Leas Baby

von Lady0409
GeschichteDrama, Familie / P16
Dr. Lea Peters Jenne Derbeck OC (Own Character)
17.04.2018
23.09.2019
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Leas Baby


Lea ist schwanger - von Jenne. Doch sie behält die Wahrheit erst einmal für sich, bis sie mitten in der Klinik zusammenbricht und ihre Kollegen die Schwangerschaft erkennen. Allerdings ist ihre Schwangerschaft nicht das Einzige, was Leas Leben völlig durcheinander bringt...

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Folge 1
Geheimnisse


Schwanger – damit hatte Dr. Lea Peters nicht gerechnet. Der Test jedoch ist eindeutig und bringt die Neurochirurgin in größte Bedrängnis: Soll sie sich für oder gegen das Baby entscheiden?
Bevor sie jedoch eine Entscheidung treffen kann, fordert ihr Körper seinen Tribut – Lea bricht mitten im Dienst vor den Augen von Klinikchef Dr. Roland Heilmann zusammen.

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Teil 1: "Schwanger?!"



Da hatte sie es - schwarz auf weiß... oder doch wohl eher schwarz auf grau-grün.
Schwanger... Diese neun Buchstaben, die in dieser Reihenfolge die meisten Menschen unter normalen Umständen zu Freudensprüngen animierte.
Doktor Lea Peters, Fachärztin für Neurochirurgie an der Leipziger Sachsenklinik, gehörte allerdings nicht zu diesen Menschen.

Geschockt sah sie immer wieder zwischen dem positiven Schwangerschaftstest in ihrer Hand und dem Spiegel vor ihr hin und her.

Sie sollte in wenigen Monaten also Mutter werden? Sie, die Neurochirurgin, die sich nicht einmal um ihre eigene Familie kümmern konnte.

Ohne groß darauf zu achten, gingen ihre Gedanken sofort zu ihrem ungeborenen Kind in ihrem Bauch. Sollte sie wirklich in ein paar Monaten als kugelrunder Klops durch die Klinik rennen?
Mit anderen Müttern über die neusten Richtlinien der Kinderärzte und Pädagogen diskutieren?
Sich von Schwester Arzu oder Schwester Ulrike Tipps zum richtigen Umgang mit Säuglingen geben lassen?
Ausgerechnet sie - die Neurochirurgin Dr. Lea Peters - bekam ein Baby?
Wie würden ihre Kollegen auf die Schwangerschaft reagieren? Und vor allem, wie sollte sie dem werdenden Vater Jenne von der ungeplanten Schwangerschaft erzählen?

Seit ihrer Trennung waren doch nicht einmal zwei Monate vergangen und nun stand sie da – mit einem Kind des Mannes, den sie so sehr liebte, unter ihrem Herzen.

„Mein Kleines…" Lea erwischte sich selbst dabei, wie sie bereits mit ihrem Ungeborenen einen ersten Kontakt aufnahm.

Ob es vielleicht ein Junge oder ein Mädchen war? Und wenn sie ihr Baby bekam, wie solle sie dann Job und Kind unter einen Hut bekommen?
Wie sollte sie sich keine Sorgen machen, wenn sie nicht wusste, wie es ihrem Baby zu Hause ging? Und vor allem, wer sollte sich um ihr Kind kümmern, wenn sie im OP stand?

Nein, sie konnte dieses Baby auf keinen Fall bekommen – nicht sie! Dieses Kind durfte einfach nicht auf die Welt kommen!

Fluchtartig verließ Lea die Frauentoilette und warf den Schwangerschaftstest und die Verpackung achtlos in den Mülleimer.

Sie flüchtete - vor der Verantwortung ihrem Kind gegenüber. Flüchtete vor der Nachricht, sie sei von ihrer kurzen Affäre mit Jenne schwanger.


Zuflucht fand Lea ausgerechnet in der Notaufnahme.
Dort hatte sie zwar schon sehr oft schwangere Patientinnen gesehen. Aber auf einmal glaubte Lea, sie wäre in einer Geburtsklinik und nicht in einem Unfallkrankenhaus angestellt.
Überall, wo sie hinsah, saßen schwangere Patientinnen.

Als ihr dann allerdings auch noch der schwangere Kaminski entgegen kam und sie ansprach, lief Lea, von der Situation völlig überfordert, aus der Klinik. Sie musste jetzt einfach alleine sein; musste in Ruhe über alles nachdenken.

Wie sollte sie nur mit diesem ungeborenen Baby in ihrem Bauch, das sie mit Jenne Derbeck auf ewig verbinden würde, umgehen?

Und vor allem, würde sie ein Mädchen oder einen kleinen Jungen bekommen?

'Warum stelle ich mir diese Frage überhaupt? Ich habe doch nichts davon, wenn ich jetzt auch noch wegen diesem Test durchdrehe. Es ist ein Baby, nichts weiter. Und ich kann dieses Kind sicherlich auch noch abtreiben...', wusste Lea und sie machte sich auf den Weg in die Klinik zurück.

„Was machst du denn nur mit mir? Ich kann dich unmöglich allein großziehen, Kleines. Und wo sich dein Vater aufhält... Keine Ahnung. Ich habe mich von ihm getrennt...“, sprach sie mit ihrem Baby und beruhigte sich selbst.

„Was machen Sie denn hier draußen, Frau Dr. Peters? Haben Sie Probleme? Brauchen Sie vielleicht Hilfe?", fragte Sarah Marquardt die Chirurgin und Lea sah die Verwaltungschefin der Klinik an.
Musste diese Frau gerade jetzt auftauchen?

Klar. Sarah Marquardt war selbst alleinerziehende Mutter und den ganzen Tag über mit ihrer Arbeit in der Klinik beschäftigt.
Aber Sarahs Sohn Bastian war kaum jünger als Jonas, der Enkel von Roland und Pia Heilmann. Als er noch kleiner war, war der Junge ab und an bei Heilmanns untergebracht wurden, wenn die Verwaltungschefin selbst keine Zeit hatte; das wusste Lea.
Sarah hatte eben ihre Freunde, die sie zu jeder Zeit unterstützen konnten und es auch gerne taten.

Und was hatte Lea? Keine Freunde, keinen Mann und einen anstrengenden Beruf. Und jetzt auch noch ein Baby in ihrem Bauch!

„Frau Dr. Peters... Ich glaube, Sie haben Probleme...", erkannte Sarah Marquardt und ließ Lea, die wieder zurück in die Klinik laufen wollte, kaum weg.
„Ich habe keine Probleme, Frau Marquardt... Entschuldigen Sie mich bitte. Ich habe noch etwas Wichtiges zu tun.", erklärte Lea der Verwaltungschefin und machte sich auf den Weg in die Notaufnahme.


Dort traf sie nicht nur auf viele Patientinnen und Patienten, die mit deren Angehörigen im Wartebereich warteten, sondern auch auf den Chef der Klinik, Dr. Roland Heilmann.

Roland schien die Neurochirurgin schon längst im ganzen Klinikum gesucht zu haben, weswegen er sich, als er sie endlich traf, Lea sofort schnappte.
„Ah, Frau Dr. Peters. Sie habe ich schon eine ganze Ewigkeit gesucht..."
Klinikleiter Dr. Heilmann, der erst im letzten Herbst seine Frau in Italien bei einem tragischen Unfall verloren hatte, stand vor der Chirurgin und musterte seine Kollegin auffällig.
„Sie sehen heute irgendwie anders aus. ... Haben Sie eine neue Frisur?"

„Was? Nein... Nein, hab ich nicht...", widersprach Lea, doch Roland musterte die Kollegin noch eine ganze Weile.

„Ist wirklich mit Ihnen alles in Ordnung? Oder fühlen Sie sich irgendwie krank?“, erkundigte sich Roland, um Lea besorgt, bei der Kollegin. „Nein… Nein, natürlich fühle ich mich nicht krank. Ich bin komplett in Ordnung. Danke, Doktor Heilmann. Machen Sie sich keine Sorgen um mich. Ich habe nur… in den letzten Stunden noch nichts gegessen. Der Stress hier in der Klinik… Sie kennen das doch. … Was liegt denn an?”, versuchte Lea sogleich ein neues Thema für das Gespräch zwischen ihr und Dr. Heilmann zu finden.
„Wir haben einen Fall auf der ITS, der Sie mit ihrem Fachgebiet wohl sehr brennend interessieren könnte… Ein zehnjähriger Junge mit wiederkehrenden unklaren Ohnmachtsanfällen; kardiale Ursachen sind nicht zu finden… Kommen Sie bitte kurz auf die Intensivstation mit und sehen sich das Kind an… Solange Sie vorher nicht auch noch umkippen…”, fügte der Arzt mit einem besorgten Unterton hinzu und sah Lea, die sich nicht mehr auf den Beinen halten konnte, schon im nächsten Augenblick bewusstlos am Boden liegen.

„Frau Dr. Peters! Ist alles mit Ihnen in Ordnung? Hallo? Frau Dr. Peters…”, fragte Roland und orderte sofort eine Trage. „Frau Dr. Peters… Augen auf! … Können Sie mich hören? Hallo? Frau Dr. Peters, Augen auf…“

Schwester Ulrike, die die Schwangerschafts- und Elternzeitvertretung von Oberschwester Arzu übernommen hatte, schob bereits eine Trage direkt neben die bewusstlose Ärztin und innerhalb weniger Minuten konnte Roland seiner langjährigen Kollegin im Schockraum einen Zugang in die linke Hand legen und an die bereitliegende Infusion hängen.
Dr. Kathrin Globisch, die Anästhesistin und Chirurgin, die seit Rolands Ernennung zum Klinikchef als Chefärztin dessen Nachfolgerin war, trat ebenfalls in den Schockraum herein und erblickte Lea auf der Trage.

„Was ist denn passiert, Roland? Was fehlt der Kollegin?” „Ich habe ihr von dem zehnjährigen Patienten auf der ITS erzählt und plötzlich ist sie ohnmächtig weggekippt. Ich kann mir das auch nicht erklären… Ulrike, wir machen ein komplettes Labor, CT und Sono… War sie vorher schon auffällig? Hatte sie solche Kreislaufanfälle in letzter Zeit schon einmal?”
„Nein… Aber anscheinend hat sie einen fieberhaften Infekt. Dr. Kaminski meinte, sie hätte sich wohl nicht gut gefühlt und wäre während der letzten OP schon fast in sich zusammen gesackt…”, gab Kathrin zu bemerken, doch Roland, der eben vorsichtig in Leas Ohr Temperatur gemessen hatte, schüttelte den Kopf.

„Temperatur ist soweit im grünen Bereich, 37,1… Aber wir behalten die Kollegin trotzdem zur Beobachtung hier in der Klinik… Ulrike, wir machen ein Sono…”, wies Roland die Krankenschwester an und die beiden Ärzte sahen gespannt auf den Monitor, während Roland mit dem Ultraschallkopf über Leas Bauch fuhr.

„Kein Hinweis auf eine Entzündung… Nieren ohne Befund. Leber… Milz… auch ohne Befund… Der Blinddarm… ist es auch nicht… Obwohl… ein klein wenig entzündet… Aber das wird nicht der Grund für die Ohnmacht sein. … Schwester Ulrike, wir überwachen die Kollegin engmaschig, Messen sie regelmäßig die Temperatur bei ihr. Und wir machen in zwei Stunden noch einmal ein Kontrollsono zur Überwachung…”, vermutete Roland und während Ulrike der noch immer bewusstlosen Ärztin Blut abnahm, wies er an, Lea solle in den nächsten Stunden überwacht werden.

„Sollte unsere Kollegin in den nächsten Stunden schlimmere Beschwerden bekommen oder die Temperatur in schwindelerregende Höhen ansteigen, sagen Sie mir oder Frau Dr. Globisch bitte sofort Bescheid… Vermutlich müssen wir die Kollegin bald auf den OP-Tisch legen… beginnende Appendizitis…”, vermutete Roland mit einem mitleidigen Blick auf die Patientin, die bewusstlos vor ihm auf der Untersuchungsliege lag und von allem, was um sie herum passierte, nichts mitbekam. „Sie hat sicherlich in den letzten Tagen bereits Schmerzen gehabt… Und bestimmt hat sie sich auch nicht wohl gefühlt. Aber sie ist ja nicht krank gewesen…“
„In Ordnung, Dr. Heilmann. Ich habe in den nächsten Stunden ein ganz besonderes Augenmerk auf die Kollegin. … Soll ich vielleicht irgendwen über Frau Dr. Peters´ Zustand benachrichtigen?”, bot die Krankenschwester an und sah auf Lea, die auch unter der Infusion nicht zu sich kommen wollte.

„Soweit ich weiß… ist ihr Vater momentan noch in psychiatrischer Behandlung aufgrund seines Suizidversuches… Die Mutter soll wohl sehr früh verschwunden sein; da war Frau Doktor Peters selbst noch ein Kind… Und von ihrem Freund, Herrn Derbeck, hat sie sich während seines Krankenhausaufenthaltes getrennt…”, wusste Kathrin von der Patientin und ihr bester Freund Roland nickte zustimmend.
„Jetzt bringen wir die Kollegin erst einmal auf die Station, ich schaue später noch einmal nach ihr. … Vergessen Sie bitte nicht, regelmäßig die Temperatur bei Frau Doktor Peters zu kontrollieren, Schwester Ulrike. Ich muss noch einmal zu unserem kleinen Patienten auf die ITS.“

Die noch immer bewusstlose Lea wurde in ihrem Krankenbett in ein Einzelzimmer auf der Station geschoben und Schwester Ulrike befestigte die Infusionsflasche am dafür vorgesehenen Halter.
„Wir werden Sie schon wieder auf ihre Beine bekommen, Frau Dr. Peters… Ah, Dr. Kaminski. Gut, dass Sie da sind. Ihr Patient auf Zimmer 345, den Sie gestern operiert haben, hat über postoperative Schmerzen im Bauchbereich geklagt. Schauen Sie bitte noch einmal nach ihm…“, wandte sich Ulrike, als sie die Infusionsflasche aufhing, an den ins Zimmer tretenden Urologen, der antwortete: „Ich schaue gleich nach dem Patienten. Aber erst einmal wollte ich Dr. Peters besuchen. Wie geht es ihr?“
„Dr. Heilmann vermutet bei Frau Doktor Peters momentan eine beginnende Appendizitis. Aber bisher hat sich der Verdacht noch nicht vollständig bestätigt. Die Laborergebnisse der Kollegin liegen noch nicht vor. Entschuldigen Sie mich bitte, ich muss wieder auf die Station.“

„Ja, gehen Sie ruhig. Ich kümmere mich hier noch um Frau Dr. Peters.“, verabschiedete sich Kaminski von der Krankenschwester und Ulrike verließ das Zimmer, während sich der Urologe an Leas Bett setzte und ihre Hand nahm.
Leise seufzte er, als er auf Lea blickte und sah, wie die Augenlider seiner Kollegin kurz flatterten. Allerdings dachte die Ärztin noch lange nicht daran, ihre Augen zu öffnen.

„Was machen Sie denn plötzlich für Sachen mit uns, Frau Dr. Peters? Ich wollte Sie eigentlich heute Abend zu einem kleinen Abendessen einladen, damit Sie mal auf andere Gedanken kommen. Nur wir beide… Und jetzt liegen Sie hier auf der Station… Sie müssen doch, wenn Sie hier wirklich eine Appendizitis ausbrüten, vorher schon einmal etwas davon bemerkt haben. Sie sind Ärztin, Frau Kollegin. Wie konnten Sie denn die Symptomatik für einen akuten Appendix an sich selbst übersehen?“

Kaminski strich Lea vorsichtig eine Haarsträhne aus dem Gesicht und fühlte an der Stirn der Kollegin ihre momentane Temperatur.
„Sie haben zum Glück im Moment kein Fieber. Aber ihre Temperatur werden wir trotzdem unter Kontrolle behalten müssen. Ich schaue regelmäßig nach Ihnen. Und Ihren Vater werde ich auch von Ihrem Zusammenbruch unterrichten. … Machen Sie sich keine Sorgen, Frau Dr. Peters. Wir bekommen sie schon wieder auf die Beine. Eine so gute Kollegin lassen wir doch nicht einfach so ziehen… In ein paar Tagen werden wir ganz sicher herausfinden, was Ihnen fehlt.“

Die Zimmertür der Neurochirurgin öffnete sich ein zweites Mal und Oberarzt Dr. Brentano, der mit Lea zusammen studiert hatte, betrat das Zimmer.
„Wie geht es ihr?“, erkundigte sich der werdende Vater, der sich in Kürze über die Geburt seines dritten leiblichen Kindes freuen könnte.

„Es geht ihr soweit gut. Die Kollegin hält sich hier ziemlich tapfer… Dr. Heilmann vermutet, dass es sich bei ihr um eine beginnende Appendizitis handelt…“, erklärte Dr. Kaminski dem erfahrenen Chirurgen, der bereits seit seiner AiPler-Zeit an der Sachsenklinik arbeitete und hier seine Facharztausbildung absolviert hatte. „Machen Sie sich keine Sorgen um die Kollegin. … Ich müsste mal kurz telefonieren gehen. Bleiben Sie noch ein wenig bei ihr?“
„Ja… Ja, natürlich…“, antwortete Philipp, der sich, mit einem besorgten Blick auf die noch schlafende Lea, zu der Kollegin ans Krankenbett setzte und ihr, nachdem Kaminski das Zimmer verlassen und die Tür geschlossen hatte, zuflüsterte: „Mensch, Lea. Du machst vielleicht Sachen… Wir haben doch gestern noch einen Patienten mit einer akuten Appendizitis operieren müssen. Und jetzt… jetzt liegst du selbst hier. Mach dir keine Sorgen, wenn wir dich operieren müssen, dann passe ich auf dich auf.“
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