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Fate/Defragment

von Erenya
GeschichteAbenteuer, Fantasy / P12
OC (Own Character) Rider / Iskandar Waver Velvet
12.04.2018
20.04.2020
32
157.283
8
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12.04.2018 2.264
 
Ich hätte Remote Control wirklich geliebt, wenn meine Internetleitung stark genug gewesen wäre. Aber es reichte um abends im Bett noch zocken zu können. Fate/Extella war einfach zu verführerisch, vor allem nachdem ich Tage zuvor Fate/Extra durchgezockt hatte. Und es war eine Folter gewesen diese tage zu warten, bevor ich Extella zocken konnte. Der Arbeit zum dank. Glücklicherweise war nun das Wochenende nahe. Auch wenn ich es mir nicht nehmen lassen konnte sofort nach der Fütterung meines Raubtiers nicht nur meine Kleidung, sondern auch den Restverantwortung von der Arbeit abzulegen.
Ich hatte die PS4 angeschalten, die PSVita und Remote Control benutzt um auch im Bett volle Kontrolle über meine Monsterkonsole zu haben und so Fate/Extella zocken zu können. Der Anfang war viel versprechend. Nero die einen Kampf gegen gefühlt hunderttausenden von Gegner kämpfte. Selbst nach vier Stunden hatte ich keine Ahnung was ich hier eigentlich tat. Ich betätigte einfach Knöpfe und hoffte, dass ich nicht starb. Aber da ich, als Lusche wie man sie ins Bilderbuch zeichnete, auf Easy spielte, war es kein Problem.
Ich lebte und hing gerade an der Nebenstory von Neros Lancer Cu mit dem unaussprechlichen Nachnamen. Es machte Spaß als Lancer von Ort zu Ort zu laufen und mit gewaltigen Angriffen alles nieder zu mähen, dass nicht niet und nagelfest war. Doch die Zeit machte gut deutlich, dass sie voran schritt. Oder eher der Kater, der unruhiger wurde. In der Regel geschah das gegen fünf Uhr morgens.
Ein Blick auf die Uhr meines Handys bestätigte diesen Gedanken halbwegs.
„SKIPPER!“, murrte ich, wobei ein unzufriedenes Gemaunze von ihm kam. Die alltägliche Diskussion eben über „Aber, Mami, ich will Scheiße bauen, warum darf ich nicht?“ ich hatte mich daran gewöhnt und er sich sicher auch.
Dennoch, wahrscheinlich war es wirklich Zeit etwas Schlaf zu bekommen. Um halb acht würde der Kater sich nicht mehr mit seinem Namen abhalten lassen irgendwas zu tun, was er nicht sollte. Ich brauchte dann ein paar guter Nerven. Also Schlaf.
Ich sah zu Lancer und seufzte leise. Eigentlich wollte ich schon noch wissen wie es weiterging. Aber dafür musste ich Neros Hauptstory fortführen. Und das könnte wieder Stunden dauern. Ich wusste ja wie das mit dem „Nur noch eine Runde“ war. Aus einer Runde wurde noch eine, dann noch eine, eine weitere... Ich hätte wahrscheinlich keinen Schlaf bekommen, den ich so nötig hatte.
Wie gut dass sich alles selbst speicherte. Ich drückte kurz den Powerknopf, doch nichts passierte. Stattdessen starrte mich Lancer weiter an und schien zu fragen „Was als nächstes, Master?“
Ich drückte den Knopf erneut. Immer noch nichts.
„Wirst schon alt, was?“, murmelte ich meiner Vita entgegen und drückte ein letztes Mal auf den Powerknopf. Dieses Mal verschwand Lancer und die komplette Farbe aus dem Bild. Alles wurde schwarz und das einzige Licht, dass meinen Schlafbereich erfüllte, war die aufgehende Sonne draußen am Firmament.
Kurz überlegte ich, ob ich nicht doch nochmal die Konsole anschalten sollte. Einfach um zu sehen, ob sie auch nicht defekt war. Ich schloss die Augen, einen kleinen Augenblick lang. Vielleicht auch einen großen. Ich spürte noch die Konsole in meiner Hand. Den Ruck neben mir, der mir verriet, dass mein Kater gerade Platz bei mir suchte. Ein Lächeln huschte über meine Lippen. Wie immer war es ein angenehmes Gefühl, ein beruhigendes, weil ich wusste, dass er mich mochte und freiwillig meine Nähe suchte. Weil ich wusste, dass er mir irgendwie vertraute. Es war ein schönes Gefühl, so aus der Realität zu entschwinden.

**~~**


Es fühlte sich nass und kalt an. So kalt und nass, dass ich den Armen Morpheus entglitt. Ich öffnete die Augen, vorsichtig und langsam, so als wollte ich auf diese Art und Weise sicher gehen, dass es kein lucider Traum war. Grüne Halme erhoben sich vor mir. Halme, die wie ein Wollfaden waren, nur weniger wollig. An ihnen glitten Perlen herab, durchsichtige Perlen. Regentropfen.
Rascheln ertönte über mir. Ich wandte mich um und blickte zum Himmel. Über mir bewegte sich das Blätterdach eines grünen Baumes. Er war zu weit entfernt, um die fallenden Tropfen aus dem graublauen Wolken daran zu hindern meinen Körper zu benetzen. Oder viel eher meine Kleidung, die bereits so durchweicht war, dass ich die Kälte des Wassers und des Windes auf meiner Haut spürte.
Ich setzte mich auf und sah mich um. Ein Garten. Irgendwo zu meiner linken blühten farbige Blumen, deren Namen mir nicht genau in den Sinn kamen. Rosen? Nelken? Keine Ahnung. Ich war bei weitem nicht belesen genug was die Flora anging.
Büsche standen nicht unweit von den Blumen, wurden aber vor andere Leute Augen verborgen durch einen Holzzaun. Ein Garten? Okay, es war ein hübscher Garten. Noch ein Feld für Erdbeeren oder Gemüse und es wäre eine perfekte Zuflucht gewesen. Vielleicht sollte ich mal wieder Harvest Moon spielen, wenn ich Zeit hatte. Oder aufwachte? Nein Extella war erst einmal wichtiger.
Ich ließ meinen Blick weiter schweifen, zu dem Haus, dass zu dem Garten gehörte und... Meine Augen weiteten sich, als ich ihn ansah und bemerkte, dass er mich ebenfalls fest im Blick hatte. Seine schwarzen, fast schulterlangen Haare waren noch etwas wirr, was deutlich zeigte, dass er wohl gerade aufgestanden war. In seiner rechten Hand hielt er eine blaue Tasse, aus der Dampf stieg.
Seine schwarzen Augen waren geweitet, schienen erschrocken, fast schon ungläubig. Die Kälte wurde schlimmer, kroch mir nun förmlich in die Knochen. Tiefer und tiefer und noch viel tiefer. Zusammen mit einer Gewissheit, die tragisch schien, fast schon unglaubwürdig erschien.
Ich merkte, dass ich ihn auch weiterhin anstarrte. Der hellblaue Pyjama stand ihm wirklich gut. Machte ihn jünger, fast schon schon jugendlich.
„D-Du...“, stotterte er nach einiger Zeit und durchbrach damit die Stille unseres Starrduells. Ich hatte damit wohl gewonnen. Zumal er erst jetzt realisierte, was er sah oder wen oder das er hier überhaupt wen sah. Wie in Zeitlupe öffnete sich seine Hand und die Tasse glitt zu Boden. Ich beobachtete sie, sah wie sie aufkam und zerschellte, wobei die braune Flüssigkeit heraus floss. Kaffee? Heiße Schokolade? Eine gute Frage, aber sicher nicht von Belang und dennoch interessierte sie mich brennend.
Nicht wo ich war, nicht warum ich ihn sah, sondern was das für eine Flüssigkeit war, die er gerade verschüttet hatte.
„Uhm... Hi... Wo bin ich?“, fragte ich langsam und versuchte das Gefühl zu ignorieren, dass sich auf einmal breit machte. Angst, Unsicherheit, Verwirrtheit.
Warum war er hier? Warum saß ich vor Waver?

Das Handtuch welches Waver mir gereicht hatte, war flauschig weich. Ich war immer noch nicht ganz dabei zu verstehen, was gerade los war und beobachtete Waver, wie er zwischen dem alten Ehepaar saß, dass scheinbar still und friedlich schlief. Er schien nervös, nachdenklich und hielt seinen Daumen gedankenverloren an seinen Lippen.
„Danke, dass ich die Dusche nutzen konnte, ich glaube nur... ich brauche andere Sachen“, erklärte ich und verwies damit auf das viel zu große T-Shirt und die hängende Hose. Waver war mehr als nur einen Zentimeter kleiner, so dass ich nichts tragen konnte, was er im Schrank hatte, weswegen er auf die Sachen der alten Dame und des alten Herren zurück gegriffen hatte.
„Was besseres hatte ich auf die Not nicht zur Hand. Ich meine... Wer bist du? Was machst du hier? Und was für ein Zauber hat dich einfach so erscheinen lassen?“
Ich sah an mir hinab und lugte kurz in das Oberteil, wobei ich leise seufzte. In meinen MSPs hatte ich mir ja immer ein paar Kilo weg gemoggelt, doch irgendwie waren die Brüste überall ein D-Körbchen. Ich hatte immer scherzhafter Weise behauptet, dass es mich verfolgen würde. Wahrscheinlich war dieser Scherz Ernst gewesen, denn ich hatte immer noch ein D oder E-Körbchen. Aber weniger Pfunde. Na super, das würde im Rücken schmerzen.
„Hey, hörst du mir zu?“
„Ja, ja... ich höre, so irgendwie. Bin selbst noch verwirrt.“
„Du machst mir aber nicht den Eindruck, dass du verwirrt bist. Du bist verdammt ruhig!“, erklärte Waver, wobei er lauter wurde. Er hatte Recht, ich war ruhig. Zu ruhig. Wahrscheinlich war die Gewissheit nicht in meiner Heimat zu sein, noch nicht ganz eingesunken. Oder es war ein Traum?
„Ich träume wahrscheinlich nur. Wenn ich aufwache, bin ich hier weg, keine Sorge.“
„Das habe ich nicht gemei-“
„Erenya. Während ich hier bin, kannst du mich Erenya Tailor nennen. Wie gesagt, wenn das ein Traum ist, werde ich bald weg sein und du wirst kein Problem mit mir haben. Wenn ich aber nicht aufwache... und das kein Traum ist, verspreche ich, dass ich in Panik ausbreche.“
Vielleicht hatte das MSP mich abgeklärt gemacht. Immerhin war ich geistig da schon öfter in fremde Welten eingetaucht. Und seltsamerweise... Panik war immer etwas ferner geblieben. Wieso eigentlich? Ach ja... ich erinnerte mich an meinen Autounfall. Ich war angefahren worden und danach einfach aufgestanden und wollte zur Schule. Die einzige Angst die ich hatte war, dass meine Mutter davon erfuhr. Die hatte aber andere Probleme, als sie es gehört hatte.
„Ich hab mich nun vorgestellt und wer bist du? Und vor allem wo bin ich hier?“
Waver seufzte und verschränkte die Arme. Er murmelte etwas von „unglaublich, dass ich einen weiteren Zauber benutzen muss“, was mir nur zu deutlich sagte, dass das alte Ehepaar sicher nicht so selig schlief, weil sie unter Narkolepsie litten.
„Wenn du so sicher bist, dass es ein Traum ist, solltest du das doch eigentlich wissen, oder? Ist das nicht Sinn und Zweck eines luziden Traumes?“
Ich rieb mir die Haare trocken, während ich Waver lauschte und mich umsah. Das Haus des Ehepaares war wirklich rustikal eingerichtet, aber gemütlich. Hier konnte man es sicher einige Zeit aushalten.
„Als Traumfigur wäre es nun deine Aufgabe mich aufzuklären. Also spiel schon mit.“
„Wenn dich das überzeugt, dass es kein Traum ist. Mein Name ist Waver Velvet und du bist hier in Fuyuki.“
„Dann bin ich immer noch nicht überzeugt, dass es kein Traum ist“, erklärte ich und seufzte leise. Es war also so, wie ich es mir im Unterbewusstsein gedacht hatte. Waver und Fuyuki. Wahrscheinlich war er schon dabei den Kampf um den heiligen Gral zu führen.
„Also, Waver... Du redest von Magie. Was für eine Magie hat dafür gesorgt, dass ich hier her gekommen bin?“
„Das wüsste ich auch gerne. Was hast du gemacht, bevor du hier erschienen bist?“
Ich hob eine Augenbraue und legte mir das Handtuch um die Schulter. Fragte er das wirklich?
„Hab mich schlafen gelegt. Glaube ich. Also ich erinnere mich, dass ich gezockt habe, dann die Konsole ausschaltete, die Augen zumachte und... als ich aufwachte, war ich wieder hier. Wenn du also denkst, dass ich irgendeinen Zauber gesprochen und vergeigt habe... muss ich dich enttäuschen. Noch dazu bin ich kein Magier.“
„Kein Magier? Das ergibt keinen Sinn.“
„Warum ergibt das keinen Sinn?“
Ich konnte sehen, dass er sich ertappt fühlte, als ich ihn hinterfragte. Und doch blieb er mir die Antwort schuldig und sprach nicht weiter.
„Schon gut. Wenn du, wie du sagst, nur träumst und das alles nicht real ist, kannst du solange hier bleiben. Ich kriege das mit den beiden schon irgendwie hin. Rider haben sie immerhin auch einfach so aufgenommen.“
„Rider?“
Die Tür öffnete sich, die zu Wavers Zimmer führte und ich konnte schon die riesige, muskulöse Gestalt des Servants erkennen, der sich bücken musste, um durch die Tür zu kommen.
„Bursche, sage mir, mit wem redest du da?“, fragte er, noch bevor er mich überhaupt erblickte. Doch seine Frage beantwortete sich von selbst, als er mich erblickte.
Quittiert wurde das von einem lauten Lachen.
„Ein Mädchen. Vielleicht ein wenig zu alt für dich, Bursche, aber jeder hat ja so seine Vorlieben.“
Ich spürte wie mir die Wärme in die Wangen schoss und war froh, dass es Waver ähnlich ging.
„Hör auf so einen Unsinn zu reden, Rider. Dafür haben wir keine Zeit. Sie ist einfach im Garten erschienen und... ich konnte sie im strömenden Regen doch nicht einfach liegen lassen.“
Riders Lachen verstummte und er sah mich genauer an. Scheinbar hatte er dieselbe Frage im Sinn wie Waver.
„Mädchen, sag wo kommst du her? Und wie bist du hier her gekommen?“
„Vergebene Liebesmüh, Rider. Sie denkt, dass das alles nur ein Traum ist. Du wirst also keine ordentliche Antwort aus ihr herausbekommen, außer, dass sie bald weg ist, wenn sie aufwacht.“
Rider beäugte mich immer noch, sein Blick wirkte aber nachdenklich. So als versuchte er abzuschätzen, was für eine Gefahr ich darstellte. Wenn er schon beschworen war, war Waver immerhin sein Master. Einer, der dafür sorgte, dass Rider sich in dieser Welt materialisieren konnte. Sie hatten einen Pakt geschlossen und er würde Waver beschützen.
„Ein Traum... So so.“
Ich wurde nicht schlau aus dem, was Rider gerade sagte. Er nahm es einfach hin, versuchte nicht einmal gegen meine Theorie, die ihm Waver offenbart hatte, anzureden.
„Ist das wirklich alles, was du zu sagen hast, Rider?“
„Was sollte ich sonst sagen, Bursche?“
Rider dachte einen Augenblick ernsthaft darüber nach, was sein Master gesagt hatte und schließlich hellten sich seine Gesichtszüge auf.
„Ich verstehe. Dann stelle ich mich dir vor, Mädchen. Ich bin der König der Eroberer Alexander aus Mazedonien. Da ich aber zur Rider-Klasse gehöre, kannst du mich auch ruhig Rider nennen, so wie der Bursche hier.“
Rider hatte sich zu seinem Master gesellt und eine seiner großen Hände auf Wavers Kopf gelegt, und dessen Haare verwuschelt, was äußerst schmerzhaft aussah.
„Das habe ich nicht gemeint, Rider!“, schimpfte er und versuchte sich dabei aus Riders Pranke zu befreien. Ein Bild, dass niedlich war und gleichzeitig vertraut. Es aber nun so halbwegs live zu sehen, war ungewöhnlich.
„Dann bin ich sehr erfreut euch kennenzulernen, Waver und Rider.“
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