beckett Richard Castle
18.04.2018
06.05.2018
7
14.347
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03.05.2018 2.037
 
„Leben wir noch?“, fragte Rick.
„Scheint so“, erwiderte Kate und trat mit einem langen, aber auch vorsichtigen, Schritt aus dem Kreis. „Auch wenn ich es nicht verstehe.“
Rick zog sie in seine Arme und Kate lehnte sich an ihn. Ihre Beine drohten nachzugeben und sie war froh, das er sie festhielt.
„Hauptsache, du bist runter von diesem Ding. Noch einmal möchte ich das nicht erleben.“
„Ich auch nicht.“ Kate hob den Kopf und Rick küsste sie sanft auf die Lippen. „Danach habe ich mich gesehnt“, gestand sie leise. „Nach deiner Umarmung, deinen Küssen.“
„Ich werde dich heute nicht mehr loslassen, das kannst du mir glauben.“
„Das musst du aber, denn wir sollten jetzt runtergehen, bevor sie raufkommen.“
Rick seufzte. „Ich weiß. In Gedanken aber wird mein Arm die ganze Zeit um deine Taille liegen.“
„Und ich werde es genießen.“ Sie nahm seine Hand. „Komm.“
Sie waren gerade aus der Wohnung raus, da hörten sie Esposito von unten rufen.
„Alles in Ordnung mit euch dort oben?“
„Ja“, rief Rick zurück. „Wir sind auf den Weg.“
Kurz bevor sie die letzte Kehre auf der Treppe machten, hielt Kate an. „Auch wenn ich wütend sein sollte, weil du so verrückt warst und dich in diese Gefahr begeben hast … danke, dass du bei mir geblieben bist.“
Rick lächelte und strich ihr über die Wange. „Immer.“

Bevor sie auf die Straße traten, ließen sie sich los. Begrüßt wurden sie mit Applaus, was vor allem Kate ein wenig verlegen machte, weil sie keinen Anlass dafür sah. Sie hatte schließlich nichts Besonderes gemacht. Der Captain war auch vor Ort und ließ es sich nicht nehmen, ihren Detective kurz zu umarmen.
„Ich bin froh, dass Ihnen nichts passiert, Kate.“
„Das bin ich auch, Sir.“
„Und Sie sind total verrückt, Mister Castle“, wandte sich Victoria Gates an Rick. „Oder einfach nur lebensmüde?“
„Weder noch, Sir“, erklärte Rick. „Aber da wir beide noch leben stelle ich mir die Frage … warum?“ Erwartungsvoll sah er Captain Mahoney an, der gerade auf die kleine Gruppe zukam. „Können Sie uns erklären, warum wir nicht in die Luft geflogen sind, Captain?“, wollte Rick dann auch sofort von ihm wissen.
„Weil diese Bombe niemals hatte explodieren können“, erwiderte dieser.
„Dann war es eine Attrappe?“, wollte Captain Gates verblüfft wissen.
„Nein, sie war schon echt. Sie hatte nur keinen funktionsfähigen Zünder.“
„Moment mal“, sagte Kevin. „Heißt das, Kate hätte jederzeit von diesem Ding runtergehen können und es wäre nichts passiert?“
„Genau so ist es“, nickte der Spezialist. „Es bestand zu keiner Zeit eine Gefahr.“
„Wenn Fosse nicht bereits tot wäre, würde ich ihn umbringen“, murmelte Rick wütend. „Langsam und qualvoll. Dieser Mistkerl.“
„Es tut mir sehr leid, dass Sie das durchmachen mussten, Detective“, wandte Frank sich an Kate, die erst langsam begriff, dass all die Ängste umsonst waren. „Aber es war für uns absolut nicht ersichtlich, dass der Zünder ins Leere ging.“
„Ich mache Ihnen wirklich keine Vorwürfe, Captain“, erwiderte Kate und reichte ihm die Hand, um ihre Aussage zu bekräftigen. „Sie und Ihr Team waren klasse. Was ich mich frage … wo liegt der Sinn, so zu tun als wäre es eine echte Bombe? Und wer sollte ursprünglich darauf stehen? Ich glaube nicht, dass sie für die Cops war.“
„War sie auch nicht“, bestätigte Kevin. „Sie war für Diego Jiminez.“
„Dem Typen, der die Baseballkarten kaufen wollte?“, erkundigte sich Rick überrascht. „Ich denke, der kannte Fosse nicht.“
„Tat er auch nicht, aber Diego hatte Zugang zu Schulunterlagen.“ Kevin erklärte den beiden, dass Fosse nicht auf Rache aus gewesen war, sondern seinen Sohn suchte, von dessen Existenz er erst vor Kurzem erfahren hatte. Doch seine damalige Freundin, die im Prozess gegen ihn ausgesagt hatte, war ins Zeugenschutzprogramm aufgenommen worden. Sie konnte er also nicht so einfach aufspüren.
„Das ergibt Sinn“, meinte Rick. „Er wollte Diego unter Druck setzen, ihm die Informationen zu beschaffen, indem er ihm vorgaukelte, auf einer funktionsfähigen Bombe zu stehen.“
Kate atmete durch. „Ehrlich gesagt ist mir das alles egal. Hauptsache es ist vorbei.“ Sie schwankte ein wenig, aber Rick war sofort an ihrer Seite und legte einen Arm um ihre Taille, um sie zu stützen. In diesem Fall, das wusste er, würde es niemand sonderbar finden.
„Detective, Sie sollten sich von den Sanitätern kurz durchchecken lassen“, riet Captain Gates ihr besorgt, doch Kate schüttelte den Kopf.
„Das ist nicht nötig, Sir. Mir geht es gut soweit. Ich brauche einfach nur etwas Ruhe.“ Sie gähnte verhalten. „Und Schlaf.“
Ihre Vorgesetzte seufzte, startete aber keinen Versuch, ihren besten Detective umzustimmen. „In Ordnung, aber ich will Sie nicht vor übernächster Woche im Revier sehen. Entweder lassen Sie sich krankschreiben oder nehmen Urlaub. Haben wir uns verstanden?“
„Urlaub ist in Ordnung, davon hab ich noch mehr als genug übrig“, erwiderte Kate und warf Rick einen, wie sie meinte, unauffälligen Blick, zu.
„Gut.“ Captain Gates schaute von Kate zu Rick und schüttelte, mit einem kaum wahrnehmbaren Lächeln, den Kopf. „Jetzt küssten Sie ihren vermeintlichen Helden schon, Detective.“
Alle Augen richteten sich überrascht auf sie, Kate und Rick japsten kurz nach Luft.
„Sir, Sie wissen …“, begann Kate, wurde aber von Victoria Gates unterbrochen.
„Ich bin nicht blöd, Kate. Und blind auch nicht. Obwohl Sie beide sich wirklich Mühe gegeben haben, es ein Jahr lang zu verheimlichen und bei der Arbeit äußerst professionell damit umgegangen sind, was vermutlich nicht immer leicht war.“
„Das war es wirklich nicht“, stöhnte Rick, was ihm von Kate einen Ellenbogenstoß in die Seite und von den anderen einen Lacher einbrachte.
„Nun, Mister Castle, was das betrifft, gibt es gute Nachrichten. Ich habe den Polizeipräsidenten vor Kurzem von Ihnen beiden erzählt und er sieht keine Probleme darin, wenn Sie weiterhin zusammenarbeiten. Sofern Sie sich auch zukünftig entsprechend professionell verhalten.“
„Das werden wir“, versprach Kate, die es noch immer nicht glauben konnte, dass sie nun nicht mehr aufpassen mussten, sich ja nicht zu verraten.
„Davon bin ich überzeugt.“ Sie wandte sich an Rick. „Und Sie sorgen dafür, dass Kate sich in den nächsten Tagen erholt.“
„Sie können sich auf mich verlassen, Sir.“
„Dann ab mit Ihnen. Ich bin sicher, Sie werden zu Hause bereits sehnlichst erwartet.“
„Danke Sir … für alles.“
„Was machen wir nun?“, wollte Rick wissen, nachdem der Captain und die Jungs sie allein gelassen hatten.
„Was meinst du?“
„Wenn ich dich jetzt küsse, wird es morgen bestimmt die Schlagzeile in jeder Zeitung von hier bis zur Westküste sein. Die Fotografen sind zwar außerhalb der Absperrung, aber irgendwem wird es gelingen, diese Szene festzuhalten. Und wenn es nur ein pixeliges Handyfoto sein wird. Möchtest du also unsere Beziehung offiziell machen oder weiterhin so tun, als wären wir nur Freunde und Kollegen?“
„Ich habe von der Geheimniskrämerei die Nase voll“, erwiderte Kate. „Und ich habe lange genug auf deine Küsse verzichten müssen. Zumindest hat es sich wie eine Ewigkeit angefühlt.“
„Na, dann“, erwiderte Rick und zog sie an sich ...

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„Wir bleiben aber nicht lange“, meinte der Schriftsteller, kaum das sie den Fahrstuhl verließen. „Nur solange, dass sich Mutter und Alexis überzeugen können, dass es dir gut geht. Du ruhst dich ein wenig aus und dann fahren wir in die Hamptons. Einverstanden?“
„Hundertprozentig. Ich freue mich auf die Hamptons … und darauf, mit dir alleine zu sein.“
Sie gaben sich schnell einen Kuss, bevor Rick die Tür aufschloss.

„Wir sind …“, fing Rick an, aber da standen Martha und Alexis bereits vor ihnen … und etwas dahinter Jim.
„Dad, was machst du denn hier? Ich dachte, du seist bei Gericht?“, fragte Kate, die eigentlich vorgehabt hatte ihren Vater gleich anzurufen, völlig verblüfft. Ohne auf seine Antwort zu warten, lief sie los und warf sich Jim in die Arme.
„Ist doch alles okay, Katie“, tröstete dieser seine Tochter und strich ihr dabei liebevoll über den Rücken.
Während Rick von seiner Mutter und Tochter ebenfalls geherzt und gedrückt wurde, erklärte Jim, wieso er sich im Loft, statt im Gerichtssaal befand.
„Ich war tatsächlich bei Gericht. Bis der Richter rausgerufen wurde und die Verhandlung unterbrach, als er wieder hereinkam. Er bat den Verteidiger und mich in sein Büro, wo er mir so einfühlsam wie möglich erzählte, dass meine Tochter auf einer Bombe stehen würde. Wir einigten uns darauf, die Verhandlung auf nächste Woche zu vertagen. Ich habe dann deine Nachricht entdeckt und bin schließlich hergefahren, weil ich dachte, bei deiner Familie zu Hause wäre der beste Ort, um zu warten.“ Das klang alles sehr nüchtern, aber am Zittern seiner Stimme war zu erkennen, wie nahe es ihm ging.
„Ich musste an Mum denken, weil sie uns keine Nachricht hinterlassen konnte, bevor sie …“ Kate schluckte. „Aber ich wollte es tun. Und ich wollte dir unbedingt noch sagen, wie lieb ich dich habe.“
„Darüber habe ich mich sehr gefreut und es wäre ein kleiner Trost gewesen, wenn …“ Jim atmete durch. Es war vorbei und Kate in Sicherheit. „Die Nachricht werde ich niemals löschen.“
„Dürfen wir auch einmal?“, fragte Martha. Jim nickte lächelnd und ließ seine Tochter los, die sich im selben Augenblick in den Armen von Ricks Mutter wiederfand, während Jim nun wiederum Rick kurz umarmte.
„Ich bin so froh, dass dir nichts passiert ist, Katherine.“
„Es tut mir leid, Martha“, flüsterte Kate mit tränenerstickter Stimme. „Ich habe versucht, Rick zum Gehen zu bewegen. Niemals wollte ich, dass er sich in diese Gefahr begibt. Nicht wegen mir.“
„Das weiß ich doch, Liebes“, erwiderte Martha. „Und obwohl uns bewusst war, dass es sinnlos ist, haben wir natürlich versucht, ihm das auszureden. Ist ja klar. Aber selbst eine Horde Elefanten hätten Richard nicht von dir wegbekommen. Und wir haben es verstanden.“
„Das kann ich mir kaum vorstellen“, meinte Kate. „Dafür kann man kein Verständnis haben, immerhin hätte er sterben können.“
„Das war und ist uns bewusst“, nickte Martha. „Du hättest ihn doch auch nicht verlassen, wäre es andersherum gewesen, oder?“
„Nein, niemals!“, erwiderte Kate ohne zu zögern und sah zu Rick, der ihr eine Kusshand zuwarf.
„Dachte ich es mir.“
Martha ließ Kate los und nun war Alexis an der Reihe, sie zu umarmen. „Alles, was Grandma gesagt hat, sehe ich genauso.“
Das konnte Kate noch viel weniger glauben. Welche Tochter würde es so hinnehmen, dass ihr Vater für eine Frau sterben wollte, die noch nicht mal ihre Mutter war? Aber Kate war viel zu müde, um irgendetwas infrage zu stellen. Irgendwann später würden sie noch einmal darüber sprechen müssen.
„Danke Alexis.“
„Sicherlich würdet ihr uns heute am liebsten gar nicht mehr aus den Augen lassen, aber wir sollten uns jetzt etwas zurückziehen“, meinte Rick.
Das konnten die anderen durchaus verstehen. Ihnen war nicht entgangen, wie erschöpft Kate ausschaute.
„Fahrt ihr später noch in die Hamptons?“, wollte Alexis wissen und ihr Vater nickte.
„Der beste Ort um sich zu erholen und wir möchten gerne etwas Zeit zu zweit verbringen. Ich hoffe, ihr versteht das.“
„Natürlich“, erwiderte Jim. Martha und Alexis nickten zustimmend. „Aber zwei Tage sind nicht viel.“
„Ich habe nächste Woche frei. Befehl vom Captain“, erklärte Kate. Wo sie früher jede Ausrede genutzt hatte, um ihren Urlaub nicht antreten zu müssen, war sie heute froh über die freien Tage.
„Ein weiterer Grund, in die Hamptons zu fahren, ist, dass wir dort vor den Journalisten Ruhe haben“, erklärte Rick und erzählte, dass der Captain über sie Bescheid wusste. „Und die Medien nun auch. Irgendjemand wird unseren Kuss fotografiert haben.“
Alexis eilte zum Fenster. „Noch scheint auf der Straße alles ruhig zu sein. Die vermuten sicherlich, dass ihr das Loft heute nicht mehr verlassen werdet.“
Ihr Vater nickte. „Das denke ich auch. Dafür werden sie morgen das Haus belagern.“
„Dann solltet ihr nicht zu lange warten, um loszufahren“, meinte Jim und stand auf. „Ich werde mich verabschieden und ihr könnt euch etwas hinlegen.“
„Du kannst ruhig noch bleiben.“
„Das weiß ich, Rick. Danke. Ich habe mich überzeugt, dass es Kate soweit gut geht. Mehr wollte ich nicht.“
„Ich werde dich zwischendurch mal anrufen“, versprach Kate ihrem Vater, während sie ihn zur Tür begleitete und zum Abschied umarmte. Doch dieser winkte lachend ab.
„Das tut nicht nötig, Katie. Ich weiß dich ja in den besten Händen. Genießt die Zeit. Sie ist kurz genug.“ Jim nickte noch einmal allen zu, dann schloss Kate die Tür hinter ihm.

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Keiner in die Luft geflogen ;-)  So krass lasse ich die beiden dann doch nicht sterben.

Am Sonntag folgt dann das letzte Kapitel. Kaum zu glauben.

Habt noch eine schöne Woche
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