Leas Baby

von Lady0409
GeschichteDrama, Familie / P16
Dr. Lea Peters Jenne Derbeck OC (Own Character)
17.04.2018
02.05.2020
172
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21.04.2018 2.373
 

Folge 1
Teil 2: "Ich bin schwanger!"



Philipp saß schon mehrere Minuten lang am Bett von Lea und machte sich sichtlich große Sorgen um seine Kollegin, die er bereits seit seinem Medizinstudium kannte. So lange waren die beiden Mediziner damals gute Freunde gewesen; bildeten mit zwei weiteren Kommilitonen ein unzertrennliches Quartett, allerdings hatte Philipp seine Kollegin während des gesamten Studiums nie so erlebt.

Immer noch tief bewusstlos lag Lea vor dem erfahrenen Oberarzt und Philipp griff der Ärztin besorgt an die Stirn.

„Wie geht es ihr?”, wollte Schwester Ulrike besorgt wissen, als sie noch einmal nach der Ärztin sah. „Hat sich der Zustand von Frau Doktor Peters wenigstens ein bisschen gebessert?” „Nein, leider nicht… Ich habe eher das Gefühl, es würde ihr noch schlechter gehen. … Die Kollegin macht mir momentan ziemlich große Sorgen. Ich wünschte, wir wüssten, was mit ihr los ist…”, seufzte Philipp, als Ulrikes Blick auf seine Hand, die Leas Hand fest umschloss, fiel.

„Dr. Brentano. Dr. Heilmann wird bestimmt alles unternehmen, um eine abschließende Diagnose bei der Kollegin zu stellen. Machen Sie sich keine Gedanken, Frau Doktor Peters kommt wieder auf die Beine…”
„Ich mache mir ja auch keine Gedanken, dass wir nicht heraus bekommen, was mit Lea… was mit Dr. Peters los ist. Ich mache mir nur Gedanken, dass wir es zu spät herausfinden könnten und ihr dann vielleicht nicht mehr helfen können. Was ist, wenn sich der Verdacht von Dr. Heilmann nicht bewahrheitet und… Und sie stirbt…“

Schwester Ulrike nahm sich das Fieberthermometer von Leas Nachttisch und kontrollierte im Ohr der Neurochirurgin noch einmal die Temperatur, während sie Philipp beruhigend versprach, man würde alles für die Ärztin tun.

„Dr. Heilmann und Dr. Globisch haben die Patientin gründlich untersucht. Sie zeigt alle typischen Symptome für eine beginnende Appendizitis… Auch in der Sonografie. Ich war dabei, als Dr. Heilmann die Patientin eingehend untersucht hat. … Wir kontrollieren regelmäßig ihre Temperatur… 37,9 Grad… Noch ist alles im grünen Bereich, Dr. Brentano. Sie brauchen sich keine Sorgen um die Kollegin zu machen.“
„Ich mache mir aber Sorgen um Dr. Peters. Ich kenne sie schon eine ganze Weile, wir haben zusammen studiert. Sie jetzt hier so liegen zu sehen… Das geht selbst mir an die Nieren… Und seit sie damals plötzlich abgehauen ist, haben wir ein etwas unterkühltes Verhältnis zueinander.“, erwiderte Philipp und verließ, mit einem kurzen besorgten Blick auf Lea, das Zimmer der Chirurgin.

Auch Schwester Ulrike, die den aktuellen Temperaturwert der Neurochirurgin noch in die Krankenakte eingetragen hatte und nun die Infusion kontrollierte, sah noch einmal auf die Patientin und verließ dann das Zimmer.



„Ich kann mir immer noch nicht erklären, was mit der Patientin Peters… mit unserer Kollegin los ist. Sie liegt jetzt schon seit gut einer Stunde ohne Bewusstsein auf der Station. … Haben Sie noch einmal die Temperatur der Kollegin kontrolliert?“, fragte Roland die Oberschwester und Ulrike nickte bestätigend.
„Ja, ich habe vor zehn Minuten das letzte Mal gemessen. Da hatte sie 37,9… Die Temperatur steigt momentan schon etwas an.“, erklärte die Krankenschwester und zeigte Roland die Aufzeichnungen über die steigende Temperatur von Lea.
„Innerhalb einer gut dreiviertel Stunde? Die Entzündungswerte sind auch gestiegen… Ich mache mir langsam wirklich Sorgen um sie. Die Temperatur steigt, sie kommt aus ihrer Bewusstlosigkeit einfach nicht wieder.“, erkannte der Klinikchef anhand des aktuellen Laborberichts und wies an: „Wir werden zur Sicherheit den Neurologen anpiepen.“

Plötzlich öffnete sich die Tür zum Büro des Klinikchefs und seine knapp sechzehnjährige Tochter Lisa, die er mit einer ehemaligen Affäre hatte, ins Zimmer schlich.
Seit Pias Tod war Roland kaum noch zu Hause, er verkroch sich mehr und mehr in der Klinik, sodass seine Tochter, sein älterer Sohn Jakob und sein Enkel Jonas grundsätzlich den Weg zu ihm in die Klinik suchen mussten, wenn sie einmal Probleme hatten.
„Papa… Ich brauche mal deinen Rat…“, erklärte Lisa ihren Besuch und nachdem Schwester Ulrike das Büro von Roland verlassen hatte, bat der Klinikchef seine Tochter, sich zu ihm zu setzen.

„Was gibt es denn für Probleme, Lisa?" „Ich habe eine Freundin in der Schule, die… Paula. Die kennst du doch…“ „Ja, sie war doch zu deinem letzten Geburtstag da, stimmts?“, wusste Lisas Vater und wieder kamen ihm die Bilder in den Kopf.

Der letzte Geburtstag seiner Tochter, zu dem Pia damals extra ein großes Paket aus Italien geschickt hatte. Es war das letzte Paket gewesen, das die langjährige Chefarztgattin geschickt hatte.

„Und was ist denn mit dieser Freundin?“, wollte Roland die Erinnerungen an Pia sogleich wieder auslöschen. „Hat sie ein medizinisches Problem?“
„Woher weißt du das denn, Papa?“ „Sonst würdest du ja nicht zu mir kommen, oder? … Was gibt es denn für Probleme?“ „Also… Paula hat im letzten und im vorletzten Monat… ihre Regel nicht bekommen.“
„Hat sie einen festen Freund?“, wollte Roland von seiner Tochter wissen, woraufhin sie nickte und antwortete: „Ja. Sie ist mit Benjamin zusammen, wieso willst du das wissen?“

„Haben die beiden schon miteinander…? Du weißt schon“, forschte Roland weiter und Lisa nickte.

„Da hast du doch schon den Grund… Deine Freundin sollte mal den Weg zum Gynäkologen antreten. Gibt es sonst noch etwas?“ „Ja… Warum bist du in den letzten Tagen nicht mehr zu Hause gewesen?“, stellte Lisa ihrem Vater nun ihre eigentliche Frage.
„Ich… Ich war doch zu Hause… Als du in der Schule warst.“, redete sich Roland heraus, doch Lisa schüttelte den Kopf. „Das kann gar nicht sein. Charlotte meinte, dass du nicht zu Hause gewesen bist. Und sie wird es ja wohl wissen, Papa…“

„Ich war zu Hause, OK?!“, fuhr Roland seine Tochter an, bevor Lisa die Hutschnur platzte. „Papa, wir haben alle Verständnis für deine Situation. Auch für uns ist es nicht einfach, dass Pia nicht mehr da ist. Wie du vielleicht noch weißt, war sie nicht nur deine Frau, sondern auch meine Stiefmutter und Jonas´ Großmutter. Wir vermissen Pia alle… Aber… Wenn du dich jetzt hier wieder einigelst und keinen an dich heran lässt… Ich mache mir Sorgen um dich, Papa; Jonas macht sich auch Sorgen. Du kannst nicht einfach so aus unserem Leben verschwinden. Komm bitte heute Abend wieder nach Hause. Wir warten auf dich…"

„Das geht leider nicht. Wir haben Probleme mit unserer Dr. Peters. Sie liegt unten auf der Station und kommt momentan nicht wieder zu sich. Ich möchte ungern…"
„Schieb´ doch ruhig wieder deine Patienten vor, damit du nicht mehr zu uns nach Hause kommen musst… Wir sind ja nur deine Familie…“, beschwerte sich Lisa bei ihrem Vater und sah ihn böse an.

„Ich schiebe gar keine Patienten vor, Lisa. Ich muss mich um meine Patienten kümmern. Und dann habe ich auch noch Verwaltungskram zu erledigen. So eine Klinik managt sich nicht von alleine…“, redete sich Roland heraus und seiner Tochter reichte es nun endgültig.

„Papa, wir vermissen dich seit Pias Tod genauso sehr, wie wir Pia vermissen. Jonas und ich brauchen dich genauso sehr, wie die Klinik oder deine Patienten. Aber das ist dir ja egal… Ich bin diejenige, die schwanger ist…", brüllte Lisa ihrem Vater entgegen und der Chef der Sachsenklinik sah seine Tochter erschrocken an.
„Du? Schwanger? Lisa. Du bist 15 Jahre alt; wirst erst in ein paar Wochen 16… Bist du denn verrückt? Du kannst doch… Lisa. Wir reden heute Abend miteinander… Ich komme heute Abend nach Hause und dann reden wir noch einmal miteinander…", erklärte der Klinikchef, als sich wieder die Tür öffnete und Schwester Ulrike mit einem Indiz für Leas Zustand, das sie im Papierkorb in der Frauentoilette gefunden hatte.

„Dr. Heilmann… Ich habe einen Verdacht, was mit Dr. Peters los sein könnte…” Schwester Ulrike betrat mit einem Schwangerschaftstest in der Hand das Büro des Chefarztes und legte die Packung auf den Tisch.
Roland nickte kurz und fragte, wo Ulrike den Test gefunden habe und woher sie wüsste, dass er von Lea war. „Dr. Peters war vorhin, kurz, bevor sie zusammen gebrochen ist, auf Toilette und kam dann völlig kreidebleich wieder heraus. Und das habe ich im Papierkorb in der Frauentoilette gefunden…"

„Ein Schwangerschaftstest? Sind Sie sich sicher, dass der von unserer Kollegin ist? Gerade von ihr? Ich meine, wir reden hier von Doktor Lea Peters; sie ist bestimmt nicht prädestindiert für eine Schwangerschaft…"
„Frau Doktor Peters ist komplett neben sich. Und Dr. Kaminski meinte, sie hätte sich bei seinen Nordseekrabben fast übergeben… Und der Zusammenbruch… Dr. Heilmann. Ich habe diese Packung… nicht nur in der Frauentoilette gefunden, sondern habe sie heute Morgen auch in der Handtasche von Frau Doktor Peters gesehen. … Sehen Sie sich doch mal unter dem Verdacht das aktuelle Labor von ihr an… Ich bin mir zwar nicht hundertprozentig sicher, aber… Ich war selbst, als ich mein erstes Kind bekommen hatte, ein wenig schachmatt gesetzt. Warum sollte das bei Frau Dr. Peters anders sein?"
„Eine Schwangerschaft kann aber in dem Fall nicht vorliegen… im Ultraschall haben wir keinen Anhaltspunkt für eine bestehende Schwangerschaft gefunden… Natürlich sieht man in den ersten Wochen der Schwangerschaft durch die Bauchdecke einer Patientin keinen Anhaltspunkt dafür… Aber eine Sono durch unsere Gynäkologin können wir auch momentan nicht anweisen. Dafür muss entweder ein Notfall vorliegen oder wir haben die Einwilligung der Patientin…”

„Dann sehen Sie sich doch bitte die Laborwerte an. Wenn da keine Anhaltspunkte…", meinte Ulrike noch einmal und Roland nickte, bevor er den Laborbericht von Lea zur Hand nahm.
„In Ordnung, ich sehe mir… Frau Stolze… Sie haben Recht. Sehen Sie hier… Dass ich das nicht vorher… gesehen habe…"
Nach kurzer Zeit fiel dem Klinikchef ein Blutwert ins Auge, der sofort aussagte, dass die Patientin schwanger zu sein schien. „Das ist also ihr großes Geheimnis…", lächelte Roland. „Unsere Frau Dr. Peters. Schwanger… Dass ich das nicht schon vorher gesehen habe…"

Der Chef der Sachsenklinik stand von seinem Schreibtisch auf und wollte gerade sein Zimmer verlassen, als das Telefon klingelte.

„Heilmann…“, meldete sich der Klinikchef sogleich, nachdem er den Hörer abgenommen.
Doktor Heilmann, Frau Dr. Peters ist endlich aus ihrer Bewusstlosigkeit zu sich gekommen und klagt jetzt über starke Schmerzen im Bauchbereich.‘, hörte der Klinikchef am Telefon von einer Krankenschwester, woraufhin er erwiderte: „Dann gab es vermutlich bereits ein rasches Fortschreiten der Appendizitis in den letzten Minuten… Ich komme sofort… Wir sollten zur Sicherheit bei Frau Dr. Peters noch einmal eine Sonographie machen…‘

Sofort, als er sein Telefon weggelegt hatte, stürmte Roland, um seine langjährige Kollegin besorgt, aus seinem geräumigen Büro, hinter ihm hechtete Ulrike ebenfalls heraus.


„Herr Haas. Bringen Sie bitte sofort das mobile Sonogerät in Dr. Peters Zimmer… Wir müssen eine Sonographie bei ihr machen. Vermutlich hat sich die Appendizitis verschlimmert; Verdacht auf Blinddarmdurchbruch…”, wies Roland den Pfleger an und verschwand dann sogleich in Leas Zimmer.

Die Ärztin war in der Zwischenzeit aus ihrer tiefen Bewusstlosigkeit, die schon fast einem Koma geglichen hatte, wieder zu sich gekommen und sah sich verwirrt im Zimmer um, bis Roland und Schwester Ulrike gemeinsam hereintraten.

„Dr. Peters. Wie fühlen Sie sich?” Prüfend legte Leas Chef eine Hand auf die Stirn der Kollegin und nickte. „Sie sind in der Sachsenklinik… Können Sie sich erinnern, was passiert ist?“
Allerdings sah die Neurochirurgin ihren Chef nur verwirrt an. „Was… Was ist denn passiert? Was ist mit mir? Dr. Heilmann… Was habe ich denn?", fragte die Ärztin neben sich stehend und sah Roland an, der vorsichtig den Bauch seiner Kollegin abtastete, während er fragte: „Haben Sie Schmerzen?“
„Nein… Aaaa…“, brüllte Lea und Roland legte seine Hand auf die Stelle, die Lea zuvor krampfend festhielt.

„Tut es Ihnen hier weh?" „Ein wenig… Aber was ist denn los? Was habe ich denn? Was ist denn passiert?”, wollte Lea geschockt und erschöpft wissen. „Was mache ich denn hier im Krankenhausbett?”
„Sie sind unten in der Notaufnahme plötzlich vor meinen Augen zusammen gebrochen. Ich habe Sie untersucht. Sie waren bis eben gerade bewusstlos. Können Sie sich an irgendetwas erinnern?”, fragte Roland, als Pflegeschüler Kris Haas das mobile Ultraschallgerät ins Zimmer brachte.

„Ich… Mir war so schlecht und… Ich war vorher auf der Toilette… Das weiß ich noch. Aber dann bin ich wohl zusammen gebrochen. Ich weiß es nicht.”
„Sie haben wohl eine beginnende Appendizitis. Wir werden Sie wohl in den nächsten Minuten in den OP bringen müssen. Aber jetzt machen wir erst mal… Danke, Herr Haas. … Jetzt machen wir erst einmal eine Sonographie. Ziehen Sie bitte ihr Hemd ein wenig nach oben. … Machen Sie sich keine Sorgen, wir kümmern uns um Sie. Es wird alles wieder gut. … Jetzt wird es gleich ein wenig kühl am Bauch. Sie müssen nur ganz ruhig weiteratmen. Ich passe gut auf Sie auf.”
Roland verteilte etwas Gel auf Leas Bauch, die Ärztin zuckte erschrocken zurück und der Klinikchef fuhr anschließend mit dem Ultraschallkopf über den Bauch seiner Kollegin.

Auf dem Monitor zeigte sich ein Schwarz-Weiß-Bild, das der Klinikchef mit einer besorgten Miene musterte. Ab und an beruhigte er seine Kollegin mit einem leichten Flüstern, während Schwester Ulrike mit der einen Hand in Leas Ohr die Temperatur kontrollierte und mit der anderen die Hand der Ärztin hielt.

„Der Verdacht hat sich bestätigt… Fortschreitende Appendizitis… Sagen Sie im OP Bescheid, wir müssen den Appendix sofort entfernen. Die Gefahr eines Durchbruchs ist viel zu groß; wir dürfen kein Risiko eingehen, wenn wir hier noch länger warten… Keine Angst, Frau Kollegin. Das ist ein minimaler Eingriff, das wissen Sie ja. Ich gebe Frau Dr. Globisch Bescheid… Der Eingriff ist in einer halben Stunde wieder vorbei. Dann liegen Sie wieder hier.”

„38,3…”, berichtete Ulrike und legte das Thermometer wieder weg. „Soll ich Dr. Brentano anpiepen? Wegen der OP?” „Ja, klar. Ich operiere… Brentano assistiert. Und geben Sie um Gottes Willen auch Doktor Brenner Bescheid… Er kann dabei sein… Sonst ist er wieder enttäuscht, wenn er nicht dabei sein kann…”
„Gut… Frau Dr. Peters. Wir kriegen Sie ganz sicher wieder auf die Beine. Machen Sie sich keine Sorgen… Ich bleibe bei Ihnen…”, beruhigte die Krankenschwester die werdende Mutter.

Lea griff sich mit schmerzverzerrtem Gesicht an ihren Bauch und zog mit lauten Schmerzensschreien ihre Beine an den Körper.
„Aaaua… Auuu…”, wimmerte sie über ihre schrecklich starken Bauchschmerzen und hoffte, dass ihr dabei nicht anzumerken war, dass nicht nur ihr Blinddarm die Ursache für ihren Zusammenbruch im Flur war.

Wusste Dr. Heilmann vielleicht schon Bescheid? War er deswegen so lange mit dem Ultraschall beschäftigt? Wusste er jetzt etwa auch über die Schwangerschaft Bescheid?
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