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Gokuu Kotetsu - The Tiger among Apes

GeschichteDrama, Liebesgeschichte / P18 / MaleSlash
Enki Gokuu Samon Gokuu Sugoroku Hajime
06.04.2018
12.01.2021
28
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Kapitel 24 Die Nachtschicht in Trakt 13 ( Teil 2 )

„AH! Kotetsu Kun, es tut mir leid!“, jammerte Seitarou und wollte seinem Kollegen aufhelfen, als er die Tödliche Aura im Raum wahrnahm.
Und auch den Blick des Vizechefwärters, der sich wie Klingen in seinen Rücken bohrte.
Mit Seitarous Hilfe rappelte sich Kotetsu wieder auf und rieb sich den Hinterkopf.
„Schon in Ordnung … nichts passiert.“, meinte er und nahm erst einmal wieder Platz – allerdings nicht allzu dicht neben Hajime, da seine Gesichtsfarbe sonst vermutlich an eine überreife Tomate erinnert hätte.

Nach diesem Peinlichen Zwischenfall waren die drei Männer schließlich zu ihrer nächsten Runde aufgebrochen. Gerade als Kotetsu einen Blick in Zelle 1 warf, um nachzuschauen ob Fuji, Insasse 13243 und Kusatsu, Insasse 13932, schliefen, durchfuhr ihn ein brennender Schmerz. Kotetsu musste sich an der nächstgelegenen Wand abstützen und spürte wie sein Kopf schwer wurde und seine Sicht allmählich verschwamm.
„Was …?“, er konnte nicht mehr richtig Atmen, Schweiß trat ihm auf die Stirn.
„Kotetsu.“, diese Stimme …

War Enki hier in Trakt 13?
Nein …
Es war nicht Enkis Stimme, die da aus der Dunkelheit heraus seinen Namen sprach.
„V … Vater …?!“, Kotetsu hob mühsam den Kopf und konnte schemenhaft eine Gestalt vor sich erkennen. Sein Herz setzte für einen Moment lang aus, als sein Vater aus den Schatten trat und ihm näherkam.
„Du lebst also noch.“, sprach die bedrohliche Stimme und eine Hand streckte sich nach Kotetsu aus.
„NEIN!“, schnell schlug der Silberhaarige nach der Hand, traf aber ins Leere.

Die Lehren des Tigers hatte Kotetsu in diesem Augenblick vollkommen vergessen.
Auch die Worte seines Meisters, die ihm in so einer Situation Mut gegeben hätten, konnten nicht aus seinem Unterbewusstsein zu ihm hervor dringen.
Es war, als hätte sich von selbst eine undurchdringliche Mauer in seinem Kopf errichtet, die einzig und allein die Angst vor Li-Sang durchließ.

Und dieser Mann stand nun direkt vor ihm.
Aber wie war das möglich?
Wie kam sein Vater hier her nach Nanba?!
Kotetsus Geist war zerstreut, er konnte sich der Unmöglichkeit von Li-Sangs Anwesenheit nicht bewusstwerden.
„Mal sehen wie viel Fleisch ich dir heute heraus brennen kann, du kleiner Bastard!“, wieder versuchte sein Vater ihn zu packen. Kotetsu zwang seine Beine sich zu bewegen und wich zur Seite aus. Seine Muskeln arbeiteten jedoch nicht richtig und so verlor er ungeschickt den Halt und stieß mit der Schulter gegen die Zellentür. Als er sich aufrappeln wollte, hatte er das Gefühl als läge eine schwere Hand in seinem Nacken, die ihm langsam von hinten den Hals zudrückte.
„N … Nicht … Lass mich los!“, Kotetsu spürte wie sich etwas in seiner Kehle sammelte und seine Worte kamen ihm nur schwer über die Lippen.
„Stirb endlich!“, brüllte sein Vater ihn an. Li-Sangs Stimme schien nur ein dumpfes Echo in seinem Kopf zu sein und doch konnte er diesen Mann deutlich vor sich erkennen.

„Hö?“, Fuji richtete sich in seinem Bett auf, als ein heftiger Schlag von der Zellentür herkam.  „Kusatsu, hast du das gehört?“, wandte er sich an seinen Zellengenossen. Dieser nickte bloß und deutete dem anderen an, leise zu sein. Die beiden Männer begaben sich vorsichtig zur Tür und warfen einen Blick aus dem kleinen Sichtfenster. Sie konnten einen Wärter sehen, der gekrümmt vor ihrer Zelle lag und unverständliche Sätze vor sich hinmurmelte.
„He du da! Alles klar bei dir?“, fragte der weißhaarige.
„N … Nicht … Lass mich los!“, brachte der Wärter mühsam hervor. Die beiden Insassen konnten jedoch keinen Angreifer sehen und warfen sich gegenseitig beunruhigte Blicke zu.
„Fuji, meinst du wir sollten die anderen Nachtwachen rufen? Mit dem Kerl da stimmt was nicht.“, just in diesem Moment bäumte sich der Wärter auf und ein Schwall Blut floss über seine Lippen.
Der Mann brach zusammen, landete in seinem eigenen Blut und griff sich heftig Keuchend an seine Kehle. Seine Lippen öffneten sich und ein lauter, gequälter Schrei drang durch die Korridore von Trakt 13.

Einige Minuten zuvor in einem anderen Zellenblock:

Hajime hatte seine Runde gerade beendet und war dabei sich wieder zum Pausenraum zu begeben, als seine Gedanken erneut zu Kotetsu schweiften.
Und dem was beinahe passiert wäre.

Hätte er Kotetsu wirklich geküsst, wenn Seitarou nicht dazwischen geplatzt wäre?

Der Rotäugige musste sich selbst eingestehen, dass er es mit großer Wahrscheinlichkeit tatsächlich getan hätte. Hajime seufzte und rieb sich unsicher den Nacken.
In Sachen Romantik war der Talentierte Gefängniswärter nicht gerade der geschickteste.
„Ob ich ihn etwas zu sehr überrumpelt habe?“, kurz rief er sich noch einmal das Gesicht des jüngeren vor Augen, als er ihm ganz nahegekommen war.
Kotetsus Herz hatte heftig geschlagen, das war Hajime nicht verborgen geblieben.

Nur Halbherzig warf er einen Blick in eine der Zellen, die er zuvor schon einmal Kontrolliert hatte, stellte fest das die Insassen schliefen und lehnte sich neben der Tür gegen die Wand. Hajime sah an die Decke, verfolgte einige der Risse die dort im Beton zu sehen waren, und schließlich blieb sein Blick an der Lampe haften.
Das grelle Gelbe Licht stach ihm in den Augen, doch er sah nicht direkt wieder weg.
Es war so still um ihn herum.
So erdrückend still.

„Habe ich mich tatsächlich … Verliebt?“, grübelte Hajime leise vor sich hin und ließ den Blick wieder sinken, fixierte angestrengt seine Stiefel und versuchte sich nicht allzu sehr daran zu erinnern, was ihm das letzte Mal wiederfahren war, als er sich verliebt hatte …

„Du bist ja so was von Schlecht im Bett!“

Exakt diese Worte hatte seine Erste Feste Freundin ihm direkt ins Gesicht gesagt und damit Hajimes Selbstbewusstsein zugegebenermaßen etwas angekratzt.
Danach hatte Hajime das Interesse an einer Beziehung gänzlich verloren und sich nur noch darauf Konzentriert dorthin zu gelangen, wo er jetzt war: auf dem Besten Weg an die Spitze der Erfolgsleiter.

Dass er nun Gefühle für einen anderen Mann aufbaute, kam ihm überraschenderweise nicht seltsam vor. Hajime empfand den Gedanken Kotetsu näher zu kommen – sowohl emotional als auch Körperlich – gar nicht mal so abwegig. Vielleicht sollte er die nächstbeste Gelegenheit nutzen diese Sache mit dem Silberhaarigen zu klären. Gerade als Hajime weitergehen wollte, drang leise ein Schrei an seine Ohren. Viel zu leise, als das er sofort die Stimme erkennen konnte.
„Was …?“, sofort gingen all seine Sinne in Alarmbereitschaft und er rannte dem Echo der Stimme entgegen.

Was war passiert?

War ein Insasse aus seiner Zelle entkommen und hatte jemanden Angegriffen?

Hajime überlegte, rief sich ins Gedächtnis wohin er Seitarou und Kotetsu geschickt hatte und blieb auf der Stelle stehen. Seine Muskeln gefroren förmlich zu Eis und sein Puls beschleunigte sich.
Der Schrei stammte von Kotetsu!  

Vor Zelle 1:

Kotetsu rang nach Luft, konnte nur den Eisernen Geschmack seines Blutes schmecken und schaffte es auch unter größter Anstrengung nicht, seinen Blick zu fokussieren.
„Du machst es dir nur unnötig schwer.“, drang wieder die Stimme seines Vaters zu ihm durch und Kotetsu erkannte noch immer diese Bedrohliche Gestalt vor sich. Li-Sang streckte eine Hand nach Kotetsu aus und versuchte dessen Hals zu packen. Der Silberhaarige schaffte es kurzzeitig leben in seine müden Muskeln zu hauchen und stieß sich von ihm weg, kollidierte mit dem Rücken mit der Zellentür und konnte ganz schwach die Stimmen der beiden Insassen hören.

Fuji und Kusatsu schreckten ein wenig von der Tür zurück, als der Wärter erneut gegen ihre Zellentür stieß. Beide Männer waren mehr als erleichtert, als sie den Vizechefwärter näherkommen sahen.
„Hey! Wärter! Wärter! Deinem Kollegen hier geht’s echt Scheiße!“, rief Fuji und deutete wie Wild aus dem Sichtfenster heraus, direkt auf Kotetsu.
Hajime ignorierte die beiden Insassen, seine gesamte Aufmerksamkeit lag allein bei dem jüngeren Wärter. Er eilte zu ihm und griff nach seinen Schultern.
„Kotetsu! Komm zu dir!“

Der Silberhaarige jedoch erkannte nicht, das es Hajime war, der ihn da packte und seinen Namen rief.
Für ihn waren es Li-Sangs schwere Hände die ihm die Knochen zu brechen drohten.
Er begann sich heftig zu winden und versuchte dem Griff seines vermeintlichen Angreifers zu entkommen.
„Vater … L-… Lass mich los! Bitte!“, ein stechender Schmerz machte sich an seiner Wange bemerkbar und ließ seine Sinne wieder klarer werden.
Li-Sang verschwand.
Seine Gestalt wurde durch die von Hajime ersetzt, der mit besorgtem Gesichtsausdruck über ihm kauerte und gerade seine Hand sinken ließ.
„Ha …ji …me …“, erschöpft ließ sich Kotetsu gegen den anderen fallen und verlor das Bewusstsein.

~*~

Kotetsu wusste nicht wie viel Zeit genau vergangen war.
Er wusste nur, das um ihn herum heftiger Trubel herrschte, als er wieder zu sich kam.
Die Direktorin war anwesend.
Die Ärzte stellten Hajime tausende von Fragen und zwei Augenpaare waren direkt auf Kotetsu gerichtet. Enki und Samon standen neben ihm am Krankenbett.
Während der Blick des älteren voller Verachtung war und sogar einen Hauch von Genugtuung trug, verbarg Samon seinen Blick im Schatten seiner Wärtermütze.

„Kotetsu, kannst du mir antworten?“, wandte sich Okina Otogi direkt an seinen Patienten. Kotetsu löste seine Augen von seinen Brüdern, um den Arzt ansehen zu können.
„Ja, ich denke schon.“, seine Stimme klang leise, rau und mehr als erschöpft.
„Kannst du dich daran erinnern was passiert ist?“
„Nur schwach.“, Okina nickte, sein Blick war streng. „Ich … wurde angegriffen.“, sofort stand Hajime neben dem Arzt.
„Von wem? Die Insassen von Zelle 1 sagten, es wäre niemand außer dir dort gewesen.“, Hajime hatte niemandem erzählt, was Kotetsu vor sich hingemurmelt hatte. Er fand, es wäre besser wenn Kotetsu dies selbst tun würde.
„Von meinem Vater … glaube ich.“, ein verächtliches Schnauben war von Enki zu hören doch der Strenge Blick der Direktorin hinderte den Riesen daran etwas zu sagen.
„In deinem Blut sind Rückstände eines hoch konzentrierten Halluzinogens aufzufinden. Weißt du was Halluzinogene sind?“, Kotetsu schüttelte den Kopf. „Das sind psychotrope Substanzen. Sie können Veränderungen in Denken und Perzeption bewirken und somit auch eine stark veränderte Wahrnehmung der Realität.“, Kotetsu versuchte sich etwas Aufzurichten, spürte eine Stützende Hand im Rücken und sah kurz aber voller Dankbarkeit zu Hajime hinauf.
„Heißt das, mein Vater war gar nicht wirklich dort?“, Okina schüttelte den Kopf. Beschämt ließ Kotetsu den Blick sinken. „Ich … ich hätte merken müssen, dass etwas nicht Stimmt.“, Kotetsu kam sich so unendlich dumm vor, dass er auf diese Sinnestäuschung hineingefallen war.
„Hast du unwissentlich diese Substanzen zu dir genommen oder hat sie dir vielleicht sogar jemand mit Absicht verabreicht?“, harkte der Arzt weiter.
„Ich … weiß es nicht.“, Okina nickte bloß.

„Direktorin Hyakushiki.“, wandte sich Enki an seine Vorgesetzte. „Ich bedaure sehr, dass mein unfähiger Bruder ständig für ein Solches Aufsehen sorgt. Ich werde sofort seine Entlassungspapiere für Sie bereitlegen.“, Kotetsu verkrampfte sich.
Entlassungspapiere?
Unmöglich!
Er hatte sich so sehr angestrengt und nun sollte das alles einfach so enden, weil ihm jemand womöglich eine Falle gestellt hatte?
Sein Herz zog sich schmerzend zusammen, als er sich vorstellte Hajime dann wohl nie wieder sehen zu können.
„Ich denke nicht, dass dieser Schritt nötig sein wird, Oberchefwärter Gokuu.“, sprach Momoko in strengem Ton.
„Nun, das denke ich auch nicht.“, alle anwesenden warfen einen überraschten Blick zur Tür des Krankenzimmers. Dort stand kein geringerer als der Oberchefwärter von Trakt 13. Er lief auf Momoko zu, Salutierte kurz und warf Enki dann einen Blick zu, der aus einer Mischung aus Freundlichkeit und Überheblichkeit bestand. „Oberchefwärter Gokuu, da Sie wohl wenig bis gar keine Verwendung für Kotetsu haben, würde ich vorschlagen ihn nach Trakt 13 versetzen zu lassen.“, er lächelte Charmant in Momokos Richtung. „Natürlich nur, wenn Sie das gestatten Direktorin Hyakushiki.“
Kotetsu sah zwischen den beiden hin und her und spürte Nervosität in sich aufsteigen.
Auch Hajime, der ihn noch immer stützte schien nervös zu sein, das verriet seine angespannte Körperhaltung.
„Das scheint eine gute Lösung zu sein.“, meinte die Direktorin schließlich und wandte sich an Kotetsu. „Nach deiner Entlassung aus der Krankenstation, wirst du deinen Dienst in Trakt 13 antreten.“, der Silberhaarige konnte nicht verbergen, wie erleichtert er darüber war.
„Jawohl, vielen Dank Direktorin Hyakushiki!“, Kotetsu konnte deutlich spüren wie sich Hajime wieder entspannte.

Enki verließ Wortlos das Krankenzimmer.
Samon folgte ihm, warf jedoch noch einen kurzen Blick zurück auf Kotetsu und Hajime.
Die Art wie der Glatzköpfige Vizechefwärter den Silberhaarigen Ansah oder gar berührte, missfiel dem Jüngsten der drei Brüder.

~*~

„WAAAAAS?! Du verlässt Trakt 5?!“, Kokoriki klammerte sich an Kotetsu fest und war den Tränen nahe. „Du kannst mich doch nicht mit meinen beiden Flachpfeifen von Brüdern alleine lassen!“
„FLACHPFEIFEN!?“, keiften die beiden Älteren Daisen Brüder zurück. Kotetsu musste über seine drei Freunde lachen.
„Ich bin ja nicht aus der Welt, nur in einem anderen Trakt.“, stolz zeigte er ihnen die Rote Armbinde mit der schwarzen 13 darauf.
„Aber aber aber aber aber!!“, Kokoriki verzog sein Gesicht zu einer schmollenden Grimasse und erinnerte damit eher an ein Kind, dem man die Süßigkeiten verboten hatte, als an einen Gefängniswärter. „Du wirst dann aber auch in Wohntrakt 13 ziehen!“
„Wir können uns trotzdem noch oft Treffen. Versprochen.“
„Wehe wenn nicht!“, bekam er die Antwort aus drei Mündern entgegen geschossen.

Kotetsu begab sich auf den Weg nach Trakt 13 und wurde dort bereits von Hajime erwartet.
„Hat Enki noch irgendetwas zu dir gesagt?“, wollte der ältere wissen. Kotetsu schüttelte lediglich den Kopf.
„Nein. Ich habe ihn kein einziges Mal gesehen heute.“, und darüber war Kotetsu heilfroh.
Er bemerkte das Hajime ihn anlächelte und langsam die Hand an seine Wange legte.
So wie vor einigen Tagen während dieser verhängnisvollen Nachtwache.
Hajime kam ihm auch wie Damals näher.
Und wieder spürte Kotetsu bereits den Warmen Atem des anderen an seinen Lippen.  

Kotetsus Herz schlug schneller, auch das von Hajime nahm denselben schnellen Takt an.

Obwohl Kotetsu fast schon damit rechnete, das Seitarou jeden Moment um die nächste Ecke hüpfen würde … geschah nichts dergleichen.

Hajimes Lippen trafen schließlich auf die des Jüngeren. Es war ein kurzer, zurückhaltender Kuss aber das genügte Kotetsu schon um diesem Mann noch mehr zu verfallen.

Als sich Hajime von ihm löste, verfingen sich ihre Augen ineinander und Kotetsu war sich sicher, dass seine Wangen gerötet waren.
„Willkommen in Trakt 13.“, hauchte der ältere ihm zu, eher er ihre beiden Lippenpaare zu einem zweiten Kuss versiegelte.
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