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Die Geschichte von Farid und Meggie

GeschichteFantasy, Liebesgeschichte / P16 / Gen
Farid Meggie
10.04.2018
18.11.2018
6
6.697
 
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09.06.2018 1.237
 
Fenoglio sprach nicht viel, es war als hätte er seine Sprache mit Mo in der Burg von Ombra gelassen. Mit meinem Vater, der jetzt vielleicht schon verurteilt wurde, zu einem Tod, der grausamer sein würde, als es die Menschheit je gesehen hatte. Nein Meggie, du darfst nicht so denken! Denk lieber an all die Lieder vom Eichelhäher, sie haben Mo erst zu dem Räuber gemacht, den er inzwischen so sicher spielt. Die meisten der Lieder erzählen davon, dass er den Fürsten davonfliegt, dass sie ihn nie erwischen und dass er sie alle überlistet. Daran muss ich jetzt versuchen mich festzuhalten. Doch das war viel leichter gesagt, als getan. Farid sprach auch nicht sonderlich viel, seit wir im Lager waren. Auf dem Weg hierher hat er noch versucht mich zu beruhigen, aber jetzt sitzt Doria schon die ganze Zeit neben mir und Farid hat sich weggesetzt. Vermutlich ist er eifersüchtig, zumindest den Blicken nach, die er immer wieder in unsere Richtung wirft. Soll er ruhig auch mal eifersüchtig sein, immerhin ist er es, der den ganzen Tag mit anderen Mädchen zusammen ist und ich mach mir die ganze Zeit Gedanken. Doria ist wirklich nett zu mir und es stört mich nicht im Geringsten. Gerade liege ich mit dem Kopf auf seine Schulter gelehnt und er hat eben angefangen über mein blondes langes Haar zu streichen. Er hat noch kein einziges Wort gesagt, seit wir hier angekommen sind, das gefällt mir und ich schätze es sehr, dass er mich versteht, ohne dass ich etwas sagen muss um mich zu erklären. Er hat mich einfach in den Arm genommen und mich in seine Schulter weinen lassen. Er ist die Art von Freund, die jeder Mensch braucht. Ich meine er hat es bestimmt schon vom starken Mann gehört, aber er hat keine blöden Fragen gestellt. Er stellte nie dumme Fragen, wenn es mir nicht gut ging, auch wenn er nicht den leisesten Schimmer hatte, dass ich zum Beispiel Elinors Haus und den wunderschönen großen Garten vermisse, oder die schöne Stimme von Darius, wenn er Geschichten erzählte. Woher sollte er das auch wissen? Er kannte nur diese eine Welt und wusste nicht, dass sie der unscheinbare Mann, den sie den Tintenweber nannten, diese ganze Welt erst erschaffen hat. Ganz Ombra, jeden Winkel der Nachtburg, jeden Baum im weglosen Wald und sehr viele Leute, die hier herumlaufen, mit ihren Stärken, Schwächen und Geheimnissen. Manchmal klingt der Gedanke ganz logisch, dass diese ganze Umgebung nur aus Fenoglios Worten gemacht ist, aber dann kommt mir der Gedanke, dass so viele Personen, die inzwischen nicht mehr aus der Geschichte wegzudenken sind kein einziges Mal in Tintenherz erwähnt werden und auch der Autor selbst zugibt, dass er die Figuren nicht im Gedanken erfunden hatte. Wenn ich daran denke, glaube ich wieder daran, dass es jede Welt gibt, von der geschrieben steht und dass jede in sich selbst die einzige ist. Ich steckte ganz tief in meinen Gedanken und philosophierte vor mich hin und merkte nicht, dass Doria aufgehört hatte mich zu streicheln und den Kopf gehoben hatte. Ich begriff erst was los war, als alle Räuber auf einmal an uns vorbei gerannt kamen. Und wenn ich gerannt sage, dann meine ich es auch so. Manche überschlugen sich fast vor Hast. Langsam richtete ich mich auf und versuchte zu erkennen, worum sich alle versammelt hatten, dann hörte ich Farid in dem Gewimmel „Zauberzunge“ sagen und rannte sofort los, wie eine Irre. Und tatsächlich, da stand er als wäre nichts gewesen, Fenoglio neben ihm, der Mo anstarrte, als wäre er ein Geist. Er hatte ein neues Pferd und eine große Ledertasche bei sich. Er unterhielt sich gerade mit dem schwarzen Prinzen, sein Gesicht wie eingefroren. Er blickte kurz von ihm weg und als er mich sah, stahl sich ein kleines Lächeln auf sein Gesicht. Ich sah, wie er noch kurz etwas zum Prinzen sagte und dann kam er auf mich zu. Ich freute mich so ihn zu sehen und ihn lebend zurück zu haben. „Na, alles gut?“, fragte er bei mir angekommen, als wäre nichts gewesen. „Ach, ich weiß nicht. Ich bin ja nicht auf der Burg von Ombra gefangen worden.“, antwortete ich etwas bockig. Dann musste ich ihn einfach umarmen, und er lachte, als ich mich an ihn drückte. Er sagte leise in mein Ohr „Komm Meggie, ich will die was zeigen.“, und zog mich mit sich. Als wir ein kleines bisschen abseits waren blieb er stehen und öffnete die Tasche, die er aus der Burg mitgenommen hatte. Ich war etwas erstaunt, als ich sah, dass Bücher darin waren. Der Eichelhäher hat den Buchbinder also doch noch nicht ganz verdrängt, er war noch immer ein Teil von meinem Vater. „Es sind so wundervolle Bücher Meggie, du hattest Recht. Balbulus malt so schön, wie sonst kein anderer. Und diese Pinsel! Einige haben kaum mehr als ein einziges Haar am Stiel!“, es schien ihm immerhin gefallen zu haben, dachte ich mir. „Von den Farben brauche ich gar nicht erst anzufangen. Ich glaube in unserer Welt haben nicht die prächtigsten und ältesten aller Bücher solch unfassbar klare Farben, zumindest hätte ich noch nie eins gesehen, das diesen hier nur annähernd gleich kommen könnte. Sieh nur!“, er hatte drei Bücher bei sich und alle schienen sie von Balbulus selbst zu sein. Er reichte mir eins und als ich es öffnete, sah ich wieder, was er meinte. Ich hatte es schon fast vergessen, wie unglaublich schön diese Bücher waren. „Woher hast du die?“, fragte ich, als ich eine Seite nach der anderen begutachtete. Er zögerte etwas, aber als ich aufsah und ihn ansah, sagte er schnell, dass er die Bücher von Violante habe. „Was? Wieso sollte dir die Hässliche welche von ihren Büchern geben? Ich verstehe nicht, was du meinst. Hast du sie etwa gestohlen?“. Meine Stimme war bei irgendwas zwischen verwirrt, verständnislos und entsetzt. „Nein, nein, keine Angst Meggie. Die Bücher sind nicht gestohlen, sondern Violante hat sie mir selbst gegeben. Ohne sie wäre ich nicht hier. Sie hat mich frei gelassen, mir das Pferd, die asche und die Bücher gegeben. Ich bin ihr sehr dankbar dafür.“, erwiderte er, als wäre es das Normalste der Welt, oder sollte ich sagen dieser Welt? „Sie hat dich einfach so gehen lassen?“ „Ja“ „Ganz ohne einen Haken? Das glaube ich nicht.“ „Naja, also …“, also doch. Ich wusste, dass da noch mehr war, „Ich soll ihr helfen. Und zwar ihren Vater zu töten. Ich weiß das klingt sehr heftig, aber das ist doch eigentlich ein gutes Ziel, oder?“, ich war geschockt. War das sein Ernst? Ich konnte ihn nur noch mit offenem Mund anstarren. Warum tat er so, als wäre das eine Bitte, wie mal eben schnell den Müll raus zu bringen? „Jetzt guck nicht so schockiert, Meggie.“, sagte er nach einer Weile. Wie zur Hölle sollte ich nicht schockiert schauen?! „Das ist nicht dein Ernst, oder Mo?“, kam es dann recht tonlos über meine Lippen. „Ich dachte eben ich würde dich nie wiedersehen! Du kannst dir gar nicht vorstellen, wie allein ich mich die letzten Stunden gefühlt habe. Willst du, dass ich mich mein ganzes Leben so fühlen muss?“ „Na übertreib mal nicht Meggie, ich bin ja nicht gestorben. Und ich werde es auch noch nicht so schnell.“. Ich wollte aber übertreiben! Ich wollte, dass er sich schlecht fühlte, weil er so dumm war mitten in die Burg zu rennen. Und jetzt wollte er auch noch den Natternkopf umbringen. Ich konnte es nicht glauben!
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