Die Leiden des Jungen Werther: Alternatives Ende

von Loktors
GeschichteRomanze, Schmerz/Trost / P6
08.04.2018
08.04.2018
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Er saß wieder da am kleinen Hügel, umgeben vom saftigen grünen Grashalmen, die sich im leisen Wind zu ihm beugten. Seine Zeichenblätter auf seinem Schoß haltend, hatte sich Werther seinen Stift mitgenommen und zeichnete. Hier. Wo scheinbar alles seinen Anfang genommen hatte.
Acht Monate war es mittlerweile her gewesen. Acht Monate, seitdem er sie das letzte Mal gesehen hatte. Werther vermochte nicht mal diesen Namen in Gedanken auszusprechen. Doch war diese Angst überhaupt berechtigt?
Ihm war es so furchtbar wie noch nie ergangen, so kurz, nachdem er realisiert hatte, dass sie ihn niemals lieben würde. Es hatte sein Herz in Fetzen gerissen. Er ist in ein tiefes Loch gefallen. Er erinnerte sich; an alles, was er durchgemacht hatte. Und das alles nur wegen ihr: dieser einen Frau, die er nicht loslassen konnte. Sein Herz hatte sich so fest an ihr geklammert, hat sich von ihr ernährt. Doch als sie weg war, verhungerte es und verkümmerte.
Doch in diesen dunkelsten Stunden hatte Werther etwas verstanden; etwas Entscheidenes. Dass sie der Grund allein für all seine Schmerzen waren, und er sie verbannen musste. Werther wollte sich nicht mehr nur dem Dunklen hingeben. Er musste aus dem tiefen Loch, in das er gefallen war, wieder herauskommen, ansonsten würde er sterben.
Und genau das tat er. Er fasste den Mut, und begann zu klettern. Höher, und immer höher, solange, bis er das Licht wieder sehen konnte.
Bis er wieder hier saß. Befreit und erleichtert von allen, was ihn belastet hatte. Er hatte vermutlich die wichtigste Lektion in seinem Leben gelernt. Er verstand sie, indem er vor sich sah. Denn so wie sich das Gras im Wind beugte, so wurde auch er vom Leben hin und her bewegt. Manchmal dorthin, wo es ihm schlecht ging. Aber der Wind würde sich eines Tages drehen und ihn dorthin bringen, wo es ihm gut ging. Die Lösung lauerte all die schwere Zeit vor seiner Nase.
Werther atmete einmal kurz durch, die frische Luft und Energie der Natur auf sich nehmend. Im Anblick letzterer schien sein Problem so klein, so wertlos zu sein.
Werther fasste den Mut und wagte das, was ihm vorher so unmöglich vorgekommen war.
„Lotte“, sprach er leise vor sich hin. Beim ersten Mal fühlte er eine kleine Regung im Herzen, so als ob etwas tief Verstecktes in ihm kurz aufschreien würde.
„Lotte“, wiederholte er und fühlte, wie diese Stimme wieder hervorkam, aber leiser und unbedeutender.
Beim dritten Mal „Lotte“ hörte Werther gar nichts mehr. Sein Herz pochte im Einklang mit seinem Verstand. Endlich wieder.
Gedankenversunken zeichnete er weiter, ohne sich auf sein Handwerk wirklich zu konzentrieren oder sich einen Gegenstand auszusuchen, den er malen konnte. Er sah nicht mal wirklich auf sein Blatt, als würde sein Körper von selbst zeichnen.
Er hatte Derartiges noch nie gezeichnet. Und doch sah es so aus, als hätte er nie etwas anderes gemacht. Auf seinem Blatt war ein Mann abgebildet, der vor einer Klippe stand und nachdenklich hinab in ein Tal voller Berge blickte, umgeben von zerklüfteten Bergen.
„Habe ich mich selbst gezeichnet?“, fragte sich der Werther. Die Antwort konnte er sich jedoch selbst geben.
Fertig mit seiner Arbeit, erhob sich Werther, klopfte sich seine Kleidung sauber und packte all seine Sachen zusammen, bereit zum Aufbruch. Die Sonne stand bereits tief. Er drehte sich um, woraufhin er völlig unerwartet und urplötzlich Lotte vor ihm stehen sah
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