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Reflexion einer Liebe

GeschichteAngst, Liebesgeschichte / P12 / Het
Kate Beckett Richard Castle
18.04.2018
06.05.2018
7
14.347
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30.04.2018 1.755
 
In der Wohnung unter Kate, 09.52 Uhr

Rick starrte auf den Monitor und wartete darauf, endlich aus diesem Albtraum zu erwachen. Doch das würde er nicht. Nie mehr.
„Wollen wir zusammen zu Detective Beckett gehen?“, bot ihm Frank Mahoney an. „Oder soll ich alleine …?“
Rick schüttelte den Kopf. „Ich muss vorher nur noch kurz telefonieren.“ Er schaute den älteren Mann bittend an. „Würden Sie es übernehmen, Kates Kollegen im Revier Bescheid zu sagen?“
„Natürlich.“ Er deutete auf eine Ecke des Raumes. „Dort hinten haben Sie Ruhe.“
Rick nickte dankend und ging, schweren Schrittes, in die Ecke um sein Gespräch zu führen. Leicht fiel es ihm nicht, aber er hatte gar keine andere Wahl.

~~

Langsam wurde Kate unruhig, weil Rick nicht zurückkam. Hätte er gute Neuigkeiten, wäre er längst zurück. Sie kämpfte gegen das Gefühl der Angst an. Das brachte sie keinen Schritt weiter, sondern barg die Gefahr, unvorsichtig zu werden. Und sie wollte nichts riskieren, was das Leben der anderen Personen in diesem Gebäude gefährdete.

Als Kate endlich Schritte im Treppenhaus hörte, war sie erleichtert.
„Tut mir leid, dass es so lange gedauert hat“, meinte Rick, als er in die Wohnung kam.
Kate hatte einen lustigen Spruch auf den Lippen, um die Situation etwas aufzulockern, doch hinter Rick kam Captain Mahoney herein und in diesem Augenblick zerbrach etwas in ihr.
„Was ist los?“, fragte sie direkt. „Kein drumherumreden. Die Wahrheit.“
Die beiden Männer wechselten einen Blick, wobei der von Rick bittend und der vom Captain verständnisvoll war.
„Wir haben ein weiteres Problem, Detective“, begann er.
Kate nickte. „Was für eines?“ Sie sah zu ihrem Lebensgefährten. „Rick?“
Der Schriftsteller schluckte und musste sich räuspern, bevor er sprechen konnte. „Es gibt einen Zeitzünder.“
Kate schloss kurz die Augen. Das war es  „Wie lange?“
„Ungefähr siebzehn Minuten.“
Ein schneller Blick zur Wanduhr. „Zwanzig nach zehn also. Gut zu merken. Genau zwei Stunden später.“ Sie atmete durch. „Ach, was soll es. Ich bin inzwischen sowieso zu erschöpft, um hier noch länger ruhig rumstehen zu können. Du weißt, wie wenig ich die Nacht geschlafen habe.“
„Und ich weiß, wie stark du bist, Kate. Du bist niemand, der so schnell aufgibt.“
„Normalerweise nicht“, stimmte Kate ihm zu. „Aber das hier ist etwas anderes, Rick.“
„Noch ist es nicht vorbei, Detective. Meine Jungs dort unten werden solange weitermachen, wie es möglich ist..“
Kate schüttelte den Kopf. „Sie und Ihr Team haben bereits getan, was möglich war. Ziehen Sie sich zurück, Captain. Es wird Zeit.“
Frank wollte protestieren. Wollte ihr sagen, dass noch genug Zeit vorhanden war. Aber er schwieg. Es wäre eine Lüge gewesen. Noch nie war die Zeit so schnell und gleichzeitig so langsam vergangen. Ginge es nur um ihn … er würde sich hier nicht wegrühren, aber er trug eine Verantwortung seinem Team gegenüber. Er durfte die Jungs keine unnötigen Risiken aussetzen.
„Es war mir eine große Ehre, Ihre Bekanntschaft zu machen, Detective Beckett.“
„Ganz meinerseits, Captain Mahoney.“
„Mister Castle, kommen Sie?“
„Nein.“
Frank Mahoney schaute kurz zu Kate, die nickte. Daraufhin verließ er die Wohnung, um Männern zu sagen, dass der Einsatz beendet war. Und dann wollte er beten. Das hatte er lange nicht getan, aber heute … jetzt … war genau der richtige Moment, um damit wieder zu beginnen.

„Rick …“
„Kate …“
„Lass mich zuerst“, bat Kate. „Ich würde gerne etwas loswerden.“
„In Ordnung.“
Kate atmete durch. „Während ich hier so rumstand, hatte ich Zeit nachzudenken. Über dich … uns. Und …“
„Und über Eric Vaughn?“
Kate schaute ihn verwirrt an, weil er sie aus dem Konzept brachte. „Wie kommst du denn jetzt auf ihn?“
„Weiß nicht“, meinte Rick. „Lag für mich irgendwie auf der Hand.“
„Ich habe nicht über ihn nachgedacht“, erklärte Kate. „Aber ich habe an die Gespräche gedacht, die Eric und ich geführt haben.“
„Aha.“
Was so ein kleines Wörtchen, mit der richtigen Betonung, alles aussagen konnte.
Kate hob eine Augenbraue. „Sag mir nicht, dass du noch immer eifersüchtig auf ihn bist. Nach all den Monaten?“
„Nein, natürlich nicht … ja, verdammt. Natürlich bin ich eifersüchtig. Der Typ schaut toll aus, ist supererfolgreich und war offenbar schwer von dir beeindruckt … und verliebt obendrein.“
Kate schüttelte ungläubig den Kopf. „Soll ich jetzt wütend oder geschmeichelt sein? Ich habe Eric seit dem Moment, als er das Revier verließ weder gesehen noch etwas von ihm gehört. Für deine Eifersucht gab es weder damals noch heute einen Grund. Ich mochte Eric. Ja. Aber er ist nicht du und das habe ich ihm auch gesagt.“
„Es tut mir leid, Kate“, meinte Rick daraufhin zerknirscht. „Da hab ich wohl mal wieder kräftig ins Fettnäpfchen gelangt. Und das in einem völlig unpassenden Moment. Aber dieser Eric ist mir einfach ein Dorn im Auge.“ Er zuckte mit den Schultern. „Na ja, eigentlich trifft das auf jeden Mann zu, der dich anhimmelt. Du bist eine außergewöhnliche Frau. Das hätte er mir nicht erst sagen müssen.“
„Wer?“, wollte Kate verblüfft wissen.
„Na, Vaughn. Als er das Revier verließ, fragte er mich, ob ich wüsste, dass ich eine außergewöhnliche Frau habe“, erklärte Rick und schnaubte kurz. Er war wirklich nicht gut auf den Geschäftsmann zu sprechen.
Das also war es gewesen  „Es ist süß, dass du eifersüchtig bist“, meinte Kate. „Aber völlig unnötig. Darf ich jetzt weiter erzählen?“
„Natürlich.“
„Heute Morgen hast du behauptet, ich hätte mich bei unserem Kennenlernen in dich verliebt … das stimmt nicht. Und ich kann dir auch nicht sagen, wann es passierte. Es begann schleichend. Aber ich erinnere mich dafür an jeden Augenblick, jeden Moment, jede Situation, in der mir immer klarer wurde, was ich für dich empfinde.“
„Und wann war das?“
„Zum ersten Mal als Kyra wieder in dein Leben trat. Da begannen sich meine Gefühle zu verändern. Und dann hast du mich in die Hamptons eingeladen, ich lehnte ab … und du bist mit Gina gefahren. Das hat so unglaublich wehgetan.“
„Aber das verstehe ich nicht. Du warst doch mit Demming zusammen“, meinte Rick verwundert.
Sie lächelte traurig. „Ich hatte ihm den Laufpass gegeben, aber gerade, als ich deine Einladung doch annehmen wollte, tauchte Gina auf.“
Rick sah Kate fassungslos an. „Du meinst, du hast dich von ihm getrennt … wegen mir?“ Kate nickte. „Oh, ich Idiot! Da war nichts zwischen Gina und mir, Kate. Wir fuhren zusammen in die Hamptons, ja, aber schon am nächsten Tag fuhr Gina wieder zurück. Sie hatte mit mir schlafen wollen und ich konnte nicht. Und das meine ich durchaus wörtlich. Ich musste ständig an dich denken, daran das du und Demming … Und Gina war nun einmal nicht du. Es funktionierte nicht und Gina wusste sofort, warum.“
„Wir sind zwei hoffnungslose Fälle“, meinte Kate und wusste nicht, ob sie lachen oder weinen sollte.
„Nicht mehr. Immerhin sind wir mittlerweile zusammen. Aber erzähle bitte weiter.“
„Es gab viele solcher Momente, größere und kleinere, wo ich die Veränderung spürte. Ich begann mich darauf zu freuen, mit dir Zeit zu verbringen. Und ich musste oft, mehr als mir lieb war, an dich denken. Wirklich eingestehen konnte ich es mir aber erst, als wir in diesem Kühlcontainer gefangen waren. Ich wollte es dir sogar sagen, wurde aber vorher bewusstlos. Und hinterher hatte ich nicht mehr den Mut.“
„Und dabei bist du die mutigste Frau, die ich kenne.“
„Offenbar doch nicht. Aber es ist ja nie zu spät, sich zu ändern.“ Kate hätte jetzt sonst was dafür gegeben, sich in seine Arme flüchten zu können. „Ich liebe dich, Rick. So sehr. Und es tut mir leid, dass ich es dir nicht früher sagen konnte.“
„Das muss es nicht“, erwiderte Rick und spürte einen Kloß im Hals. „Ich habe es gewusst. Aber das du es ausgerechnet heute … genau jetzt … tust, sagt mir, was du vorhast und wenn du glaubst, das lasse ich zu, dann kennst du mich nicht.“
„Ich habe nichts vor“, widersprach Kate, klang aber nicht sehr überzeugend.
„Wir beide wissen es besser, aber ich werde mich darüber nicht streiten. Und ich werde nicht gehen.“
„Rick, bitte! Mach es mir doch nicht so schwer. Ich habe meinen Frieden hiermit gemacht, aber du hast damit nichts tun. Du kannst gehen. Du musst sogar gehen!“
Rick schaute sie an, traurig und wütend zugleich. „Wie stellst du dir das vor? Soll ich hier rausmarschieren und vor dem Gebäude geduldig warten, bis es bumm macht, während du hier alleine auf diesem Scheißding stehst und auf den Tod wartest?“
„Ja, genau so. Aber ich werde nicht warten, sondern den Zeitpunkt selbst bestimmen“, gab Kate ihren Plan nun doch preis. „Dazu braucht es nicht mehr als eine kleine Bewegung.“
Er zuckte mit den Schultern. „Okay, dann machen wir diese kleine Bewegung zusammen. In guten wie in schlechten Tagen.“
„Wir sind nicht verheiratet.“   Leider
„Das Stückchen Papier benötige ich hierfür nicht. Ich stehe an deiner Seite, seit wir uns kennen. Und das werde ich auch jetzt.“
„Das ehrt dich. Wirklich. Aber du kannst nichts ändern und dein Tod wäre so sinnlos.“
„Genau wie deiner.“
„Ich habe keine Wahl. Du schon.“
„Nein, die habe auch ich nicht“, widersprach Rick und Kate seufzte. Sie hätte wissen müssen, dass er nicht so einfach gehen würde.
„Denk doch an Martha und Alexis. Du kannst ihnen das nicht antun, Rick. Lass sie nicht alleine. Vor allem nicht wegen mir. Das würden sie nie verstehen.“
„Sie wissen es.“
„Was meinst du damit?“, fragte Kate ahnungsvoll.
„Ich habe, bevor der Captain und ich hochkamen, mit den beiden telefoniert.“
„Und ihnen was gesagt … das du vorhast, heute zu sterben? In diesem Gebäude … mit mir zusammen?“
„Dass ich dich nicht alleine lassen werde. Niemals.“
Kate schüttelte ungläubig den Kopf. „Das kommt aufs Gleiche raus.“
Rick überhörte ihre Worte. „Und weißt du, was sie gesagt haben?“
„Dass du vollkommen verrückt bist.“
Rick lächelte leicht. „Stimmt. Und das sie nichts anderes erwartet haben.“ Dass sie geweint und natürlich versucht haben, ihn umzustimmen, musste er nicht sagen. Das konnte sich Kate auch so denken.
Sie schaute auf die Uhr. „Rick, bitte geh! Noch kannst du es aus dem Gebäude schaffen.“
„Ich werde nicht gehen“, wiederholte Rick und stellte sich neben die Linie des Kreises, in welchem Kate stand. So dicht wie möglich. „Wir sind Partner, Katherine Beckett. Im Leben, im Beruf … und wenn es so sein soll, auch im Tod.“
Rick schaute auf sein Handy, wo die Sekunden scheinbar immer schneller vergingen und griff genau in dem Moment nach Kates Hand, als die Zeit abgelaufen war …

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Und booom ;-)

Ich weiß, dass ist wieder extrem fies von mir. Tut mir aber nur bedingt leid.

Auch wenn ihr jetzt vermutlich wütend mit den Zähnen knirscht, wünsche ich euch morgen einen schönen Feiertag und generell eine schöne Woche - bis in drei Tagen.
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