Starke Mauern

von -Rhea-
GeschichteKrimi, Romanze / P12
Dr. Anja Licht Franz Hubert
09.04.2018
21.06.2019
6
11109
2
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Hallo :)
Die Geschichte spielt in der Zeit nach "Dringender Tatverdacht".
Es hat mich ziemlich genervt, dass Anja nicht mehr da ist, denke da bin ich nicht die Einzige ;)
Viel Spaß beim Lesen :)
Rhea

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„HUBERT! STALLER!“, tönte es durch die Räume des Präsidiums. Hubert riss es gewaltsam aus seinem Tagtraum, er zuckte zusammen und kippte seine kalt gewordene Tasse Kaffee über eine Akte, die er eigentlich schon längst hätte wegräumen sollen.
Sämtliche Erkenntnisse ihres letzten Mordfalls färbten sich braun, der Kaffe breitete sich unaufhaltsam  auf dem Schreibtisch, der Tastatur und auf Hubsis Hose aus.
„Zifix“, fluchte er und versuchte, den Kaffee mit seiner Lederjacke aufzusaugen.
Staller sah seinem Kollegen stirnrunzelnd zu.
„Du Hubsi?“, fragte er und runzelte die Stirn.
„Hm?“, fragte er.
„Meinst dass die Lederjackn als Lappen taugt?“
„Wos? Oh, da hast recht“, murmelte Hubert und zog sich seine triefende Jacke an.
„Gehmer?“, fragte er.
„Wohin?“, fragte Hansi und zog die Augenbrauen zu einer fragenden Linie zusammen.
„Mei….los?“, kam es von Hubsi, doch Staller wurde eine weitere Erklärung erspart, denn erneut schallte Girwitz‘ Stimme durch die Bürotür herein.
„HUBERT! STALLER! Sind sie taub?“
Und Hubert marschierte voraus in das Büro ihres Chefs, Hansi folgte in einigem Abstand.

„Wie schaut es aus meine Herren?“, fragte Girwitz in gereiztem Tonfall.
„Gut“, antwortete Hubert.
Eine Ader an Girwitz‘ Schläfe pulsierte bereits.
„Ja und das heißt?“, bellte er und starrte Hubert an, von dem er für gewöhnlich die kompakteren Informationen bekam. Seine Hoffnung war allerdings vergebens, Staller sprach:
„Ah wissens Herr Girwitz, der Bericht ist, äh war fertig, äh die Akte….mei da is ein Fleck drauf, aber des is ja alles gspeichert in dem Computer!“
„Gutgut, dann drucken sie das aus und legen es mir auf den Schreibtisch! Aber zügig!“

Fünfzehn Minuten später und zurück in ihrem Büro tippte Hubert unmotiviert auf der Tastatur herum. Staller schmierte auf der Flipchart herum, warf aber immer wieder besorgte Blicke hinüber zu seinem Kollegen. Er sah sich dieses merkwürdige Herumgeeiere  nun schon lange genug an.
Er schlug mit der Faust auf den Tisch, Hubsi fuhr erneut zusammen.
„Zifix, Hansi! Wos solln des?“, bellte Hubert und sah seinen Kollegen verständnislos an.
„Du Hubsi, mir langts langsam. Du benimmst dich wie a Psycho!“
„So a Schmarrn, ned jeder kann so viel dumms Zeug reden wie du Hansi!“
„Na des moin I ned! Seid die Anja weg is von hier sprichst du nix gscheits mehr!“
Hubert zuckte leicht zusammen.
Das stimmte wohl….Vor heute genau acht Wochen war Anja gegangen. Zurück nach München, weg von Wolfratshausen, ihrem toten Freund. Weg von den furchtbaren Erinnerungen und weg von…ihm.
Er erinnerte sich an den Fall zurück, der so viel Hoffnung in ihm geweckt hatte.
Anja fehlte ihm, doch er hatte verstehen können, warum sie wegwollte. Auch wenn es das nicht einfacher machte. Er hatte sie öfters anrufen wollen, doch irgendwie hatte er es dann doch nicht gemacht…..

„Entschuldige Hansi“, sagte er deshalb. Angesichts des überraschten Ausdrucks auf Stallers Gesicht musste er doch schmunzeln.
„Hast was von ihr ghört?“, fragte Staller und Hubert rechnete es ihm hoch an, dass er nicht grinste wie früher, wenn er Andeutungen über Anja und ihn gemacht hatte.
„Na….i wollts net…mei, i moan, sie wollt doch neu anfangen….verstehst?“, sagte Hubsi leise.
Er konnte nicht verhindern, dass seine Stimme traurig klang.
„I würds anrufen…“, meinte Staller nur und zog seine Jacke an. Hubert hörte, wie er sich draußen von Lena und Riedl verabschiedete.
Als er sich umgezogen hatte nahm er sein Handy in die Hand, genauso unentschlossen wie schon die ganze Zeit.
Eine Weile starrte er darauf und gerade als er sich entschlossen hatte, auch Feierabend zu machen, klingelte sein Handy.

Anjas Gesicht lächelte ihn von seinem Display aus an.
Völlig verblüfft schaute er darauf, bevor er abnahm.
„Hallo?“, meldete er sich unsicher.
„Hubsi? Servus,  I bins… die Anja…“
Sie klang abgespannt und müde.
„Anja…wie geht’s dir? Is…is oas okay? I…hätt ned mit am Anruf gerechnet…?“
„Mei…na, s’is ned oas okay. I hob a Problem. I woas ned weiter, s’is zum Verzweifeln.“
„Wos is bassiert?“, fragte Hubert beunruhigt.
„Ach…s’is zum Verzweifeln. I wurd…naja, is ned so wichtig. I wollt nur a freundliche Stimme hörn…verstehst?“
Anja klang tatsächlich recht geknickt, trotzdem musste er lächeln. Schön, dass er wenigstens die freundliche Stimme war.
„Wie kann I dir helfen?“
„Eigentlich goar ned. I wollt di nur nomal sprechen bevor… a seis drum. Machs gut Hubsi. Und bass auf dich auf, ja?“
Weinte sie etwa?
„Anja?“, fragte er besorgt in den Hörer, doch sie hatte aufgelegt.

Da stimmte etwas ganz und gar nicht. Hubert fuhr sich besorgt durch die Haare. Was sollte er tun?
Anja war weggezogen um Abstand zu nehmen… und doch. Sie hatte ihn angerufen.Mit einem mulmigen Gefühl suchte er in der internen Datenbank der Polizei nach Anjas Adresse in München.
Sie hatte sich über acht Wochen nicht gemeldet.
Sie wollte ihre Ruhe haben.
Dass sie jetzt angerufen hatte konnte nichts Gutes bedeuten. Hansi war noch in die Kneipe gegangen und deshalb ausnahmsweise nicht mit dem Auto nach Hause gefahren, also schnappte sich Hubert den Schlüssel von Wagen 3 und fuhr los.

Als er von der A95 abfuhr begann es zu dämmern. Er brauchte eine Weile um die richtige Straße zu finden, doch als er endlich einen Parkplatz gefunden hatte zögerte er. Er war überstürzt aufgebrochen, ohne nachzudenken. Doch jetzt war nicht der richtige Moment um zu zögern. Er stieg aus, zupfte kurz an seinem Hemd herum und klingelte schließlich.
„Hallo?“, klang Anjas Stimme durch die Sprechanlage.
„Ähm… Anja? I bins, der Hubsi. Würd’s mir aufmachn? Bitte?“
„Hubsi??“Er konnte nicht sagen, ob sie sich freute oder nicht, doch zumindest ertönte der Türsummer. Anja wohnte im dritten Stock.
Und sie wartete im Türrahmen. Und sie sah furchtbar aus. Ihr Gesicht war geschwollen und ihre Augen gerötet, es war offensichtlich, dass sie geweint hatte. Sie blickte ihn an, ihr Gesichtsausdruck war nicht zu deuten.
„Servus Anja…I…i hoff i stör net…“
Sie trat zur Seite um ihn einzulassen. Im Flur der kleinen Wohnung drehte er sich zu ihr um. Sie hatte immer noch nichts gesagt.
„Anja. Was is los? I hab mir Sorgen gmacht…“
Sie antwortete nicht, begann aber wieder zu weinen.

Hubert seufzte. Er ging auf sie zu und schloss sie in die Arme. So standen sie eine Weile da, bevor er sie zu ihrem Sofa bugsierte. Sie sah ihn hilflos an und sagte schließlich mit bebender Stimme:

„I muss ins Gfängnis Hubsi. Übermorgen.“
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