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Aramis One Shots

von Vivien99
OneshotAngst, Schmerz/Trost / P12 / Gen
Aramis Athos D'Artagnan Porthos
16.04.2018
23.04.2018
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16.04.2018 2.415
 
Innerlich verfluchte er seine noch immer tauben Finger, als sie mit dem Schloss an seinen Händen haderten, während er vor seinen Verfolgern davon lief. Aramis stolperte, als er einen Schuss hinter sich hörte, doch rannte weiter. "Nicht schießen!"

Erschrocken sah das Musketier vor sich, wo Grimaud aus dem Wald erschien. Er war umzingelt, es war aussichtslos zu fliehen. Trotzdem entfachte Grimaud einen kleinen Hoffnungsschimmer in Aramis. "Ihr braucht mich immer noch lebend." Ein siegessicheres Lächeln lag auf den Lippen des Gejagten, brauchte er doch wenigstens nicht mehr um sein Leben fürchten. Es verschaffte ihm Zeit und Zeit verschaffte ihm die Möglichkeit auf Flucht. 

"Lebend, aber nicht unverletzt," stellte der Reiter fest, als er von seinem Pferd stieg und seinen Söldnern bedeutete, Aramis zurück in die Ruinen, in denen sie sich versteckten, zu bringen. 

Das Musketier leistete keinen Widerstand, wusste er, dass es ihm doch nur mehr Leid verursachen würde. Ihm wurden neue Ketten an Händen und Füßen angelegt, bevor er wieder hoch und an den Pfeiler gebunden wurden. Jetzt wo das Adrenalin sich verflüchtigte und sein Körper wieder in die unnatürliche Position gehangen wurde, spürte er den stechenden Schmerz in seinen Schultern und das Pulsieren in seinem Kopf.  Doch Zeit für Selbstbemitleidung hatte der Soldat nicht. Mit dem Kruzifix, mit welchem Aramis seine Ketten aufgeschlossen hatte, in der Hand, kam Grimaud durch die zerfallenen Torbögen. 

"Ich bin mir sicher Gott fände es nicht so gut, wenn er wüsste, dass du so ein Symbol für deine Zwecke missbrauchst." Der Söldner schmiss das Kreuz zurück ins Feuer und ging einige Schritte auf Aramis zu, welcher ihn mit Hass betrachtete. "Du würdest Gott doch nicht einmal erkennen, wenn er dir die Tore zum Himmel öffnete," spuckte er Grimaud entgegen. Dieser blieb unbeeindruckt und wendete sich wieder von seinem Gefangenen ab, um das nun glühende Kruzifix aus der Asche zunehmen. Aramis beobachtete, wie sich das Leder der schwarzen Handschuhe an seinen Händen langsam verflüchtigte. 

Grimaud riss grob Aramis' Hemd bis zum Bauchnabel auf und hielt das glühende Eisen vor dessen Augen. "Mal sehen ob Gott dir noch immer beisteht." Mit diesen Worten drückte er das Kreuz auf Aramis Brust. Unendlich lange Sekunden versuchte dieser seinen Schmerz zu unterdrücken und bis sich auf die Wange, ließ ein schmerzerfülltes Stöhnen hinaus. Bevor er wieder zu Luft kam, presste Grimaud das Eisen erneut auf seine Haut. Dreimal, tat er dies insgesamt.

Aramis schanufte, versuchte sich seine Schmerzen und Erschöpfung nicht anmerken zu lassen. Jemanden wie Grimaud würde das nur anspornen, dachte er sich und blickte seinen Gegenüber kühl an, während seine Haut brannte. 

"Ein Soldat kennt keinen Schmerz, huh?" Grimaud schmiss das Kruzifix zurück in die Asche. In diesem unbeobachteten Moment atmete das Musketier tief durch, in der Hoffnung der Schmerz würde bald enden. Doch bevor er überhaupt wahrgenommen hatte, dass sein Peiniger sich ihm wieder zugewandt hatte, fühlte er den ersten Fausthieb im Bauch. Drei, fünf, zehn. Irgendwann hörte er auf zu zählen und konzentrierte sich darauf die Luft, die ihm jedes mal aus dem Körper entwich, wieder hinein zu bekommen. Aber selbst daran scheiterte Aramis. Nebel legte sich vor seine Augen, während sein Kopf immer stärker pulsierte. Sobald er versuchte einzuatmen, traf ihn der nächste Schlag. Es fühlte sich an wie Stunden, dabei waren es sicherlich nur wenige Minuten, in denen er immer wieder dachte, gleich ohnmächtig werden zu müssen.

Als er nicht einmal mehr in der Lage war vor Schmerz aufzustöhnen, ließ Grimaud von ihm ab. Seine Rippen schmerzten und sobald er versuchte Luft in seine Lungen zu bekommen, breitete sich ein stechender Schmerz in seiner Brust aus. Erschöpft und nur halb bei Bewusstsein ließ Aramis seinen Kopf auf seine Brust fallen. Immerhin lenkten ihn diese Schmerzen ihn von seinen tauben Händen und brennenden Schultern ab, an denen noch immer sein ganzes Gewicht hing.

"Ich dachte immer ein Soldat, ein Musketier, ein Beschützer des Königs, könnte mehr einstecken." Aramis antwortete nicht, sah nicht einmal auf. Auch wenn er sonst immer einen ironischen Kommentar auf der Zunge hatte, fehlte ihm jetzt einfach die Kraft dazu. Zudem hatte er Angst. Angst zu zeigen, dass die Worte ihn wirklich trafen und er in seinem Zustand nicht mehr in der Lage wäre, den Schmerz zu verstecken. Angst. Andere dachten, Aramis wüsste nicht einmal wie man es buchstabierte, würde er doch ohne Zweifel sein Leben für die Königin, den König und den Thronfolger geben. Dabei begleitete sie ihn bei jedem Schritt. Jedes Mal wenn er seinen Degen zog, jedes Mal wenn er den Abzug drückte, legte die Angst ihren schweren Umhang um ihn. Zu versagen war stets seine größte - und einzige - Sorge. Zu versagen wie in Savoy.  Zu versagen wie jetzt in diesem Moment. Er versagte bei den Friedensgesprächen und er versagte dabei, die geheimen Briefe vor Grimaud zu schützen. 

In seinen Gedanken versunken hatte Aramis nicht bemerkt, dass zwei Wächter die Stelle von Grimaud eingenommen hatten und die Sonne mittlerweile untergegangen war. Langsam kam er wieder zu seinen Sinnen und konnte die Gesichter vor sich klar erkennen. Das dumpfe Dröhnen in seinen Ohren schien auch so langsam zu verschwinden. Dafür spürte er seine Schmerzen nun auch im vollen Ausmaß und die Kälte, die sich über die Ruinen legte. Während die Söldner unter Umhängen und Decken am Feuer saßen, hing er gerade weit genug entfernt um nur noch einen Hauch der davon ausgehenden Wärme zu spüren. 

Ohne  Gesprächspartner, oder einer Aufgabe, versank Aramis schnell wieder in seinen eigenen Gedanken. Sie waren wirr und ungeordnet. Von seinen Brüdern huschten sie hinüber zur Königin und zurück zu seinem Fluchtplan, der einfach keine Gestalt annehmen wollte. Das Zeitgefühl verließ ihn und so auch seine Sinne. Immer wieder viel er in einen unruhigen und kurzen Schlaf, aus welchem er jedes Mal erschrak, als er sah, wie einer seiner Kameraden, die Königin oder sein Sohn, von Grimaud ermordet wurden. Nach dem vierten Mal, beschloss er, dass es besser wäre nicht zu schlafen. Um sich wach und bei Sinnen zu halten, tat er das was er in den letzten Jahren am meisten getan hat. Er betete. Nicht für sich, sondern für seine Geliebten. Immer wieder murmelte er seine Gebete vor sich hin, den Blick auf das zerschmolzene Kruzifix gerichtet. 

Als die ersten Sonnenstrahlen den Himmel erhellten, kam Grimaud zurück. "Dein Gott wird dir hier auch nicht helfen, Musketier." Eindeutig noch immer wütend, wegen seines Fluchtversuches, griff Grimaud Aramis' Kinn und zwang ihn ihn anzusehen. "Du solltest wissen, dass ich es nicht mag, wenn man versucht zu fliehen. Und das ich keine Rechnungen offen lassen." Er drückte noch einmal fest zu, bevor er von seinem Gefangenen abließ und nach einem dicken Ast griff. "Zu schade, dass wir dein hübsches Gesicht unversehrt lassen müssen. Deine geliebte Königin soll dich schließlich noch zurück wollen." Ein fester Hieb traf Aramis Knie. Schmerzerfüllt stöhnte dieser auf, bevor weitere Schläge auf seine Beine folgten. Erst als Grimaud seinen Knöchel mit einem Krachen traf und der Soldat einen Schmerzensschrei nicht zurückhalten konnte, ließ er von ihm ab und setzte sich zu seinen Söldnern. 

Schnaufend versuchte Aramis seine Schmerzen zu lindern, doch fand keine Genugtuung. Also blieb ihm nichts anderes übrig, als sich damit abzufinden und die drei Männer zu beobachten, wie sie aßen und tranken. Sein Hals brannte und sein Magen zog sich zusammen. Er würde alles für nur einen Schluck Wasser tun. Nur ein wenig Flüssigkeit, die seinen trockenen Mund benetzen könnte. Einer der Söldner bemerkte sein Starren und stand mit einem Grinsen und einem Becher Wasser auf. Sinnlose Hoffnung machte sich in Aramis breit, als der Mann mit der kostbaren Flüssigkeit auf ihn zu kam. Wie  erwartet wurde ihm das Trinken nicht gewehrt. Stattdessen verschwendete der Söldner das Wasser, in dem er es Aramis ins Gesicht schüttete. Durstig wie er war, ließ Aramis sich dazu hinab, die wenigen Tropfen, die auf seinen Lippen gelandet sind, abzulecken. Es war wenig, ein Hauch von Nichts, doch versuchte er sich einzureden, dass es doch immerhin etwas sei. 

Das Gelächter der Söldner wurde durch einen Schuss unterbrochen. Augenblicklich verfiel das Lager in Unruhe. Die Männer verteilten sich an Öffnungen, die einst Fenster waren, die Gewehre schussbereit. Aramis brauchte nicht lange, um zu reagieren und seine Retter zu warnen:"10 Männer und 16 Pistolen!", rief er aus vollem Hals, bevor Grimauds Faust ihn zum Schweigen brachte. Eine Weile lang konnte er die Schüsse nur hören und Metall, das auf Metall traf. Doch nach nicht all zu langer Zeit stürmte Porthos in die Ruine. Gleich zwei Männer stürzten sich auf den bulligen Soldaten, während zwei weitere Aramis grob von seinem Balken rissen, um ihn aus der Ruine zu zerren.  Das Musketier gab sein bestes um es den Söldnern so schwer wie nur möglich zu machen, doch fehlte ihm die Kraft um ihnen lange entgegen zu halten. Er wurde aus den alten Mauern gezogen, bevor er sehen konnte, ob Porthos es schaffte. Sie kamen nicht weit, als Grimaud ihn aus den Armen seiner Männer riss und ihn vor sich hielt. Aramis verstand schnell, als er Porthos mit einer Pistole erblickte.

Er war Grimauds Schutzschild. Aber diesmal würde er nicht versagen. "Schieß Porthos! Erschieß uns beide!", schrie er seinem Bruder entgegen. Immer wieder forderte er ihn auf, bis ein Schuss neben seinem Ohr losging. Grimaud schubste ihn zu Boden, bevor er in den Wald flüchtete.

"Wieso hast du nicht geschossen?!" wutentbrannt versuchte Aramis sich aufzurappeln. Porthos hätte schießen sollen, er hätte schießen müssen! Ohne auf Aramis Flüche einzugehen eilten Athos und d'Artangnan auf ihn zu. 

"Du bist verletzt," stellte der Jüngste besorgt fest und lag ihm einen Arm um die Schultern. Gestützt schaffte Aramis es zu stehen. Es war ruhig, keine Schüsse, Pferde oder Degen waren mehr zu hören. Mit den Geräuschen, schien auch das Adrenalin aus seinem Körper zu weichen. Plötzlich fühlte das Musketier jede seiner geprellten Rippen, seine brennenden Schultern, die tonnenschweren Arme, zerschmetterten Knöchel und das Pulsieren in seinem Kopf. Er lehnte sich stärker gegen d'Artangnan und ließ sich von ihm und Athos zu den Pferden bringen. 

"Kannst du reiten?", fragte der Hauptmann besorgt. Er war sich nicht sicher, aber was blieb ihm anderes übrig? Also nickte Aramis und ließ sich widerwillig beim aufsatteln helfen. 

Der Ritt nach Paris schien unendlich lang. Jedesmal wenn sein Pferd auftrat durchzog ein stechender Schmerz seinen Oberkörper. Sein rechtes Bein hing nur nutzlos herunter und die Zügel lagen achtlos in seinen noch immer tauben Händen. Seitdem eine unangenehme Stimmung über den Musketieren hing, da Porthos nicht einfach geschossen hat, herrschte Stille zwischen den vieren. Um sich von den Schmerzen und seinen eigenen Gedanken abzulenken, zählte Aramis die Schritte seines Pferdes.  Bei 1000, bekam er nur noch jeden zweiten mit. Bei 2000 schloss er immer wieder seine Augen, nur um sie im nächsten Moment wieder aufzureißen und bei 3000 sackte er in seinem Sattel zusammen. Nur noch halb bei Bewusstsein, bemerkte er nicht, wie der Hauptmann und d'Artagnan links und rechts neben seinem Pferd ritten, um dieses zu führen. Er bemerkte auch nicht, wie sie anhielten. 

"Aramis, du musst absteigen." Wie vom Blitz getroffen richtete der Soldat sich auf und nickte. "Ja, ja klar." Ein Blick nach unten änderte allerdings schnell seine Meinung. Normalerweise war das Ab- und Aufsteigen ein Leichtes für den erprobten Reiter, doch mit seinem kaputten Knöchel hatte er Angst, nur den Boden zu berühren. Nicht wegen der Schmerzen, sondern weil er nicht wollte, wie alle sehen, wie sein Bein wegknicken und er fallen würde. Doch nach Hilfe fragen wollte er noch weniger. Einmal tief durchatmend, sammelte er Mut bevor er Abstieg und versuchte sein ganzen Gewicht auf sein gesundes Bein zu lagern. Mehr oder weniger gelang es ihm, taumelte er doch nur ein wenig. 

"Ein Arzt sollte dich ansehen," schlag Athos vor, doch Aramis lehnte schnell ab. "Mir geht es gut. Nur kleine Prellungen, nichts Großes." Skeptisch, aber zu erschöpft um zu diskutieren, ließ Athos ihn. Er würde Constance nachher zu ihm schicken. Von d'Artagnan gestüzt humpelte der Scharfschütze in sein Zimmer. Nachdem er sich auf sein Bett hat fallen lassen, schickte er den jüngeren hinaus. Erst nachdem die Tür sich geschlossen hatte, zog Aramis sich die Stiefel unter Schmerzen aus. Sein Knöchel war dunkelblau und angeschwollen. Vorsichtig tastete er ihn ab und schrie in seinen Arm hinein. Das war kein einfacher Bruch, das konnte er nach der jahrelangen Erfahrung sicher sagen. 

Er war gerade dabei, seinen Knöchel zu schienen, was ihm mit seinen tauben Fingern schwerer fiel als sonst, als die Tür sich öffnete und Constance herein trat. Ein besorgter Blick huschte über den Verletzten und blieb auf seinem Knöchel hängen. "Lass mich dir helfen," schnell eilte sie herbei und kniete sich vor das Bett. Aramis wollte protestieren, doch wusste er, dass es keinen Sinn machte mit Constance zu diskutieren. Er ließ sie seinen Fuß schienen und verbinden. "Hast du noch andere Verletzungen?"
"Nein, nein alles gut." "Aramis." Mit einem strengen Blick, wie ihm sonst nur eine Mutter haben kann, blickte sie auf den Soldaten hinab. Seufzend ergab dieser sich und öffnete sein Hemd. 

Er erschrockener Schrei entkam der Frau, als sie die drei kreuzförmigen Verbrennungen und die lilafarbenen Rippen sah. Eilig griff sie nach einer Salbe und rieb sie vorsichtig auf die roten Stellen, woraufhin Aramis zurück zuckte. So leid es ihr tat, konnte sie bei den Prellungen nicht viel mehr tun, als diese zu verbinden und zu hoffen, dass sie bald von selbst abheilten. "SOnst noch was, Aramis?" Besorgt setzte sie sich neben ihn und musterte ihn von Kopf bis Fuß, "und ich warne dich, wehe du verheimlichst mir was."

Das Musketier seufzte. Er hasste es so bemuttert zu werden, noch mehr hasste er es aber schwach zu erscheinen und anderen zur Last zu fallen. Er konnte gut auf sich selbst aufpassen. In all den Jahren hat er schon mehr Männer zusammen geflickt, als erschossen. Da kann er auch mit ein paar Prellungen zurecht kommen. Doch Constance strenger Blick schüchterte ihn ein wenig ein.

"Mein Kopf. Es ist sicherlich nichts großes. Nur ein Schlag drauf bekommen, brummt etwas." Mit vorsichtigen Fingern begutachtete sie seinen Hinterkopf, auf welchem eine riesen Beule rankte. Mehr war es glücklicherweise nicht.

Nachdem sie sich versicherte, dass dem Soldaten nicht noch mehr fehlte, besorgte Constance ihm Essen und Trinken.
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