The musing of a servant girl

OneshotFamilie / P18
Catherine de' Medici Diane de Poitiers Kenna King Henry II of France
08.04.2018
04.06.2018
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Disclaimer: „Reign“ oder die darin verwendeten Personen gehören leider nicht mir. Die Verletzungen irgendwelcher Rechte sind nicht beabsichtigt.
Pairing: kind of Catherine/Henry - Cathry
Rating: PG
Katergorie: Other Person POV
Summery: Erinnert ihr euch an die Szene, in der Catherine Diane sagt, dass sie froh darüber ist, dass Henry andersweilig beschäftigt ist und sich deshalb nicht auf ihr abrackert? Irgendwie hat mich diese Szene verfolgt und ich hatte das Bedürfnis, sie in einen anderen Kontext zu bringen.


The musing of a servant girl


Dicke Flocken tanzen in einem dichten Treiben den winterlichen Himmel hinab und begraben die königlichen Gärten unter einer dicken Schneedecke. Eisblumen haben sich auf den Fensterscheiben gebildet und glitzern silbern im fahlen Licht des Feuerscheins. Ich liebe den Winter, die Reinheit des ersten Schnees und seine Macht, einen Mantel der Stille über dem Land auszubreiten.
„Starr nicht ins Leere sondern spute dich“, Claudettes Worte reißen mich aus meiner Träumerei und erinnern mich daran, dass ich nicht hier bin, um mich in meinen Tagträumen zu verlieren. Ich schlucke kurz, nicke und reiße mich dann von dem fesselnden Anblick vorweihnachtlicher Stille los um zurück ins Hier und Jetzt zu tauchen.

Um mich herum herrscht hektisches Treiben. Dienstmädchen, Küchenjungen und die Dienerschar der königlichen Familie schwirren durch die Backstube um den Nachmittagskaffee im Damensalon zu richten. Die Bäckersfrau am anderen Ende des Raums ist noch damit beschäftigt, eine eindrucksvolle, dreistöckige Torte mit Sahne und frischen Früchten zu dekorieren, während ihr Mann einen der Burschen anschreit, dem ein Topf Grieß angebrannt ist.
„Hier, mach dich nützlich!“, faucht Claudette, die Personalvorsteherin, und drückt mir zwei Kannen mit kochend heißem, frisch aufgegossenen Tee in die Hand und scheucht mich aus der Stube.
„Soll ich wirklich...ich meine, ich habe noch nie...?“, die restlichen Worte bleiben mir im Hals stecken. Zudem wäre sowieso niemand hier, um mir meine unausgesprochene Frage zu beantworten.

Verunsichert starre ich auf die Kannen in meinen Händen, deren heiße Henkel mir bereits jetzt die Finger zu verbrennen drohen.
„Komm, worauf wartest du?“, hinter mir erscheint Michelle mit einem Tablett voller Gebäck, das herrlich nach Zimt  und frischem Lebkuchen duftet. Ich folge ihr, froh, nicht mehr allein den hochgeborenen Herrschaften entgegentreten zu müssen.

Das ist das erste Mal, dass mir die Aufgabe zufällt, die königlichen Damen und ihre Ladys zu bedienen. Bisher habe ich neben meinen Tätigkeiten in der Küche lediglich Tische eingedeckt, kalte Platten vor den Mahlzeiten aufgetragen, Tische abgeräumt und Besteck poliert.
Mit wachsender Nervosität eile ich hinter Michelle her, die ob der ihr bevorstehenden Aufgabe nicht einmal ein bisschen aufgeregt wirkt. Michelle ist zwei Jahre älter als ich, stammt aus einen Nachbardorf und arbeitet bereits seit über einem Jahr im Schloss. Im Gegensatz zu mir ist sie groß gewachsen und gertenschlank. Sie hat nussbraunes Haar, dass sie wie ich unter einer Haube verborgen trägt und ich weiß dass sie davon träumt, zur Zofe ihrer Majestät aufzusteigen.

Ich selbst habe Königin Catherine erst zwei Mal zu Gesicht bekommen und ich würde lügen, wenn mich eine dieser Begegnungen nicht verängstigt hätten, auch wenn ihre harschen Worte nicht mir, sondern einem der unachtsamen Burschen hinter mir galten, der beinahe mit ihrer Hoheit kollidiert wäre. Allein die Erinnerung an diesen Vorfall lässt mich in kalten Schweiß ausbrechen. Ich möchte  niemals die Auslöserin eines Zornausbruchs der legendären Medici Königin sein.

Als wir den Salon erreichen, öffnen die Diener augenblicklich die Türen für uns und eine Sekunde später finde ich mich in einer völlig anderen Welt wieder. Elegante Damen in wunderschönen, aufwändig gearbeiteten Roben in allen Farben des Regenbogens haben sich hier versammelt um in Gesellschaft ihrer Majestät den Nachmittag zu verbringen. Und während ich noch wie gebannt diesen Anblick von weiblicher Schönheit und Grazie in mich aufsauge, steuert Michelle bereits auf  eine mächtige Tafel zu und stellt dort ihr wuchtiges Tablett ab. Ich will es ihr gleich tun, doch sie schüttelt energisch ihren Kopf.

„Nein, du Dummchen, wir schenken den Damen den Tee persönlich ein“, informiert sie mich und ich starre sie erschrocken an, während meine Beine bedenklich weich werden und drohen, ihren Dienst zu quittieren.
„Was?“, bringe ich krächzend hervor und werde unsanft von Michelle zur Seite gezogen um zwei jungen Männern platz zu machen, die die Torte hinein tragen.
„Ist ganz einfach, du fragst, ob die jeweilige Dame Tee möchte und schenkst ihr dann ein.“ Und schon schubst sie mich in Richtung eines Tisches, an dem die Königin Schottlands mit ihren Hofdamen sitzt.

„Ähm, Tee?“, bringe ich mit unnatürlich hoher Stimme hervor und würde am liebsten im Erdboden versinken. Zu meiner Überraschung schenkt mir Mary ein herzliches, beinahe schon Zuversicht spendendes Lächeln und nickt mir zu. Ich bemühe mich ebenfalls um ein Lächeln, das wahrscheinlich eher wie eine Grimasse anmutet. Meine Hände zittern, als ich zuerst ihren Becher und dann den von Lady Lola, Lady Aylee und Lady Kenna fülle.

„Die hat Nerven, hier einfach aufzutauchen!“, zischt plötzlich Letztere und für einen kurzen Augenblick nehme ich an, dass sie mich meint. Dann aber bemerke ich, dass sich die Blicke aller Ladys auf eine ältere, dunkelhaarige Frau in einem jadegrünen Kleid richten, die soeben den Salon betreten hat. Lady Diane de Portiers, die offizielle Mätresse des Königs.
„Sie hat genauso ein Anrecht darauf, sich hier aufzuhalten, wie wir“, entgegnet Lady Aylee mit gesenkter Stimme und nippt an ihrem Tee. Ihr Haar hat die gleiche Farbe wie meines, doch im Gegensatz zu mir trägt sie es  offen, bis auf einzelne geflochtene Strähnen, die mit reichlich Perlen verziert sind.
Die dunkelhaarige Lady Kenna schüttelt daraufhin verärgert ihren Kopf und beginnt, sich bei ihren Freundinnen über die andere Frau auszulassen.
Ich mache einen ungelenken Knicks, den keine der Fünf beachtet und entferne mich von ihrem Tisch um den anderen anwesenden Damen Tee anzubieten.

Zu meiner Überraschung findet am Nebentisch eine ähnlich hitzige Debatte statt, in deren Mittelpunkt dieses Mal jedoch Lady Kenna steht. Lady Eugenie, eine ebenfalls dunkelhaarige Schönheit in einem Traum aus türkisblauer Seide, die vor zwei Tagen aus dem Norden angereist ist, hat sich zu ihrer Bekannten, einer einflußreichen, älteren Dame mit grauen Löckchen und verkniffenem Gesichtsausdruck vorgebeugt und echauffiert sich über die junge Geliebte seiner Majestät.
„Kein Mann mag es, derart bedrängt zu werden. Erst recht kein König. Da kann das Fleisch noch so fest und der Körper noch so willig sein. Ich habe gehört, dass er ihr mittlerweile sogar verboten haben soll, während des Liebesspiels auch nur den Mund aufzumachen, weil er ihre Stimme nicht mehr ertragen kann. Ein nervtötendes, kleines Ding.“
Die ältere der beiden Frauen tätschelt Lady Eugenie in einer beruhigenden Geste die Hand.
„Grämt euch nicht wegen dieses Kindes. Ganz sicher wird sich König Henry sehr über Euren Besuch am Hofe freuen, meine Liebe.“ Dann werfen die beiden Lady Kenna erneut einen giftigen Blick zu, die sich ihrer Neider nicht einmal bewusst zu sein scheint.

Ich gehe weiter, versuche die Gespräche, die ich aufgeschnappt habe auszublenden, doch es gelingt mir nicht. Unwillkürlich schweift mein Blick zu dem Tisch, den Michelle für sich in Anspruch genommen hat. Der, an dem ihre königliche Hoheit, Catherine de Medici mit zwei ihrer Hofdamen sitzt.
Ich betrachte die Königin kurz und komme nicht umhin, sie für ihre aufrechte, hoheitsvolle Haltung zu bewundern. Die Monarchin trägt ein hochgeschlossenes rotes Kleid, das mit reichlich schwarzen und goldenen Stickereien verziert ist. Anders als die meisten Frauen in diesem Raum sind ihre Haare aufwändig hochgesteckt und nur vereinzelt fallen ihr rotblonde Locken in die Stirn und in den Nacken. Ihre intelligenten, wachsamen Augen wandern fortwährend durch den Salon. Was sie wohl gerade denkt? Ob sie weiß, dass mindestens drei der hier anwesenden Frauen mit ihrem Mann das Bett geteilt haben? Wenn ja, dann lässt sie es sich nicht anmerken.

Als ich bemerke, dass meine Kanne inzwischen leer ist, kehre ich zur Tafel zurück, wo mir prompt ein Messer in die Hand gedrückt und die Aufgabe zuteil wird, die Torte zu schneiden und an die Damen auszugeben.
Ausgerechnet Lady Diane ist die Erste, die vor mir auftaucht und ich schneide ihr ein angemessen großes Stück Kuchen ab. Gerade, als sie sich wieder umdrehen und gehen will, taucht Lady Kenna neben ihr auf. Ihr leichtes, zartfliederfarbenes Kleid mit transparenten Ärmeln steht in einem starken Kontrast zu dem pompösen, grünen Kleid der Älteren. Fragend blicke ich in ihre Richtung, doch sie ignoriert mich geflissentlich und spricht stattdessen ihre Nebenbuhlerin an.
„Ich finde es bewundernswert, wie sorglos Ihr euch einer solch mastigen Leckerei hingeben könnt. Scheinbar ist es Henry bereits einerlei, ob Ihr in die Breite geht. Nun, da seid Ihr ja in guter Gesellschaft.“ Lady Kenna wirft einen abfälligen Blick in Richtung der Königin, die gottlob in diesem Moment in ein Gespräch mit einer ihrer Ladys vertieft ist und von dieser Beleidigung nichts mitbekommt.
„So gut scheint Ihr Henry wohl nicht zu kennen. Er weiß durchaus weibliche Rundungen an den richtigen Stellen zu schätzen. Aber davon versteht ein kleines naives Mädchen mit einer Knabenfigur natürlich nichts.“ Auf diese Konter weiß Lady Kenna nichts zu entgegnen und begnügt sich damit, ihrer Rivalin einen bitterbösen Blick zuzuwerfen. Mit einem süffisanten Lächeln auf den Lippen dreht sich Lady Diane daraufhin um und lässt die Jüngere einfach stehen.

„Was ist, worauf wartest du?! Schneide mir ein Stück Torte ab. Ein Großes!“, fordert mich die junge Geliebte des Königs harsch auf und ich beeile mich, ihrer Forderung nachzukommen.
Bevor sie sich jedoch wieder an ihren Tisch begeben kann, baut sich Lady Eugenie hinter ihr auf und ich bete, dass sich keine weitere Szene wie die eben erlebte vor mir abspielen wird. Vergeblich.
„Sieh an, das neue Spielzeug meines früheren Liebhabers. Aus der Nähe betrachtet seid Ihr ziemlich gewöhnlich. Nahezu enttäuschend.“ Diese schroffen Worte lassen Lady Kenna herumfahren.
„Was nehmt Ihr Euch heraus?“, fragt sie verärgert, doch Lady Eugenie winkt lächelnd ab.
„Genießt es einfach, solange es anhält. Nur bitte wartet heute Nacht nicht auf ihn.“ Lady Eugenie macht eine bedeutungsvolle Pause, bevor sie weiterspricht. „Schließlich zelebrieren wir heute unser Wiedersehen“, sagt sie verträumt.
„Das wage ich zu bezweifeln. Soweit ich mich erinnere, hat Henry Euch damals nach Eurer überhasteten Abreise keine Träne nachgeweint. Wenn ich es recht bedenke, wirkte er vielmehr erleichtert.“ Diane de Portiers hat sich den beiden Streitenden lautlos wie eine angriffsbereite Raubkatze genähert und nun stehen alle drei vor der Tafel und starren einander  feindselig an.
Ich trete nervös von einen Fuß auf den anderen und wünsche mich in diesem Moment ganz weit weg. Weg von diesem Tisch, von diesem Salon, sogar weg von diesem Hofe.

Von Verzweiflung getrieben sehe ich durch den Raum und just in diesem Moment fängt Catherine de Medici meinen Blick auf. Und während ich mich noch frage, ob es sich schickt, die Königin Frankreichs so offen anzustarren, deutet sie mir an, ihr etwas von der Torte zu bringen. Eifrig nicke ich, trenne für sie ein großzügiges Stück Kuchen ab und eile zu ihrem Tisch. Als ich mich ihr nähere bleibt mir fast die Luft weg als ich die Aura der Macht, die diese Frau umgibt wahrnehme. Mit zittrigen Händen serviere ich ihr die Torte und bemühe mich tief einzuatmen um wieder Luft in meine Lungen zu bekommen.

„Sei so gut und bring mir noch etwas Tee, mein Kind“, sagt sie an mich gewandt und ohne den beißenden Unterton von unserer ersten Begegnung gefällt mir ihre tiefe und beinahe schon melodische Stimmfarbe. Ich mache artig einen Knicks und eile zur Tafel zurück. Zu meiner Erleichterung wurde die Teekanne bereits aufgefüllt, sodass ich gleich zu ihrer Hoheit zurückkehren kann. Ich schenke zuerst ihr und dann ihren Ladys nach. Dieses Mal zittern meine Hände nur noch ein wenig.

„Ich bewundere Euch für Eure Beherrschung und Gelassenheit. Ich selbst hätte schon längst...“, eine ihrer Damen, die unentwegt die drei Geliebten des Königs anstarrt, bricht mitten im Satz ab und hebt erschrocken über ihre Äußerung ihre Hand vor den Mund. „Verzeiht, Majestät, ich hätte...“
„Was hättest du? Ihnen die Augen ausgekratzt? Sie vergiftet? Oh Mathilde, du musst es von einer anderen Warte aus betrachten. Sie lenken ihn ab während ich ungestört meine eigenen Ziele verfolgen kann. Soll er sich doch mit ihnen vergnügen, dann rackert er sich wenigstens nicht auf mir ab.“

Ihre Worten lösen ein nervöses Kichern bei ihren Ladys aus und sorgen dafür, dass meine Ohren heiß werden. Wahrscheinlich läuft mein Gesicht gerade feuerrot wie eine Tomate an.
„Nach der Anzahl seiner Liebschaften zu schließen, sollte Euer Gemahl doch ein passabler Liebhaber sein.“ Es ist nicht richtig, dieses Gespräch zu belauschen. Doch egal wie moralisch verwerflich es ist und wie sehr es mich beschämt, ich kann mich einfach nicht abwenden.
„Vielleicht wäre er das, wenn er sich anstrengen würde. Aber wer bin ich schon, um das beurteilen zu können. Das müsst ihr wohl eher sie fragen.“ Catherine de Medici deutet auf die betreffenden Damen.

Ich schlage meine Augen nieder um mich zu sammeln. Als ich wieder aufblicke, starre ich geradewegs auf König Henry, der unbemerkt hinter seiner Frau erschienen ist. Und seinem grimmigen Blick nach zu urteilen hat er er ihre geringschätzige Beurteilung über seine Fähigkeiten als Liebhaber mitangehört.
Wortlos schreitet er um ihren Tisch und wirft ihr dabei einen intensiven, schwer zu deutenden Blick zu. Bevor er jedoch sein Wort an seine Königin richten kann, haben ihn die Ladys Diane, Kenna und Eugenie entdeckt und eilen auf ihn zu. Sie umzingeln ihn nahezu und buhlen um seine Aufmerksamkeit. Keine von ihnen achtet auf seine Gesichtszüge, die ihm immer mehr entgleiten.

Ich riskiere einen Blick auf seine Gemahlin, die scheinbar amüsiert das Treiben vor ihr betrachtet und dann ihrer Lady einen wissenden Blick zuwirft, der wohl mit <Habe ich es dir nicht gesagt?> zu interpretieren ist. Ich bewundere sie für ihre stoische Ruhe und die Überlegenheit, die jede Faser ihres Seins ausstrahlt. Aber dahinter ist noch etwas anderes. Etwas Verletzliches. Und wie kann es da nicht sein? Den Gerüchten nach betrügt ihr Gemahl sie seit Anbeginn ihrer Ehe. Ich kann mir nicht einmal vorstellen wie es sich anfühlen muss, stets dieser öffentlichen Demütigung ausgesetzt zu sein. Mitansehen zu müssen, wie der eigen Mann zahllosen anderen Frauen nachstellt.

„Henry, bitte sagt, dass ich es bin, die Ihr heute Abend sehen wollt?“, flötet Lady Kenna so laut, dass sie mich aus meinen Überlegungen reißt.
„Wir haben uns jahrelang nicht gesehen! Ihr könnt doch unmöglich dieses Kind mir vorziehen?“ Ich schäme mich in diesem Moment für diese Frauen, die sich ohne jegliche Selbstachtung einem Mann anbiedern, der alles andere als erfreut darüber aussieht.
Diane de Portiers, die stumm seine Miene betrachtet, legt dem König Frankreichs ihre Hand auf den Arm und lässt statt Worten Gesten sprechen. Doch als sie Blickkontakt mit ihm aufnehmen will, wendet er sein Augenmerk von ihr ab und betrachtet stattdessen seine Frau mit einem nachdenklichem Ausdruck auf seinem attraktiven Gesicht.

Die Blicke des Ehepaars treffen sich und mir scheint, als fänden in den wenigen Sekunden, in denen sie sich ansehen, ganze Dialoge zwischen ihnen statt.
Zu meiner Überraschung legt sich in dem Moment, als ihre Verbindung bricht ein schalkhaftes Lächeln auf seine Lippen. Entschlossen löst er die Hände seiner Geliebten von seinem Arm und seiner Brust und schreitet gemächlich zur Tür. Bevor er jedoch den Salon verlässt, dreht sich Henry Valois noch einmal um und lässt seine Augen ein letztes Mal über die anwesenden Damen wandern. Bei seiner Frau bleiben sie hängen.
„Catherine, ich erwarte dich heute Abend in meinen Gemächern.“ Ohne ihr die Chance auf eine Antwort zu geben, verlässt der König den Raum so plötzlich, wie er ihn betreten hat.
Ganz offensichtlich möchte er ihre offene Kritik an seinen Fertigkeiten im ehelichen Bett nicht auf sich sitzen lassen.

Der Königin entweicht ein kleiner, überraschter Laut und die Blicke aller Frauen im Raum richten sich ausnahmslos auf ihre Herrscherin, die wütend zu schnauben beginnt.
„Henry!“Mit einem Satz springt sie auf und eilt mit wehenden Röcken ihrem Gemahl hinterher. Und trotz dieser Mischung aus Zorn, Irritation und Demütigung, die ihr deutlich ins Gesicht geschrieben stehen, ist sie noch immer die hoheitsvollste Person, der ich jemals begegnet bin.
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