Erinnerungen für alle

von Nessi00
GeschichteAllgemein / P12
05.04.2018
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Hallo und willkommen zu einem Tagebucheintrag, der stark an das Buch „Hüter der Erinnerung“ von Lois Lowry angelehnt und aus Jonas Sicht geschrieben ist. Dieser entstand im Rahmen des Deutschunterrichts im Jahr 2015.

Arbeitsauftrag:

Jonas möchte, dass auch die Menschen in der Gemeinschaft von den Erinnerungen des Hüters profitieren.
In einem Tagebucheintrag kommt er auf diesen Wunsch zu sprechen, aber auch auf die Hindernisse, die sich ihm bei der Erfüllung des Wunsches in den Weg stellen, sowie auf seine Gefühle und Gedanken hinsichtlich der problematischen Situation.
Schreibe an Jonas Stelle diesen Tagebucheintrag.
Gehe dabei auch besonders auf die Reaktionen seiner Freunde und Familie ein.

Erinnerungen für alle



Liebes Tagebuch,                      
12.12.20XX


momentan fühle ich eine gähnende Leere in mir, bin antriebslos und müde, nur weil ich sowohl meinen Freunden als auch meiner Familie diese schönen Erinnerungen, welche mir der Geber übertrug, weitergeben möchte.
Aber in meinem Kopf wirbeln meine Gedanken haltlos umher, ohne zur Ruhe zu kommen, wie eine rasante, schnelle Abfahrt mit dem Schlitten.
Ich habe gemischte Gefühle. Ich will, dass schlussendlich alle Bürger meiner Gemeinschaft diese kostbaren Bruchstücke der alten Welt nutzen und mit ihnen umgehen können, sie verstehen, so wie ich es kann! Warum muss es nur eine einzige Person sein, die erfährt, wie das Leben vor der Gleichheit war? Wieso existiert diese überhaupt, wenn vorher wahrscheinlich alles besser war?
Mir wäre es lieber, wenn alle Menschen erfahren, wie es beispielsweise vor der Auslöschung der Farben und Emotionen war.
Vor Kurzem versuchte ich Asher die Erinnerung an die Farbe Rot zu übertragen, indem ich meinen Arm um seine Schulter legte; leider ohne Erfolg. Im Eifer des Gefechts, vergaß ich dabei völlig, dass das Berühren von Personen, die nicht der eigenen Familie angehörten, äußerst unakzeptabel war.
Ashers verhalten gestellte Frage, was denn mit mir los sei, verneinte ich höflich. Ob er meinen traurigen Unterton hörte, der bei der Antwort mitschwang, konnte ich nicht sagen.
Der Geber wusste nichts von meinen vergeblichen Bemühungen. Bestimmt würde er es dem Komitee verraten und dann-ich mag gar nicht daran denken-würde mich die Freigabe erwarten. Was soll ich dann nur tun? Oh Gott! Ich habe so viel Angst! Warum stecke ich überhaupt in dieser Situation? Eigentlich hätte ich frustriert aufgegeben, wenn ich nicht diesen brennenden Wunsch in mir hätte, welchen ich um jeden Preis erfüllen will.
Mein Lehrer übertrug mir nach dem misslungenen Versuch mit Asher die Erinnerung an einen Elefanten, welche ich als sonderbar empfand. Das ist doch eigentlich etwas Schönes, oder? Ja, aber nicht, wenn er vor deinen Augen eiskalt wehrlos getötet wird! Diese Tatsache macht mich fertig! Die Sache mit dem Tier beschäftigt mich heute noch ganz schön, lässt mich einfach nicht los.  Vielleicht wird es ja noch schmerzhafter mit den Erinnerungen? Die Chefälteste bei der Zwölfer-Zeremonie sowie der Geber sagten, dass es nicht so einfach werden würde. Jetzt glaube ich ihnen, dass sie die Wahrheit sagen.
Noch am selben Abend wollte ich Lily erklären, dass früher wirklich solche Tiere wie Elefanten gelebt hatten, als sie ihr Kuschelobjekt, was zufälligerweise einen Elefanten stark ähnelte, aus dem Regal genommen hatte. Das war für mich anfangs, wie auch wahrscheinlich für den Geber unvorstellbar. Meine Schwester konnte sich ein müdes Grinsen nicht verkneifen. Irgendwie konnte ich es mir schon denken, dass sie mir keinen Glauben schenken würde. Schade.
Aber als sie später mit unserem Vater am Tisch saß, um sich von diesem das Haar kämme zu lassen, nutzte ich die nächste Gelegenheit, um diesmal beiden eine Erinnerung zu übertragen, indem ich meine Schwester und meinen Vater mit meiner Hand berührte.. Nicht die schreckliche Tat, den Tod des Elefanten, die ich miterlebt hatte, sondern an einen Elefanten, der friedlich lebte.
Mein Vater reagierte zu meiner Verwunderung zwar aufmerksam, aber er antwortete nichts darauf, sondern widmete sich weiterhin schweigend Lilys Haar. Hatten beide meine Übertragung überhaupt registriert? Wohl nicht, ihrem Verhalten nach zu urteilen.
Meine Schwester versuchte sich von meinem Griff zu befreien und verlangte, dass ich sie losließe, was ich schließlich auch tat, ehe ich die altbekannte Entschuldigungsfloskel fast lautlos herunterratterte. Lily nahm diese an.
Ich will, dass alle später diese kostbaren Erinnerungen zu schätzen wissen! Verdammt noch mal! Was ist daran denn so schwer? Es ist doch nur ein kleiner Schritt, ein winzig kleiner Schritt und dann würde es mir sowie meinen Mitmenschen deutlich besser gehen. Aber ich muss jetzt zur Ruhe kommen, denn es ist schon spät.
In einem der vielen Bücher die der Geber besaß, las ich mal, dass man im Dunkeln die besten Entscheidungen treffen kann.
Ich lege mich jetzt ins Bett, wahrscheinlich werde ich eh nicht sofort einschlafen können, aber das Nichtstun entspannt mich immer sehr. Meine Hand tut auch jetzt ganz schön weh.
Ich bin auf jeden Fall sehr gespannt, wie sich das alles noch weiter entwickeln wird.



Ich werde dich natürlich auf dem Laufenden halten!

Dein Jonas

~*~

Ich hoffe sehr, dass euch dieser kleine Tagebucheintrag gefallen hat.
Bis bald.

Eure Nessi