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Spiegelbild

GeschichteAllgemein / P12 / Gen
Demir Azlan Gebhard Schurlau
15.04.2018
22.04.2018
3
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19.04.2018 774
 
Nur kurz nachdem Geb zurückkehrte bewegte sich die Vermutung über Sophias Aufenthaltsort in neue Richtungen. Er telefonierte seinen Teil der Liste ab, landete aber keinen Treffer. In der Schule war Sophia nur die ersten zwei Stunden gewesen und schien danach wie vom Erdboden verschwunden zu sein.

Notgedrungen begab sich der Bundespolizist in die Tabuzone ihres Zimmers.  Bisher hatte er es selten betreten, weil es Sophia früh als ihr Reich und elternfreie Zone deklariert hatte. Da Maja und er selbst einmal jung gewesen und sehr jung Eltern geworden waren, hatten sie ihren Wunsch notgedrungen akzeptiert.

Schon beim Blick in ihren Schrank fiel ihm auf, dass ihre Liebelingskleidungsstücke samt Rucksack und einiger weiterer Utensilien fehlten.

Da sowohl Maja als auch er auf Arbeit und Lissy in der Schule gewesen war, lag es nahe, dass sie am Morgen vor ihrem Verschwinden noch einmal ihre Sachen geholt hatte.
Geb musste seine Suche unterbrechen, da es an der Tür klingelte.
Er lief hinunter und öffnete  wo ihm Demir mit erwartungsvoller Miene entgegen sah.

„Schon irgendein Lebenszeichen?“
Der Polizist verneinte.

„Sie muss abgehauen sein. Ihr Schminkzeug fehlt und ihre Doc Martens Stiefel sind auch nicht mehr da. Die hatte sie aber auch nicht in der Schule an. Das hab ich gecheckt.“

„Habt ihr euch gezofft?“
Geb legte den Kopf schief.

„Nee, aber Sophia und Maja.“

„Na, dann weißt du doch bescheid. Hat Sie Plätze, an denen sie sich aufhält, wo sie gerne ist. Denk mal in Ruhe nach, Alter.“
Geb wirkte unschlüssig.

Zum ersten Mal fiel ihm auf, dass er gar nicht wusste, wie Sophia ihre Freizeit verbrachte, weil er so selten da war.

„Du weißt es nicht. Du kannst selbst gar nicht sagen wo sie sich gerne aufhält, weil du keinen Plan hast“, hatte Demir den Sachverhalt sofort gecheckt und erntete wenig Begeisterung. Geb wollte ungern zugeben, dass er weniger über Sophia wusste, als seine Kollegen angenommen hatten.

„Ach was. Vermutlich wird sie bei Freunden untergetaucht sein oder an einem geheimen Treffpunkt“, lies der Set Führer seinen Kumpel herein und lief erstmal an diesem Tag ins Wohnzimmer, wo ihm ein kleiner Zettel ins Auge fiel.

Sofort ging er zum Tisch und überflog das Schriftstück.

„Es tut mir leid, aber ich hab es einfach nicht mehr ausgehalten. Machts gut. Sophia.“
Geb sah seinen Kollegen mit finsterer Miene an und reichte ihm die Nachricht. Beide dachten das Gleiche.

„Sie wird sich doch nichts angetan haben oder?“

Sofort kamen bei dem dreifachen Vater die schlimmsten Gedanken hoch. Sein Blick fiel auf Majas Laptop, den Sophia ab und für eigene Zwecke verwendete.

„Ich rufe Anhoff an. Wir schreiben Sophia zur Fahndung aus.“

_______________


„Deine Tochter hatte Kontakt zu einem Mann.  Milan Almatow. Genauer gesagt zu einem Fakeprofil, das er ins Internet gesetzt hat. Sie waren vor zwei Stunden in einem Hinterhof verabredet. Er wollte sie unter einem Fakenamen auf Facebook ins Kino einladen.“

„Ein Pädophiler?“, fragte Demir, während Geb, der mit dem genannten Namen mehr anzufangen wusste, zunehmend bleicher wurde.

„Almatow. DER Milan Almatow dessen Kollegen wir erschossen hatten und der seit zwei Jahren auf unserer Fahndungsliste steht?“, flüsterte Geb mit dünner Stimme, ungläubig, dass seine Tochter so leichtsinnig gewesen war, Bekanntschaften im Internet zu knüpfen.

Helmholtz, die geschäftig die Daten in ihren Computer eingegeben hatte, nickte.
Geb brach nun völlig in Panik aus und begann im Büro der Computerspezialistin nervös auf und ab zu laufen.

„Das darf nicht wahr sein. Ich muss Maja anrufen“, schnappte er zittrig nach seinem Handy, das er aus der Hosentasche nahm.

Demir, der die Geste mitbekommen und der deutlich realisiert hatte, wie aufgeregt sein Kollege war, legte seinem besten Freund die Hand auf die Schulter.

„Lass mich durch, Demir. Ich muss dort hin und mit Maja telefonieren.“
Aber Demir hielt ihn fest und verstärkte den Druck auf seine Schultern.

„Geb sieh mich an. Sieh mich an“, wiederholte er beruhigend und redete auf seinen Chef ein.

„Du bist Sophia so keine Hilfe. Du musst dich jetzt zusammen reißen.“
Der SET Leiter boxte gegen die Wand.

„Verdammter Mist. Das kann doch alles nicht wahr sein. Warum lässt sie sich auf sowas ein. Wir haben ihr hundert Mal gesagt, dass sie vorsichtig sein soll, weil sich im Internet lauter Irre herum treiben.“

„Wir kriegen den.“

„Ja, wenns nicht schon zu spät ist.“

„Geb? Ich konnte Sophias Handy orten. Pankower Allee. Es ist eingeschaltet, bewegt sich aber nicht.“

„Wir fahren sofort hin“, gab der SET Führer seinen Leuten zu verstehen. Er wollte sich bereits aus dem Zimmer begeben, wurde aber von Thomas zurück gehalten.

„Geb! Komm zurück“, schrie ihn Anhoff an, aber da war er bereits im Flur verschwunden.

Mit seiner Familie legte sich so schnell niemand an…
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