Yara

GeschichteAllgemein / P12
15.04.2018
16.04.2018
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Grinsend gehe ich mit Emilia in die Werkstatt. Sie rennt los und springt ihrem Onkel auf den Rücken, der sie lachend umherwirbelt. Leicht verträumt kann ich kaum meine Augen von Paul lassen. Auch sein Partner lacht. Die beiden stehen bei der Cobra, die Paul und sein Vater reparieren wollen. Dabei beobachte ich die beiden manchmal.

"Das ist Emilia, die Tochter von meiner Schwester. Und das ist Yara. Meine Eltern haben sie aufgenommen." Während uns der Blondschopf uns vorstellt, wendet er seinen Blick nicht von mir ab. Seit ein paar Wochen ist es einfach anders zwischen uns. Ich kann ihn nicht ansehen ohne rot zu werden oder mit ihm sprechen. Ob es ihm genauso geht kann ich nicht sagen, aber er beobachtet mich manchmal. Ich kann mir dennoch nicht vorstellen, dass er was von einer 17-Jährigen wollen würde, auch wenn ich es mir wünsche.

Da ich Emilia zum Reiten begleite, müssen wir los um den Bus zu erwischen. "Soll ich euch fahren?", bietet Paul an, aber Emilia verneint. Helena, eine Freundin von ihr, fährt auch in dem Bus. Fröhlich nimmt sie mir ihren Rucksack ab und verabschiedet sich von ihrem Opa. Dann nimmt sie meine Hand und zieht mich zur Bushaltestelle. Davor kann ich mich noch kurz zu Paul drehen, der uns nachblickt. Lachend über Emilias Elan schenke ich ihm ein Lachen, dass er erwidert. Um nicht dauerhaft zu grinsen, beiße ich mir auf die Unterlippe.

"Wo willst du heute hinreiten?", frage ich meine kleine Freundin, als wir im Bus sitzen. "Helena und ich wollten zur Waldhütte." Zustimmend nicke ich und meine Gedanken wandern zu dem blonden Polizisten. "Denkst du an Paul oder warum grinst du so?", zieht mich Emilia auf. Empört kitzle ich sie durch. "Wie kommst du den darauf? Hm?" Bevor sie mir antworten kann stürmen drei bewaffnete Männer in den Bus.

Beschützend drücke ich Emilia an mich, die sich ängstlich festklammert. Wieso muss das ausgrechnet uns passieren? Einer von ihnen befiehlt der Busfahrerin auf die Autobahn zu fahren. Noch bevor losfährt, taucht Semir auf und zielt auf einen der Verbrecher. Und wo Semir ist kann Paul nicht weit sein. Eben dieser schleicht außen am Fenster gebückt vorbei. Als er hochsieht, weiten sich seine Augen erschrocken. Emilia will ihre Hand ans Fenster legen, aber ich packe ihr Handgelenk. Wenn er auffliegt, ist er tot. Er will gerade in den Bus stürmen, aber Semir wirft ihn um und der Bus fährt los.

Erschrocken sehe ich einen der drei Entführer am Ausgang. Er hatte Paul entdeckt und hätte ihn erschossen, wäre Semir nicht dazwischen gegangen. Froh, dass ihm nichts passiert ist, schließe ich kurz meine Augen un atme durch. Der bewaffnete Mann setzt sich uns gegenüber und versucht Emilia Angst zu machen. "Lass den Scheiß ja?" Scharf wird er von ihrem augenscheinlichen Chef zurechtgewiesen. Wesentlich freundlicher nimmt uns dieser die Handys ab. Sein Blick bleibt für meinen Geschmack etwas zu lange an Emilia hängen.

Ruhig beobachte ich die Situation. Emilia ist angespannt und unsicher, aber sie weint nicht. So jung, aber schon so stark. "Alles wird gut. Paul kommt uns holen ja?", flüstere ich ihr ins Ohr. Sie nickt leicht, zuckt aber erschrocken zusammen, als einer von ihnen eine Frau an die Heckscheibe zieht und auf sie zielt. Der Anführer jedoch stoppt ihn und nimmt Kontakt zur Polizei auf. Ein Blick auf die uns folgende Polizeikolonne verrät mir, dass Paul und Semir genau hinter uns sind.

An einer Tankstelle halten wir an. Der Sprit ist alle und einer der drei Männer braucht Insulin. Der ganze Bus ist mit SEKs umstellt. Paul lässt uns nicht aus den Augen. Mit einem Nicken zeige ich ihm, dass es uns gut geht. "Das wird sowas von schief gehen."", flüstere ich zu mir selbst bevor ich aufstehe. "Bitte lasst Emilia gehen. Sie ist noch ein Kind." Flehend stehe ich ihrem Anführer gegenüber, der fast schon entschuldigend über die Wange streicht. Ohne eine Antwort lässt er mich stehen. Em zieht mich wieder zu sich und deutet nach draußen.

Es entsteht wieder Aufruhr, da der Einsatzleiter als Geisel genommen wird, doch der Diabetiker wird von einem Scharfschützen eliminiert. Irgendwie mus er den Polizisten in seine Gewalt gebracht haben. Total sprachlos beobachte ich wie Paul unbewaffnet zum Bus geht. Spinnt er jetzt komplett? Verkrampft packe ich Emilia etwas fester, was sie beruhigend meine Hand nehmen lässt. Sobald Paul im Bus war, hatte er eine Waffe am Kopf. Er fängt ein Gespräch mit ihrem Anführer an. Anscheinend kennt er den Einsatzleiter Jakobi. Nur schwer kann ich unterdrücken zu Paul zu stürmen. Aber allein Emilia hält mich ab. "Ihr könnt mich super als Schutzschild gebrauchen. Ich will nur nicht, dass noch mehr verletzt werden.", rettet er sich als sie ihn wieder rauswerfen wollen.

Wütend auf seinen Leichtsinn erwidere ich seinen Blick. Aufmunternd lächelt er mir zu. Nur schwer kann ich es erwidern. Paul versucht irgendwas über Jakobi herauszufinden. Der andere Entführer zerrt Paul plötzlich zum hinteren Fenster und zerschießt es. "Ganz spitzen Plan, du Schnapsleiche. Willst du jetzt ein Bullen umlegen oder was?" Nur schwer kann ich meine Tränen zurückhalten. Er droht ihn umzubringen, aber der Anführer Mike, rettet ihn. Paul revanchiert sich indem er ihn vor einem Scharfschützen rettet. Mehr als erleichtert, umarme ich ihn, als er wieder neben uns sitzt. Jetzt laufen mir Tränen der Erleichterung über die Wangen.

Sanft wischt er sie mit seinen Daumen weg. "Hey. Schhhh. Alles wird gut. Bald ist es vorbei." Ich kann nur nicken und genieße seinen liebevollen Kuss auf meine Stirn. Emilia hat ihren Onkel derweil auch umarmt und löst sich nur widerwillig von ihm. Paul redet wieder mit Mike, der diesmal einknickt. Er erzählt uns alles über Jakobi. Trotz seiner Aussage muss er wohl in den Knast. Bevor er Paul seine Waffe aushändigen kann, wacht sein Komplize auf und stürzt sich auf den Blonden. Schnell ziehe ich Emilia weiter weg, bis ich eine Waffe sehe.

"Bleib hier." Mike ist abgelenkt, da die Polizei den Bus immer wieder rammt. So kann ich unauffällig zur Waffe gelangen und sie entsichern. Für irgendwas muss das Waffentraining ja gut sein. Ohne zu zögern schieße ich Pauls Angreifer ins Bein. Paul nutzt die Chance und schlägt ihn k.o. Erstaunt nickt er mir zu und kommt zu mir. Mit einem Seitenblick zu Emilia, stelle ich fest, dass Mike sie sicher festhält. Die Rammversuche der Polizeit sind noch immer im Gange. Sanft will Paul mir gerade die Waffe aus der Hand nehmen, als der Bus von der Straße abkommt. Er zieht mich auf den Boden und beugt sich über mich. Mit zusammengekniffenen Augen spüre ich immer wieder den Aufprall. Als wir schließlich liegenbleiben, zieht Paul mich hoch und checkt kurz meinen Körper nach Verletztungen ab, gleich danach sehen wir uns nach Emilia um.

"Sie ist weg!" Voller Sorge rennt er nach draußen und zieht mich an seiner Hand mit sich. Mehr schlecht als recht stolpere ich ihm hinterher. Hier draußen ist sie aber auch nicht. Ohne Zögern rennen wir in den Wald. Sie muss Mike gefolgt sein, der fliehen wollte. Noch etwas wackelig auf den Beinen suchen wir den Wald ab, bis wir das SEK sehen. Unauffällig schleichen wir tiefer in den Wald, bis ich erstaunt stehen bleibe. Das kann nicht sein. "Was ist los? Alles okay?", besorgt nimmt Paul mein Gesicht in seine Hände und checkt meinen Kopf nochmal nach Verletztungen. "Das ist der Wald am Reiterhof. Ich weiß wo die beiden sind." Erleichtert lacht er kurz auf, bevor er mir unerwartet einen Kuss auf die Lippen drückt.

Sprachlos sehen wir uns an, bis ich ihn weiter ziehe. Wir müssen sie finden. Das gerade können wir immer noch klären, aber er hat sich wohl selbst etwas überrascht mit seiner Tat. Er ruft seinen Partner an, der schon unterwegs ist. Unbewaffnet wird er sonst nicht viel gegen seine Kollegen ausrichten können. Auf dem Waldweg treffen wir schließlich auf ihn. "Na los steig ein. Ich komm zurecht." Gerade will er protestieren, aber Semir überzeugt ihn schnell. "Pass auf dich auf." Widerwillig lässt er mich gehen, aber drückt mir noch eine Waffe in die Hand.
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