Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast 

Die Erinnerung an Großvater Dimitri

OneshotAllgemein / P12 / Gen
Dimitri Belikov
11.04.2018
11.04.2018
1
2.164
2
Alle Kapitel
3 Reviews
Dieses Kapitel
2 Reviews
 
 
 
11.04.2018 2.164
 
Hallo ihr Lieben.
Diese Kurzgeschichte habe ich mir in einer langen Nacht ausgedacht und auch gleich aufgeschrieben. Sie ist nur knapp 3 Seiten lang – also ideal zum schnellen Lesen zwischendurch geeignet – und beinhaltet eine selbst ausgedachte (durchaus vielleicht lückenhaft erscheinende) Zusammenstellung über die in den Romanen erwähnten Gefühle zu Dimitri. Da vermutlich jeder, der diese Geschichte liest, bestens mit der Originalgeschichte vertraut ist, habe ich mir die Freiheit erlaubt, die Hintergrundgeschichte einfach mal komplett außenvor zu lassen ;-)
„Vampire Academy“ und alle in der Geschichte erwähnten Charaktere aus den Romane gehören Richelle Mead (bis auf Aljona, die gehört mir ;-) ).
Ich hoffe, dass es euch gefällt und falls ihr vorhaben solltet, mir ein Kommentar zu schreiben, dann freue ich mich sehr darüber. Seit mir aber bitte nicht böse, wenn ich nicht gleich darauf antworten kann, denn ich bin leider nur sehr selten am PC...
Und nun wünsche ich euch viel Spaß beim Lesen! ;-)




                                                                         Die Erinnerung an Großvater Dimitri


„Hallo Grandma“, grüßte Aljona einfühlsam und reichte ihrer geschwächten Großmutter beide Hände, um sanft ihre kalten Finger zu drücken, die sie ihr hoffnungsvoll entgegenstreckte. „Wie geht es dir?“, fragte das Dhampirmädchen zögerlich. „Nun, es ging mir schon mal besser“, antwortete die Großmutter gelassen, doch ihr Blick verriet, dass sie weder Jammern, noch von irgendwem bedauert werden wollte. Deshalb entschied sich ihre Enkelin dazu, es bei dieser Aussage zu belassen und das Thema zu wechseln. „Es tut mir Leid, dass ich dich so lange nicht besucht habe“, entschuldigte sich das Mädchen reuhmütig und nahm auf dem massiven Holzstuhl gegenüber der alten Frau Platz, den diese ihr freundlich anbot. Es war ungewohnt nach so langer Zeit wieder hier zu sein und so kam ihr der kleine kahle Tisch, der zwischen ihnen stand, sehr gelegen, denn er ermöglichte ihr einen gewissen Abstand zu ihrer schon fast fremd gewordenen Großmutter, die sie in den vergangenen Jahren nur seltene Male gesehen hatte. „Du brauchst dich nicht zu entschuldigen, mein Herz“, lächelte die Alte traurig, denn sie kannte den Grund, weshalb sie ihre Enkelin nur so selten zu Gesicht bekam. „Ich kenne ja deine Mutter...“ Obwolhl ihre Stimme freundlich klang, sah Aljona die Traurigkeit in ihren Augen, die sich jedoch mit anklagendem Unverständis vermischte. Die Großmutter seufzte. „Deine Mutter hat die selbe Halsstarrigkeit, die mich schon bei deinem Großvater verzweifeln ließ!“ Aljona musste unwillkürlich auflachen. Doch dann wurde sie schnell wieder ganz ruhig und sprach leise: „Mum spricht manchmal von ihm, als sei er ein wahrer Held gewesen“ Sie sprach vorsichtig und beobachtete ihre Großmutter ganz genau, denn sie wusste, dass dies ein sehr sensiebles Thema war. Ihre Grandma lehnte sich langsam zurück an die harte Lehne ihres Stuhles und begann in Erinnerung versunken zu lächeln. Das Mädchen glaubte schon, dass die Großmutter alles um sich herum vergessen hatte – einschleißlich ihr – doch nach einer kurzen Weile seufzte die Alte erneut und richtete ihre Aufmerksamkeit wieder ganz auf ihre Enkelin. „Das war er auch“, entgegnete sie schließlich mit verzögerter Reaktion und fügte traurig hinzu: „zumindest bis der Strigoi ihm blutrünstig seine Zähne in den Hals schlug und ihn tötete.“ Aljona zuckte bei den harten Worten unweigerlich zusammmen, was ihre Großmutter jedoch nicht bemerkt zu haben schien, denn sie sprach einfach weiter, ohne darauf zu achten. „Dein Großvater war ein Edelmann, musst du wissen, und seinerzeit einer der besten Wächter, die die Vampirwelt jegesehen hatte. Sein Name war weit über die Grenzen seines Heimatlandes bekannt und er wurde von vielen geschätzt“, sprach die Alte erinnernd und fügte hinzu: „und von einigen sogar gefürchtet.“ Sie zwinkerte dem noch immer etwas schüchternen Mädchen zu und lächelte sie offen an. „Manche Leute hatten ihn im Geheimen als einen Gott bezeichnet – und das war er auch wahrhaftig gewesen, ein Gott.“ Aljona lächelte gerührt. Sie konnte die Zuneigung und die noch immer bestehende Liebe zu ihm deutlich in den Augen ihrer Großmutter sehen. „Ich habe dich noch nie so von ihm sprechen hören“, sagte sie schüchtern und versuchte die aufkommende Neugier zu unterdrücken. Sie hatte ihren Großvater bedauerlicherweise nicht mehr kennenlernen dürfen, da sie erst knapp zwei Jahre nach seinem Ableben geboren worden war. „Weil es schmerzt, über ihn in der Vergangenheit zu sprechen“, gab die Alte traurig zu, „aber wenn du möchtest, dann erzähle ich dir etwas von ihm.“ Auf ihrem Gesicht breitete sich wieder ein freundliches Lächeln aus, das das junge Mädchen nun auch endlich erwiderte. „Oh ja, bitte“, bat es erwartungsvoll und lehnte sich, den Kopf auf ihre Hände gestützt, nach vorne, um den kommenden Worten der Großmutter zu lauschen. „Was möchtest du denn über ihn wissen?“, fragte diese etwas erheitert und richtete sich leise stöhnend, jedoch immer noch lächelnd, auf. Es schien, als würde sie das Sitzen anstrengen, doch Aljona erkannte, dass sie diesen Preis gerne für das Gespräch zahlte. „Erzähl mir, wie ihr zwei euch kennengelernt habt“, bat die Enkelin neugierig. „Wie wir uns kennen oder lieben lernten?“, fragte die Großmutter lächelnd. Sie schien froh darüber zu sein, endlich jemanden gefunden zu haben, der ihre Geschichte hören wollte. „Erzähl mir alles – bis ins kleinste Detail“, antwortete das Mädchen bittend. „Ganz gewiss nicht“, lachte die Alte ein wenig belustigt und lenkte ein: „Für die Details bist du eindeutig noch etwas zu jung, fürchte ich, aber ich werden dir gerne die jugendfreie Version erzählen.“ „Ich bin schon sechzehn“, protestierte Aljona, doch sie würde sich mit allem zufrieden geben, was ihre Großmutter ihr anbot. „Aber gut. Fang einfach an“, fügte sie gleich darauf hinzu und wartete dann still darauf, dass ihre Grandma die Geschichte endlich zu erzählen begann. Die alte, grauhaarige Frau räusperte sich noch einmal und sprach dann frei heraus: „Dein Großvater Dimitri Belikov war ein bildhübscher Dhampir und als ich ihn damals näher kennenlernte, dauerte es nicht lange, bis ich mich Hals über Kopf in ihn verliebte“, erinnerte sie sich noch genau an die damalige Zeit, „doch der große Altersunterschied von 7 Jahren, die zwischen uns lagen, war damals ein großes Problem gewesen. Wenn ich in seiner Nähe war, dann vergaß ich diesen Unterschied oft. Doch ganz gleich wie nah wir uns manchmal auch kamen, ich spürte, dass er mich stets auf einer gewissen Distanz hielt, die ich anfangs zwar verstand, die mir jedoch zunehmend auch missfiel. Wenn ich mit ihm alleine war, dann gab es für mich bloß uns und die Geborgenheit, die er mich schon durch seine bloße Anwesenheit fühlen ließ. Ich zweifelte nicht an seinen Gefühlen für mich – selbst wenn er stets versuchte, sie vor mir verborgen zu halten – doch mir entgang nicht, dass es neuerdings jemand anderes gab, der sein Interesse ebenfalls weckte.“ Die Großmutter machte eine kurze Pause und Aljona sah sie mitfühlend an. Sie wusste sofort, dass es sich um eine andere Frau handeln musste und sie kannte das Gefühl von Eifersucht. Zudem vermutete sie, dass ihre Grandma genauso wenig damit umgehen konnte, wie sie selbst. „Ich war ihr zum ersten Mal am Rande des St. Vladimir Akademie Geländes begegnet“, setzte die Alte ihre Geschichte fort, denn ihr war klar, dass ihre Enkelin wusste, wovon sie sprach, „Dimitri hatte uns an diesem Abend miteinander bekannt gemacht und wir hatten mit einigen anderen gemeinsam an einem gemütlichen Lagerfeuer gesessen und uns Geschichten erzählt. Sie war auf ihre Art und Weise schön gewesen und ich hatte den Eindruck, dass sie und Dimitri sich schon eine ganze Weile lang kannten. Sogar die etwa gleiche Altersspanne, die auch zwischen ihm und mir lang, war bei ihnen beiden gegeben – allerdings in die entgegengesetzte Richtung! Dies war für mich noch ein Grund mehr, ihr gegenüber vorsichtig zu sein. Denn ich machte mir ernsthaft Gedanken darüber, wie ich mit ihr mithalten sollte? Wann immer sie in der Nähe war, war ein großer Teil seiner Aufmerksamkeit auf sie gelenkt und ich bekam den Eindruck, dass Dimitri sie sehr gern hatte. Und je häufiger ich sie heimlich im Umgang miteinander beoachtete, desto mehr wurde ich in meinem Verdacht bestätigt, dass da mehr zwischen ihnen war, als reine Freundschaft.“ Die Miene der Großmutter hatte sich im Laufe ihrer überraschend offen Erzählung zunehmend verfinstert, also beschloss Aljona, ihre Atempause dafür zu nutzen, sich in die Unterredung mit einzubringen. „Ich an deiner Stelle wäre bestimmt vor Eifersucht geplatzt!“, äußerte sie mitfühlend. „Nun, mir erging es gewiss nicht anders“, bestätigte sie, „doch ich beschloss meine Gefühle diesbezüglich so gut ich konnte für mich zu behalten, was mir meist auch gelang – zumindest so lange ich mich in IHRER Nähe befand“, lachte die Alte. „Soald ich aber mit Dimitri alleine gewesen war, ging mein Temperament durchaus das ein oder andere mal mit mir durch“, gab sie etwas geniert zu. Ihre Enkelin musste hinter vorgehaltener Hand kichern, als sie das aus dem Munde ihre Großmutter hörte. „Natürlich tadelte dein Großvater mich dafür, aber das war mir in dieser Situation ziemlich egal. Außerdem war ich es gewohnt, stets von ihm in meine Schranken gewiesen zu werden. Im Enst, ich hatte schon immer einen Drang dazu gegen Regeln zu verstoßen, was Dimitri immer versucht hatte, mir auszutreiben.“ Ihre Miene wurde wieder etwas traurig, doch sie bemühte sich stets, ihr Lächeln aufrecht zu halten. Aljona bemerkte die Traurigkeit ihrer Oma und so fragte sie: „Und wie seid ihr nun zusammen gekommen? Hast du der blöden Kuh klar gemacht, dass du ihn für dich wolltest?“, „Nicht doch“, lachte ihre Großmutter, „ich musste mich schon vorerst noch in Geduld üben. Doch die Zeit spielte mir glücklicherweise in die Hände und so hatte er sich letzten Endes dann doch noch für mich entschieden. Natürlich wusste ich, dass eine derartig unübliche Beziehung für Aufregen sorgen würde, also beschlossen wir gemeinsam, es vorerst für uns zu behalten, wofür Dimitri mir sehr dankbar war. Unsere Treffen spielten sich also größtenteils im Verborgenen ab, denn wir wollten auf keinen Fall Aufsehen erregen.“ „Ihr habt euch also nur heimlich getroffen?“, wollte Aljona neugierig wissen. „Ja“, bestätigte die Alte, „es war zu dieser Zeit so am Betsen.“ Sie wirkte nicht sehr glücklich darüber, doch ihre Enkelin sah ihr an, dass sie nicht über den Grund dafür sprechen wollte. Daher entschied sie sich, ihre Fragen zum Hintergrund der Beziehung ihrer Großeltern vorerst für sich zu  behalten und vielleicht später irgendwann einmal danach zu fragen, um Genauers zu erfahren.
„Aber das war doch sicherlich aufregend!“, schwärmte Aljona. „Eine heimliche Liebe, die nur hinter verschossenen Türen stattfand und von der keiner etwas wissen sollte.“ „Nun ja“, gab die Grandma zu, „es blieb nicht ganz unbemerkt. Doch die wenigen, die einen Verdacht hatten, äußerten ihre Abfälligkeit darüber glücklicherweise nicht.“ Da ihr die Richtung, in die das Gespräch geraten war, offenbar nicht so ganz gefiel, lenkte die alte Frau ab und verriet ihrer Enkelin ein kleines Geheimnis. „Einmal ging ich mit Dimitri in eine alte verlassene Hütte, die am Rande des großen Geländes der St. Vladimir Akademie lag. Dort konnten wir endlich einmal vollkommen ungestört sein“, schwelgte die Alte in glücklichen Erinnerungen. „Habt ihr es da zum ersten Mal getan?“, platzte es plötzlich ungehalten und ohne Vorwarnung aus Aljona heraus. Die Großmutter lachte erheitert. „Oh ja, das haben wir“, verriet sie mit einem Zwinkern. „Er war ein wirklich guter Liebhaber.“ Bei diesem Satz errötere Aljona. Sie hätte am liebsten noch genaueres darüber erfahren, zum Beispiel wie es sich anfühlte, wenn man auf diese intime Art und Weise geliebt wurde oder wie oft ihre Großeltern es in dieser Zeit wohl miteinander gatan hatten. Doch sie schämte sich, solche dummen Fragen zu stellen und so harkte sie lieber nicht genauer nach. „Du hast ihn sehr geliebt, nicht wahr?“, fragte sie stattdessen, denn sie konnte es deutlich in den Augen ihrer Grandma erkennen. „Oh ja, das habe ich“, antwortete die Alte schwermütig, „so sehr, wie man jemanden nur lieben kann... Und es gab eine Zeit, das hätte ich wirklich alles für diesen Mann gegeben...“ Aljona sah mit an, wie sich der Blick ihrer Großmutter verhärtete, als sie für einen Augenblick ihren Kopf abwandte und zu dem winzigen Fenster in der hinteren Ecke des Raumes aufschaute. Als sie ihr danach wieder in die Augen sah, fühlte sich das Mädchen etwas verunsichert, doch sie wollte weiter Fragen über ihren Großvater stellen – zum Beispiel, wie er sonst noch so gewesen war. Doch in diesem Augenblick schepperte die schwere Eisentür und ein grimmig dreinschauender Wächter trat hinter ihr in den Raum. „Die Besuchszeit ist vorbei!“, verkündete er laut und deutlich, sodass keiner der beiden wagte zu bitten, ob sie noch einen Augenblick länger Zeit bekommen könnten. Aljona stand unverzüglich auf und drückte zum Abschied noch einmal fest die beiden Hände ihrer Großmutter, die sie nach diesem persönlichen Gespräch plötzlich in einem ganz anderen Licht sah. „Ich danke dir, dass du da warst“, sprach die alte Frau noch schnell ihren Dank aus, bevor sie zusehen musste, wie man ihre Enkelin aus dem Gefängnistrakt führte. „Ich werde wiederkommen“, versprach Aljona noch schnell. „Und dann erzählst du mir den Rest der Geschichte, Grandma Tascha.“

Ende.
 
 
 Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast