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"Da liegt ein Fremder in meinem Wohnzimmer"

GeschichteHumor, Liebesgeschichte / P18 / Gen
Ezio Auditore da Firenze OC (Own Character)
10.04.2018
10.04.2018
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1. Kapitel- "Ihr solltet die mal säubern"

Es war dunkel und nur das schnell wechselnde Bild des Fernsehers spendete Licht.
Meine Hand wanderte zum gefühlten zwanzigsten Male in die Schüssel mit Popcorn. Den Blick konzentriert auf Marty McFly gerichtet, der gerade von Buford "mad dog“ Tannen angeschossen worden war, merkte ich nur am Rande, wie ich einen Teil des Popcorns auf der Decke verteilte, in die ich mich gewickelt hatte.
Obwohl ich alle Teile von Zurück in die Zukunft schon so oft gesehen hatte, dass ich sie mitsprechen konnte, wurde es mir nicht langweilig, sie immer und immer wieder zu schauen. Ich schob mir eine weitere Hand voll Popcorn in den Mund und fühlte mich wie ein Kinobesucher, der einen kompletten Saal für sich alleine hatte.

Im Endeffekt war es auch der Fall, nur, dass ich nicht in einem Kino war, sondern in einem Ferienhaus am Arsch der Welt, wie meine Freundin Grace meine Urlaubsunterkunft liebevoll bezeichnet hatte. Ich war vollkommen allein, mitten in einem Waldstückchen und ich fand es verdammt toll. Grace hatte den Kopf geschüttelt, als ich ihr eröffnet hatte, dass ich zwei Wochen ohne Handy in der Hütte meines Großvaters verbringen würde.
„Da ist doch nichts in der Gegend. Und ohne Handy? Das ist doch verrückt! Was zum Henker willst du zwei Wochen dort? Vor Langeweile sterben?“
Im Gegenteil. Ich wollte Ruhe, Entspannung und ganz und gar abgeschnitten sein von der nervigen, lauten und schnelllebigen Welt, die mich in den letzten Monaten schier zu ersticken gedroht hatte. Ich wollte zwei Wochen lang keinen Gedanken an die Arbeit verschwenden, zwei Wochen lang ohne das Gefühl leben, ständig abrufbar sein zu müssen. Als wäre ich eine verdammte Maschine. Dieses Häuschen, das außer einem Fernseher, einer Mikrowelle, einem VHS-Gerät und einer Sammlung von Videokassetten noch den Charme der 40-er Jahre trug, war ein heimeliges Plätzchen inmitten befreiender Natur.

Zufrieden kuschelte ich mich enger in die flauschige, wenn auch etwas muffig riechende Decke. Das letzte Mal, dass meine Eltern hier gewesen waren, war schon etwas länger her. Als ich angekommen war, hatte ich ein gutes Dutzend Spinnen aus ihrem Heim schmeißen müssen und die Räume einer Generalreinigung unterzogen. Jetzt waren die Regale frei von Staub, der Boden sah nicht mehr so matt wie vorher aus und die abgestandene Luft hatte sich weitestgehend verzogen. Putzen zählte weiß Gott nicht zu meinen Lieblingsaktivitäten. Hier jedoch war es mir leichter von der Hand gegangen, als sonst. Vielleicht weil ein großer Teil Freiwilligkeit dahintergestanden hatte und nicht das schlechte Gewissen, das einen antrieb, wenn man seine Wohnung eine ganze Zeit lang nachlässig behandelt hatte.
McFly regte sich wieder und es kam zum Showdown zwischen ihm und Tannen. Ich beugte mich vor und grinste breit, wie jedes Mal bei dieser Szene, als Tannen bewusstlos mit dem Gesicht voran in einen Haufen Pferdemist fiel.
„Verdient! Sowas von verdient, Arsch!“, flüsterte ich triumphierend.
Entspannt wollte ich mich wieder zurücklehnen, als aus einem der angrenzenden Zimmer plötzlich Geräusche drangen. Ich versteifte mich automatisch. Meine Hand wanderte zur Fernbedienung und stoppte den Film. Die Geräusche wurden lauter. Mein Verstand wollte mich davon überzeugen, dass es vielleicht ein Tier sein könnte, dass sich durch irgendein noch nicht entdecktes Schlupfloch in das Innere der Hütte gestohlen hatte.
Aber... Tiere fluchten für gewöhnlich nicht.
Angstschweiß brach auf meiner Stirn aus und plötzlich war ich wieder fünf Jahre alt und hörte meinem älteren, damals sehr fiesen Bruder zu, der eine Gruselgeschichte über diese Hütte zum Besten gab. Obwohl hier nie ein Mord geschehen war und auch kein Geist des Opfers sein Unwesen trieb, hatte ich plötzlich eine Heidenangst.

Ich war mir sicher, dass kein Mitglied meiner Familie auf die Idee gekommen war, mich zu besuchen. Sie hätten dafür ohnehin die Vordertüre benutzt und diese führte direkt ins Wohnzimmer, also dem Ort, an dem ich mich befand. Wenn es aber kein Mitglied meiner Familie war, dann hielt sich jetzt ein Fremder in meiner Hütte auf.
Zum ersten Mal seit meiner Ankunft hier bedauerte ich es, kein Handy mitgenommen zu haben. Ich konnte keinen Notruf absetzen, wenn es hart auf hart kam. Trotzdem, ich musste etwas tun. Hier stocksteif auf der Couch zu sitzen war nicht unbedingt der beste Plan.
Zitternd fasste ich mir ein Herz. So leise wie nur irgend möglich rutschte ich vom Sofa, schlich auf Zehenspitzen zum Herd, auf dem noch die Pfanne stand, in der ich am Mittag ein paar Eier und Speck gebraten hatte. Das beruhigend schwere Gewicht der Pfanne in meiner Hand schenkte mir etwas Mut. Während ich noch darüber nachdachte, ob ich der Geräuschquelle entgegenkommen oder lieber irgendwo Deckung suchen sollte, wurde die Tür meines Schlafzimmers aufgerissen. Jetzt konnte ich ganz deutlich eine männliche Stimme hören, die so wütend klang, dass ich beinahe ein ängstliches Quietschen von mir gegeben hätte.
Definitiv KEIN Tier.
Schritte näherten sich meinem Aufenthaltsort und in einem Moment absoluter Verzweiflung, preschte ich nach vorn, postierte mich neben der geöffneten Türe, einen Bücherschrank im Rücken und biss die Zähne zusammen. Ein Lederstiefel schob sich in mein Sichtfeld und als der Kopf des Einbrechers auftauchte, schlug ich ohne weiter zu überlegen zu.
„Maledetto!“, machte der.  Was auch immer das bedeuten sollte...
Dann schwankte er und schlug er wie ein gefällter Baum mit ordentlich Getöse auf dem Boden auf. Mit einem spitzen Schrei setzte ich über ihn hinweg, stand panisch im Gang aus dem der Fremde gekommen war, riss mich am Riemen, drehte mich wieder um tastete nach dem Lichtschalter.

Ein weiterer spitzer Schrei, meine Hand schlug hastig nach dem Lichtschalter und ich raste erneut aus dem Raum und in mein Schlafzimmer. Die Tür schlug donnernd hinter mir ins Schloss.
Am ganzen Körper zitternd stand ich da wie gelähmt, während meine Gedanken einen wilden Tanz hinlegten und dabei über ihre eigenen Füße stolperten.
Der Kerl in meinem Wohnzimmer hatte ein scheiß verdammtes Schwert! EIN VERFICKTES SCHWERT!
„Reiß dich zusammen, Emily!“, quiekte ich.
„Reiß dich zusammen und überleg!“
Aber Emily Norton, die Mutige, war ersetzt worden durch Emily Norton, den absoluten Angsthasen. Und dieser Angsthase hatte nur einen Gedanken: Polizei!
Ein weiteres Mal verfluchte ich meine Entscheidung, das Handy nicht mitgenommen zu haben. Die nächste Polizeistation war gute 30 Kilometer entfernt. Den Kerl im Wohnzimmer würde ich nicht ins Auto bewegt kriegen, zumal die Gefahr bestand, dass er aufwachte und Gebrauch von seinem Schwert machte. Die Rechnung Schwert gegen Pfanne würde wohl nur in Tangled gut ausgehen. Das hier war jedoch die Realität und nicht fuckin‘ Disney.
„Was mach ich bloß, was mach ich bloß?“, jammerte ich. Eines stand fest: Ich musste zurück und den Kerl beobachten. Wer wusste schon, wie lange er bewusstlos bleiben würde?
Der Rückweg vom Schlafzimmer zum Wohnzimmer zog sich wie Kaugummi, da meine Füße am liebsten meinem Herz gefolgt wären, das die Entscheidung zurückzugehen für den direkten Weg zum nächsten Darwin Award hielt.

Schwertmann lag immer noch reglos am Boden. Aber er atmete noch. Einerseits war ich froh, ihn nicht getötet zu haben, andererseits jagte es mir Angst ein, dass er noch am Leben war. Wie würde er reagieren, wenn er aufwachte?
Den Kerl nicht aus den Augen lassend, suchte ich das Wohnzimmer nach irgendetwas ab, das mehr Eindruck machte, als eine Pfanne. Meine Suche war nicht von Erfolg gekrönt, was dazu führte, dass ich zu Gott flehte, Tangled zumindest im Fall Pfanne wahr werden zu lassen. Dann fiel mir ein, dass Flynn Rider die Pfanne während seines Kampfes verloren hatte und ich stöhnte.

*


Ezio Auditore da Firenzes Kopf fühlte sich an, als wollte er zerspringen.
Mit einem langgezogenen Stöhnen öffnete er die Augen und erblickte ein paar nackter Füße.
Hastig setzte er sich auf, fluchte, als sein Kopf mit einem Schub Schmerzen auf das Heftigste gegen die Bewegung protestierte und hörte im gleichen Moment die schrillen Worte: „Keine falsche Bewegung oder ich bring dich um!“
Blinzelnd blickte er in das Gesicht einer Frau, die eine schmierige Pfanne in der Hand, panisch auf ihn herabstarrte.
„Ihr solltet die mal säubern!“, scherzte er mit kratziger Stimme.
„Fresse, Mistkerl!“ Ezio verzog das Gesicht.
„Kein Grund gleich beleidigend zu werden!“, versetzte er.
„Beleidigend? Beleidigend?“, kreischte die Frau und wollte noch etwas hinterhersetzen, als er ihr das Wort abschnitt. „Verzeiht die Frage, aber wo… bin ich?“
Seine Erinnerung war diffus. Gerade noch war er Zeuge geworden, wie das Schiff der Templer nach Zypern aufgebrochen war und dann… Nun, dann gab es nur noch Schwärze. Er konnte sich an nichts mehr erinnern, was danach passiert war…
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