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Gokuu Kotetsu - The Tiger among Apes

GeschichteDrama, Liebesgeschichte / P18 / MaleSlash
Enki Gokuu Samon Gokuu Sugoroku Hajime
06.04.2018
12.01.2021
28
38.571
9
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13.12.2018 1.598
 
Kapitel 12 Abschied

„Kotetsu …“, Samon musste zwei Mal hinschauen, um die Gestalt seines Totgeglaubten älteren Bruders zu erkennen. Er stand wahrhaftig vor ihm, trug saubere, edle Kleidung und schien bei bester Gesundheit. „Aber wie … wir dachten du bist tot!“, ein sanftes Lächeln legte sich auf die Lippen des Älteren.
„Ich wurde gerettet.“, Samon ließ seinen Kampfstab sinken und musterte Kotetsu ein weiteres Mal ganz genau. Das letzte Bild das von ihm in seinen Erinnerungen existierte, war ein Vollkommen anderes. Er sah Kotetsu vor sich liegen, mit Brandnarben in seinem Gesicht und abgemagert bis auf die Knochen.
Doch dieser Mann vor ihm … sah so anders aus.
Er war großgewachsen, nicht so groß wie ihr Vater oder wie Enki, aber mindestens einen Kopf größer als Samon selbst.
Seine Status war Schlank, aber Samon konnte fein definierte Muskeln unter der Kleidung erkennen.
Die ausgebrannten Male des Affenkönigs, waren durch strahlend Blaue ersetzt worden.
Aber ein entscheidender Unterschied fiel dem Jungen sofort auf.
„Woher sind die blauen Male an deinen Wangen? Die hattest du früher nicht.“, Kotetsu fuhr sie mit den Fingerspitzen nach.
„Der Tiger gab sie mir.“, fragend legte sein Bruder den Kopf schief.
„Der Tiger?“
„Er war es, der mich damals gerettet hat.“, Samon öffnete den Mund, um weitere Fragen zu stellen, als jemand an seine Seite trat.
„Kotetsu, mein lieber Enkel.“, es war Hihi. Kotetsu erstarrte, als er den Zustand seines Großvaters sah und eilte ihm entgegen. Der Stolze Mann schien gebrochen zu sein. Er ging gebückt, fast so als würde eine unglaublich schwere Last auf seinen Schultern liegen, die ihn zu erdrücken drohte.
„Großvater, ich … es tut mir leid.“
„Entschuldige dich nicht.“, zitternde Arme schlossen sich um den jungen Mann und zogen ihn in eine Umarmung, auf die er so lange hatte warten müssen. „Ich muss bei dir um Verzeihung bitten. Zu lange hatte ich meine Augen vor dir verschlossen und nur deshalb ist dir solch großes Leid widerfahren.“
„Ich hege keinen Groll deswegen.“, als Hihi den Blick hob, begegnete er einem solch aufrichtigen lächeln, wie er es sonst nur von Samon kannte.

~*~

Samon behielt seinen Bruder wachsam im Auge, während Hihi der Geschichte seines Enkels lauschte.
„Der große Tigergeist Kuài Fāng hat dich also gerettet und dich mit seinen Lehren aufgezogen.“
„So ist es.“
„Ich werde ihm bei einem Gebet danken. Er hat mir meinen dritten Enkelsohn zurück gebracht und ihn zu einem großartigen Mann geformt.“, Hihi bemerkte, wie Kotetsu sich aufmerksam umsah und nach etwas, nein … nach jemandem, zu suchen schien. „Du suchst sie, nicht wahr?“, Samon zuckte kaum merklich zusammen und krallte sich in den Stoff seiner Kleidung.
„Ist Großmutter nicht zuhause?“, er sah wie Samon und Hihi Blicke tauschten. Die Körperhaltung seines kleinen Bruders wirkte angespannt. „Was … was ist passiert?“, Kotetsu spürte wie sich sein Herz schmerzlich zusammenzog, als er die tiefe Trauer in den Augen der beiden sah.
„Sie ist Gestorben, Kotetsu.“, flüsterte Samon und vermied es seinem Bruder in die goldenen Augen zu sehen.
„Wann …?“, seine Stimme war kaum mehr als ein schwaches Hauchen.
„Vor einem Jahr.“, erklärte Hihi. Die Augen des alten Mannes waren so trüb, wie ein See nach einem heftigen Regenschauer. „Sie hat jeden Tag für dich gebetet. Sie hat ihren Glauben daran, dass du noch Lebst, niemals aufgegeben.“, mit jedem Wort zitterte die Stimme seines Großvaters mehr und mehr.
„Großmutter ist …“, Kotetsu wusste gar nicht auf welchen Punkt er seine Augen richten sollte. Ruhelos irrten sie im Raum umher, versuchten verzweifelt die Gestalt von Lynn zu finden.
„Ich kann dir morgen zeigen, wo ihr Grab liegt. Wenn du das willst.“, meinte Samon leise, worauf Kotetsu lediglich nicken konnte.

~*~

Hihi hatte Kotetsu gesagt, er könnte sich eines der Gästezimmer im Haupthaus einrichten, wie es ihm gefiel und ihn wieder in der Familie aufgenommen. Etwas unsicher war der junge Mann ins obere Stockwerk gegangen und hatte sich vorsichtig umgesehen. Die Abwesenheit seiner Mutter und seines Vaters machte ihn stutzig, weshalb er jeden Moment damit rechnete dass die Hand von Li-Sang ihn aus den Schatten heraus packen würde.
„Sie werden nicht mehr zurück kommen.“, beim Klang von Samons Stimme fuhr Kotetsu erschrocken herum.
„Was meinst du, Samon?“
„Mutter und Vater sind von Großvater aus der Familie verstoßen worden. Kurz nachdem Vater uns sagte, du seist gestorben.“, das Hihi seinen Schwiegersohn verstoßen würde, konnte Kotetsu nach all seinen Brutalen Missetaten verstehen aber seine eigene Tochter?
„Warum hat er Mutter verstoßen?“, Samons fester grüner Blick heftete sich vorwurfsvoll auf seinen Bruder.
„Wegen dir.“, Kotetsu verstand warum Samon so aufgebracht war. Mei hatte den jüngsten von ihnen am Meisten geliebt und ihn wie ein rohes Ei behandelt. Selbst mit ihrem Gatten hatte sie sich mehr als einmal gestritten, wenn er Samons Training zu hart gestaltet hatte.
„Es tut mir leid, ich wollte nicht das-“, Samon hob abwehrend die Hand.
„Ich will das nicht hören, Kotetsu.“, in den Apfelgrünen Augen des jüngeren lag eine Mischung aus Wut, Trauer und Verachtung. „Versteh mich nicht falsch …“, hob er an. „Es freut mich dass du noch lebst aber ich würde nicht behaupten das wir Brüder sind.“, mit diesen Worten drehte er Kotetsu den Rücken zu und wollte die Treppe wieder nach unten gehen. „Großvater mag dich in diesem Haus dulden und dich als Teil der Familie betrachten aber Enki wird das ganz sicher nicht gefallen.“, als Samon außer Sichtweite war, schluckte Kotetsu.
Enki …
An seinen älteren Bruder hatte er noch überhaupt nicht gedacht.
Wenn Li-Sang und Mei nicht mehr hier lebten, so bestand in Enki die größte Gefahr für den jungen Mann mit den Zeichen des Tiger Clans.
„Kuài Fāng … warum nur hast du mich fortgeschickt?“, flüsterte er und sehnte sich nach dem sicheren Zufluchtsort im Reich seines Lehrers.

~*~

Am nächsten Morgen folgte er Samon nach dem gemeinsamen, wenn auch recht schweigsamen, Frühstück zum Friedhof des Dorfes. Kotetsu musterte das kleine Dorf, das er noch aus seiner Kindheit kannte und erinnerte sich an Doktor Wang.
Wie es ihm wohl ergangen war?
„Komm.“, drängte Samon, der bereits einige Meter weiter gelaufen war. Erst jetzt bemerkte Kotetsu, dass er stehen geblieben war und holte eiligst zu seinem Bruder auf. „Je schneller ich zurück zu Großvater kann, umso besser.“
„Du … du Hasst mich, nicht wahr?“, Samon sah ihn nicht, als er antwortete.
„Hass würde ich es nicht nennen. Ich akzeptiere dich lediglich nicht, als meinen Bruder.“
„Verstehe.“, Kotetsu musterte den jüngeren Traurig.
Wie sehr er sich doch wünschte, wenigstens ein einziges Mal „Bruder“ von Samon genannt zu werden.

Eine Weile liefen sie noch schweigend hintereinander her, bis sie den Friedhof erreicht hatten.
„Großmutters Grab liegt dort hinten unter dem Kirschblütenbaum.“, erklärte Samon und ging voraus.
Bedächtig folgte Kotetsu ihm und musste sich anstrengen seine Tränen zurück zu halten.
Etwas abseits blieb Kotetsu stehen und ließ Samon seine Arbeiten an Lynns Grab verrichten. Er wässerte die Blumen, sortierte die verblühten heraus und sprach ein paar Worte zu ihr, bevor er sich an Kotetsu wandte.
„Ich werde zurückgehen. Du findest den Weg ja alleine.“, Kotetsu nickte und sah dem Jüngeren nach, als er mit schnellen Schritten den Friedhof wieder verließ. Dann erst näherte er sich selbst dem Grab.
„Hallo Großmutter …“, Kotetsu ließ sich neben dem Grabstein auf die Knie fallen. „Ich … ich bin wieder Zuhause.“, ein zaghaftes lächeln legte sich auf seine Lippen und seine Augen begannen zu brennen. Er ließ seine Tränen einfach fließen und schluchzte. „Es tut mir so leid, dass ich dir solche Sorgen bereitet habe. Großvater sagte, du hast jeden Tag für mich gebetet.“, langsam verneigte er sich vor dem Grab seiner Großmutter. „Dafür danke ich dir. Du hast immer an mich geglaubt und ich habe dich so sehr enttäuscht und verletzt. Ich wünsche dir, das deine Seele nun in Frieden ruhen kann und wir uns eines Tages wieder begegnen werden.“, eine Weile wagte Kotetsu es nicht, sich wieder zu erheben. Er wollte den Grabstein nicht vor sich sehen, wollte der Wahrheit nicht gegenüberstehen. Und so verharrte er so lange an Lynns Grab bis ihn eine bekannte Stimme wieder in die Realität zurückholte.
„Kotetsu … bist du das?“, er hörte eilige Schritte, die sich ihm näherten und setzte sich auf. Kotetsu riskierte einen Blick und erkannte Doktor Wang auf sich zueilen. Der Mann schlang die Arme um ihn und drückte ihn an sich. „Ich wusste, dass du noch am Leben bist!“, er konnte ein schluchzen aber auch deutliche Erleichterung in der Stimme des Arztes hören.
„Doktor …“, der Mann löste sich etwas von ihm und musterte ihn gründlich.
„Wie geht es dir? Wo warst du? Hat sich jemand um dich gekümmert?“
„Ich werde all Ihre Fragen beantworten, Doktor Wang … aber nicht hier.“

~*~

Der Arzt hatte Kotetsu zu sich eingeladen und stellte ihm gerade eine Tasse Tee hin, als er den Nachdenklichen Gesichtsausdruck des jungen Mannes bemerkte.
„Was bekümmert dich?“
„Was wollten Sie am Grab meiner Großmutter?“, wagte Kotetsu zu fragen.
„Ich wollte ihr einen Besuch abstatten.“, lächelte der Arzt. „Weißt du, deine Großmutter und ich haben in den letzten Jahren oft und viel über dich Gesprochen. Ich habe versucht ihr zu helfen, zu akzeptieren was passiert ist.“, Kotetsu nickte.
„Haben Sie gewusst, was mein Vater getan hat?“
„Ja … das habe ich. Ich hätte nicht zulassen dürfen, dass du dort bleibst. Ich hätte einfach etwas unternehmen sollen, als du immer wieder mit neuen Verletzungen zu mir kamst.“
„Sie trifft keine Schuld, Doktor. Was geschehen ist, ist geschehen.“, Kotetsu nahm einen Schluck von dem Tee.
„Aber sag, wie ist es dir ergangen?“, diese Frage brachte Kotetsu nun doch wieder zum Schmunzeln.
„Sie würden es mir ja doch nicht glauben. Aber ich versichere Ihnen, dass man sich sehr gut um mich gekümmert hat.“
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