Wie ich es lernte zu ihm zu finden?

GeschichteDrama, Romanze / P12
Felix Brummer / Kummer OC (Own Character)
10.04.2018
10.04.2018
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Hier steh ich nun. Naja stehen ist eventuell dezent übertrieben. Ich lehne mich leicht gegen die Wand und stütze mich auf die Krücke während ich versuche die einfache weiße Tür zu meiner kleinen Wohnung zu öffnen. Derweilen rege ich mich tierisch über letzte Nacht auf und über dieses absolute dämliche Unglück, dass das alles passieren konnte.
Gestern Nacht, heute ist übrigens Samstag, lag ich auf der Couch der Wohnung meines Freundes und sah mir eine weitere Folge von „the blacklist“ an. Meine neue Sucht Serie. . Ein zeitraubender und atemberaubender wachhaltender Traum, der mich schon manchen Morgen kostete an dem ich ohne eine Badewanne voll Kaffee wohlmöglich nicht durch meinen Büroalltag gekommen wäre.  Es war so gegen halb 2, also technisch gesehen heute früh als gestern Morgen, als mich meine Freundin Michaela oder einfach Michi genannt an, da Sie zu betrunken war um heimzufinden. Es war amüsant ihrer Beschreibung zu folgen, als sie versuchte mir zu erklären, wo sie sich denn befände, damit ich auch weiss wo ich sie abholen solle. Nach einer gefühlten Ewigkeit haben wir herausgefunden bei welchem Club sie sich so rumtrieb und ich wusste, wie ich hinkam. Als ich schon auflegen wollte, teilte sie mir schnell noch mit, dass zwei Freundinnen Sina und Lisa auch nach Hause gebracht werden müssten. Prima! Dies bedeutet, mein Auto ist ungeeignet! Ich besitze einen kleinen Smart, ihr wisst schon die Generation, in die man auch Quer in eine Längsparklücke fahren kann. Sowieso ein Auto, dass man in der City gut gebrauchen kann, wenn man ein solcher Trottel im Parken ist wie ich. Mein Freund hingegen kann wahnsinnig gut Auto fahren und hat somit eine von diesen Limousinen, der Karroserie Typ den meine Opas früher gefahren sind.
Nachdem ich mich angezogen hatte, fuhr ich also mit meinem Auto zu der Wohnung meines Freundes, um seinen Autoschlüssel zu holen (eigentlich sollen die an meinen Schlüsselbund aber tatsächlich finde ich es etwas komisch. Wir sind zwar bereits eine weile zusammen aber es kommt mir noch nicht so lange vor wie ihm). Ich nahm natürlich nicht nur seine Autoschlüssel sondern auch sein Auto, damit ich die anderen Fahrgäste auch noch mitnehmen konnte und fuhr zum Club. Auf dem Weg dahin habe ich sie auch schon den Bürgersteig entlang wackeln sehen, gehen konnte man das beim besten Willen nicht nennen. Gott sei dank sind sie den richtigen Weg entlang gelaufen, eigentlich hatte ich sie gebeten in der Nähe des Clubs zu bleiben, aber das Gedächtnis von Betrunkenen ist wohl nie das aller beste. Als alle ins Auto gestiegen sind, fuhr ich zuerst Sina und Lisa in ihre gemeinsame WG um dann Michaela in ihrer Wohnung nicht weit entfernt von meiner abzusetzen. Da die Dame im Rausch eingeschlafen war, entpuppte sich „das Abliefern“ als ein eher schwierigeres Unterfangen. Halb getragen und nach endlosem Kramen nach dem Schlüssel schafften wir es in ihre Wohnung und ich sie in ihr Bett.
Endlich wieder im Auto. Mittlerweile hatten wir viertel nach drei. Gut, dass morgen Samstag ist und ich nicht arbeiten muss, wobei diese Woche so grausam war, dass ich mich daher gegen das Feiern gehen mit den drei Mädels entschieden hatte und für das zu Hause bleiben. Einer meiner intelligenteren Entscheidungen. Naja Motor an und auf geht’s ins Bett. Tja und das war es erstmal mit der Erinnerung. Ich wachte im Krankenwagen wieder auf, aber erst im Krankenhaus war jemand bereit mir etwas Genaueres zu erklären. Es war schon komisch. Ich war noch nie in einem Krankenhaus als Patient geschweige denn in einem Krankenwagen. Es war beängstigend und sicher zu gleich. Ich konnte mich an nichts erinnern, mein gesamter Körper tat weh, bei jedem Versuch klar zu denken verschwamm alles nur noch mehr und je mehr ich versuchte mich zu bewegen, desto mehr wurde ich angewiesen still liegen zu bleiben, trotzdem wusste ich, dass dies der richtige Ort war und der Gedanke beruhigte mich. Ich lag mittlerweile auf einem Krankenhausbett der Notaufnahme und wurde vom ersten Behandlungszimmer zum Röntgen gefahren. Ich war immer mal wach und verlor ich wieder das Bewusstsein. Aber jedes Mal wurde ich wieder klarer im Kopf. Das Röntgen ist nun vorbei und ich bekomme sogar den Weg zurück in Behandlungszimmer eins mit. In Behandlungszimmer zwei den wir passierten und an dem wir kurz stoppten, lag ein junger Mann der sich die Seele aus dem Leib kotzten während die Ärztin versuchte die Platzwunde an seinem Kopf zu nähen und schließlich aufgab. Der bläulich gekleidete Mann, der mein Krankenhausbett geschoben hatte und mir immer wieder motivierend zugesprochen hatte, wollte der Ärztin wohl nur mitteilen, dass ich vom Röntgen zurück wäre und schob mich nun endgültig in den anderen Behandlungsraum. Die Ärztin kam auch sofort und fing an die üblichen Fragen zu stellen:
„Hallo ich bin Dr. Schmidt, ich bin die behandelnde Ärztin der Notaufnahme heute Abend. Wissen Sie wie Sie heißen?“
„Ähhhhh ja, klar, meine Name ist Franziska Kaiser, wobei ich nur Franzi genannt werde“
„Hallo Frau Kaiser, ich müsste Ihnen nun ein paar Fragen stellen, während wir auf die Ergebnisse des Röntgen warten. Fühlen Sie sich dazu in der Lage?“
„Bitte nennen Sie mich Franzi, und klar… ahhhhh…..“ Ich versuchte ihr den Arm zur Begrüßung hinzustrecken.
„Bitte bewegen Sie sich nicht, wir wissen noch nicht was alles gebrochen sein könnte.“ Eine Lektion die ich schmerzlich lernen musste. „Wie alt sind Sie?“
„24“
„Prima, wissen Sie wo Sie sind?“
„Ich schätze in der Notaufnahme eines Krankenhauses, jedoch kann ich Ihnen nicht sagen, was passiert ist.“
„sehr gut, Wissen Sie welchen Tag wir haben?“
„JA, Samstag den 31.03.2018“
„Das ist richtig, wissen warum Sie hier sind?“
Leichte Panik macht sich breit „ Ich weiss es nicht. Ich kann mich nur noch daran erinnern auf dem Heimweg gewesen zu sein. Ich habe Freunde nach Hause gefahren… Hatte ich einen Unfall?“
„Sie hatten einen Autounfall, ja.“ Die Röntgenbilder kamen in diesem Moment in den Raum
….
Es stellte sich heraus, dass mein linker Ellbogen gebrochen war, ich einen leichten Haarriss in der Schädeldecke hatte, meine rechtes Knie verdreht war und 3 Rippen auf der linken Seite hinüber waren. Darüber hinaus hatte ich eine mittlere Gehirnerschütterung, ein Schleudertrauma und eine gestauchte Wirbelsäule. Alles in allem doch ein gelungener Unfall mit alles was man sich wünschen konnte. Nachdem man mir eine Schiene für das Knie gab, einen Stützverband für meine Rippen anlegte und ich diese verhasste Halskrause anbekam, bat ich um meine Entlassung. Eigentlich wollte man mich noch was dabehalten, aber man entließ mich auf eigene Gefahr. Ich war mit einem Mal so sauer auf mich und den Rest der Welt, wieso passierte das mir und wieso ausgerechnet jetzt. Da ich nicht der größte Fan davon bin Gefühle Fremden zu zeigen, wollte ich nur noch da raus und Heim. Mit einer Tüte voll mit Medikamenten, einer Krücke und den Worten „ die Polizei wird sich in den nächsten Tagen bei Ihnen bzgl der Schilderung des Unfalls melden“ verließ ich das Krankenhaus und fuhr mit einem Taxi in meine Wohnung. Der Taxifahrer sah mich dezent schockiert an, aber noch war es mir egal. Noch wusste ich nicht, wie und was und wann und wo. Bestimmt dieser psychische Schock von dem alle reden. Gott sei Dank hat man mich trotzdem rausgelassen. Oder vllt. Auch nicht.

Nach dem ich mühevoll durch meinen durch meinen kleinen Flur gehoppelt bin, liege ich nun in meinem kleinen aber wie ich finde gut eingerichtetem Wohnzimmer. Eine Wand ist mit dem  bunten Kallax-Regalsystem vollgestellt, welches wiederum mit Büchern und Filmen vollgestellt ist, wobei die untere Reihe mit Schubfächern ausgefüllt ist. In diese fallen alle Gegenstände von denen ich nicht weiss, was ich mit Ihnen machen soll oder wo ich sie hinräumen soll. Ich liege auf einer dreier Ausziehcouch in beige. Einer von den Sofas in die man sich liebend gerne reinsetzt aber überhaupt nicht gerne wieder aufsteht. Gegenüber davon steht mein zu großer Fernseher, der alte Fernseher meines Bruders, zusammen mit meiner Playstation und einer externen Soundanlage von Bose, die alte Anlage meiner Eltern. Zwischen dem Sofa und dem Fernseher befinden sich noch ein kleiner Couchtisch aus Glas (blöde Entscheidung, böse sauber zumachen) und einer dieser Longflor Teppichen von Ikea (auch blöd zu staubsaugen). Die vierte und letzte Wand meines Wohnzimmers ist von einem großen Fenster dominiert worunter noch ein kleiner Esstisch samt zweier Stühle steht, der bereits im Raum war bevor ich einzog. An Deko habe ich größtenteils Merch aus verschiedenen Fandoms: Herr der Ringe, Marvel und Harry Potter sind dabei am meisten in meiner Wohnung vertreten. Neben dem Wohnzimmer gibt es noch ein kleines Bad, in dem man von der Toilette aus das Waschbecken erreicht und mit einer eleganten Drehung auch in die Dusche kommt, jedoch gibt es einen Platz für eine Waschmaschine, welche meine Rettung ist. Diese Waschmaschine hat nämlich eine Trockner Funktion (es sind ja immer die kleinen Dinge im Leben. Neben dem Bad gibt es natürlich noch eine kleine Küche mit allem was man zum Leben braucht, ausser einer Spülmaschine, aber naja wenn man alleine wohnt, ist es nicht ganz so dramatisch. Die Küche ist sogar in meiner Lieblingsfarbe für Küchen, rot. Es gibt natürlich noch ein Schlafzimmer, dieses habe ich an zwei Wänden in einem steingrau gestrichen und es ist mit einem großen Bett und einem großen Kleiderschrank vollgestellt, wobei der Kleiderschrank auch als Abstellschrank dient. Naja, das ist meine kleine aber feine Wohnung. Und in der liege ich nun.
Ich schalte den Fernseher und die Playstation ein. Lege mein Bein auf ein Kissen, um es zusätzlich zu stabilisieren, packe aus meiner Tasche alle Medikamente aus, die man mir mitgab. Im Playstation Menü wähle ich den Netflix Icon aus und starre auf den sich drehenden Ladekreis. Alles ist still im in der Wohnung. Meine Augen fangen an zu Tränen und ich weiss nicht genau warum. Ich fange an innerlich und äußerlich zu weinen. Wie konnte mir das nur passieren? Wieso mir? Warum ? Warum ausgerechnet jetzt? Und warum ausgerechnet im Auto meines Freundes? Das Auto meines Freundes! DAS AUTO MEINES FREUNDES?! Schlagartig wird mir bewusst, dass das das Auto meines Freundes war. Er weiss gar nichts davon! Ich wollte ihm gar nichts sagen. Erst vorgestern hatten wir telefoniert und er erzählte mir, wie schwer ihm die Tour fallen würde und wie sehr er jetzt gerne bei mir wäre. Achja er ist Sänger in einer Band, welche, welch Überraschung, gerade auf Tour ist. Die Tour endet jedoch in einer Woche. Vllt. Sollte ich warten ihm das zu erzählen? Er liebte sein Auto! Und es wird für ihn noch schwieriger die Tour zu durchzuhalten bzw. seine Laune wird noch weiter in den Keller fallen, wenn er das erfährt. Was mach ich denn jetzt?
Ich öffne meinen Laptop der auf dem Couchtisch liegt und suche auf diversen Autoscout und ähnlichem nach dem gleichen Automodell, Skoda Superb in der Elegance Ausstattung. Am besten kann man die Beziehung ja mit Dean Winchester und seiner Impala „Baby“. Supernatural, hach, vllt. Sollte ich diese Serie an machen. Ich gebe bei Netflix Supernatural ein und beginne die Serie wieder von vorne.
Während der ersten Folge muss ich allerdings eingeschlafen sein, ich wache bei Folge 5 wieder auf und kann mich nicht daran erinnern Sams Freundin an der Decke brennen gesehen zu haben. Hm. Ich schaue auf mein Handy. Es war beinahe halb 1. Ich hatte diverse What’s app Nachrichten und eine Menge verpasster Anrufe. Teils von meinen Freundinnen gestern Abend und teils von Felix (mein Freund, hatte ihn bisher noch nicht beim Namen genannt?!).
Zwei Nachrichten waren von meiner besten Freundin, die wissen wollte, ob ich irgendwas bräuchte: Gesellschaft, Essen oder ähnliches. Ich schätze deswegen hatte Sie auch angerufen. Eine Weitere war von meinem Bruder, wir beide spielen Klavier und hatten uns erst dem letzt für zwei neue Notenbücher entschieden. Eines hatte er bestellt und eines ich. Nun wollte er wissen, welche Noten er für mich einscannen sollte und per Mail schicken sollte. Dann noch ein paar aus der Arbeitsgruppe, da ich nachdem ich meinem Chef die schlechte Nachricht meiner Abwesenheit der nächsten 2 Wochen mitteilte, auch meinen lieben Kollegen und Kolleginnen in der Gruppe alles erkläre wollte. Nun kommen natürlich die obligatorischen, „Kann ich was für dich tun?“ und „Gute Besserungswünsche“ zurück.  Und natürlich die Nachrichten von Felix. Die üblichen Nachrichten: Das Konzert wäre gut gelaufen, dass er mich vermisst und ob bei mir alles in Ordnung wäre etc. Ich weiß aber nicht was ich antworten soll. Ich kann nicht einfach so tun als wäre nichts gewesen. Am Ende weiß er wann der Unfall war und ich habe keine Ahnung, wie ich ihm erklären soll. Für den Anfang ist es bestimmt besser, wenn ich so tue als hätte ich die Nachrichten nicht gelesen. Dank des Widgets kann ich die Nachrichten ja lesen ohne als online markiert zu sein und das gesendete wird nicht als gelesen markiert. Bei den Anrufen übrigens das gleiche: Felix, Freundinnen und 2 unbekannte Nummern. Aber ich werde bestimmt nicht um 1 Uhr nachts anfangen irgendwelche Nummern zurück zurufen. Ich versuche von meiner Couch aufzustehen um ins Bett in meinem Schlafzimmer zu gehen, aber ich bin zu schwach. Die Schmerztabletten wirken zwar und ich habe nicht allzu große Schmerzen, aber dennoch merke ich, dass mein Körper eines mitgemacht hat und wie es im englischen doch so oft treffend formuliert wird „broken“ ist. Tja, vielleicht war es die falsche Idee nicht im Krankenhaus geblieben zu sein. Es bleibt mir nichts anderes übrig, ich schlafe diese Nacht wohl auf der Couch. Gesagt getan.
Als ich aufwachte, strahlte die Sonne bereits durch die Fenster und erhellte den Raum. Neben dem grellen Licht weckten mich auch höllische Kopfschmerzen. Ich versuche die Augen zu öffnen, aber das nun stechende Hell machte alles nur noch schlimmer. Ich griff nach der Decke und zog sie schützend über meine Augen und suchte blind nach den Tabletten auf dem Couchtisch neben mir. Ich nehme eine heraus, wie die Ärzte es mir mitgeteilt hatten und suchte mit meinen Fingern nach der Falsche Wasser neben der Couch. Ich habe übrigens immer eine Flasche Wasser neben der Couch und dem Bett stehen. Ich weiß nicht so ganz warum, aber aus irgendeinem Grund fühle ich mich damit besser. Es steht auch grundsätzlich eine Flasche auf den Tischen. Eine Angewohnheit die Felix kirre machte, denn wenn eine Flasche getrunken war und ich sie neben die Couch stelle oder das Bett kann es passieren, dass ich sie, beim Aufstehen, unbemerkt unter das jeweilige kegle. Felix geht dann regelmäßig auf Flaschen suche, wenn er von Events zurückkommt. Mittlerweile kegle ich absichtlich schon mal ein oder zwei unter die Couch, da er etwas enttäuscht aussah als er das letzte Mal heim kam und er keine Flasche finden konnte, wie ein Kind, das zu Ostern nicht die Verstecke seiner Mutter findet. Irgendwie schon süß, aber manchmal nervt es, denn den Ärger bekomme ich trotzdem.
Naja die Tabletten wirken so langsam und ich versuche mich aufrecht hinzusetzen. Das gelingt mir auch ganz gut bis auf das leichte Schwindelgefühl. Phew. Ich greife nach der Krücke die am Ende der Couch steht und die auf wundersame Weise noch nicht umgenietet habe. Der Prozess des Hinstellens gestaltet sich aber als etwas komplizierter. Auf den einen Arm kann  ich mich ja bekanntlich nicht abstützen und im Allgemeinen fühle ich mich etwas schwächlich. Das Schwindelgefühl, das auch nun wieder einsetzt, welch eine Überraschung, erleichtert meine Situation jetzt nicht so unbedingt. Naja irgendwann bekomme ich es doch hin. Aber ich sollte mir definitiv merken diese Bewegung auf ein Minimum zu beschränken.  Ich gehe oder besser humpele ins Badezimmer, warum könnt ihr euch bestimmt denken. Von da aus mache ich mich auf den Weg in die Küche und ich muss sagen, dass obwohl meine Wohnung recht klein ist, die Wege doch unbeschreiblich an mir zehren. Ich schaue in den Kühlschrank und gähnende Leere präsentiert sich mir. Klar ich hatte fast alles mit zu Felix Wohnung genommen. Die ist näher an der Arbeit und wie Felix sagt in einem sichereren Viertel. Natürlich ist sie auch größer und besser eingerichtet, obwohl er nicht allzu oft da ist. Tja. Ich finde noch eine Tüte Chips im Schrank und Tütensuppen. Diese mache ich mir auch und als ich mich gerade auf den Weg zurück zur Couch machen wollte, fällt mir auf, dass es mir nicht möglich ist auf der Krücke zu humpeln mit dem einen guten Arm und noch eine Tasse mit einem heißen Getränk zu tragen. Also trinke ich die Tasse schnell im Stehen aus, verbrühe mir logischerweise massiv meinen Mund begebe mich auf den Weg ins Wohnzimmer. Dabei vergesse ich dieses Mal nicht die Vorhänge in einem zuzuziehen. Ich hatte zwar gerade keine Ahnung wie viel Uhr es ist und es war noch tag hell da draußen, aber ich wollte mir einen vielleicht unnötigen Weg ersparen.
Ich habe mich wieder auf die Couch gelegt und nehme mein Handy. Ich sollte vllt. Doch um Hilfe beim Einkaufen bitten. Mir sind ja selbst die Wege in meiner Wohnung zu weit. Wenn ich mir jetzt vorstelle die Treppen runter und Gott bewahre wieder rauf gehen zu müssen, würde ich wohl aufgeben. Ich entsperre mein Handy und sehe wieder Nachrichten von Felix. Von „Guten Morgen“ bis hin zu „ist alles ok“ und „warst wohl gestern doch aus :P“ .
Es waren mittlerweile übrigens 14:30. Ich rufe Michaela an:
„Hey Michi“
„Hey, geht es dir gut? Soll ich vorbeikommen? Ist was passsiert? Brauchst du irgendwas? Gott, Süße, ich mache mir solche Vorwürfe und Sorgen, es ist alles meine Schuld….“
„Hey stopp mal… nichts ist deine Schuld. Mir geht es auch soweit gut nur ich habe gerade festgestellt, dass ich nichts mehr in der Wohnung habe. Könntest du mir eventuell ein paar Sachen vorbeibringen?“
„Klar… was brauchst du denn alles? Was soll ich alles kaufen Brot, Aufstrich, Milch, Nudeln etc?“
„Du brauchst nichts Großartiges zu kaufen, kochen kann ich gerade eh nicht und ich habe auch keinen wirklichen appetit. Also am besten irgendwas für den Backofen oder die Mikrowelle. Aber falls du was Obst und was zu trinken mitbringst wäre super.“
„Klar gerne. Ich schau was sich finden lässt. Ich bin derzeit noch im Fitnessstudio. Sollte aber in ner Stunde fertig sein, dann fahre ich direkt einkaufen, reicht dir das?“
„Logo habe gerade Suppe gehabt und habe noch Chips gefunden, also alles im grünen Bereich“
„Gut! Kommst du ansonsten zurecht? Hast du es Felix mittlerweile gesagt?“
„… hm… ich konnte es ihm noch nicht sagen…“
„ach mädchen, er hat es verdient es zu wissen, er wird dir schon nicht den Kopf abhacken. Ganz im Gegenteil ich glaube, dass er sich mehr Sorgen um dich machen wird als um das Auto.“
„… vielleicht…“ ich gähne. Wie kann ich nach knapp ner anderthalben Stunde wach nur wieder so müde sein.
„Schlaf noch was Süße, ich komme dann nachher vorbei und schließe mit meinem Schlüssel auf.“
„Danke, du hast was gut bei mir“
„Du hast wohl nicht mehr alle Tassen im Schrank, immerhin hast du mich abgeholt als der ganze Mist passiert ist.“
Sie hat aufgelegt. Auch ich lege mein Handy zur Seite. Vielleicht sind es ja die Medikamente, die ich eingenommen habe, aber ich lege mich wieder auf die Couch stelle „Modern Family“ an. Ich habe diese Serie schon mehrfach durchgesehen also passiert nichts wenn ich was verpasse. Aber ich kam noch nicht mal mehr zur Flugzeug Situation von Cam und Mitchel in der ersten Folge als ich bereits schlief.
Ich werde wach als sich meine Haustür öffnet. Michi scheint einkaufen gewesen zu sein. Ich versuche meine Augen vorsichtig zu öffnen als eine männliche Stimme „Schatz?…Anna?…“ ruft. Bevor ich antworten kann steht er bereits im Wohnzimmer und hat das Licht angeknipst. „OMG“ ist alles was er sagen kann. Er bleibt wie angewurzelt in der Tür stehen und weiß nicht wie er reagieren soll, geschweige denn was er machen soll. Sein Mund steht weit offen. Seine Augen zeugen eher von blankem Horror, wie das eine Mal als ich ihn gezwungen habe Annabelle mit mir zu sehen. Aber irgendwie auch anders.
Ich versuche mich aufzurichten, versage aber wieder mal kläglich. Ich sehe zu ihm hin und meine Augen fangen an zu tränen. Mit gebrochener Stimme sage ich „es tut … es tut mir so leid. Dein Auto… ich hätte es nicht nehmen sollen.“
„Was?“ sein Ausdruck änderte sich in Ungläubigkeit.
„Die Polizei sagte, dass dein Auto…. dass dein Auto wohl nicht mehr zu reparieren sei“
„Anna hast du mir deswegen nichts gesagt?“ „Warum hast du mich denn nicht angerufen“
„ich wusste nicht… wie ich es dir sagen sollte… und du… dir fiel es doch so schwer wegen der Tour und… wieso bist du überhaupt hier?
„Wieso bin ich überhaupt hier? Anna !“ etwas säuerlich im Unterton „Die Polizei hat mich heute angerufen, weil ich der Besitzer des Fahrzeuges bin und man mir mitgeteilt hat, dass das Fahrzeug nicht mehr zu reparieren ist und wegen anderem Kram. Sie dachten ich wüsste bereits alles. Sie durften mir aber nichts über dich verraten, da wir ja in keiner gesetzlichen Verbindung stehen oder ähnliches. Also habe ich versucht dich zu erreichen. Du hast aber nicht geantwortet…. Anna ich habe mir solche Sorgen gemacht…. Wieso hast du mir nichts gesagt?...“ .
Ich konnte ihm nichts entgegnen. Ich lehne nur entkräftet an der Couch, nachdem ich mich nun doch aufrichten konnte. Ich war erschrocken ihn so zu sehen. Er sah besorgt, fertig und sauer zu gleich aus. Darüber hinaus war da noch was anderes in seinen Augen, das ich nicht deuten konnte.
„ich habe dann mit Michi telefoniert, nachdem du nicht an dein Telefon gegangen bist und ich mir nur noch mehr Sorgen gemacht habe“ er atmet tief ein „ich habe mir solche Sorgen gemacht…sie hat mir alles erzählt, auch dass du wegen der Tabletten so müde bist….“
Ich kann nicht mehr und weine. Wie konnte ich nur. Er kommt zu mir und will mich in den Arm nehmen. Dabei berührt er aber ungünstig meine Rippen. „ahhh….“ Ist das einzige was ich hervorbringen kann und er schreckt zurück. „Anna… es tut mir wahnsinnig leid…. Oh Gott“
„ist schon ok“ Ich lehne mich an ihn… „es tut mir so leid.“ Er legt seinen Kopf auf meinen, küsst meine Haare und streichelt mir vorsichtig über meinen gesunden Arm um mich zu beruhigen. Ich habe ihn nicht verdient!
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