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Gokuu Kotetsu - The Tiger among Apes

GeschichteDrama, Liebesgeschichte / P18 / MaleSlash
Enki Gokuu Samon Gokuu Sugoroku Hajime
06.04.2018
12.01.2021
28
38.571
9
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1 Review
 
14.12.2018 1.302
 
Kapitel 13 Konfrontation

Nach seinem Besuch bei Doktor Wang hatte Kotetsu den Rückweg angetreten. Zuerst war seine Stimmung ein wenig besser, als noch am Morgen doch je näher er dem Haus kam, umso bedrohter fühlte er sich.
Er spürte ein feindseliges Chi.
Es brodelte förmlich und schien sich nach ihm zu verzehren.
Es wollte ihn regelrecht auseinander reißen.

Kurz vor dem Haupttor blieb Kotetsu stehen und versuchte sein aufgeregtes Herz zu beruhigen.
Enki wartete auf ihn.
Kotetsu bekam es mit der Angst zu tun. Sein Bruder hatte damals ihrem Vater geholfen, ihn beinahe zu Töten.
Was, wenn er es nun wieder versuchen würde?
Als Rache für die Verstoßung ihrer Eltern?
„Kotetsu …“, er hörte die Stimme des Tigers im Wind und sein Herzschlag nahm wieder einen ruhigen, entspannten Takt an.„Erinnere dich an meine Worte.  Dein Herz brennt heißer als die Sonne. Nichts kann dich jemals wieder in die Knie zwingen.“
Nun schöpfte Kotetsu neue Kraft und setzte seine Beine wieder in Bewegung. Sein Lehrer war im Geiste bei ihm und würde ihn durch diese Konfrontation leiten.

„Er kommt.“, langsam erhob sich Enki und warf einen hohen bedrohlichen Schatten über Samon, der seinem älteren Bruder von Kotetsus Rückkehr berichtet hatte, nachdem er zurück war.
„Aniue … bitte.“, Samon sprang Enki hinterher. „Großvater wird nicht erfreut sein, wenn du ihm etwas antust.“, Enki blieb stehen und warf dem jüngeren einen scharfen Blick zu.
„Habe ich gesagt, dass ich Kotetsu etwas antun werde?“
„N … nein aber …“
„Ich werde ihn nur Zuhause willkommen heißen.“, die Art wie Enkis Augen bei diesen Worten aufblitzten gefiel Samon nicht. Er wollte nicht, dass sich das Drama von damals wiederholte.
Hilflos musste er mitansehen, wie Enki nach draußen in den Hof trat.

Auf halben Weg zwischen dem Haupttor und dem Haupthaus erkannte Kotetsu, wie ihm eine große Muskulöse Gestalt entgegen trat. Zuerst glaubte er es wäre sein Vater, erinnerte sich aber daran was Samon am Vorabend gesagt hatte.
„Sie werden nicht mehr zurück kommen.“
Der große Mann dort vor ihm, war kein anderer als sein älterer Bruder.
Enki war zu einem Abbild von Li-Sang geworden, sowohl vom Körperbau, als auch von der Kälte seiner Augen.
„Wie ich sehe, lebst du noch.“, Enkis Stimme war tief geworden und donnerte auf Kotetsu herab, wie ein Donnergrollen in einem Sturm.
„Ja, das tue ich.“, angestrengt versuchte Kotetsu dem kalten Blick standzuhalten. Er erinnerte ihn so sehr an seinen Peiniger, dass ihm ganz flau im Magen wurde. Enkis Arm bewegte sich. Kotetsu verfolgte die Muskelbewegungen genau, versuchte zu erahnen wohin der Schlag zielen würde, doch es kam anders, als gedacht.
Enki holte nicht aus.
Er schlug nicht zu.
Er hielt ihm die ausgestreckte Hand hin.
„Willkommen Zuhause.“

~*~

Noch immer sah Kotetsu verdutzt auf seine Hand und lief ruhelos durch sein Zimmer. Er hatte erwartet das Enki ihn Angreifen würde, das er ihn anschreien würde aber niemals hätte Kotetsu damit gerechnet, dass der Ältere ihm die Hand reichen würde.
Ob dies ein Friedensangebot war?
Für einen Moment freut sich Kotetsu über diesen kleinen Hoffnungsschimmer, denn wenn Enki ihn als Bruder akzeptieren würde, würde Samon das sicher auch tun.
Die Ernüchterung kam jedoch nur wenige Sekunden später.
Enki war ihrem Vater zu ähnlich. Er würde Kotetsu niemals akzeptieren und somit würde Samon wohl auch weiterhin dem Beispiel des Älteren folgen.
Kotetsu setzte sich an den Rand seiner Schlafstätte und grübelte. Er fühlte sich hier überhaupt nicht willkommen. Er wollte wieder zurück zu  Kuài Fāng, wollte die Friedlichkeit des Geheimnisvollen Waldes spüren und niemals wieder in die Welt der Menschen zurückkehren.
Doch das ging nicht. Sein Lehrer hatte ihm gesagt, er solle zurück zu seiner Familie gehen. Nun zu Kuài Fāng zurück zu kehren würde schwäche bedeuten.
Und Kotetsu war nicht mehr schwach.
„Ich werde mich irgendwie durchbeißen.“, murmelte er und richtete den Blick zum Fenster. Weit in der Ferne konnte er die Umrisse der Berge sehen. Sie lediglich zu sehen, war als würde man ihm das Herz heraus reißen. Kotetsu ließ sich nach hinten fallen und schloss seine Augen.

~*~

Kotetsu fand sich an der Quelle wieder, die sein Lehrer ihm gezeigt hatte.
„Es ist ein Mann. Ein Strenger Blick liegt in seinen Augen und eine Narbe ziert sein Gesicht.“
Die Worte kamen einfach so über seine Lippen.
„Die Quelle hat dir jemanden gezeigt, der in deinem Leben noch eine wichtige Rolle spielen wird.“
Er konnte Kuài Fāng ganz deutlich hinter sich hören.
Doch als er sich nach ihm umdrehte, war der Tiger nicht zu sehen. Stattdessen stand der Fremde Mann hinter ihm.
Er war schlank und doch Muskulös.
Er war größer als Kotetsu, aber nicht so ein Riese wie Enki. Seine Umrisse waren zwar nur schemenhaft, doch sein Gesicht war für Kotetsu so klar zu erkennen, wie das eines langjährigen bekannten.
„Wer bist du, Fremder?“, fragte er und erschrak vor seiner eigenen Stimme.
Sie war ein Echo, das von allen Seiten auf ihn niederprallte. Die Gesichtsmuskulatur des Fremden Mannes geriet in Bewegung und seine Lippen zeigten ein leichtes lächeln. Die Strenge war aus seinen Augen gewichen und er betrachtete Kotetsu beinahe Liebevoll.
So wie ein Mann seine Frau betrachtete.
So wie Eltern ihre Kinder betrachteten.
Mit einem Mal hatte der junge Mann das Bedürfnis diesen Fremden zu berühren und streckte seine Hand aus, doch noch ehe er ihn auch nur hauchzart mit den Fingerspitzen streifen konnte, verschwand der Fremde und er griff ins Leere.
„Nein, warte! Komm zurück!“


~*~

„Nein, warte! Komm zurück!“, Kotetsu schreckte aus seinem Traum und fand sich wieder im Haus seiner Familie. Sein Herz schlug heftig in seiner Brust und er versuchte zu Atem zu kommen. Er fühlte sich nun ruheloser als vorher. Das Verlangen diesen Mann zu sehen, ihn zu berühren und mit ihm zu sprechen war nun beinahe unerträglich. Kotetsu schüttelte den Kopf und schob es einzig und allein auf seine Neugier.
„Ich muss einen klaren Kopf bekommen.“, eilig verließ er sein Zimmer und ging ins untere Stockwerk. Als seine Augen die Tür zum Keller streiften, zuckte er zusammen und ging schnell weiter.
Er wollte sich nicht an jenen Tag erinnern.

Sein Weg führte ihn schließlich zu seinem Großvater, der im Dojo saß. Neben ihm eine Tasse Tee, die ihm vermutlich Samon gebracht hatte.
„Großvater?“, Hihi sah auf und schenkte Kotetsu ein leichtes lächeln, welches unter seinem langen Bart kaum zu erkennen war.
„Was bedrückt dich?“
„Nun ja …“, er nahm vor dem alten Mann Platz und berichtete ihm seine Sorgen.
„Du hast Angst, dass deine Brüder dich nicht als einen von ihnen akzeptieren?“, Kotetsu nickte. „Diese Sorge ist unbegründet. Selbst wenn sie sagen, dass es nicht so ist, so werdet ihr immer das gleiche Blut teilen. Ihr alle seid aus demselben Schoß geboren worden, ihr stammt aus derselben Linie.“, erklärte Hihi ruhig. „Du, Enki und Samon … ihr werdet immer Brüder sein.“
„Aber Großvater, was wenn … ich weiß nicht. Was wenn ich anders bin als sie? Was wenn es etwas gibt, das ihnen Angst macht, das sie vor mir abschreckt?“, Hihi schüttelte sachte den Kopf.
„Du bist vollkommen, Kotetsu. Dein Herz ist rein und unbefleckt. Dein Geist ist Weise und dein Körper stark geworden.“, diese Worte machten Kotetsu stolz auf das, was er dank  Kuài Fāng erreicht hatte. Er bedankte sich bei seinem Großvater und wollte sich gerade erheben, als Hihi ihm einen Umschlag entgegen schob.
„Was ist das?“
„Etwas, das du schon vor langer Zeit hättest bekommen sollen.“, Hihi sah ihn reumütig an, schenkte ihm somit einen Blick den Kotetsu nicht in den Augen dieses Stolzen Mannes sehen wollte. „Ich habe die Strafe für deine Geburt bezahlt und dir deine Papiere besorgt. Nun stehen dir alle Türen offen und du kannst dein Leben formen, wie es dir gefällt.“
„Großvater … ich … ich weiß nicht was ich sagen soll …“
„Sag einfach nichts.“, meinte Hihi sanft. „Verwahre diese Unterlagen gut und gehe deinen Weg.“
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