Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast 

Milk & Honey

von DonOvis
KurzgeschichteLiebesgeschichte / P12 / FemSlash
Cheryl Blossom Toni Topaz
09.04.2018
14.03.2021
4
4.806
7
Alle Kapitel
8 Reviews
Dieses Kapitel
1 Review
 
26.04.2020 1.490
 
♬ Musikempfehlung
_______________________

Nach dem Vorfall beim Volleyball glaubte Toni eine etwas sensiblere, ruhigere Seite in Cheryl gefunden zu haben, nur um sich jetzt in der Mädchentoilette, das Gegenteil beweisen zu lassen und wieder ihrem Biest gegenüberzustehen. Sie hatte die Rothaarige damit konfrontiert, was sie über Betty und Archie verbreitete – und Toni wollte wissen, warum sie so ein Geheimnis verbreitet. Warum jetzt? Dabei wusste sie es doch schon viel länger als erst am heutigen Tag. Seit Weihnachten hatte sie es für sich behalten, aber heute hatte sie es in die Welt getragen. Was war der Grund dafür? Eifersucht?
Hierbei erhielt sie aber nur die harte und stachelige Schale von Cheryl, welche als Bombshell meinte, keinen Grund zu brauchen. Bullshit! Hier gab es einen sehr tiefen Grund, den Toni nur noch nicht kannte. Allerdings wusste die Serpent, dass so viel mehr hinter ihrer garstigen Geste steckte. Cheryl wehrte sich dagegen, sich ihr zu öffnen, schlug ihre sanfte Hand weg, welche ihr etwas zu nahe kam und schon zischte sie wie eine Schlange, die man bedroht.
Natürlich war Toni wie vor den Kopf gestoßen, nachdem Cheryl sie hier stehen ließ und mit wehenden Haar davonstolzierte. Aber dieses Mädchen ließ ihre keine Ruhe. Was steckte tief in ihr? Wieso kümmerte es sonst keinen? Es schien niemanden zu interessieren, warum "Cheryl Bombshell" so ist, wie sie ist.

An diesem Nachmittag versuchte Toni ihr Glück, im Trailer ihres Onkels unterzukommen. Sie hatte erst gestern den Schlüssel zurückbekommen und saß nun am Tisch, um ihre Hausaufgaben zu machen. Nur war es eine Frage der Zeit, bis sie wieder auf der Straße landet. Ein falsches Wort, ein falscher Blick – ein falscher Atemzug reichte aus, um diesen Mann zu reizen.
Es wäre wohl das Beste, wenn sie ihrem Onkel aus dem Weg geht, wie sie es bei den Cheerleadern der Riverdale High übte, um keinen Ärger zu bekommen. Nur war es nicht immer so einfach.

„Wo ist denn deine schicke Uniform hin? Hat man dich schon rausgeworfen?“, lallte Toni's Onkel, der mit einer Flasche Bier durch die Türe trampelte und sie geräuschvoll hinter sich schloss. Direkt von der Bar in den Trailer hinein, wie es schien. Lallend zog er eine stinkende Wolke von Alkohol hinter sich her, dass Toni unbeabsichtigt die Nase rümpfte.
„Die müssen wir nicht mehr tragen. Sie haben die Regeln etwas gelockert“, erklärte Toni kurz und knapp, welche den Blick von ihren Hausaufgaben hob, um ihrem Onkel nachzusehen, der direkt und ohne weitere Umschweife ins Wohnzimmer torkelte, um sich dort auf das Sofa zu werfen. Ein Atemzug, als wäre er einen Marathon gelaufen, presste sich aus seinen Lungen, dass er diese mit einer Zigarette beruhigte, die er sich anzündete. Toni seufzte bei dessen Anblick. Warum konnte er nicht in der Bar bleiben? Wahrscheinlich hatte man ihn wieder rausgeworfen und nun verbrachte er den restlichen Abend im Trailer. Kein guter Ansatz, um ihm aus dem Weg zu gehen.
Dann war es wohl besser, wenn sie ihre Sachen packt und ins Zimmer geht, wie ihr schon der laute Fernseher deutlich machte, bei welchem sie sich sowieso nicht konzentrieren konnte. Ein Zimmer, welches mehr einer Abstellkammer glich, sowie es nur aus einem Bett und einer Kommode bestand, nachdem sich Toni sonst sowieso nichts leisten konnte. Ihr persönliches Hab und Gut, abseits ihrer Klamotten, passte in ihren Rucksack. Denn das Geld, welches sie sich durch das abendliche Kellnern im Whyte Wyrm verdiente, brauchte sie zum Leben. Luxus war etwas, was sie nicht kannte.

„Bring mir noch ein Bier, Toni“, tönte ihr Onkel, als er den letzten Schluck von seinem Bier trank und es auf den Tisch stellte. Toni seufzte, zögerte einen Moment, sowie sie ihre Sachen ins Zimmer trug und ging daraufhin zum Wohnzimmertisch, um die leere Flasche zu nehmen und sie in den Müll zu werfen. „Meinst du nicht, du hattest für heute schon genug?“, fragte Toni und noch während sie es aussprach, wusste sie, dass sie zu viel gesagt hat. Warum hatte sie sich diesen simplen Kommentar nicht verkneifen können? Innerlich schellte sie sich selbst dafür.
„Das schon wieder? Ernsthaft? Müssen wir das schon wieder durchkauen, Toni?“, knurrte ihr Onkel, der sich vom Fernseher abwandte, um der jungen Topaz nachzusehen, die an der Küchennische stand und seufzte. „Nein, es war nur ein Ged-“, aber weiter kam sie nicht. „Halt endlich deine undankbare und freche Klappe, hörst du? Verdammte Scheiße! Du bist nur hier, weil ich es deinem Dad versprochen habe! Wenn es nach mir ginge, würde ich dich vor die Tür setzen und dich nicht mehr rein lassen. Dann kannst du sehen, wie du klar kommst und dort draußen verroten.“ Worte, die sie nicht zum ersten Mal hörte. Als würden sie sich jede Woche wiederholen.
„Ich komme besser klar, als du denkst ...“, gab sie leise, aber nicht leise genug von sich, dass ihr alkoholisierter Onkel noch wütender schnaufte. „Du undankbares Mistbalg! Ich zwing dich nicht, hier zu sein, klar?! Du kannst verdammt noch einmal gehen. Jederzeit. Am liebsten wäre es mir, wenn du gar nicht mehr zurück gekrochen kommst! Haben die beschissenen Serpents keinen Platz für dich? Warum muss ich mich eigentlich um dich blöde Göre kümmern? Scheiße! Ich hab dafür echt keinen Nerv mehr“, wurde er immer lauter und mit den letzten Worten war er aufgestanden, dass Toni bereits befürchtete, dass er wieder handgreiflich werden könnte. Dabei hatte sie sich wirklich Mühe gegeben, nicht zu aufsässig zu sein. Es gab so viele Momente, da waren sich die beiden mehr in die Haare gekommen, als jetzt. Aber offenbar reichte es mittlerweile aus, wenn Toni ihre Lippen öffnete. Mehr brauchte es nicht mehr.

Eilig packte Toni ihre Schulsachen vom Tisch. Aber nicht, um ins Zimmer zu gehen, wie sie es vor wenigen Minuten noch vorhatte, sondern um für diese Nacht wieder abzuhauen. Allerdings war sie nicht schnell genug, um das Weite zu suchen, als ihr Onkel ihre Schulbücher regelrecht aus ihren Händen riss. „Ich bin dich so leid! Ständig beklagst du dich, ständig widersetzt du dich, du bist all den Ärger nicht Wert. Ein Wunder, dass dich die Serpents und die Riverdale High noch nicht rausgeworfen haben“, raunte er wütend. Einige der Papiere waren bereits zu Boden gesegelt, die keinen Halt auf ihren Büchern hatten, die sie nicht loslassen wollte.
„Lass meine Sachen los. Ich verschwinde sofort, versprochen!“, gab Toni hektisch von sich, welche noch das gröbste Verhindern wollte, indem sie direkt kapitulierte und abhauen wollte. Wo sie heute Nacht unterkommt, war erst die nächste Frage, um die sie sich kümmert, wenn sie zur Türe raus ist, denn vorher wollte sie hier ohne eine Ohrfeige oder blauen Flecken rauskommen, dass ihr Herz nervös klopfte, so nahe wie ihr Onkel ihr war und die Bücher erbittert festhielt.
„Bitte las los“, gab sie nur noch von sich und mit einem Mal hatte er so fest daran gezogen, dass die Bücher durch den Trailer flogen, die losen Papiere durch die Luft schwebten und die Hand ihres Onkels im nächsten Moment gegen ihre Wange knallte, dass Toni ungehalten auf ihre Knie ging.

„Ich will dich hier nich' mehr sehen, kapiert? Es reicht mir, es ist jedes Mal das gleiche, dämliche Theater mit dir! Ich bin fertig mit dir, Toni! Ich scheiß drauf, was dein Vater sagt, den sehen wir sowieso nie wieder. Bevor der aus dem Knast kommt, ist der drei Mal krepiert“, schnaufte der Mann mit den schwarzen Haaren und dem dunklen Blick, der über Toni thronte, die dort am Boden noch kleiner wirkte, als ohnehin schon.
Kein Widerwort verließ ihre Lippen, während sie damit begann, ihre Bücher und die Zettel einzusammeln, die durch den Trailer geflogen waren. Sie wollte hier nur noch weg. Einfach nur weg. Egal wohin.

Es war nicht das erste Mal, dass Toni inmitten der Nacht im Steinbruch saß, auf der zerschlissenen Couch zwischen den brennenden Tonnen, wo im Hintergrund die Wände mit dem Graffiti der Jungserpents bemalt waren. Weder Fangs noch Sweet Pea hatten an diesem Abend einen Platz für sie, dass sie sich damit zufrieden geben musste. Besser als nichts und zum Glück regnete es nicht, während sie eine Wolldecke ergattern konnte, was ihr Onkel nicht einmal mehr bemerkte, als sie den Trailer still und leise verließ.
In der Hand hielt sie ihr Smartphone, welches zumindest noch ausreichend Akku hatte. Dort konnte sie noch sehen, wie Cheryl ein Foto von sich hochstellte. Sie trug ein seidenes Nachthemd, im Hintergrund war ihr luxuriöses Zimmer zu erhaschen, während sie einen warmen Kakao mit Marshmallows schlürfte. Es war eine inszenierte Szene, mit den üblichen Hashtags: #CherylBombshell #Thistlehouse #Cozynight

Obwohl sie jeden Grund dazu hatte, konnte sie ihr nicht einmal böse sein, wenngleich ein Hauch von Eifersucht in ihr glimmte. Wie konnte jemand, dem es so gut ging, nur so sein? Cheryl wuchs mit dem goldenen Löffel im Mund auf, während Toni froh sein konnte, überhaupt einen Löffel zu bekommen. Hatte dieses Mädchen einfach keine Ahnung oder steckte da mehr dahinter? War sie wirklich, wer sie vorgab zu sein? Wer war Cheryl wirklich?
Review schreiben
 Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast