Nachtschatten

GeschichteAllgemein / P16
Demir Azlan Gebhard Schurlau
06.04.2018
14.04.2018
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06.04.2018 1.019
 
Wie immer ist alles frei erfunden. Die Handlung wird aus Geb Schurlaus Sicht geschrieben.
Ich verdiene hiermit kein Geld. Ähnlichkeiten mit bereits existierenden Personen sind nicht gewollt.


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-Geb-

„Ein 8 jähriges Kind überwachen. Das ist alles?“

Verblüfft sah Demir auf unseren Chef,   der uns  zur internen Besprechung in sein Büro gebeten hatte. Anschließend fiel sein Blick auf mich.

Unser Vorgesetzter grinste sarkastisch, offenbar wohl vorausahnend, was da auf uns zukommen würde.

„Mal langsam Demir. Stellt euch das nicht zu leicht vor. Der Junge ist ein ausgebildeter Soldat und wurde 4 Jahre im Krisengebiet trainiert. Getrillt, um zu töten ist er  jeder Zeit in der Lage seinen Mitmenschen schwere Verletzungen zuzufügen. Zwar weiß er, dass ihm hier keine Gefahr droht, weil er in Deutschland in Sicherheit ist, aber er ist indoktriniert. Er ist ein ausgebildeter Kämpfer und deshalb möchte ich, dass ihr ihn zurück ins Leben führt.“

Ich schüttelte ungläubig mit dem Kopf, faltete die Hände ineinander.

„Thomas, schön und gut, aber wir stellst du dir das vor? Demir und ich sind Bundespolizisten und keine Trauma-Therapeuten. Was der Junge braucht sind Professionelle, die sich angemessen  um seinen Zustand kümmern und ihn ausreichend therapieren können. Das zu leisten, dazu sind wir doch gar nicht in der Lage.“

Aber man Chef winkte ab. Offenbar dachte er anders.

„Das ist sicher richtig, aber unter den aktuellen Umständen nicht zu realisieren ohne ein zu großes Risiko einzugehen. Der Junge hat zu viel gesehen.  Er ist ein wichtiger Kronzeuge und deshalb brauche ich die Besten, um ihn zu schützen und ihn zu resozialisieren. Und das seit eben ihr. Immerhin hat er bedeutende Informationen, die seine gesamte Gruppe auffliegen lassen könnten.“

Anhoff holte eine Akte aus seinem Regal hervor, die er aufklappte und uns entgegen hielt.

„In 8 Wochen ist am Hindukusch der Übergriff geplant. So lange haltet ihr die Beine still.“

Da wir nun langsam begriffen, dass er es ernst meinte, wirkten wir zunehmend entsetzter.

„Und wo sollen wir mit ihm hin? Ich wohne doch selbst nur bei Demir zur Untermiete? Ich habe an jedem zweiten Wochenende meine Kinder da“, murmelte ich ungläubig, während mir zunehmend das Gesicht entgleiste.
Mit diesem Überfallkommando hatte ich nicht gerechnet.  
Anhoff nickte ernst. Die Geste bereitete mir Unbehagen, denn offenbar hatte er sich mit der Problematik weit vor uns vertraut gemacht und alles detailliert durchgeplant.

„Es gibt zwei Möglichkeiten. Das BKA übernimmt in der Zeit deine Miete oder wir mieten euch eine 3- Raumwohnung an.“

Mein entsetzter Blick glitt zu Demir. Wirklich viel Entscheidungsfreiraum wurde uns offenbar nicht eingeräumt.

Wir sagten erst einmal gar nichts mehr, ließen stattdessen die Informationen sacken.

„Der Junge wartet im Nebenzimmer auf euch. Er bekommt neue Papiere und eine neue Identität.“

Demir und ich wollten uns bereits nach oben aufsetzen, als uns Anhoff zurück hielt.

„Und noch was. Dass das dementsprechend viel Fingerspitzengefühl erfordert, dass muss ich euch sicher  nicht sagen. Tarek  wurde bei einem Angriff schwer verwundet und hat Narben davon getragen. Und nicht nur körperliche. Er ist Täter und Opfer zugleich und ich will nicht wissen, was er ansehen musste.“
Mit dieser Information liefen wir zur Tür, die wir schweigsam hinter uns schlossen und uns viel sagend anblickten.

„Ob dem Alten bewusst ist, was er da von uns verlangt?“

Demir war offenbar noch immer vollkommen perplex und zog mich in einen Seitengang des Flurs, in dem wir ungestört reden konnten.

„Ich meine, sieh uns doch mal an. Ich hab gar keine Kinder und  du hattest kaum Zeit für deine eigenen. Das ist Wahnsinn.“

Zu mehr kam es nicht, denn ich wandte meinen Blick ab, da ich unmittelbar auf den kleinen Jungen sah, der von einer jungen Frau ins Nebenzimmer geführt wurde…


__________________  


Der Junge war schweigsam.
Auf den ersten Blick machte er nicht den Eindruck, dass er zu negativen Dingen in der Lage war, wirkte fast wie ein normales Kind.

Er spielte mit den Dinosauriern, die ihm ein Kollege geschenkt hatte und ließ sie im Kampf gegeneinander antreten. Als Polizist und Vater hatte ich viele Kinder in natürlicher Umgebung erlebt. Kämpfen war insbesondere bei Jungen eine normale Methode, die die altersgemäße Entwicklung mit sich brachte. Wir hatten früher selbst Räuber und Gendarm gespielt und uns mit Spielzeugpistolen und Zündblättchen  in unserer Männlichkeit geübt.
Demir sah mit mir durch die Glasscheibe und starrte auf den kleinen Kerl. In wenigen Minuten wollten wir in seine Wohnung aufbrechen.

„Merkwürdig oder? Er sieht aus wie ein ganz normales Kind. Meinst du, der Alter übertreibt?“
Ich blickte mit zu Schlitzen verengten Augen auf den Jungen, schüttelte mit dem Kopf.

„Stille Wässer sind tief. Unterschätz das nicht. Schau mal auf seine Hände. Wie geschickt er mit den Teilen umgeht.  Wir sind Polizisten und damit definitiv in seinem Beuteschema, weil wir für Recht und Unrecht kämpfen. Genau das, was diesen Organisationen ein Dorf im Auge ist.“

Wir ließen ihn nicht aus den Augen.

„Du solltest  dein Handy und deinen Computer sichern. Wir wissen nicht, ob er versucht mit seinen Leuten Kontakt aufzunehmen.“

Demir sah mich schräg von der Seite an.

„Er ist ein Kind, Geb. Er weiß, dass es vorbei ist.“

„Ach ja? Was macht dich darin so sicher? Ich muss dir sicher nicht erklären, wie Ideologien funktionieren oder?“
Gespielt beleidigt sah mich mein Kollege an.

„Er ist und bleibt ein unmündiges Kind, das wir auf die normale Spur lenken sollen.“
Ich wandte meinen Blick zu ihm ab. Demir sah mich nicht an.

„Das habe ich nicht bestritten, aber das macht es nicht weniger gefährlich. Weißt du was eines der Schlimmsten Dinge  ist, die es gibt? Kinder mit Waffen.“
Demir seufzte und nickte mir entgegen.

„Ich bin nicht sauer auf Anhoff oder auf den Jungen. Schrecklich sind nur die, die Kindern sowas antun. Das hier wird Jahre brauchen. Wenn er jetzt 8 ist, haben die als er  4 war angefangen.  Was passiert, wenn man 4 Jährige zum kämpfen ausbildet muss ich dir sicher nicht erzählen.“

Damit ließ ich ihn stehen und bewegte mich in den Nebenraum, wo ich mich vor ihn kniete und ihn anstarrte. Er sah aus unendlich traurigen Augen zurück…
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