Eine schwere Entscheidung

GeschichteAllgemein / P18
18.04.2018
18.04.2018
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Noch bevor er die Augen aufschlug konnte er zwei Dinge wahrnehmen. Das erste was er wahrnahm waren die Schmerzen. Er konnte einen stechenden Kopfschmerz fühlen, der noch übertroffen wurde von dem Schmerz in seinem Brustkorb. Es fühlte sich an, als wäre wenigsten eine seiner Rippen gebrochen. Das zweite was er wahrnehmen konnte war das noch immer vertraute Gefühl von kaltem Metall an seinen Handgelenken und seinem Hals.

„Nun Bischof, so sieht man sich wieder.“, hörte er Ivars Stimme und für einen Moment stoppte ihm der Atem.

Ivar! Was war passiert? Hatten sie die Schlacht verloren? Er wusste es nicht, konnte sich nicht an den Ausgang der Schlacht erinnern. Nur noch daran wie er gegen die Heiden kämpfte, ein Sturz, dann Schmerz und anschließend war da nur noch Schwärze. Wenn er wieder in Ivars Hände gefallen war, bedeutete das, dass die vereinte Streitmacht von Lagerthas Kriegern und den Soldaten Wessex wider aller Erwartungen die Schlacht gegen Ivars Heer verloren hatte.

„Ivar“, war alles was er hervorbringen konnte. Es war mehr wie ein Krächzen, denn seine Stimme war rau, ausgedörrt, als hätte er schon sehr lange nichts mehr getrunken. Wie lange war er bewusstlos gewesen? Lebte Lagertha noch und was war mit König Alfred? Und warum hatte Ivar ihn an Leben gelassen?

„Ja, Heahmund. Anscheinend hat dich dein Gott im Stich gelassen. Genauso so wie dein König und diese mörderische Schlampe für die du mich verraten hast.“ Der Zorn in Ivars Stimme war unverkennbar. Der Zorn überraschte Heahmund. Was hatte Ivar denn erwartet nachdem er ihn gefangen genommen und anschließend gezwungen hatte für ihn zu kämpfen? Er versuchte sich aufzurichten, um Ivar besser in das Gesicht sehen zu können, aber bereits der Versuch verschlimmerte seine Schmerzen und er ließ sich wieder in seine Ausgangsposition zurücksinken. Ivar hatte gesagt, dass Lagertha und Alfred ihn im Stich gelassen hatten. Bedeutet das, dass die beiden noch am Leben waren und sich nicht in der Hand Ivars befanden oder war das nur eine Lüge Ivars?

„Hast du mir nichts zu sagen, Bischof? Keine schönen Lügen mehr um dein Leben ein weiteres Mal zu retten?“, fragte Ivar ihn voller Zorn und die Worte klangen eher wie ein Zischen.

„Hätten meine Worte denn einen Sinn?“, brachte Heahmund mit Mühe die Frage hervor, deren Antwort er bereits kannte. Und selbst wenn er geglaubt hätte, dass er etwas damit würde erreichen können, so würde nicht um sein Leben betteln.

„Nein, Bischof. Das hätten sie nicht. Diesmal werde ich dich kreuzigen lassen, aber vorher werde ich mir noch etwas Zeit mit dir nehmen.“, mit diesen Worten drehte sich Ivar um und lies den Bischof in seinem Verlies zurück.

***

Zwar hatten sie die Schlacht nicht gewonnen, aber zumindest war es Ivars Kriegern gelungen Bischof Heahmund gefangen zu nehmen bevor sie sich hatten zurückziehen müssen. Die vereinte Übermacht von Wessex und den Anhängern Lagerthas war einfach zu groß gewesen.

Vor der Schlacht hatte Ivar seinen Kämpfern eingebläut, dass sie nach Möglichkeit versuchen sollten Bischof Heahmund und Lagertha lebend gefangen zu nehmen. Er hatte gewusst, dass wenigstens einer von ihnen in der ersten Reihe kämpfen würde und er war nicht enttäuscht worden.

Heahmund war an der Spitze seiner Truppen in die Schlacht geritten und wie ein Schnitter durch Korn durch seine Reihen gefahren, aber er hatte nicht geahnt, dass Ivar seine Rache wichtiger war, als diese Schlacht zu gewinnen.

Er hatte genau das getan, was Ivar von ihm erwartet hatte und als das Pferd des Bischofs stürzte und dieser unter ihm begraben wurde, konnte Ivar ein Grinsen kaum mehr unterdrücken. Er sah wie eine Handvoll seiner Kämpfer den bewusstlosen Bischof unter seinem Pferd hervorzogen und ihn hinter ihre Reihen schleppten.

Ivar blickte noch einmal auf das Schlachtfeld, konnte Lagertha dort aber immer noch nicht ausmachen. Bevor seine Verluste zu groß werden würden, gab er den Befehl zum Rückzug. Eine Beute hatte er und er durfte nicht riskieren, dass seine Verluste so groß werden würden, dass er York nicht mehr gegen seine Feinde verteidigen konnte.

***

Lagertha befand sich zusammen mit Alfred auf einem Hügel von dem aus sie das gesamte Schlachtfeld überblicken konnte. Sie hätte sich dort unten bei den Kämpfern befinden sollen, aber Heahmund hatte ihr erklärt, dass dies gut wäre für ihr Bündnis und der Vertrauensbildung und Zusammenarbeit diente, wenn sie die Schlacht an der Seite des jungen Königs verbrachte.

Auf dem Schlachtfeld konnte sie ausmachen, wie Heahmund an der Spitze seiner Kämpfer auf die gegnerische Schlachtreihe zu galoppierte. Die Krieger mit den weißen Schilden und den weißen Wappenröcken auf denen in roter Farbe das Symbol ihres Gottes prangte, und die von dem Bischof in seiner schwarzen Lederrüstung angeführt wurden, waren auf dem Schlachtfeld gut auszumachen.

Mit aller Wucht krachte die Reiterei in die vorderste Schildreihe des Feindes und brach dort ohne Schwierigkeiten durch. Fast schon, schien es Lagertha, als hätten die Reiter die Schildreihe viel zu leicht durchbrochen, als hätte diese sie absichtlich passieren lassen. Die Schlachtreihe hinter den Reitern schloss sich fast direkt wieder und dies bestätigte ihren Verdacht. Heahmund und seine Kämpfer waren eingeschlossen.

Sie rief einige Befehle, damit ihre Krieger die Reiterei unterstützen konnten, doch es war bereits zu spät. Einer nach dem anderen wurden die Kämpfer in den weißen Wappenröcken von Ivars Kriegern von ihren Pferden geholt. Dann sah sie wie auch das Pferd von Heahmund stürzte und den Bischof dabei unter sich begrub. Für einen Augenblick hatte sie das Gefühl, dass ihr Herz für einen Schlag aussetzte, aber dann sah sie wie Ivars Krieger den leblosen Bischof unter seinem gestürzten Pferd hervorzogen und ihn hinter die eigenen Reihen schleppten. Das konnte nur eines bedeuten. Heahmund musste noch am Leben sein.