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Reflexion einer Liebe

GeschichteAngst, Liebesgeschichte / P12 / Het
Kate Beckett Richard Castle
18.04.2018
06.05.2018
7
14.347
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24.04.2018 2.850
 
Vor dem Gebäude, 9.30 Uhr

Rick hatte Kate mehr als ungern verlassen, verstand aber, dass sie etwas Zeit für sich brauchte. Und zugegebenermaßen traf das auf ihn auch zu. So zuversichtlich, wie er auftrat, war er nämlich nicht im geringsten. Er wollte zu Kate zurück und war doch froh, nicht dort zu sein. Dafür hasste er sich.

Er holte sein Handy aus der Tasche. Bevor sie in das Gebäude gegangen waren, hatte er es auf lautlos gestellt. Auf dem Sperrdisplay konnte er sehen, dass sechs Anrufe eingegangen waren. Er musste nicht nachschauen, um zu wissen, von wem sie stammen … Martha, Alexis und Gina. Letztere aber nicht etwa, um sich nach dem Befinden von Kate oder ihm zu erkundigen. Nein, ihr ging es nur um sein neues Buch, dessen Veröffentlichung für den nächsten Monat geplant war. Diese Bombensache … für Gina war irrelevant, dass bei dieser <Sache> ein Menschenleben auf dem Spiel stand … wäre perfekt, um sie in die anstehende Promotion einzubinden. Das allerdings würde er mit allen Mitteln verhindern. Aber Gina konnte warten. Er würde mit seiner Mutter sprechen und dann wieder zu Kate gehen. Sie war jetzt wichtig. Nichts anderes. Und niemand anderes.
Rick entsperrte das Display, öffnete die Telefon App … und hatte einen Blackout. Er starrte sein Handy an und wusste nicht mehr, unter welcher Kurzwahl er das Telefon im Loft gespeichert hatte. Auch die Kurzwahl für Marthas Mobilnummer … weg.

Tief durchatmend und gleichzeitig die Augen schließend blieb er zehn, vielleicht zwanzig Sekunden so stehen und sortierte seine Gedanken.
Als er die Augen schließlich wieder öffnete, drückte Rick die Vier für das Loft-Telefon und nickte zufrieden, als seine Mutter sich sofort meldete. Sie musste direkt neben dem Telefon gesessen haben.
„Richard, endlich meldest du dich!“, bekam er sogleich zu hören und musste lächeln. Es war schön, wenn sich jemand um einen sorgte.
„Tut mir leid, Mutter, es ging nicht früher.“
„Schon klar, aber diese Warterei zerrt wirklich an den Nerven. Alexis und ich waren schon kurz davor, zu euch zu kommen.“
„Hier würdet ihr auch nur warten können und das zudem reichlich unbequem.“
„Aber wir wären in eurer Nähe. Wie geht es Katherine?“
„Sie hält sich toll“, erwiderte Rick. „Wie es wirklich in ihr ausschaut, vermag ich nicht zu sagen. Und auch nicht, wie lange sie noch durchhalten wird.“
„Sie ist eine starke Frau. Katherine wird nicht so schnell aufgeben.“
„Da bin ich mir nicht sicher. Sie ist auch nur ein Mensch und keine Maschine.“ Rick atmete durch. „Ich habe eine Scheißangst“, gestand er. „Ich will sie nicht verlieren. Ich KANN sie nicht verlieren, Mutter.“
„Ich weiß, mein Junge. Dieser Gedanke ist auch für Alexis und mich unerträglich, aber soweit wird es nicht kommen!“
„Hoffentlich.“ Rick wischte sich über die Augen. Tränen konnte er jetzt wirklich nicht gebrauchen. Kate würde es sofort bemerken. „Ich werde noch schnell die Jungs anrufen und dann wieder zu Kate gehen.“
„Sag ihr, wir sind in Gedanken bei ihr.“
Aus dem Hintergrund hörte er Alexis rufen. „Und das wir sie lieb haben.“
„Das werde ich auf jeden Fall tun“, versprach er.
„Wir rühren uns nicht vom Telefon weg.“
„Okay. Tschüss Mutter.“
„Tschüss mein Junge.“
Rick beendete das Gespräch, ließ das Handy aber erst einmal sinken. Sofort das nächste Gespräch führen konnte er nicht. Seine Gedanken wanderten zu Kate. Wohin auch sonst. Als er an ihre kleine Diskussion dachte, musste er lächeln. War es wirklich erst wenige Stunden her, dass er behauptet hatte, sie hätte sich bereits beim Kennenlernen in ihn verliebt? Natürlich hatte sie das nicht. Genauso wenig wie er sich sofort in sie verliebt hatte. Allerdings war er von der ersten Sekunde an unglaublich fasziniert von ihr. Wann daraus Liebe geworden war, wusste er nicht. Das passierte einfach. Letztlich war das Wie und Wann auch völlig egal. Nur das Hier und Jetzt zählte. Vor allem aber die Zukunft und die war ziemlich schwammig. Doch das lag nicht nur an der Bombe.

~~

„Sir, wir haben ein Problem.“
Captain Mahoney seufzte. „Hilft uns die Fernbedienung nicht weiter?“
„Im Grunde schon“, erwiderte der Sergeant. „Damit wurde die Bombe aktiviert, wie bereits vermutet. Die gute Nachricht ist, dass man sie damit auch wieder deaktivieren kann.“
„Und die Schlechte … es gibt Tausende Kombinationen.“ Der Captain unterdrückte einen Fluch.
„Sir … das ist nur ein Teil des Problems. Die Fernbedienung ist zugriffsgeschützt. Ein falscher Code und die Bombe geht hoch.“
Frank Mahoney nickte grimmig. „Dann müssen wir uns anstrengen, die Bombe ohne diese verfluchte Fernbedienung außer Gefecht zu setzen. Es reicht mir schon, dass ich Captain Gates darüber informieren muss. Ich lege keinen Wert darauf, den Freunden und Kollegen von Detective Beckett auch noch sagen zu müssen, dass wir nicht in der Lage sind, sie von diesem Scheißding runterzuholen.“
„Ich auch nicht, Sir. Ich auch nicht.“
Die beiden nickten sich einvernehmlich zu und der Captain griff zu seinem Handy, um diesen unliebsamen Anruf hinter sich zu bringen. Manchmal hasste er seinen Job wirklich und an einem Tag wie heute freute er sich besonders auf seinen Ruhestand in zwei Jahren.

~~~

Rick haderte mit sich. Einerseits wollte er zu Kate zurück, andererseits spürte er, wie er diesen Moment immer wieder hinauszögerte. Und das fühlte sich an, als würde er Kate im Stich lassen. Doch er wusste, dass sie ihn fragen würde, was sich im Revier tat, also drückte er Javiers Kurzwahlnummer und es dauert nur einen Wimpernschlag, bis der Latino das Gespräch annahm.
„Gut, dass du dich meldest, Bro“, meinte Javier nach einer kurzen Begrüßung. „Wie geht es Kate?“
„Nach außen gut“, erwiderte Rick. „Ich will gleich wieder zu ihr, wollte mich aber erst erkundigen, was bei euch los ist. Habt ihr bereits erfahren, wie man die Bombe entschärfen kann?“
Javier seufzte. „Fosse hatte Kevin über seinen Anwalt eine Liste mit Bedingungen aushändigen lassen. Erst dann wollte er uns den Code mitteilen.“
„Moment“, unterbrach Rick ihn. „Was für einen Code?“
„Ach, das kannst ja noch nicht wissen. Captain Mahoney teilte uns eben mit, dass die Fernbedienung auch zur Entschärfung dient, wenn man den richtigen Code eingibt.“
Rick ahnte, was passieren würde, wenn es der Falsche wäre. „Was für Bedingungen?“
„Es waren Punkte, die man, wenn auch zähneknirschend, hätte erfüllen können. Nur die volle Amnestie war ein Ding der Unmöglichkeit. Darauf hätte sich der Staatsanwalt nie eingelassen“, erklärte Javier.
„Und das aus gutem Grund“, stimmte Rick zu. „Kate wäre niemals damit einverstanden, diesen Kerl wieder auf die Menschheit loszulassen, nur um ihr Leben zu retten. Das würde gegen alles sprechen, wofür sie und die Justiz stehen.“
„Ich weiß. Kevin hat das auch dem Anwalt gesagt, aber Fosse bestand darauf.“
„Und jetzt? Irgendwie müsst ihr den Code aus diesem Mistkerl herausbekommen.“
„Das wird nicht mehr möglich sein. Er ist tot.“
„Was? Wie?“, rief Rick. „Wie konnte das passieren?“
„Ich wollte mit ihm sprechen … auf meine Weise … und fand ihn auf dem Boden liegend in seiner Zelle vor. In seinem Hals steckte seitlich ein Stift. Diesen hatte er von seinem Anwalt, um andere Bedingungen notieren zu können. Er starb, bevor man ihn die Klinik bringen konnte.“
„Und mit ihm auch jede Hoffnung, an diesen Code zu kommen.“ Rick schaute zu dem Fenster hoch, hinter dem Kate auf diesem Mistding von Bombe stand. „Sein Hass auf die Polizei muss immens gewesen sein, sonst hätte er es doch nicht riskiert, kaum in Freiheit wieder in den Knast zu kommen. Hat er sich deswegen umgebracht? Ich verstehe das alles nicht.“
„Ich habe rausgefunden, dass Fosse einen Hirntumor hatte und sowieso gestorben wäre“, erklärte Kevin, der gerade gekommen war. Javier hatte auf Lautsprecher gestellt. „Er wollte raus aus dem Knast, um noch einige seiner vermeintlichen Feinde mit in den Tod zu nehmen. Außer dem Anschlag gestern und der heutigen Bombe gab es vor einer Woche einen Anschlag in Connecticut. Das dortige Opfer arbeitete für den Staatsanwalt, der Fosse vor sechs Jahren ins Gefängnis brachte.“
„Dann müssen wir unbedingt eine Liste derjenigen zusammenstellen, die damals mit dem Prozess zu tun hatten“, meinte Esposito.
„Wieso?“, wollte Rick wissen. „Fosse ist tot.“
„Ja, aber vor seinem Tod sagte er, er sei noch nicht fertig.“
„Verstehe. Dann werde ich euch nicht weiter aufhalten. Wird sowieso Zeit, dass ich wieder zu Kate gehe.“
„Grüße sie von uns und sag ihr, aufgeben gilt nicht.“
„Mach ich.“
Sie beendeten das Telefonat. Rick stand, wie schon vorhin, vor dem Gebäude und traute sich nicht rein.

~~

Wieder bei Kate, 09.40 Uhr

Während sich Rick von den Jungs auf den neuestens Stand bringen ließ, fiel es Kate langsam schwerer ruhig zu stehen. Sie wusste, dass sie nicht daran denken durfte, also suchte sie sich etwas anderes. Schöne Momente wären vermutlich das Beste gewesen, aber seltsamerweise fiel ihr die Krise ein, in der sie und Rick vor rund sieben Monaten steckten. Damals hatte sie das Gefühl gehabt, für Rick zu einer Selbstverständlichkeit geworden zu sein.

Eines Abends hatte sie sich besonders aufreizend angezogen, aber Rick war so in seinem Computerspiel vertieft gewesen, dass er kaum von ihr … geschweige denn von ihrem Outfit … Notiz genommen hatte. Das wäre am Anfang ihrer Beziehung undenkbar gewesen. Da waren sie sexuell äußerst aktiv und konnten kaum die Finger voneinander lassen. Außerdem hatte Rick sie oft überrascht. Mal mit einen besonders liebevoll dekorierten Latte ans Bett, mal mit einer Rose oder einer kleinen Notiz, die sie in ihrer Jackentasche fand. Mit Kleinigkeiten, wie sie es liebte. Nichts Pompöses sondern Dinge von Herzen. All das hatte nachgelassen und sie wusste nicht warum. Was sollte man von einer Beziehung halten, bei der bereits nach einem halben Jahr die Luft raus schien?

Genau in dieser Zeit trat Eric Vaughn in ihr Leben. Ein Freund von ihm war ermordet worden, es hatte sich allerdings schnell herausgestellt, dass dieser gar nicht das Ziel gewesen war, sondern Eric. Nun war klar, dass er Personenschutz brauchte und er wollte … sie. Kate hatte alles andere als begeistert darauf reagiert, Babysitter für den Geschäftsmann spielen zu müssen, aber der Commissioner bestand darauf.

Rick reagierte sehr eifersüchtig – was in dem Moment ausgesprochen süß gewesen war - und wäre es jetzt vermutlich wieder, wenn er wüsste, dass sie … im Angesicht ihres Todes … ausgerechnet an diesen Mann dachte.
Damals wie heute war seine Eifersucht grundlos, obwohl ihr seinerzeit die Avancen des Geschäftsmannes gut taten. Und auch die Gespräche. Kates Gedanken wanderten automatisch zurück. Eine weitere willkommene Ablenkung …


Sie hatte ihn ins Fairwick Hotel begleitet, wo er aus Sicherheitsgründen untergebracht worden war, und wo auch sie für die nächste Zeit wohnen sollte. In der Präsidentensuite. Tagsüber ein Auge auf ihn zu haben, war die eine Sache, aber nachts … Das hatte auch zu einem Streit mit Rick geführt, denn wie sie erkennen musste, vertraute er ihr offenbar nicht.

„Mister Vaughn …“
„Eric, bitte.“
Kate seufzte leise. „Okay, Eric. Warum bestanden Sie darauf, dass ich diesen Job hier übernehme? Es gibt Kollegen, die darauf spezialisiert sind. Ich könnte Ihr Leben besser von meinem eigentlichen Arbeitsplatz aus schützen. Indem ich denjenigen fasse, der hinter all dem steckt.“
„Sie unterschätzen sich, Detective. Ich bin mir absolut sicher, Sie können beides.“
„Und woher nehmen Sie diese Gewissheit? Sie kennen mich doch überhaupt nicht.“
„Das war mir bereits nach zwei Minuten klar. Außerdem weiß ich alles, was ich wissen muss. Sie waren Jahrgangsbeste der Akademie und sind in der Geschichte des NYPD die jüngste Frau, die Detective wurde. Dazu passend haben Sie die beste Aufklärungsquote des Departments.“ Er musterte Kate kurz und lächelte. „Ihnen ist überhaupt nicht klar, wie bemerkenswert Sie sind, oder? Also, wenn ich jemandem mein Leben anvertrauen soll, dann Ihnen.“

Später, nachdem die Jungs und Castle da gewesen waren, um Eric ein Bild eines Verdächtigen namens Barber zu zeigen, hatten sie zusammengesessen, sich unterhalten. Das tat gut, denn es hatte wieder eine kleine Auseinandersetzung mit Rick gegeben. So süß sie seine Eifersucht anfangs fand, so sehr ging sie ihr nun auf die Nerven. Vor allem aber sein mangelndes Vertrauen. Das hatte wehgetan.
„Darf ich Sie etwas fragen, Detective?“
„Sicher.“ Kate war mittlerweile aufgestanden und zum Schreibtisch gegangen, um sich schnell etwas zu notieren, worüber sie am nächsten Tag mit den Jungs sprechen wollte. Statt aber anschließend zur Couch … und somit zu Eric … zurückzukehren, war sie an die breite Fensterfront getreten und genoss die Aussicht, die wirklich grandios war. Dass der Geschäftsmann sie beobachtete, konnte sie im Spiegelbild erkennen. Das machte sie unsicher.
„Sind Sie und Castle …“
„Ja.“
„Ist es ernst?“
Sie drehte sich um. „Durchaus.“
Kate hatte nur den Bruchteil einer Sekunden mit der Antwort gewartet, doch Eric war es nicht entgangen. „In Wahrheit sind Sie sich da nicht so sicher. Sonst hätten Sie nicht gezögert.“
„Das mit uns ist kompliziert.“
„Der Standardsatz.“
Kate schüttelte den Kopf. „Bei uns ist es das wirklich. Wir arbeiten seit über fünf Jahren zusammen. Ich konnte ihn anfangs nicht ausstehen, aber langsam wurden wir Freunde. Und vielleicht wäre aus uns schon früher mehr geworden, aber meine Vergangenheit stand uns im Weg“
„Vergangenheit?“
„Die Trauer um einen Menschen, der mir viel  bedeutete“, erklärte Kate kurz, ging aber nicht näher darauf ein. „Genaugenommen stand sie eigentlich nur mir im Wege. Und jetzt haben wir eine Beziehung, seit einem halben Jahr, aber darüber geredet, wohin sie führen soll, haben wir bisher nicht. Es ist, als würden wir dieses Thema meiden, weil wir uns vor dem fürchten, was dabei herauskommen würde.“
„Das Ende Ihrer Beziehung?“
Kate nickte leicht. „Vielleicht. Im Moment stehen wir an einem Punkt, an dem es in jede Richtung gehen könnte.“
„Er wäre blöd, würde er Sie gehen lassen. Eine Frau wie Sie, Kate, muss man halten.“
Eric war im Laufe des Gesprächs immer nähergekommen, nun stand er so dicht vor ihr, dass er sich nur vorbeugen musste, um sie zu küssen. Doch gerade, als seine Lippen ihre berührten, schob sie ihn sanft, aber bestimmt weg … und in dem Moment fiel ein Schuss ...

--

In der Präsidentensuite herrschte geschäftiges Treiben. Eric war ins Revier gebracht worden, wo er bleiben sollte, bis man eine neue Unterkunft für ihn gefunden hatte, Kate, die Jungs und die Spurensicherung waren noch vor Ort. Auch Rick war sofort gekommen, nachdem er erfahren hatte, was geschehen war.

„Ich mach das nur ungern, aber ich muss Ihre Aussage aufnehmen“, meinte Kevin zu Kate.
„Nur zu.“
„Wo haben Sie gestanden, als der erste Schuss fiel?“
Kate spürte Ricks Blick auf sich, während sie zum Fenster ging. „Ich habe genau hier gestanden.“
Kevin machte sich eine Notiz und nickte. „Wo war Vaughn?“
Kate zeigte vor sich auf den Boden. „Dort.“
Kevin kam zu ihr, stellte sich auf Vaughns Platz. „Also hier.“ Er stutzte, schwieg aber.
„Ja.“
„Warum stand er so nah?“, wollte Rick wissen. „Ich verstehe nicht …“ Jemand machte den Laser an, um dem Schusskanal zu folgen ... der Laser deutete genau auf Kevins Schläfe. „Augenblick mal … warum traf ihn die Kugel nicht direkt in den Kopf, wenn er dort stand? Wie konnte Barber ihn verfehlen?“
„Kurz vorher ist er gestolpert“, erwiderte Kate.
Rick zog eine Augenbraue hoch. „Zunächst bekam er die falsche Vorspeise serviert und konnte dadurch der Vergiftung entgehen. Jetzt stolperte er, obwohl er eigentlich nur vor dir stand, und entkam so dem unweigerlich tödlichen Schuss. Niemand hat so viel Glück.“ Seine Stimme wurde ernst. „Was geht hier vor, Kate?“
Kate drehte sich zu ihm um. „Er hat mich geküsst, okay?“
„Er hat was?“
Kevin sah von Kate zu Rick. Hier war jetzt wohl ein strategischer Rückzug angebracht. „Ich dürfte alles haben, was ich brauche.“
Keiner der beiden nahm Notiz von ihm, als er das Weite suchte. Rick stellte sich dorthin, wo vorher Kevin stand … und davor Eric Vaughn. Genau vor Kate.
Kate atmete durch. „Ich werde dich nicht anlügen. Wir sprachen über dich, wir sprachen über Beziehungen und dann küsste er mich. Aber das hatte keinerlei Bedeutung, Rick. Nicht für mich. Es war noch nicht einmal ein richtiger Kuss, nur eine flüchtige Berührung der Lippen.“
„Aber warum hast du ihn nicht einfach weggeschoben?“ Kate schaute ihn nur an, mit leicht hochgezogenen Augenbrauen … bis der Groschen fiel. „Oh … deswegen ist er nicht tot.“ Klang ein wenig, als würde Rick dies bedauern.
Kate hatte sich nichts vorzuwerfen und fühlte sich dennoch schuldig, weil sie vermutlich unbewusst, ein Signal an Eric gesendet hatte … und weil sie sich, wenn auch nur einen Herzschlag lang, diesen Kuss gewünscht hatte. Damit musste sie klarkommen und hoffen, dass es keine Auswirkungen auf ihre Beziehung mit Rick haben würde.


Laute Stimmen von draußen ließen Kate in die Realität zurückkehren, doch ihre Gedanken beschäftigten sich noch mit den damaligen Ereignissen. Hatte es Auswirkungen auf ihre Beziehung gehabt? Davon war Kate überzeugt. Und zwar positive. Aber eines hatte sich nicht geändert … auch sieben Monate danach wusste sie nicht, wo sie beide eigentlich standen. Das allerdings, da machte sich Kate nichts mehr vor, war zum größten Teil ihre Schuld. Diese Erkenntnis hatte sie Eric Vaughn zu verdanken.

Kate wünschte sich so sehr, Rick würde zurückkommen. Sie vermisste ihn und die Zeit, die ihr noch blieb, wollte sie mit ihm verbringen. Mit niemandem sonst.

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Nun wisst ihr auch, wie ich die beiden Folgen miteinander verknüpft habe ;-)

Und Kate muss immer noch dumm rumstehen.  Das ändert sich auch nicht so schnell.

Habt noch eine schöne Woche - ich läute am Freitag mit Kapitel vier dann das Wochenende ein.
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