Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast 

Gokuu Kotetsu - The Tiger among Apes

GeschichteDrama, Liebesgeschichte / P18 / MaleSlash
Enki Gokuu Samon Gokuu Sugoroku Hajime
06.04.2018
12.01.2021
28
38.571
9
Alle Kapitel
33 Reviews
Dieses Kapitel
2 Reviews
 
03.12.2018 1.293
 
Kapitel 10 Der Tote Sohn

Lynn hatte sich setzen müssen, als Samon ihr erzählt hatte, wie ihr Schwiegersohn Kotetsu gequält hatte.
„Nein …“, ihre Augen schienen in weite Ferne gerichtet zu sein. „Das … das …“
„Großmutter?“, wie in Trance richtete sie ihre Augen auf den jüngsten Spross der Familie. „Hätte ich … ihm helfen sollen?“, die Arme der alten Frau schlangen sich um Samon und drückten ihn an sich.
„Es ist nicht deine Schuld … für nichts davon bist du Verantwortlich, Samon.“, ihr Körper zitterte und Samon konnte hören, das seine Großmutter schluchzte. Sein Affenschwanz zuckte, als er Hihis Chi näher kommen spürte.
„Lynn, was ist passiert?“, mit tränen verschleierter Sicht sah die alte Frau zu ihm auf.
„Li-Sang hat Kotetsu …“, behutsam legte er seine Arme um sie.
„Was hat er?“, just in diesem Moment traten zwei weitere Gestalten auf das Grundstück.
Es waren Enki und sein Vater, die von Doktor Wang zurückgekehrt waren. Der finstere Blick von Li-Sang richtete sich auf seine Schwiegereltern, besonders aber auf Lynn.  
„Kotetsu ist tot.“


Hihi verkrampfte sich bei diesen kalten Worten.
„Was hast du da gerade gesagt, Li-Sang?!“
„Ich sagte er ist Tot.“, Lynns alter zerbrechlicher Körper zitterte und Samon hatte Mühe seine Großmutter am Hyperventilieren zu hindern.
„Großmutter … ich …“, setzte Enki an, schwieg aber als er den stechenden Blick seines Vaters spürte. Hihi war dies allerdings ebenfalls nicht verborgen geblieben.
„Sprich.“, forderte er Enki auf.

Enki mochte groß sein.
Er mochte außergewöhnlich stark sein für einen Jungen seines Alters.
Aber dem scharfen Blick seines Großvaters war er noch weniger gewachsen als dem seines Vaters.
Diese beiden Männer waren es, vor denen Enki schon immer den größten Respekt hatte – und für den Rest seines Lebens sollte dies auch so bleiben.
„Ich …“, Enki wagte den direkten Augenkontakt zu seinem Großvater und beichtete ihm alles.
Je mehr der Junge erzählte, desto mehr stieg die Wut in Hihi an und er ballte die Fäuste.
„Samon … Enki ….“, sprach der alte Mann so ruhig wie es ihm in diesem Augenblick möglich war. „Bringt eure Großmutter ins Haus.“
„Aber Großvater-“
„SOFORT!“, unterbrach Hihi den Jüngsten, der sogleich die eine Hand seiner Großmutter nahm, während sein Bruder die andere umschloss.

Kaum waren die beiden Brüder im Haus verschwunden, richtete sich Hihi wieder an seinen Schwiegersohn.
„Stimmt etwas nicht?“, fragte Li-Sang unschuldig.
„Einer deiner Söhne ist womöglich dort draußen in den Bergen an den Verletzungen verstorben, die du ihm auf solch Brutale und Unmenschliche Art zugefügt hast!“, Li-Sang erwiderte Hihis Blick ungerührt und zuckte mit den Schultern.
„Der Bastard hätte ohnehin niemals Geboren werden dürfen.“
„Bastard?! Du sprichst von einem Kind, das aus dem Schoß meiner eigenen Tochter geboren wurde!“
„Hihi …“, Li-Sang seufzte langgezogen und lehnte sich entspannt an einen Pfosten des Tores. „Tu nicht so, als hättest du dich jemals für diesen Bengel interessiert.“, sehr zu Hihis missfallen hatte sein Schwiegersohn nicht ganz Unrecht. Er hatte den Jungen nie besonders wahrgenommen. Und beim Stabe des Affenkönigs: er hasste sich gerade selbst dafür!
Viel zu spät erst hatte sein altes Herz Fürsorge für dieses Kind empfunden.
„Ich möchte das du dieses Haus verlässt.“
„Was?“
„Du hast mich schon verstanden. Dies ist mein Haus und ich verlange das du es verlässt.“
„Das kann nicht dein ernst sein! Ich bin dein Schwiegersohn und somit der Erbe von deinem Besitz!“, Hihi schüttelte den Kopf.
„Das siehst du falsch. Wenn jemand mein Haus und mein Land Erbt, dann wird es einer meiner Enkelsöhne sein.“, Li-Sang wollte sich an Hihi vorbei schieben.
„Dann hole ich wenigstens meine Besitztümer.“
„Nichts wirst du holen. Geh.“, Li-Sang war kein Mann, der leichthin irgendwelchen Forderungen nachgab, doch er wusste nur zu gut das er Hihi Kräfte Mäßig unterlegen war – trotz des Hohen Alters seines Schwiegervaters.
„Und meine Frau?“, knurrte Li-Sang und trat einen Schritt von Hihi zurück.
„Zeigt sie sich einsichtig, darf sie blieben. Öffnet sie ihr Herz jedoch nicht für ihr zweitgeborenes Kind, werde ich sie ebenfalls aus dieser Familie verstoßen und ihr beiden könnt gemeinsam ein Leben in Schande führen. Weit weg von meinen Enkeln.“, ohne ein weiteres Wort wandte sich Li-Sang um und verließ mit großen Schritten den Grund und Boden des alten Mannes. Er versuchte Aufrecht zu gehen, doch seine Ehre war durch die Worte seines Schwiegervaters verletzt und dies war eine Wunde, an der ein so Stolzer Mann noch lange zu nagen hatte.

Nachdem sich Hihi vergewissert hatte, dass Li-Sang nicht zurückkommen würde, ging er in das große Haupthaus um nach seiner Frau und seinen Enkeln zu sehen.
Lynn saß noch immer heftig schluchzend und klagend neben Samon und Enki und murmelte immer wieder Kotetus Namen.
„Mein Armer Junge …“, sie war zittrig und rieb immer wieder ihre Hände ineinander, so als wollte sie Beten. „Oh großer Affenkönig, verzeih einer alten törichten Frau, das sie nicht mehr für dieses unschuldige Kind tun konnte!“
„Großmutter, beruhige dich.“, Enki versuchte sie so gut es ging zu beschwichtigen. Als er die Präsenz seines Großvaters bemerkte, zeigte sich anhand seiner Körperhaltung deutlich wie sehr er sich schämte. „Großvater … ich …“, Hihi hob bloß die Hand und gebot ihm so zu schweigen.
„Du bist bloß ein Junge, der dem Befehl seines Vaters folgte. Selbst wenn es die falschen Taten waren, zu denen er dich brachte.“, dabei fiel der Blick des alten Mannes auf die Verbundene Wunde an  Enkis Arm. „Was habt ihr Doktor Wang erzählt?“, verlangte er zu wissen.
„Wir … ich sollte ihm erzählen, das Kotetsu ich verletzt hat.“
„Ich werde morgen hinunter ins Dorf gehen und die ganze Sache dem Doktor gegenüber ins rechte Licht rücken und Du, Enki, wirst mich begleiten und dich für deine Lüge entschuldigen.“
„Jawohl, Großvater.“
„Nun geh mir aus den Augen.“, Samon sah seinem großen Bruder nach, als dieser unter Hihis strengem Blick den Raum verließ.
„Großvater?“, wandte sich der jüngste Spross an den alten Mann. „Soll ich Kotetsu suchen? Ich finde ihn ganz bestimmt und bringe ihn wieder nach Hause. Dann wird Großmutter sicher wieder fröhlich sein!“, Lynn ihrerseits war wie in einer Trance gefangen und konnte dem Gespräch ihrer Familie nicht folgen – selbst wenn sie es gewollt hätte.
„Nein.“
„Aber-“
„Ich sagte Nein!“, Samon zuckte unter der heftigen Antwort zusammen. „Du bist Jung, Samon. Du bist ein geübter Kletterer und sehr geschickt darin deine Umgebung zu deinem Vorteil zu Nutzen. Jedoch … das Gebirge in das Kotetsu geflohen ist, ist selbst für einen Erwachsenen Mann Gefährlich. Dort lauern Uralte Bestien und tiefe Schluchten.“, bedauernd schüttelte er den Kopf, seine alten Augen zeigten aufrichtige Trauer. „So ungern ich es auch sage aber wir werden wohl nicht einmal mehr Kotetus Körper finden, um ihn zu seiner ewigen Ruhe führen zu können.“
„Verstehe.“, besorgt sah Samon zu seiner Großmutter.

*~*

Nachdem Hihi ihn zu Bett geschickt hatte, war Samon heimlich in den Keller des Hauses geschlichen. Die unangenehmen Erinnerungen stiegen vor seinem inneren Auge auf.
Er konnte deutlich Kotetsu´s Leblosen Körper vor sich sehen.
Das verbrannte Fleisch riechen.
Der Junge zitterte und trat näher an die Schlafstätte seines Bruders heran.
„Es tut mir so leid, Kotetsu.“, sprach er leise und setzte sich neben den Futon auf den kalten Boden. „Ich hätte versuchen sollen dir zu helfen. Ich habe dich mit Stich gelassen, obwohl wir Brüder sind.“, Tränen trübten die Apfelgrünen Augen, die sonst immer so voller Tatendrang glänzten. „Ich verspreche dir, ich werde niemals wieder jemanden im Stich lassen, wenn er mich braucht!“

Was Samon zu diesem Zeitpunkt nicht ahnen konnte, war das sein Großvater sehr wohl bemerkt hatte wie er sich in den Keller geschlichen hatte. Hihi stand an der Treppe, die zum Keller hinab führte und hatte jedes einzelne Wort aus Samons Mund gehört. Ein Lächeln legte sich auf die Lippen des alten Mannes.
„Er hat ein reines Herz. Und das wird ihn eines Tages zu einem ganz besonderen Mann machen.“
Review schreiben
 Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast