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Reflexion einer Liebe

GeschichteAngst, Liebesgeschichte / P12 / Het
Kate Beckett Richard Castle
18.04.2018
06.05.2018
7
14.347
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21.04.2018 1.430
 
Im Revier, 9.00 Uhr

Im Revier warteten indessen alle auf erlösende Nachrichten, doch was Captain Gates zu vermelden hatte, als sie aus ihrem Büro kam, war alles andere als das.
„Es gibt jetzt keinen Zweifel mehr … Detective Beckett steht auf einer Bombe. Es sind vermutlich mindestens zehn Kilo Hexogen.“
Kevin wurde blass. „Das reicht, um das gesamte Gebäude in die Luft zu jagen. Diese Explosion würde nicht mal das Ungeziefer im Keller überleben.“
„Wie sieht der Plan aus?“, wollte Javier wissen und fügte, vorsichtig, hinzu. „Es gibt doch einen?“
„Es wird daran gearbeitet, die Bombe zu entschärfen. Da wir Kate nicht helfen können, konzentrieren wir uns auf das, was wir tun können. Haben Sie Informationen über den Täter?“
„Die Tat gestern wird ein Racheakt gewesen sein. Das Opfer, Kelly Runther, sagte vor sechs Jahren in dem Brandstifterprozess aus“, erklärte Kevin.
Der Captain nickte. „Okay, da dürfte das Motiv liegen. Aber weshalb montiert Fosse eine Sprengfalle in seiner Wohnung?“
Diesmal gab Javier die Antwort. „Ein Rachefeldzug gegen Cops. Seine Verteidiger warfen der Polizei damals Beweismittelfälschung vor.“
„Er wusste, dass die Beamten bei ihm auftauchen würden. Alles bis ins Detail geplant.“ Der Captain sah die beiden Detectives vor sich ernst an. „Wir werden nicht zulassen, dass sein perfider Plan funktioniert. Ich will wissen, wie diese verfluchte Bombe entschärft werden kann.“

~~~

9.20 Uhr

Während Javier und Kevin versuchten, irgendeine nützliche Information aus Fosse herauszubekommen, war das Entschärfungsteam noch immer damit beschäftigt, eine Möglichkeit der Entschärfung zu finden. Bisher vergebens.
Captain Mahoney sprühte um Kate herum einen Kreis … die Größe der Auslöseplatte. Niemand durfte diesen Kreis betreten. Leider auch nicht verlassen.

„Wir wissen noch nicht, um was für eine Art Sprengsatz es sich handelt“, gab der Captain zu. „Aber wir arbeiten daran.“
„Und was sollen wir bis dahin tun? Kate kann nicht so lange dort stehen, bis Ihr Team irgendwann …“ Rick schaute den Sprengstoffexperten herausfordernd an.
„Ich komme schon klar, Rick“, unterbrach Kate ihn. „Wirklich.“
„Nein“, rief er. „Das geht nicht. Du stehst dort bereits seit einer Stunde.“
Das musste er ihr nicht sagen. Ihr Blick war automatisch zu der Wanduhr gegenüber gegangen, als sie das Klicken unter ihren Füßen bemerkt hatte. Es war zwanzig nach acht gewesen, als die Uhr für sie zu ticken begann. „Rick. Es ist okay.“
„Nein verdammt, ist es nicht!“ Erregt strich er sich durchs Haar und überlegte kurz. „Könnte man nicht einen Austausch vornehmen? Also etwas gleich Schweres gegen Kate ersetzen“, wollte er vom Captain wissen.
„Wäre es möglich, hätten wir es bereits in die Wege geleitet, Mister Castle“, erläuterte der Captain ruhig. Er spürte, dass Ricks Sorge um Kate persönlicher war, als er zeigen wollte. „Aber die Platte, auf der Detective Beckett steht, kann selbst kleinste Druckschwankungen wahrnehmen.“ Er schaute zu Kate. „Wenn sie das Gewicht verlagern, löst es die Bombe aus. Wenn man versucht, Ihnen Schutzkleidung umzulegen, löst …“
„Ja ja“, unterbrach Rick ihn. „Schon verstanden. Nur was sollen wir jetzt tun? Einfach hier rumstehen?“
„Nicht Sie, Mister Castle. Jeder, der hier nicht dringend benötigt wird, muss evakuiert werden.“
„Ich rühre mich hier nicht weg. Ich werde dringend benötigt.“
Das wurde er wirklich … von ihr. Für den Moment war er ihr Fels in der Brandung. Aber auf keinen Fall sollte er unnötige Risiken eingehen. „Rick, lass gut sein.“
„Wir kümmern uns um sie“, versprach Captain Mahoney. „Meine Leute dort unten tun alles, was sie können.“ Er wandte sich an Kate. „Ich weiß, es ist eine schwierige Situation, aber halten Sie durch. Ich werde bald wiederkommen.“
Auffordernd sah er Rick an, doch dieser schüttelte den Kopf.
„Ich rühre mich hier nicht weg", wiederholte er.
„Okay, noch kann ich es verantworten, dass Sie hierbleiben“, gab der Captain nach und verließ die Wohnung.
„Rick, würdest du mir einen Gefallen tun?“
Sofort nickte ihr Freund. „Natürlich. Jeden.“
„Dann gehe bitte.“
„Nein, das kann ich nicht.“
„Doch, du kannst. Du musst. Lass mich einfach ein paar Minuten allein.“
„Kate, ich …“
„Bitte Rick!“
Rick atmete durch und nickte. „Okay, aber ich komme wieder!“
„Das möchte ich dir auch raten“, erwiderte Kate. Noch brauchte sie ihn. „Und nun geh. Ruf Martha an, sag ihr das es dir gut geht. Sie hat bestimmt in den Nachrichten davon gehört und macht sich Sorgen.“
„Ja, um dich. Ein Detective steht auf einer Bombe, melden die Medien. Kein Schriftsteller.“ Wer dieser Detective war, sollte geheim bleiben, aber irgendwie war durchgesickert, dass es sich um Kate handelte und so war das mediale Interesse höher als allen lieb war. Aber Captain Gates hatte vorgesorgt und Dutzende Polizisten schirmten das Gelände weitläufig ab, sodass nicht einmal eine Maus ungesehen durchkommen würde.
„Ich fühle mich gut.“ Dass sich das irgendwann ändern würde, war ihnen klar. Niemand konnte ewig auf einem Fleck stehen, ohne dass es an die Substanz ging. Bis es soweit war, freute sie sich einfach darüber, ihn an ihrer Seite zu haben. Doch sobald ihre Ermüdung einsetzt, würde sie ihn wieder rausschicken. Unter einem Vorwand. Und er könnte nicht zurückkommen ...
„Und du wirst keinen Blödsinn machen?“
Kate schüttelte den Kopf. „Nein, ganz bestimmt nicht.“
„In Ordnung, dann gehe ich. Aber wehe, ich erwische dich nachher mit dem Captain in einer eindeutigen Situation“, warnte Rick und drohte ihr scherzhaft mit dem Finger.
Kate lachte vorsichtig. „Das heben wir uns für danach auf.“
Rick warf ihr eine Kusshand zu und ging. Kate war allein. Und es war fürchterlich. Tat aber auch gut, weil sie die Maske der Zuversicht fallen lassen konnte.
Warum musste das jetzt passieren, wo ihr Leben langsam begann, in der Spur zu laufen? Im Beruf lief alles super und privat … na ja, da könnte es durchaus etwas runder laufen.
Vielleicht sollte sie tatsächlich mal ergründen, wann genau sie sich eigentlich in Rick verliebt hatte. Es muss da ja den einen Moment gegeben haben.

Kate schloss die Augen und suchte in ihren Gedanken nach ein paar besonderen Augenblicken …


Ihr Kennenlernen … nein, so sehr Rick auch darauf drängen mochte, dass es der Moment gewesen war, irrte er sich gewaltig. Im Gegenteil. Es war eine herbe Enttäuschung gewesen, weil sie erkannte hatte, dass der Schriftsteller Richard Castle, den sie durchaus toll fand, als Mensch eine absolute Niete war.

Als ihre Wohnung in die Luft flog … verliebt hatte sie sich auch da nicht. Aber sie hatte gespürt, wie es war, wenn man umsorgt wurde. Die Tage im Loft gehören eindeutig zu ihren schönsten Erinnerungen.

Ihr erster Kuss … er war als reines Ablenkungsmanöver gedacht, aber natürlich war das nicht der Grund einzige gewesen, weswegen sie ihn geküsst hatte. Sie hatte es gewollt. Schon lange. Und es war toll. Auch hier waren die Umstände nicht dafür gemacht, sich zu verlieben. Aber es hatte ihr gezeigt, wie es sein könnte, wenn sie und er …


Ein Geräusch beendete Kates kleine Reise in die Vergangenheit. Es war nicht nur eine gute Ablenkung gewesen, sondern hatte ihr auch bewusst gemacht, dass es DEN einen Moment nicht gab. Dieses Gefühl war langsam gewachsen, jedes gemeinsame Erlebnis war dafür mitverantwortlich.

Kate schaute auf die Uhr. Es waren erst fünf Minuten vergangen, seit Rick gegangen war. Gefühlt war es eine Ewigkeit. Knapp siebzig Minuten stand sie demnach bereits hier, ohne sich zu bewegen. Erstaunlich, zu was man fähig war, wenn es darum ging zu überleben. Noch fühlte sie keine nennenswerten Ermüdungserscheinungen und war selbst gespannt, wie lange sie durchhalten würde. Da sie zum Nichtstun verdammt war, konnte sie diese Gelegenheit dazu nutzen, weiter über sich und Rick nachzudenken. Vielleicht hätte sie das schon viel früher tun sollen.

Da waren Schritte … es waren aber nicht die von Rick. Das erleichterte Kate. Sie war noch nicht bereit, wieder ihre Maske aufzusetzen. Zuversicht zeigen, wo sie keine sah.
„Ich wollte nur kurz nach Ihnen schauen, Detective.“ Frank Mahoney sah sich um. „Sie sind alleine?“
„Im Moment.“
„Mister Castle ist hartnäckig.“
Kate wusste, worauf er hinauswollte. „Er wird wiederkommen. Aber er wird nicht bleiben. Dafür sorge ich. Rechtzeitig.“
Nachdenklich musterte der ältere Mann sein Gegenüber und Kate bemerkte den Moment, als ihm aufging, was sie damit meinte. „An dem Punkt sind wir noch lange nicht. Ich habe sehr viel von Ihnen gehört, Detective Beckett und weiß, was Sie leisten können. Geben Sie nicht auf.“
„Das habe ich nicht vor, Captain.“
Jedenfalls nicht zu diesem Zeitpunkt … sie sprach es nicht aus, aber beide wussten es.
„Ich werde wieder runtergehen. Es tut mir leid, dass wir nicht mehr für Sie tun können, Detective.“
„Was Sie tun können, tun Sie. Das zu wissen reicht mir.“

Dann war sie wieder alleine und es fühlte sich noch fürchterlicher an …

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Arme Kate.  Da steht sie nun und kommt auf die seltsamsten Gedanken.

Habt ein schönes Wochenende
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