Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast 

Wir haben ein Problem!

von winter81
Kurzbeschreibung
GeschichteLiebesgeschichte / P12 / Gen
08.04.2018
25.05.2018
6
4.844
8
Alle Kapitel
8 Reviews
Dieses Kapitel
1 Review
 
15.04.2018 747
 
"Was mache ich denn jetzt?", Ellen schluckte hart. Es hatte nur ein paar Minuten gedauert, Nikolas alles zu erklären. Zunächst besorgt, hatte er sich schließlich in einen der Besucherstühle plumpsen lassen und angefangen, die Besucherkekse zu mampfen. Sie war die ganze Zeit auf und ab gelaufen. Es machte sie wahnsinnig, wenn er so ruhig blieb. Das gab ihr das Gefühl die Kontrolle zu verlieren und das hasste sie.

"Also da gibt es nur eine Lösung.", meinte er schließlich. Sie drehte sich zu ihm um und verschränkte die Arme. "Und was wäre das?" Er sah sie nicht an, sondern fingerte in der Keksdose nach dem letzten mit Karamellfüllung. "Sag es ihr." Mit einem triumphierenden Grinsen zog er den Keks heraus, schob ihn sich in den Mund und kaute genüsslich. Der hat doch nichts begriffen, dachte sie. "Das kann ich nicht.", sagte sie laut. "Ach und warum nich?" Nikolas lehnte sich zurück und wippte mit der Rückenlehne. "Weil...weil... Ich kann einfach nicht." Da man nicht ewig auf Keksen herum kauen kann, schluckte Nikolas und schaute mit wachsendem Interesse seiner Freundin zu. Nach seiner Meinung musste eine Entscheidung getroffen werden. Ellen musste eine Entscheidung treffen. Beiden war - immer schon - klar gewesen, dass dieser Zeitpunkt irgendwann kommen würde, zwangsläufig kommen musste. Ihr kleines Geheimnis drohte aufzufliegen. Jetzt hieß es Farbe bekennen. Aber wo war jetzt das Problem? Ihm war klar, dass er im Zweifel der Verlierer sein würde. Wäre Emily gegen die Beziehung, hätte er automatisch verloren. Bei diesem Gedanken schlug ihm das Herz bis zum Hals. Aber war das ein Grund, es nicht wenigstens zu versuchen?

"Es wird Zeit Ellen.", sagte er - zu seiner eigenen Überraschung - ziemlich bestimmt. "Es wird Zeit, dass du es ihr sagst." Er stand auf, kam auf sie zu und legte seine Hände auf ihre Schultern. "Emily ist zu clever. Was mich nicht wundert, schließlich ist sie deine Tochter.", er lächelte. "Irgendwann hätte sie es sowieso gemerkt und es ist doch jetzt besser als sonst wann." "Ich weiß, aber muss das jetzt sein?" "Ich sehe keinen Unterschied zwischen jetzt und wann auch immer. Emily verdient die Wahrheit." "Was ist, wenn es schief geht?" "Was ist, wenn es gut geht?" Ellen schüttelte den Kopf. "Es ist zu früh!" Man konnte diese Frau stur sein. Außerdem beschlich ihn langsam ein Gefühl, das er ganz und gar nicht mochte.

"Für wen ist es zu früh? Für Emily oder für dich?" Ellen sah Nikolas erschrocken an. "Wovor fürchtest du dich Ellen?" Das Emily das mit uns nicht gut heißen könnte? Das ist ein Risiko, das wir eingehen müssen. Ansonsten werden wir nie die Chance haben richtig glücklich zu sein." Er ging zum Fenster, sah hinaus, vergrub die Hände in die Hosentaschen. "Wie meinst du das?", langsam trat sie an ihn heran. "Ich dachte, du wärst glücklich.", ihre Stimme war leise. Er lächelte milde. "Natürlich bin ich das. Aber...", er zuckte die Schultern, ihm fehlten die Worte. "Wir sind seit Wochen zusammen und ich könnte vor Glück die Welt umarmen. Ich könnte es in die Welt hinausschreien. Sechs Jahre, Ellen, sechs Jahre haben wir verschwendet. Das sollen nicht noch mehr werden. Noch nie war mir etwas so ernst wie diese Beziehung. Ich liebe dich, Ellen. Ich will es mit der Welt teilen. Und Emily ist ein Teil dieser Welt, ein sehr wichtiger Teil.... Du bist ihre Mutter und vielleicht... bin ich für sie das, was einem Vater am nächsten kommen würde.", er wandte sich zu ihr. "Versteh mich doch. Ich will sie nicht verletzten, aber jeder Tag, an dem du nichts sagst, wird sie verletzten.", er hatte ruhig gesprochen, kontrolliert und hatte immer wieder Pausen gemacht. Wie hypnotisiert hatte sie ihm zugehört. Das war nicht mehr der alte Kindskopf, er war erwachsen geworden, gereift. Beide schwiegen.

"Ellen, schämst du dich für mich?", die Frage kam direkt und ein Faustschlag hätte nicht mehr Wucht haben können. Sie riss Ellen unbarmherzig in die Realität zurück. "Wie kommst du darauf?", sie war vor Schreck bleich geworden. "Für mich ist das die einzige Erklärung, warum es dir so schwer fällt eine Entscheidung zu treffen.", er sah sie durchdringend an und sie wusste, dass er eine Antwort hierauf haben wollte.
 Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast