Wir haben ein Problem!

von winter81
GeschichteRomanze / P12
08.04.2018
25.05.2018
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08.04.2018 618
 
Beschwingt ging sie durch die Küche. Ihre Haare, zu einem Pferdeschwanz gebunden, wippten aufgeregt hin und her. Sie summte leise vor sich hin und war in Gedanken ganz weit weg. Emily stellte sich hinter sie und schaute von ihrem Handy hoch. Wieder so gute Laune, dachte sie. Sie beobachtete die Szenerie noch eine Weile, so wie sie es schon häufiger getan hatte die letzten paar Wochen.

Anfangs war es ihr gar nicht aufgefallen, so dass sie nicht wusste, wann es seinen Anfang genommen hatte. Bis Jeanette bei ihr übernachtet hatte. Als ihre Mutter das Haus verlassen hatte, hatte sich ihre Freundin noch ein Brötchen gegriffen. "Na, der geht es ja gut." "Wem?" "Deiner Mutter!", Jeanette nahm einen Schluck Tee. Ihre Mutter war allein erziehend und hatte seit einigen Wochen einen neuen Freund. Emily hatte die Stirn gerunzelt. "Keine Ahnung.", hatte sie nur gebrummt und auf ihr Handy geschaut. "Man was merkst du eigentlich noch?", Jeanette stupste Emily in die Seite. "Als meine Mum so gute Laune hatte, hatte das mit Sam gerade angefangen.", ihre Freundin lächelte breit. "Quatsch nich so ein Blödsinn. Bevor meine Mutter einen Freund hat, habe ich einen." Emily nippte an ihrem O-Saft. "Glaub´s mir oder lass es bleiben. Aber da steckt was dahinter.", Jeanette biss herzhaft ins Brötchen.

Damals hatte Emily das alles abgetan und nur milde gelächelt. Aber ein Rest Zweifel blieb. Also hatte sie sich auf die Lauer gelegt und abgewartet. Jeder Tag, der verging, ließ die Erkenntnis in ihr reifen wie eine Frucht. Glaubte sie am Anfang noch an Zufälle, wich diese Einstellung immer mehr der Erkenntnis. Heute war der Tag, an der sie die Sache klären musste, sonst würde sie noch platzen. "Mama, hast du einen Freund?"

Es war, als hätte man Ellen eingefroren. Sie erstarrte mitten in der Bewegung und die Spülbürste fiel mit einem Poltern in die Spüle. Sekundenlang war es totenstill im Raum. Äußerlich war Ellen erstarrt, aber innerlich rasten ihre Gedanken. Mein Gott, woher weiß sie es? Wie habe ich mich verraten? Was sage ich ihr? Vor ein paar Sekunden hatte ihr größtes Problem darin bestanden, was sie zum Mittag essen wollte und jetzt? Bleib cool Ellie. Du bist eine erfahrene Staatsanwältin und hast schon so manche Nuss geknackt. Du schaffst das! Innerlich schüttelte sie den Kopf. Nicht mal sich selbst konnte sie davon überzeugen. Du solltest sie wenigstens ansehen.

Langsam - für ihren Geschmack - viel zu langsam - drehte sie sich zu ihrer Tochter um. Wann war Emily eigentlich so groß geworden. 16 Jahre alt und sie wurde immer hübscher. Sie hatte vor sich eine jüngere Ausgabe von sich selbst und sie war so stolz auf sie. Lügen? Nein, lügen konnte sie nicht. Das war ihre Tochter, sie verdiente die Wahrheit. Dann würde sie es jetzt sagen, sie musste es tun. "Ähhhh..." Das war alles? Ellen war von sich selbst erschüttert und fassungslos. Jetzt kam es darauf an und das Einzige, was sie zustande bracht, war äh? Mädel, wie tief bist du gesunken?

Emily legte den Kopf schief. Das machte sie immer, wenn sie über etwas nachdachte oder sie etwas beschäftigte. Da nichts von ihrer Mutter kam, zog sie die Stirn in Falten. "Na?" Ellen wollte etwas sagen, aber sie konnte es nicht. Das einzige, was aus ihrem Mund kam, war ein "Äh..." Emily schnitt eine Grimasse, ihr reichte es. "Gut, ich muss jetzt zur Schule. Dann reden wir heute Abend, ja?" Sie wartete eine Bestätigung nicht mehr ab, sondern schnappte sich Jacke und Tasche und schon war sie draußen. Das dritte "Äh..." ihrer Mutter verpasste sie.