Marshall Boyden

von Sinaida
GeschichteHumor, Mystery / P12
16.04.2018
16.04.2018
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Geschrieben für Runde 3 von „Mach was draus! Nr.4“.

Die Vorgaben waren: Abkürzungen: FGO (Finanzgerichtsordnung) – MB (mail back)Wählt eine Abkürzung aus!

Zusatzvorgabe: Versetzt den Protagonisten in eine unangenehme Situation.

Laut Bluedoc sind es 2.481 Wörter, ohne die Anmerkungen.



Marshall Boyden


Terence Nolan warf einen prüfenden Blick in den Spiegel, rückte seine Krawatte zurecht und kontrollierte den akkuraten Sitz seines Scheitels.  

Zufrieden lächelte er sein Spiegelbild an, drehte sich um und machte sich daran, sein Zimmer zu verlassen, als er aus den Augenwinkeln eine Bewegung wahrnahm. Erschrocken fuhr er herum.

Nichts. In dem einfach, aber gemütlich eingerichteten Zimmer war definitiv nichts, was sich aus eigenem Antrieb bewegen konnte. Alles war unverändert. Vermutlich nur eine Reflektion in der Fensterscheibe, ein schaukelnder Ast oder vorbeifliegender Vogel. Terence  schüttelte über seine Schreckhaftigkeit den Kopf. Die typische Anspannung kurz vor dem Coup, vermutlich. Er öffnete die Zimmertüre und zog sie hinter sich zu. Im selben Moment verließ zwei Türen weiter gerade Mrs. Carmichael ihr Zimmer.

Perfekt. So konnte er seine Geschichte in all ihren schillernden Details noch vor dem Abendessen loswerden.

„Guten Abend, Mrs. Carmichael“, grüßte er und machte einen halben Schritt auf sie zu, um mit einem unterdrückten Stöhnen etwas in sich zusammenzusinken.

„Terence, geht es Ihnen nicht gut? Ist alles in Ordnung?“ Mrs. Carmichael war sofort bei ihm und sah ihn aus grell geschminkten, faltigen Augen besorgt an. In dem bodenlangen Kleid mit Fledermausärmeln wirkte sie wie ein überdimensionierter Schmetterling. Wie immer war ihre Kleidung etwas zu bunt und extravagant für eine Frau ihres Alters. Terence schätze sie auf Mitte 70, damit könnte sie beinahe seine Großmutter sein. Der Schmuck, den sie immer zum Abendessen ausführte – tiefrote Rubine und funkelnde Brillanten -  hätte auch eher in ein 5-Sterne Hotel in New York City gepasst, als in diese schlichte familiengeführte Pension in Colorado.

Aber, nun ja, genau das war es schließlich, was Mrs. Carmichael für Terence so interessant machte. Und das Bargeld im Innenfach ihres Koffers. Mrs. Carmichael hatte gestern beim Abendessen erst einem anderen Hotelgast von ihrer Abneigung gegen Kreditkarten und von ihrem „absolut sicheren Versteck“ erzählt. Terence war sehr geübt darin, ein Gespräch zu führen und gleichzeitig einem anderen zu lauschen.

„Es geht schon, danke“, sagte Terence und schenkte Mrs. Carmichael ein tapferes Lächeln. „Ich bin vorhin ungeschickt aufgetreten und umgeknickt. Zuerst dachte ich, es wäre nicht so schlimm, aber jetzt kann ich den Fuß nicht richtig abrollen.“ Um seine Behauptung unterstreichen, humpelte er mit zusammengepressten Lippen neben ihr her.

„Mein Lieber, das geht doch so nicht! Ich hole Ihnen rasch etwas von meiner guten Gelenksalbe und ein paar Schmerztabletten.“

„Nein, Mrs. Carmichael, machen Sie sich bitte keine Umstände. Ich habe das öfter an dem rechten Fuß, seitdem die Bänder dort nach einem Sturz etwas überdehnt sind. Ich habe ihn bereits bandagiert und auch Schmerztabletten genommen. Die wirken sicher gleich.

„Nun, wenn Sie meinen, Terence.“ Mrs Carmichael passte sich seinem langsameren Schritt an. „Oh, das bedeutet ja, Sie können morgen nicht an der Wanderung teilnehmen?“

„Ja, das befürchte ich.“

„Wie schade. Sie hatten sich doch schon so darauf gefreut. Ich bin auch ganz gespannt, auf die alten indianischen Kultstätten, deren Besichtigung uns in der Ankündigung versprochen wurde. Immerhin ist morgen mein letzter Tag hier.“

Terence ließ den Redeschwall der alten Dame, die sich über die morgige geführte Wanderung in die Ausläufer der Rocky Mountains ausließ, über sich ergehen, nickte ab und zu an den richtigen Stellen und humpelte mit dezent schmerzverzerrtem Gesicht neben ihr her. Höflich öffnete er ihr die Tür am Ende des Korridors und ließ ihr den Vortritt in die kleine, menschenleere Hotellobby an deren anderem Ende sich die Tür zum Speisesaal befand. Die anderen Gäste waren sicher schon beim Abendessen. Terence wandte sich wieder seiner Begleiterin zu, als er ihn sah.  

Aufgetaucht wie aus dem Nichts, lehnte er an der Wand neben der nicht besetzten Rezeption. Der Mann, dem Terence seit dem Tag seiner Ankunft letzte Woche ständig begegnete. Besser gesagt, der ständig, so wie jetzt auch, in seiner Nähe auftauchte und ihn jedes Mal schweigend, aber stechend ansah. Als könnte er in ihn hineinsehen. Terence schauderte unwillkürlich bei dem Gedanken.

Gestern erst wäre er fast mit ihm zusammengestoßen, als er sein Zimmer verlassen hatte. Als hätte dieser Kerl direkt hinter der Türe gelauert. Ein ungehobelter Mensch, der nicht in dieses freundliche Hotel passte. In seinen verblichenen Jeans, dem groben, karierten Baumwollhemd – vermutlich seit Tagen dasselbe – und den derben Stiefeln, wirkte er wie ein Waldarbeiter. Sein Alter war schwer zu schätzen, irgendwo zwischen Mitte 30 und Mitte 40, vielleicht. Er war keiner der Gäste, denn er war nie beim Frühstück oder Abendessen anwesend.

Auch jetzt bedachte er Terence wieder mit einem unverhohlen musternden Blick und nickte dann knapp, wie zur Begrüßung. Terence erwiderte das Nicken und hinkte an der Seite seiner eifrig schnatternden Begleiterin an ihm vorbei Richtung Speisesaal. Mrs Carmichael war noch immer beim morgigen Ausflug und erging sich in wilden Spekulation über irgendwelche heiligen Orte der Cheyenne, die sie zu sehen hoffte.  

Terence spürte den Blick des Mannes in seinem Nacken, bis sich die Türe des Speisesaals hinter ihm schloss.  

***


Das Abendessen war einfach und gut. Steak, gebackene Kartoffeln und eine Salatbar mit relativ großer Auswahl.

Terence hatte Mrs. Carmichaels Angebot, ihm einen Salat mitzubringen, dankend ausgeschlagen und war selber an den langen Tisch gehumpelt, auf dem die Salate angerichtet waren. Gerade, als er sich für das Homemade-Ranch-Dressing entschieden hatte, sagte jemand direkt neben ihm mit tiefer, leicht heiser Stimme: „Würde ich nicht essen, an Ihrer Stelle.“

Terence hob den Blick und hätte fast seinen Teller fallen lassen. Er blickte in ein paar eisblaue Augen, die zu niemand anderem gehörten, als seinem schweigenden Verfolger im Karohemd. Der jetzt nicht mehr schwieg, sondern mit einem Hauch Amüsement fortfuhr: „Ich hab‘ gehört, da ist so viel Knoblauch drin, dass man zehn Meilen gegen den Wind stinkt. Also nichts für jemanden wie Sie.“

Terence fand seine Sprache wieder. „Was geht Sie das an? Wer sind Sie eigentlich? Was wollen Sie von mir?“, zischte er.

Der Mann lächelte schief und tippte sich an eine imaginäre Hutkrempe. „Marshall Boyden. Zu ihren Diensten.“ Sein Lächeln wurde kalt. „Nun, zu Ihren vermutlich nicht, aber zu denen von Mrs. Carmichael.“

„Was …?“, stammelte Terence. „ Was soll das?“

„Eine Warnung, Freundchen“, sagte Marshall Boyden. „Und ein guter Rat. Verschwinden Sie hier.“

„Was bilden Sie …?“

„Entschuldigung.“ Jemand berührte ihn leicht an der Schulter. Terence fuhr herum. Einer der anderen Gäste, Mr. Drake, sah ihn stirnrunzelnd an. „Sie stehen im Weg, junger Mann.

Tatsächlich, hinter ihm standen eine Reihe anderer Gäste, die darauf warteten, dass er sie an die Salatbar ließ. Eine der älteren Damen musterte ihn beinahe besorgt, während eine andere den Kopf schüttelte.

„Verzeihung“, murmelte Terence, erinnerte sich noch gerade rechtzeitig zu humpeln, bevor er Platz machte und sich wieder zu Marshall Boyden umdrehte – der verschwunden war.

Terence konnte ihn nirgendwo im Speisesaal entdecken. Er musste, kaum, dass Terence ihm den Rücken zugewandt hatte, den Saal im Eiltempo verlassen haben.

Rasch setzte Terence sich wieder an seinen Platz und schob den Salat auf seinem Teller hin und her. Seine Gedanken überschlugen sich. War dieser Kerl tatsächlich ein US-Marshall? Was machte er hier? Alte, reiche Leute vor Taschendieben und Trickbetrügern schützen? Das war doch lächerlich. Mit so etwas gaben sich die Marshalls doch nicht ab.

Und – wichtiger – wie konnte er wissen, was Terence vorhatte? Doch, halt, nein, er hatte mit keinem Wort erwähnt, dass er es wusste. Er hatte ihm nur nahegelegt, zu verschwinden. Vermutlich stand Terence als junger Mann, der nicht so recht in diese Rentner- Reisegruppe passen wollte, unter Generalverdacht. Und dass er sich um Mrs. Carmichael bemühte, war nicht zu übersehen.

Trotzdem, da war etwas Verstörendes an dieser Begegnung. Terence aß seinen Salat hastig, ohne viel zu schmecken.

***


„Mr. Nolan!“

Terence seufzte innerlich. Er wollte eigentlich nur noch in sein Zimmer humpeln und sich dann die letzten Details seines Planes für morgen zurechtlegen. Danny, der immer strahlende, übereifrige Sohn der alternden Hotelbesitzer und Mädchen für Alles hier, hatte ihm gerade noch gefehlt. Er kam auch schon auf ihn zugelaufen und sagte: „Ich habe gehört, dass Sie sich verletzt haben. Brauchen Sie was? Schmerzmittel?“

„Nein danke, ich habe alles.“

„Doch, kommen Sie.“ Danny ließ sich nicht abschütteln und bedeutete Terence, ihm in das nur ein paar Schritte entfernte Büro neben der Rezeption zu folgen. „Ich habe genau das Richtige für Sie.“

Schicksalsergeben folgte Terence dem jungen Mann. Für einen Moment überlegte er, Danny nach Marshall Boyden zu fragen, verwarf den Gedanken aber wieder. Möglicherweise war der Marshall nicht mehr im aktiven Dienst, sondern arbeitete hier als eine Art Sicherheitschef.  Da war es besser, nicht zu erwähnen, dass er ein besonderes Interesse an Terence gezeigt hatte.

Während Danny in einer Schublade kramte, sah Terence sich in dem Büroraum um. Klein, aber ordentlich. Lediglich der Schreibtisch lag voller ungeordneter Papiere. Er stutze, als sein Blick auf das gerahmte Foto neben dem Telefon fiel. Es zeigte Dannys Eltern und – Marshall Boyden. Ganz eindeutig. Er trug sogar dasselbe karierte Hemd wie vorhin.

Danny stand plötzlich vor ihm und hielt Terence einen Flachmann unter die Nase. „Hier, für Sie. Medizin“, sagte er mit einem Augenzwinkern. „Nehmen Sie’s mit.“

„Danke“, erwiderte Terence mechanisch und griff nach der Flasche.

Danny folgte seinem Blick. „Meine Eltern“, sagte er überflüssigerweise, schließlich hatten die beiden sich jedem einzelnen Gast bei der Ankunft vorgestellt. „Und das ist Marshall Boyden.“

„Ein … US-Marshall?“, hakte Terence nach.

„Wie?“ Danny wirkte einen Moment verwirrt, dann lächelte er wieder strahlend. „Ja, ja genau! Ein US-Marshall. Sie wissen schon, so ein Typ wie Tommy Lee Jones in Auf der Flucht. Hat immer den richtigen Riecher für die bösen Buben. Einmal eine Spur aufgenommen, entkommt ihm keiner.“

„Beruhigend“, erwiderte Terence und schluckte hart. „Arbeitet er hier? Ich meine, sicher nicht in seiner Eigenschaft als US-Marshall aber …?“

„Nein.“ Danny schüttelte bedauernd den Kopf. „Das hier ist das letzte Foto von ihm, bevor er bei einer Wanderung oben in den Rockys abgestürzt ist.“

„Er ist … tot?“, flüsterte Terence.

„Ja. Ist vor etwa zwei Jahren passiert. Er war ein guter Mann und ein guter Freund der Familie.“

Terence starrte wie betäubt auf das Foto. Das konnte doch nicht sein, es war derselbe Mann, mit dem er am Buffet gesprochen hatte, derselbe Mann der … oh Gott, der immer wieder, wie aus dem Nichts aufgetaucht und genauso plötzlich wieder verschwunden war. Seine Nackenhaare richteten sich auf und ihm wäre fast der Flachmann aus den feuchten Fingern gerutscht. Es war der Mann, den Mrs. Carmichael vorhin in der Lobby nicht gegrüßt hatte, weil sie ihn nicht sehen konnte. Genauso wenig, wie die anderen Gäste am Buffet. Deswegen diese Blicke … für sie hatte Terence Selbstgespräche geführt, weil … weil Marshall Boyden verflucht nochmal mausetot war.

„Mr. Nolan? Ist alles okay? Sie sind auf einmal so blass.“

„Alles … alles bestens.“ Verdammt, er musste hier raus. „Mein Fuß, ich … lege mich lieber hin.“ Damit drehte er sich um, ließ Danny einfach stehen und merkte erst kurz vor seiner Zimmertür, dass er vergessen hatte, zu humpeln.  

***


Nach ein paar Schlucken des guten Schnapses und einer Stunde herrlich normalem Trash-TV-Programms, war Terence sich nicht mehr so sicher, es mit einem Geist zu tun zu haben. Allein schon der Gedanke war absurd.

Vielleicht hatte der Marshall einen Bruder, Zwillingsbruder, sogar. Oder das Ganze war ein abgekartetes Spiel, in dem Danny mit drin steckte. Man musste sich heutzutage schon etwas einfallen lassen, um so einen Familienbetrieb am Laufen zu halten und Geistergeschichten lockten sicher Touristen an. Alles andere war … Blödsinn.

Und wenn er den Abend Revue passieren ließ, gab es immer eine gute und vor allem natürliche Erklärung, warum keiner der anderen Gäste auf den Marshall reagiert hatte. Sein plötzliches Verschwinden und Auftauchen war damit zu erklären, dass er sich hier einfach gut auskannte und generell unhöflich war.

Trotzdem, Terence würde, entgegen seiner Absicht, morgen direkt nach dem Diebstahl bei Mrs. Carmichael verschwinden. Teile seiner Vorbereitung, wie die vorgetäuschte Verletzung, waren damit umsonst gewesen, aber egal. Auf die anderen lukrativen Ziele – das Ehepaar Drake und die alte Miss Cook – würde er verzichten.

Mit dem Vorsatz fiel Terence in einen unruhigen Schlaf.

***


Es war eine Kleinigkeit für einen geübten Einbrecher wie ihn, unbemerkt durch das Fenster in Mrs. Carmichaels Zimmer einzusteigen, ohne Spuren zu hinterlassen. Verlassen konnte er das Zimmer wieder durch die Tür und sie einfach hinter sich zu ziehen. Mrs. Carmichael würde sie bei ihrer Rückkehr mit dem Zahlencode öffnen, Schlüssel gab es keine.

Das Hotel war leer, bis auf das Personal, da alle auf dieser idiotischen Wanderung waren. Nancy, das Zimmermädchen, würde erst in etwa einer Stunde mit ihrer Runde beginnen und zwar auf der anderen Seite des Gebäudes.

Doch, es sah gut aus.

Terence hatte das Bargeld in einem Briefumschlag im Koffer bereits entdeckt und stopfte die Scheine in seine Jackentasche. Er wühlte sich gerade durch Mrs. Carmichales Seidenstrümpfe auf der Suche nach dem Schmuckkästchen, als sich hinter ihm jemand räusperte.

Terence gefror.

„Ich hab‘ dich gewarnt“, ertönte Marshall Boydens heisere Stimme.

Langsam stand Terence auf, in der einen Hand immer noch die Strümpfe.

Der Marshall stand direkt hinter ihm. Es war unmöglich, dass er durch die Tür gekommen war, Terence hätte das Klacken des Schlosses nicht überhört.

Das konnte nur bedeuten, dass …

Boyden machte einen Schritt auf ihn zu und Terence wich unwillkürlich einen Schritt zurück. Der Marshall lächelte gefährlich und plötzlich, nur für Sekunden, sah Terence das Muster der Tapete durch den Marshall hindurchschimmern.

In heller Panik fuhr er herum, tastete nach dem Türknauf hinter sich, riss die Türe auf und … prallte gegen die Innenseite des bodentiefen Einbauschranks. Die Schranktür knallte zu und nur einen Moment später hörte Terence das Schloß einrasten. Er war gefangen. Von einem Geist, in einem Schrank, die Tasche voller Diebesgut und Mrs. Carmichaels Seidenstrümpfe in der Hand. Mit zitternden Knien sank Terence zu Boden.

***


„Hey, Marsh, das war wieder tolle Arbeit.“ Danny strahlte seinen Freund an, der ihm in dem kleinen Büro gegenübersaß. „Ich frage mich echt, woher du den Riecher hast und die bösen Buben schon an der Nasenspitze erkennst.“

Marshall hob nur die Schultern. Was sollte er auch darauf sagen?

„Dieser Nolan hat die Geschichte von deinem tragischen Tod wirklich geglaubt, er war noch immer leichenblass, als der Sheriff ihn aus dem Schrank geholt hat.“ Danny grinste. „Und er dachte, du wärst ein US-Marshall.“ Er schüttelte den Kopf, dann sah er Marshall direkt an. „Danke, Mann“, sagte er aufrichtig. „Die Masche, solche Betrüger auf die Weise zu erwischen, ist vielleicht nicht ganz astrein, aber bisher hat’s noch keinen Falschen getroffen.“

„Immer wieder gern, Danny“, sagte Marshall und stand auf.

„Wie wär’s noch mit einem Bier? Geht auf’s Haus?“

„Ein anderes Mal, okay?“

„Sicher“, seufzte Danny. Seine Enttäuschung war echt, aber Marshall musste jetzt gehen, so gerne er geblieben wäre. Seit seinem tödlichen Sturz in der Cheyenne-Schlucht vor zwei Jahren, hatte er viel gelernt. Er wusste inzwischen, wie er seine Erscheinung kontrollieren und entscheiden konnte, wer ihn sah und wer nicht. Aber all das kostete Kraft. Und heute war ein langer Tag gewesen. Noch wagte er nicht, Danny die Wahrheit zu erzählen, aber irgendwann würde er es tun.

Er verließ das kleine Hotel. Als er den Waldrand erreichte, entspannte er sich und wurde Eins mit dem Nebel.
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