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Wir haben ein Problem!

von winter81
Kurzbeschreibung
GeschichteLiebesgeschichte / P12 / Gen
08.04.2018
25.05.2018
6
4.844
8
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25.05.2018 822
 
Es klingelte und Emily schaute auf. "Wer ist denn das noch?" "Ich mach schon auf.", rief ihre Mutter. Ellen lief zur Tür und öffnete sie. Nikolas schaute sie an und grüßte knapp. Sie sah ihm an, dass er immer noch verärgert war. Er schaute zur Seite und schürzte die Lippen, was er immer tag, wenn es in ihm brodelte. "Was gibt es?", zischte er. Ellen versuchte seine Hand zu nehmen, aber er zog sie weg. "Du hast mich herbestellt und ich bin gekommen. Aber jetzt wäre ich dir dankbar, wenn du zur Sache kommen würdest." Er sah ihr direkt in die Augen, der Blick schneidend und hart, sein Unterkiefer war angespannt. Aber Ellen sah auch eine große Unsicherheit. Er war verletzt, er hatte Angst. Sie atmete langsam aus und griff erneut nach seiner Hand. Entschlossen und kräftig packte sie zu und zog ihn durch die geöffnete Tür.

"Erstmal kommst du rein.", sagte sie, nahm ihm die Jacke ab und hängte sei auf. Emily bog um die Ecke. "He Nikolas. Na, noch so spät unterwegs?" "Hi Emily. Du weißt doch, ich bin immer im Dienst." Ellen erkannte diese Taktik `Ich muss deine Mutter noch dienstlich sprechen.´ Ein alter Trick, den sie häufig angewandt hatten. "Nikolas ist hier, weil ich ihn hierher gebeten habe." Heute würde es anders laufen. Beide drehten sich gleichzeitig zu ihr um. Nikolas zog die Stirn in Falten, sagte jedoch nichts. Emily war es, die ihre Sprache wiederfand. "Aha und warum?" In diesem Moment klingelte es. "Das Essen.", sagte Ellen und ging wieder zur Tür. "Hast du wieder Pizza bestellt, Nikolas?", fragte Emily. "Nein, ich war´s." Ellen öffnete die Tür, bezahlte den Boten großzügig und kam mit der riesigen Schachtel in die Wohnung. Nikolas und Emily starrten sie verwirrt an, keiner sagte etwas oder bewegte sich. "Was denn? Eure Lieblingssorte mit doppelt Käse." "Ok, hier geht irgendetwas sehr Merkwürdiges vor sich.", Nikolas tauschte mit Emily einen skeptischen Blick. "Quatsch nicht so viel, sonst wird das Essen kalt." Ellen reichte ihrer Tochter den Karton und scheuchte sie ins Wohnzimmer. Nikolas und Ellen blieben im Flur zurück.

"Es tut mir leid.", flüsterte Ellen. "Ich habe dich verletzt. Es war nicht fair. Ich hatte Angst und war unsicher." Nikolas starrte auf den Fußboden. "Was hat sich geändert?", fragte er. Auch seine Stimme war nicht viel mehr als ein Flüstern, seine Stimme war belegt, klang rau, kratzig. "Nichts...alles.", sie zuckte die Schultern. "Du hattest Recht. Ich musste eine Entscheidung treffen und ich kann mich nicht immer verstecken." Sie ging auf ihn zu, nahm seine beiden Hände und hielt sie fest. "Du bist mir sehr wichtig. Ich liebe dich! Und ich hoffe, du kannst mir meine Unsicherheit verzeihen." Bevor er etwas antworten konnte, drang Emilys Stimme aus dem Wohnzimmer. "Wenn ihr nicht gleich kommt, ess ich die Pizza ohne euch." Ellen ließ langsam seine Hände los und wandte sich in Richtung Tür. Kaum hatte sie einen Schritt getan, griff er nach ihr. "Ellen.", er schaute sie an, seine Wut war weg, sein Blick sanft und liebevoll. Mit seinem Daumen streichelte er ihr über die Hand. "Ich weiß nicht, was da drin gleich los sein wird.", er wies in die Richtung, in der Emily mit der Pizza verschwunden war. "Aber wir werden es zusammen durchstehen.", er drückte ihre Hand, lächelte und zog sie an sich. "Ich liebe dich!", raunte er ihr leise zu. "Und daran wird sich auch nichts ändern."

Hand in Hand betraten sie das Wohnzimmer. Emily saß mit dem Rücken zu ihnen auf dem Fußboden vor dem Couchtisch. "Emily,", Ellens Stimme schwankte leise, "wir müssen mit dir reden." Er konnte ihre Nervosität deutlich spüren. Ruhig bleiben und die Nerven behalten. Nikolas verstärkte sanft den Druck auf ihre Hand, er nickte ihr zu. Ellen musste an Frau Dr. Holle denken und an die Frage von Nikolas, ob sie sich für ihn schämen würde. Nein, sie hatte einfach nur Angst gehabt. Angst davor einen Menschen näher an sich heranzulassen. Sich wieder jemanden zu öffnen und Gefahr zu laufen, verletzt zu werden. Sie hatte Angst vor der Reaktion ihrer Tochter gehabt. Angst, die Situation nicht mehr im Griff zu haben. Manchmal kennt man den Ausgang einer Geschichte nicht, man muss darauf vertrauen, dass sie gut ausgehen könnte. Das muss reichen. Zeit mit dem Versteckspiel aufzuhören!

Emily drehte sich schließlich um, sah hoch und schaute beide an. Ihre Mutter und Nikolas Hand in Hand. Man sah deutlich wie ihre Verwirrung langsam der Erkenntnis wich. Keiner sagte ein Wort. Dann schlug sie sich die Hände vor das Gesicht. "Man, wie konnte ich nur so blöd sein!"
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