Geister der Vergangenheit

GeschichteAbenteuer / P12
"RC3" Reginald Cornelius III Bonnie Barstow Michael Knight OC (Own Character)
15.04.2018
15.04.2018
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Kapitel 2

Zur gleichen Zeit an einem anderen Ort

Michael Knight schaute von seinem Versteck, hinter ein paar struppigen Sträuchern, zu dem großen Anwesen hinüber.
Er war schon einmal hier gewesen.
Vor etlichen Jahren.
Damals war er als Gefangener in die unterirdischen Gewölbe gesperrt worden.
Zusammen mit hungrigen, Junge zu versorgende, afrikanische Ratten.
Ihm schauderte es wieder bei dem Gedanken an die Stunden in den kalten und nassen Mauern.
Ständig darum bemüht, die hungrigen Ratten auf Abstand zu halten.
Garth Knight hatte dies spezielle Gefängnis extra für ihn aus Afrika für ihn importieren, und Stein für Stein aufbauen lassen.
Nur mittels eines riskanten Tricks, bei dem er seinen Abscheu vor Adrienne Margeux hatte hinunter schlucken müssen, war er aus dieser ausweglos erscheinenden Situation heraus gekommen.
Hätte Margeux kein Interesse an ihm gehabt - er würde wahrscheinlich noch immer von den Mauern umgeben sein.
Nochmals schüttelte es ihn und ein Schauer überlief seinen Körper.
Und genau an diesem Ort hatte es ihn nach mehr als einem Jahrzehnt zurückgeführt.
Die Vergangenheit holte einen doch immer wieder ein.
Es hatte sich nicht viel verändert.
Die flachen Gebäude von immer weißstrahlenden Pferdekoppeln umgeben, eingesäumt von einer niedrigen Steinmauer.
Gepflegte Grünanlagen, in der sonst kargen Steppenlandschaft.
Der Besitzer musste über nicht wenig finanzielle Mittel verfügen.
Doch wie Garth Knight schien er Luxus zu lieben und sich mit jeder erdenklichen Art sich damit zu umgeben.
Bis auf ein paar wenige Pferde rührte sich nichts zwischen den Gebäuden.
Es war alles ruhig. Zu ruhig.
Das ganze gefiel Michael ganz und gar nicht.
Hätte er nur KITT bei sich gehabt.
Er schaute den Hügel hinab, wo das ausgeliehene Fahrzeug aus dem Fuhrpark der Foundation stand.
Näher heran zu fahren, hatte er sich nicht getraut.
Er nahm Aprils Warnung viel zu ernst, und was Gabriel auch immer mit den ihm zur Verfügung stehenden Mitteln austüftelte, er musste sich in Acht nehmen.
Mehr denn je, da KARR wieder mit im Spiel war.
Er tastete nach seiner alten Dienstwaffe, die sich immer noch in seinem Besitz befand.
Sie war nie zurück gefordert worden.
Wahrscheinlich als verloren in Michael Longs Akte vermerkt.
Er zog es vor auf den Gebrauch von Waffen zu verzichten, doch er würde nicht zögern sie im Ernstfalle zu benützen.
Unten tat sich etwas.
Interessiert richtete Michael seine volle Aufmerksamkeit auf das Geschehen vor sich.

Ein LKW Konvoi kam die lange gewundene Straße heran gefahren, und einige schwarze Vans tauchten wie aus dem Nichts zwischen den Gebäuden auf.
Es musste eine Tiefgarage dort liegen.
Michael reckte sich und versuchte zwischen den verworrenen und miteinander verstrickten Zweigen einen besseren Blick auf die Szene unter ihm zu schmeißen.
Ein stechender Schmerz in seinem Nacken ließ ihn zusammen zucken.
Seine Hand fuhr zu der schmerzenden Stelle.
Etwas stak in seiner Haut.
Mit einem Ruck zog er es heraus und führte es vor seine Augen.
Ein Betäubungspfeil lag in seiner rechten Hand.
Ungläubig schaute er darauf nieder, und während er sich um seine Achse drehte, setzte die Wirkung ein.
Nur noch schemenhaft erkannte er eine schwarze Schnauze und ein orangefarbenes Licht tanzte vor seinen Augen, als sich sein Sichtfeld immer mehr schmälerte und in Schwärze überging.
Er hatte sich überrumpeln lassen. War sein letzter Gedanke bevor ihn völlige Vergessenheit einlullte.

Dumpfer Schmerz malträtierte sein Gehirn.
Sein Magen krampfe sich zusammen. Die Schwärze lichtete sich von mal zu mal, doch als er vorsichtig seine Augen öffnete änderte das nichts.
Einem Impuls folgend, wollte er seine Hand heben, und zuckte im nächsten schmerzhaft zusammen.
Seine Arme waren links und rechts von seinem Kopf durch Ketten an der unebenen, kalten Wand hinter ihm gefesselt.
Durch die lange Untätigkeit war die Blutzirkulation in ihnen verlangsamt und fühlten sich taub an.
Vorsichtig hob Michael seinen Kopf. Versuchte in der Dunkelheit etwas zu erkennen.
Er konzentrierte sich auf seine anderen Sinne.
Setzte Geruch und Tastsinn ein, um sich zu orientieren.
Er saß auf etwas strohigem. Was seine Nase bestätigte.
Es war kühl und feucht, und irgendwo tropfte Wasser.
Ein leises Fiepen ließ ihn zusammenzucken.
Es erinnerte ihn an unangenehme Stunden.
Seine Augen klärten sich langsam und gewöhnten sich an das dämmrige Licht.
Das durfte nicht wahr sein.
Wände aus grauen, ungleichmäßig großen Steinquadern schlossen ihn in ihre Dunkelheit.
Eine Zelle 3m auf 3m.
Ein rasselndes Geräusch verriet Michael, dass er Besuch bekam.
Die ihm schon bekannte Türe schwang auf und ein Mann trat ein.
Zuerst dachte Michael, Garth Knight wäre von den Toten auferstanden.
Doch als sich die Person vor ihm in die Hocke begab, erkannte er, dass er einer Sinnestäuschung erlegen war.
Nachwirkungen des Betäubungsmittels.
Eine weitere Neuerung war das Licht, das im nächsten Moment aufflammte.
Eine Weile musterten sie sich gegenseitig, doch Michaels Blick verschleierte sich immer wieder.
Unwillig schüttelte er seinen Kopf.
Der Mann vor ihm hob seinen Arm und ließ sich einen Becher geben, den er Michael an die Lippen hielt.
Trotzig schaute dieser mit zugekniffenen Lippen zurück.
„Karr war etwas zu großzügig mit der Dosis. Er hätte sie gerne getötet. Ich konnte ihm jedoch die Vorteile sie vorläufig am Leben zu lassen logisch unterbreiten. Dies hier würde nur ihren Kopf wieder klären.“
Michael blickte unentschlossen auf den Becher, entschied sich dann doch dafür das dargebotene Gegenmittel zu schlucken.

Wie ihm sein Gegenüber schon gesagt hatte, hätte er ihn schon viel früher um die Ecke bringen können.
Und er bezweifelte, dass hätte er ihn töten wollen, es kein so einfacher Tod gewesen wäre, als eine Überdosis Gift.
„Und zu welchem Zweck lassen sie mich am Leben, Gabriel?“
Im Gesicht seines Gegenübers zuckte es kaum merklich, dann entgegnete ihm Gabriel:
„Sie kombinieren schnell Michael. Nun - “ er erhob sich, schaute auf Michael herab.
„Ich könnte ihnen jetzt lang und breit mein Vorhaben erklären, doch ich habe wichtigeres zu tun. Wissen sie, ich bin nicht wie mein Vater. Und deshalb lasse ich sie auch nicht hier unten.“
Gabriel machte eine allumfassende Handbewegung.
Zwei Männer postierten sich hinter Gabriel, als ihn dieser „hilfsbereit“ von seinen Fesseln befreite und ihm beim Aufstehen half.
Michael schüttelte Gabriels Arm ab, und sofort machten dessen Leibwächter einen Schritt auf ihn zu.
Gabriel winkte ab.
„Kommen sie Michael. Sie wollen bestimmt ihre alte Kollegin wieder sehen.“
Ein Grinsen machte sich in Gabriels Gesicht breit und Michael ran ein kalter Schauer sein Rückrat hinunter.
Nun ähnelte er seinem Vater mehr denn je.
Bisher war ihm Gabriel ein Rätsel.
Selbst seine kultivierte und bisher zuvorkommende Art täuschte Michael nicht vor dessen Eiseskälte, mit der er viel zu sehr seinem Vater ähnelte.
Denn wenn Gabriel auch keine große Ähnlichkeit mit Garth hatte, so irisierte der gleiche Glanz in seinen Augen.
Der gleiche verrückt, fanatische Ausdruck der so typisch für Garth gewesen war, und die sonst so weit entfernte Ähnlichkeit mit ihm zunichte machte.

Als Außenstehender hätte man nicht denken können, dass die kleine Gruppe aus vier Männern, einen Gefangenen in ihrer Mitte hatten.
Fast schon freundschaftlich schritt Gabriel mit Michael an seiner Seite über den Hof.
Gabriel steuerte auf eine Stelle mitten auf dem Platz zu.
Als sie sich nur wenige Meter von einer 10x10m großen Plattform befanden, fuhr der in den Boden eingelassene Deckel nach hinten.
Zuvor fast nicht durch seine Tarnung sichtbar, offenbarte sich jetzt Michael eine in den Abgrund führende Straße.
Sie war breit genug um selbst einem großem Gefährt Platz zu bieten.
Links und rechts an den Wänden angebrachte Leuchtvorrichtungen, erhellten den Weg nach unten.
Nun wusste Michael auch woher die von ihm gesehenen schwarzen Vans scheinbar aus dem Nichts heraus aufgetaucht waren.
Neugierig geworden folgte Michael Gabriel hinab in die unbekannten Tiefen.
Nach etwa 3 Minuten öffnete sich der ca. 5m breite Gang in eine riesige Halle.
Sein Blick fiel sofort auf einen riesigen modernen Truck, dessen schwarze Oberfläche in mattem Glanz erstrahlte.
Um ihn herum herrschte reges Treiben.
Mindestens fünf Weißkittel rannten um den Truck, oder kletterten an und in ihm herum.
Das Führerhaus war noch vorne gekippt und zwei Mechaniker arbeiteten an seinem Motor.
Michael hatte nicht gemerkt, dass er stehen geblieben war, noch dass Gabriel zufrieden von ihm zu seinem Meisterwerk hinüber schaute.
„Beeindruckend, nicht wahr?“
Noch immer starrte Michael den futuristischen anmutenden Groß-LKW an, dessen lang gezogene Schnauze der eines ICE Zuges ähnelte.
Er hatte nichts mehr des früheren Goliaths an sich und trotzdem wusste Michael, dass es sich um keinen anderen handeln konnte.
Er riss seinen Blick von dem Truck los, um die übrige Halle zu inspizieren.
Etwas abseits stehend entdeckte Michael den Wagen, den er Stunden zuvor nur schemenhaft wahrgenommen hatte.
Und es war kein Traum gewesen.
Es war wirklich KARR.
Sein Scanner wanderte langsam von links nach rechts, als würde er ruhig und entspannt sein.

Unter seiner Schnauze verschwand der Oberkörper einer Person, und es hatte den Anschein, er hätte ihn erdrückt.
Kurz darauf rollte die Person jedoch unter dem Fahrzeug hervor und erhob sich.
Michael zuckte zusammen.
Niemand anderes als April stand da neben KARR.
Sie wollte gerade die Motorhaube öffnen, stutzte aber als sich diese nicht öffnen lies.
KARR musste etwas zu ihr gesagt haben, denn sie wirbelte zu der Gruppe Neuankömmlinge herum.

Als April sah wer da neben Gabriel stand, schoss ihr einzig der Gedanke der Rettung durch den Kopf.
Michael war da.
Sie wollte sich in Bewegung setzen und zu ihm rüber laufen, und ihm am liebsten um den Hals werfen, doch KARRs Gegenwart hinter ihr veranlasste sie ruhig stehen zu bleiben, und allein ihre Hände zu Fäusten zu ballen.
„Ich nehme an, sie wollen ihren alten Kollegen begrüßen.“ Erklang KARRs selbstgefällige Stimme hinter ihr.
Sie trete sich zu ihm um, um ihm einen bösen Blick zu zuschmeißen.
„Was du nicht sagst. Das hast du aber gut erkannt.“ Zischte sie dem schwarzen Wagen entgegen.
KARR blieb wie immer ruhig.
Dies Verhalten hatte sie Anfangs irritiert, da sie ihn anders eingeschätzt hatte.
So bestrafte er rigoros jeden Versuch von Manipulation und Sabotage, ließ sich aber von ihrer spitzen Zunge nicht aus seiner Reserve locken.
So wurde sie von mal zu mal mutiger. Er schien es mit stoischer Ruhe entgegen zu nehmen. Gabriel kam nun mit Michael an seiner Seite, und den beiden Leibwächtern Arais und Soro zu ihr und KARR herüber geschlendert.
Michaels Gesicht wirkte versteinert. Ein Zeichen seiner Selbstbeherrschung.
In seinem Inneren arbeitete es umso fieberhafter.
„Karr hat mir berichtet, wie sehr zufrieden er mit ihrer Arbeit ist, Miss Curtis. Und ich meinerseits bin von ihnen auch mehr als beeindruckt. Ich hätte nicht geglaubt, dass solch Arbeit innerhalb zwei Wochen zu bewerkstelligen ist.“
Gabriel wandte sich zu Michael.
„Karrs Existenz bestand damals allein aus einer kleinen Box. Aber das wissen sie wahrscheinlich, da Kitts eigentliche Grundeinheit die gleiche ist. Unsere liebliche Miss Curtis ...“ - hierbei umfasste der um einen Kopf größere Mann Aprils zierlichen Körper mit seinem Arm und drückte sie in kameradschaftlicher Art und Weise. April verzog ihr Gesicht angewidert.
„... hat Karr auf den neuesten Stand des Knight 2000 gebracht. Nun nicht ganz. Sagen wir. Den vorletzten."

Michael hätte sich am liebsten auf Gabriel gestürzt. Ihn von April weg gezehrt.
Doch der nun sehr aktiv gewordene orangene Streifen an KARRs Schnauze und die angespannten Leibwächter an seiner Seite, deren Hände griffbereit auf ihren Waffen lagen, sagten ihm, dass es noch nicht der richtige Zeitpunkt zum Handeln war.
Er lockerte seine Haltung und entspannte seine Gesichtszüge.
Er musste herausfinden was Gabriel im Sinn hatte.
Wofür er KARR und Goliath wieder zum Leben erweckt hatte.
April ging es den Verhältnissen entsprechend sogar sehr gut.
Gabriel hatte sie nicht misshandelt und das blaue Auge war schon am Verheilen.
Die Nachricht musste schon älter gewesen sein.
Und vermutlich mit Absicht an ihn gesandt, um ihn in die gestellte Falle zu locken.
Bisher hatte Gabriel alles sehr gut durchdacht.
Doch galt das alles nur ihm und der Foundation, oder steckte noch mehr dahinter?
Sein Sohn würde wahrscheinlich auch bald hier her finden.
Konnte KITT mit seiner verbesserten Karosserie gegen KARR ankommen?
Einer der Weißkittel kam eilig an Gabriels Seite.

Der Mann redete heftig auf ihn ein, doch Michael verstand nicht viel von dem schnell gesprochenen Spanisch.
Gabriel antwortete in der gleichen Sprache.
Es schien um etwas Großes zu gehen. Und immer wieder viel das Wort „Goliath“.
Michael kam ein anderer Gedanke.
Die Falle schien mitunter gleichsam als Ablenkungsmanöver zu dienen.
Zum einen KITT und seinen Fahrer von dem eigentlichen Coup abzulenken, zum anderen diese und die Foundation gleichfalls noch zu vernichten.
Er verdrängte das Letztere fürs erste.
Ihn interessierte, weshalb Gabriels Arbeiter so fieberhaft an Goliath arbeiteten.
Doch mehr bekam er vorerst nicht zusehen.
Gabriel gab einige Handzeichen, worauf er und April abgeführt und in separaten Zellen untergebracht wurden.
In sehr bekannte Zellen.

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