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Gokuu Kotetsu - The Tiger among Apes

GeschichteDrama, Liebesgeschichte / P18 / MaleSlash
Enki Gokuu Samon Gokuu Sugoroku Hajime
06.04.2018
12.01.2021
28
38.571
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16.10.2019 2.188
 
Kapitel 22 Veränderungen

Wie gerädert schleppte sich Kotetsu am nächsten Morgen zur Bahnstation.
Auch wenn er bereits mehrere Monate hier auf Nanba beschäftigt war, staunte er jeden Tag aufs Neue über dieses Gefängnis.

Ein Herzhaftes Gähnen schummelte sich über seine Lippen und ihm traten bereits Tränen in die Augenwinkel, die den letzten Rest Schlafsand hinaus wuschen.
//Naja … geschlafen habe ich nicht wirklich. Ich hatte … andere Dinge zu tun. // innerlich rief er sich einen Idioten. Wieso nur ließ er sich so einfach von solchen Dingen beeinflussen?!
„Mein Lehrer würde mir nun vermutlich eine Predigt über Selbstbeherrschung halten.“, er lachte leise.
„Dein Lehrer?“, sofort stand Kotetsu steif wie ein Brett am Bahnsteig und wandte sich vorsichtig der Stimme hinter sich zu.  
„Ah, Guten Morgen Hajime San.“, Kotetsu entspannte sich wieder, als er das Gesicht des anderen Wärters sah. Dann fiel ihm wieder ein, dass Hajime sein kleines Selbstgespräch gerade gehört hatte. Verlegen platzierte er seine rechte Hand in seinem Nacken. „Nun, weißt du … ich bin mehr bei einem Kampfsportlehrer als bei meiner Familie aufgewachsen.“, erklärte er schnell und hoffte der andere würde nicht weiter fragen. Hajme nickte nur und schien die Unbehaglichkeit des jüngeren zu bemerken. Und er akzeptierte es.

Einige Minuten standen beide Männer schweigend nebeneinander. Kotetsus Blick huschte immer wieder zu dem älteren und Bildfetzen seines Traumes aus der vergangenen Nacht drängten sich in sein Bewusstsein.

Er wollte diesem Mann zu Eigen sein.

Er wollte sich ihm hingeben.

Ihn einfach nur spüren.

Wollte er das tatsächlich?
Kotetsu musterte Hajime genauer. Der andere stand neben ihm, seine Mimik verriet nicht was er dachte und genau das machte dem jüngeren ein wenig Sorgen.
//Ob er irgendetwas ahnt?// wieder rief er sich selbst einen Idioten.
Was sollte Hajime denn bitte ahnen?
Kotetsu war sich noch nicht einmal selbst sicher, wie er zu seinem Kollegen stand.

Da er niemals wirklich Freunde gehabt hatte, war dem jungen Mann natürlich nicht ganz klar wo der Unterschied zwischen Freundschaft, Liebe und Kollegialität lag.

„Hajime San?“, die roten Augen hefteten sich auf seine.
„Hm?“
„Ich hatte mich gefragt ob wir heute vielleicht zusammen zu Mittag essen wollen.“, kurz wirkte Hajime überrascht, wenn nicht sogar überrumpelt. „Ich meine …“, fing Kotetsu schnell an weiter zu sprechen. „Ich kenne noch immer nicht alle Ecken hier auf Nanba und ich würde mich freuen, wenn du mir eine Empfehlung geben könntest, wo man gut zu Mittag essen kann.“, ein leichtes schmunzeln lag auf den Lippen des größeren Mannes.
„Gern.“, Kotetsu war sich sicher, dass er förmlich zu glühen begann als er das Lächeln im Gesicht des anderen sah. „Ich genieße deine Gesellschaft ungemein.“

~*~*~*~*~

Samon hatte gerade seinen Morgendlichen Rundgang abgeschlossen und wollte sich nun eine Tasse Tee gönnen, als er die Stimme seines Bruders durch die angelehnte Bürotür vernahm.
Normalerweise wäre der junge Vizechefwärter nun einfach weiter gelaufen in Richtung des kleinen Pausenraumes aber als er hörte, was Enki da sprach erstarrten Samons Muskeln.
„Ja, Vater … Kotetsu lebt noch und er ist bereits seit einiger Zeit hier auf Nanba.“
„Vater?“, hauchte Samon Atemlos und lehnte sich etwas näher an die Tür heran.

Er hatte schon viele Jahre weder mit seinem Vater noch mit seiner Mutter gesprochen. Anfangs war der jüngste Gokuu Sohn sehr traurig darüber gewesen, doch mit der Zeit hatte er sich damit Abgefunden das seine Eltern wohl kein Interesse mehr an ihm hegten.
Aber nun schien sein älterer Bruder mit ihrem Vater zu sprechen und irgendetwas in Samons innerem schrie förmlich danach in das Büro zu stürmen, Enki den Hörer zu entreißen und munter mit seinem Vater zu plaudern.
Wie ein kleiner Junge, der ein gutes Verhältnis zu seinem Vater pflegte.
Aber Samon war kein kleiner Junge mehr und ein gutes Verhältnis hatte er zu Li-Sang nie gehabt.

Und da war noch die Erinnerung an Früher.
An die Grausame Tat, die Enki und Li-Sang begangen hatten.

Genau dieses Wissen hielt Samon an Ort und Stelle.

„Ich verstehe.“, sprach Enki nur, dann konnte Samon hören wie sein Bruder den Hörer auflegte und sich erhob.
Der Stuhl wurde zurück geschoben und die Schritte nährten sich der Tür.
Samon zuckte zusammen und wollte mit eiligen Schritten eine gewisse Entfernung zum Büro seines Bruders einnehmen, damit dieser nicht merkte das er gelauscht hatte.
Doch es war zu spät.
„Samon.“, sprach Enki plötzlich hinter ihm.
Die Stimme Tief, mit einem unüberhörbaren Befehlston darin.
„Ja, Aniue?“, gab sich der jüngere gelassen.
„Ich möchte, dass du für den Rest des Tages meine Schichten mitübernimmst.“
„Sicher. Hast du einen wichtigen Termin?“, meinte Samon unwissend.
„So etwas in der Art.“, der Ton seines Bruders missfiel dem Jüngeren. Ohne ein weiteres Wort ging Enki an ihm vorbei und ließ Samon mit seinen Gedanken allein.

~*~*~*~*~

Gedankenverloren saß der Vizechefwärter von Trakt 13 an seinem Schreibtisch und versuchte nun schon seit gut und gern einer halben Stunde den Bericht zu lesen, den ihm sein Vorgesetzter zur Korrektur zugeschickt hatte. Der Oberchefwärter von Trakt 13 mochte ein begnadeter Redner sein und hatte auch den Respekt seiner Kollegen und der Insassen redlich verdient doch … was Rechtschreibung anging bestand dringender Verbesserungsbedarf. Frustriert rückte Hajime vom Schreibtisch ab und gab ein genervtes Schnauben von sich, ehe der den Kopf in den Nacken legte und die Deckenleuchten anstarrte.

Was war nur los mit ihm?

Seit geraumer Zeit waren seine Gedanken nicht so strikt geordnet, wie sie es sonst waren. Sie schweiften ständig ab und zwar …
„Immer wenn Kotetsu irgendwie Präsent ist …“, murmelte Hajime und zog die Stirn kraus. Der dritte Gokuu Bruder beschäftigte ihn sehr.
Eigentlich beschäftigte er ihn viel zu sehr.
Er hatte etwas an sich, was Hajime nicht ganz verstand und irgendwie drängte es ihn herauszufinden, was genau zwischen den Brüdern vor sich ging.
„Dabei geht mich das alles gar nichts an!“, er ließ seinen Oberkörper nach vorn schnellen und rieb sich den Nasenrücken. „Komm schon, Hajime …“, murmelte er zu sich selbst. „Konzentriere dich auf deine Arbeit!“, gerade als er den Blick hob und wieder auf den Bildschirm seines Computers sah, drängte sich die Erinnerung an einen Traum wieder vor sein inneres Auge.
Er hatte ihn vor einigen Wochen gehabt und er hatte sich ständig wiederholt.
Immer wieder.

„Es ist ein Mann. Ein Strenger Blick liegt in seinen Augen und eine Narbe ziert sein Gesicht.“
Wer sprach da?
Hajime sah sich um.
Es war dunkel um ihn herum aber er schien von einem kleinen Lichtpunkt angezogen zu werden.
Wie eine Motto vom Schein einer Kerze.
„Wer ist da?“, seine eigene Stimme verlor sich und schien die andere Person nicht zu erreichen, auf die er langsam zuschritt.
Es war ein Mann.
Lange Silber-Blaue Haare waren zu einem ordentlichen Zopf gebunden und reichten ihm fast bis an die Hüfte.
Der Mann drehte sich um, sah ihn überrascht an.
„Wer bist du, Fremder?“, fragte er mit einer reinen, klaren Stimme.
Sie kam Hajime so vertraut vor, ebenso das Gesicht mit den Blauen Malen auf der Sonnengebräunten Haut.  
Hajime wollte Antworten, doch seine Stimme blieb Lautlos.
Er konnte sich nicht erklären warum aber ein leichtes Lächeln legte sich auf seine Lippen und er sah den anderen Liebevoll an.
So wie ein Mann seine Frau betrachtete.
So wie Eltern ihre Kinder betrachteten.
Hajime sah wie sein Gegenüber die Hand nach ihm ausstreckte, ihn berühren wollte.
Aber er begann sich aufzulösen, sodass der kleinere ins Leere griff.
Wie ein fernes Echo, konnte Hajime noch einmal die Stimme hören:
„Nein, warte! Komm zurück!“


An dieser Stelle wachte er immer auf.
Es bildeten sich unzählige Fragezeichen in Hajimes Gedanken und machten sie so nur noch wirrer und ungeordneter.

Warum hatte er von Kotetsu geträumt, noch bevor dieser seinen Dienst auf Nanba begonnen hatte?

Was war es, das ihre Wege sich immer wieder Kreuzen ließ?

„Das ist doch einfach …“, Hajime stieß erneut ein genervtes Schnauben aus und fuhr in Sekundenschnelle in eine Aufrechte Haltung, als sein Vorgesetzter durch die Tür trat.
„Wie sieht es mit dem Bericht aus, Hajime?“, fragte der Großgewachsene Mann mit den kurzen braunen Haaren und den Dunkelblauen Augen.
„Ist so gut wie fertig, Sir.“, der Oberchefwärter nickte zufrieden.
„Schick ihn mir einfach zu, sobald du aus deiner Mittagspause zurück bist.“
„Mittagspause?“, Hajimes Blick huschte zu der Digitalen Uhr am unteren Rand seines Bildschirms.
Tatsächlich.
Es war bereits kurz vor Zwölf.

Und er war zum Essen verabredet.

Mit Kotetsu.

~*~*~*~*~

„Uuund Hepp!“, gemeinsam mit Kokoriki und Rokuriki hatte Kotetsu es pünktlich zur Mittagspause geschafft, die Waffenkammer erneut neu zu Ordnen.
Enki fielen immer wieder neue Wege ein seinen Untergebenen das Leben schwer zu machen.
Ganz besonders Kotetsu.
„Jetzt geht’s ab zum Essen! YIPPIE!“, freute sich der kleinste der drei und wollte schon vorweg Stürmen, als sein Bruder ihn an der Schulter zurück hielt.
„Kommst du nicht mit uns?“, fragte Rokuriki, als Kotetsu keine Anstalten machte ihnen zu folgen.
Er schenkte den beiden ein fröhliches lächeln.
Vielleicht einen Ticken zu fröhlich.
Kokoriki stand plötzlich so dicht vor ihm, das Kotetsu ganz deutlich den leichten Duft nach Erdbeeren wahrnehmen konnte, der irgendwie immer an dem kleineren haftete.
„Hast du etwa eine Verabredung zum Essen?! Welche hübsche Wärterin aus dem Frauentrakt hast du dir geangelt?! Die mit dem knackigen Hintern oder die mit den Monster Melonen?“
„Kokoriki!“, tadelte sein Zwilling streng.
„Was denn?!“
„Knackiger Hintern? Monster Melonen?“, Kotetsu verstand wieder einmal nicht genau, was sein Freund da meinte.
„Nicht so wichtig.“, winkte Rokuriki ab. „Meinem kleinen Bruder gehen nur die Hormone durch.“, Kotetsu zwang sich, diese Aussage nicht zu hinterfragen und machte sich auf den Weg.

Vor der großen Allgemeinen Mensa erwartete Hajime ihn bereits.
„Komm mit.“, meinte der größere und führte Kotetsu zu der Schnellbahnstation.
//Dieses Gefängnis ist eine richtige Stadt!// staunte Kotetsu einmal mehr.
„Wohin fahren wir?“
„Wirst du gleich sehen.“, meinte Hajime und ein schelmisches Glitzern lag in seinen Augen.
Ein etwas unpassender Anblick für das sonst so strenge Gesicht wie Kotetsu fand.
Aber durchaus nicht schlecht.
„Nächster Halt: Restaurant Meile.“, erklang die Stimme des Zugführers durch die Lautsprecher.

Als der Zug anhielt und die beiden Männer ausstiegen, konnte Kotetsus feine Nase sofort allerlei verlockende Düfte wahrnehmen.
„Worauf hast du Appetit?“, fragte Hajime und fand die Reaktion des anderen reichlich amüsant.
„Ich ähm …“, verlegen sah Kotetsu auf die Stiefel seiner Uniform. „Ich kenne viele Speisen überhaupt nicht und lasse mich da gern Überraschen.“
„Na dann.“, Hajime führte den jüngeren zu seinem Lieblingsrestaurant.

Es war ein recht einfaches kleines Restaurant im Stil eines Amerikanischen Steakhauses. Der Mann ganz vorne am Empfang schien Hajime schon länger zu kennen, denn er begrüßte ihn mit einem lockeren Handschlag.
„Hajime, wie schön, dass du dich mal wieder blicken lässt! Dasselbe wie immer? Einzeltisch in der Raucherecke?“, Hajime schüttelte den Kopf.
„Nein, heute nicht. Ich bin in Begleitung.“, damit deutete er auf Kotetsu, der schüchtern die Hand zum Gruß hob.
„So so. Verstehe.“, ein Lachen entwich dem Mann als er die beiden näher musterte.
„Interpretiere da nichts hinein!“, fauchte Hajime ihn an, was den Mann allerdings nur noch mehr lachen ließ.

Sie wurden an einen Tisch für zwei geführt. Er befand sich im hinteren Bereich, dort wo es etwas ruhiger war.
„Ich Empfehle dir die Nummer 23 auf der Karte.“, meinte Hajime gelassen, streifte die Handschuhe seiner Uniform ab und ließ eine Flasche Wasser für sie bringen. Kotetsu tat es ihm gleich. Als er dann nach der Speisekarte griff, tat Hajime dasselbe und für den Bruchteil einer Sekunde berührten sich ihre Fingerspitzen. Sofort zog Kotetsu die Hand zurück und spürte Hitze in seinem Gesicht aufsteigen.
Verunsichert warf er einen schnellen Blick in seinen Schritt und stellte erleichtert fest, das alles normal war.
„Alles in Ordnung?“, Hajime musterte ihn aufmerksam.
„J … Ja …“, der ältere konnte allerdings nicht leugnen, selbst ein wenig rot um die Nasenspitze geworden zu sein.

//Verdammt! Das passt überhaupt nicht zu mir! // Hajime atmete tief durch und schenkte sich Wasser ein. Fragend hob er die Flasche in Kotetsus Blickfeld, worauf dieser nickte. Hajime schenkte ihm ebenfalls etwas Wasser ein, das Kotetsu zögernd trank und dabei dem Blick des anderen auswich.
„Hajime San?“, wagte er dann nach einigen Minuten des Schweigens zu fragen. „Was hat der Mann vorhin so lustig gefunden?“
„Ach der … beachte ihn gar nicht.“, schnaubte Hajime. „Er dachte wohl wir hätten ein Date.“
„Date?“, Hajimes Augenbraue erhob sich bei dieser Frage. „Was ist ein Date?“
„Na du weißt schon … eine Verabredung.“
„Aber … ist das hier denn keine Verabredung?“
„Ja aber nicht so wie er das meinte.“, redete sich Hajime raus. Bei Kotetsus interessiertem Blick kroch ihm die Hitze förmlich in den Kragen der Uniform.
„Wie meinte er es denn?“
„Das ist jetzt nicht wichtig!“, Kotetsu legte den Kopf ein wenig schief, betrachtete die Miene seines Gegenübers genau und brach in ein klares Lachen aus. „Was ist denn so komisch?!“
„Na du.“, erst wusste Hajime nicht, ob er nun beleidigt sein sollte oder nicht.

Aber die Reaktion des anderen ging auf ihn über und das erste Mal seit langer Zeit konnte Hajime Sugoroku, der grimmige Vizechefwärter von Trakt 13, wieder aus vollem Herzen lachen.  


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Nach LAAAANGER Zeit geht es nun endlich mit Kotetsu weiter und dieses mal sogar mit einem recht langen Kapitel :3

Ich hoffe es hat euch Gefallen <3
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