Your Arms feel like Home

von Phoenix86
GeschichteRomanze, Schmerz/Trost / P18 Slash
05.04.2018
17.05.2019
40
165901
35
Alle Kapitel
331 Reviews
Dieses Kapitel
8 Reviews
 
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Hi, ihr Lieben,

es freut mich riesig, dass ihr zu meiner neuesten Geschichte gefunden habt! :)

Bevor wir loslegen, möchte ich ein paar Worte dazu sagen:
Zunächst ist diese Geschichte Landei gewidmet, bei der ich mich auf diese Weise ganz herzlich bedanken möchte! <3

Vielen lieben Dank für die lieben Mails und die unzähligen Reviews, die du mir bereits hinterlassen hast. Ich finde es großartig, in dir einen so treuen Leser zu haben, das bedeutet mir unglaublich viel. Dafür kann ich dir gar nicht genug danken. *__*
Als »kleines« Dankeschön habe ich mir diese Geschichte für dich ausgedacht. Ich hoffe, ich konnte damit deinen Geschmack treffen. :3

Nun aber zur Geschichte selbst:
Sie setzt zeitlich zu Beginn der 8. Staffel ein, wenn Dean aus dem Fegefeuer zurückkehrt. Ab da wird in der Geschichte aber doch einiges anders verlaufen als in der Serie und ich habe auch ein paar Dinge geändert. Was also nach dem Ende der 7. Staffel in der Serie passiert, ist hier nicht relevant und deshalb ist die Geschichte zumindest teilweise als AU einzustufen.
Da die Geschichte noch in Arbeit ist, kann ich noch nicht sagen, wie viele Kapitel es werden, aber sie wird definitiv eine meiner längeren Geschichten werden. Updates kommen in einem Rhythmus von ein bis maximal zwei Wochen. ;)
Ich habe mich auch dazu entschlossen, ein Pairing einzubauen. Und zwar habe ich mich für Destiel [Dean x Castiel] entschieden, weil ich weiß, wie sehr Landei das Pairing mag. :3 Da das erst meine zweite Destiel-FF ist, seid bitte gnädig mit mir. Weil Castiel anfangs noch im Fegefeuer festsitzt, wird der Destiel-Part leider ein paar Kapitel warten müssen, aber es kommt, versprochen. ;)
Weil das zu Beginn der 8. Staffel ebenfalls eine Rolle gespielt hat, werde ich auch das Thema Amelia aufgreifen, wenn auch eher etwas hintergründig.
Der Titel der Geschichte (und somit auch zwangsläufig ein wenig die Handlung) ist einem Lied meiner Lieblingsband entsprungen. Und zwar »Your Arms Feel Like Home« von 3 Doors Down.

Ansonsten noch die üblichen Warnungen: Ich habe mich nicht umsonst für das Rating P18 entschieden. Es wird sowohl blutige und brutale Kapitel geben, als auch viel Gefühl und Herzschmerz und die eine oder andere Sexszene. Eben von allem etwas. ;) Und es wird natürlich auch Spoiler geben! Ihr seid gewarnt. ;)

Disclaimer: Die vorkommenden Charaktere und die Schauplätze gehören nicht mir, sondern Eric Kripke und The CW. Ich verdiene mit der Veröffentlichung der Geschichte kein Geld.

So, das wäre vorerst alles und jetzt bleibt mir nur noch, euch viel Spaß zu wünschen. Ich hoffe, ich kann damit den einen oder anderen Leser begeistern. Vor allem aber hoffe ich, dass sie dir gefällt, Landei! <3

Über eure Meinungen würde ich mich wahnsinnig freuen, egal ob positiv oder negativ! :3

Liebe Grüße,
eure Phoenix :*



*** *** ***** *** ***

YOUR ARMS FEEL LIKE HOME


PROLOG

Leben und leben lassen



Kermit, Texas


Die Reifen des gestohlenen Mustang quietschten, als Dean auf die Bremse trat und den Oldtimer abrupt zum Stillstand brachte. Die Karosserie vibrierte unter dem durchgängigen Dröhnen des Motors, das tief und röhrend durch das offene Fenster an seine Ohren drang, aber der Jäger bemerkte es kaum. Sein starrer Blick war wie paralysiert auf ein kleines Häuschen gerichtet, in dessen Einfahrt ein 67er Impala stand. Sein Impala.

Hier muss es sein, dachte Dean, legte den Rückwärtsgang ein und stellte das Auto einige Wagenlängen weiter hinten am Straßenrand ab.

Tief durchatmend nahm er den Zettel vom Beifahrersitz und überprüfte zur Sicherheit die Adresse, die er durch das Hacken verschiedener Datenbanken in Erfahrung gebracht hatte. Er war hier richtig, das wusste er, seit er den Impala gesehen hatte. Er hatte Sam gefunden und er konnte sich das Lächeln nicht verkneifen, das sich bei dem Gedanken auf seine Lippen schlich.

Sams aktuellen Wohnort herauszufinden war das erste, das er getan hatte, nachdem er aus dem Fegefeuer zurückgekehrt war und Benny wie versprochen zu seinen sterblichen Überresten gebracht hatte. Obwohl sein Handy nicht erreichbar gewesen war, hatte es ihn kaum Mühe gekostet, die Adresse seines Bruders herauszufinden. Immerhin hatte er anstatt eines Decknamens seinen richtigen Namen angegeben.

Wenn er ehrlich war, war das nicht das einzige, das ihn überraschte. Das Haus war klein und schlicht, aber gemütlich und einladend und wollte überhaupt nicht zu einem Jäger passen. Es besaß eine angrenzende Garage und einen gepflegten Garten mit jede Menge Platz und einer großen Veranda. Alles daran schrie regelrecht nach dem wohlverdienten Ruhestand. Genau wie es die Brüder vor langer Zeit abgemacht hatten, sollte einer von ihnen sterben.

Ein letztes Mal atmete der Jäger tief durch, dann stieg er aus dem Wagen und schlug mit einem leisen Quietschen die Tür hinter sich zu. Ohne die aufmerksamen Augen von dem Haus abzuwenden, überquerte er die ruhige Straße und betrat die Einfahrt. Als ihn sein Weg am Impala vorbeiführte, konnte er nicht anders, als einen genaueren Blick zu riskieren.

Der Wagen war frisch gewachsen. Er konnte sogar noch den vertrauten Geruch des Poliermittels ausmachen, der an dem Wagen haftete wie ein Parfum. Der Lack glänzte in der Abendsonne wie schwarzes Öl und wies keinerlei Kratzer oder Dellen auf. Auch der Innenraum wirkte sauber und aufgeräumt, bis auf den kleinen Spielzeugsoldaten, den Sam vor langer Zeit in den Aschenbecher gesteckt hatte.

Der Impala sah aus wie in seiner Erinnerung, als wäre das letzte Jahr spurlos an ihm vorübergegangen. Der Gedanke, dass sich Sam derart hingebungsvoll um sein Baby gekümmert hatte, tröstete ihn zumindest ein wenig über die harte Zeit hinweg, die er im Fegefeuer hatte durchleben müssen. Über die unerbittlichen Kämpfe, die unzähligen Verletzungen und vor allem über Castiel, der im Fegefeuer zurückgeblieben war, um ihm die Flucht zu ermöglichen.

Die bloße Erinnerung drohte ihn förmlich zu zermürben. Er hatte so vieles auf sich genommen, um gemeinsam mit Benny und dem Engel zu fliehen. Und wozu? Der Vampir und er mochten entkommen sein, aber Cas schmorte immer noch im Fegefeuer, umzingelt von bösartigen Kreaturen, die ihn tot sehen wollten. Falls er überhaupt noch am Leben war…

Denk nicht mal dran, redete sich der Winchester in Gedanken beruhigend zu.

Castiel war zäh. Er hatte ein Jahr lang überlebt, er würde weiterhin durchhalten. Lange genug, bis Dean einen Weg gefunden hatte, um ihn zu retten. Deswegen war er hier. Nicht nur, um seinen kleinen Bruder endlich wiederzusehen, sondern auch, um ihn um Hilfe bei seinem Vorhaben zu bitten.

»Du hast lang genug auf der faulen Haut gelegen, Sammy«, sagte Dean mit einem anfänglichen Schmunzeln auf den Lippen.

Sam hatte sich an die Abmachung gehalten und sich die wohlverdiente Auszeit genommen. Jetzt war Dean zurück und mit ihm der Familienauftrag. Wenn er von Castiels Schicksal hörte, würde der Jüngere keine Sekunde zögern, um ihn da raus zu holen, da war er sich sicher. Auf seinen Bruder konnte er sich verlassen.

Mit einem hörbaren Seufzen wandte sich der Winchester vom Impala ab und legte die letzten Schritte zurück. Als er schließlich vor der Haustür stand, zögerte er, es durchzuziehen. Ein Jahr lang musste Sam ihn für tot gehalten haben. Ein Jahr, vollkommen alleine und auf sich selbst gestellt. Er wollte sich nicht vorstellen, wie er sich gefühlt haben musste. Kein Wunder, dass er der Jagd irgendwann den Rücken gekehrt hatte.

Angespannt fuhr er sich mit der Hand über den Nacken und atmete die angestaute Luft hörbar durch die Nase aus. Die Kiefer hart aufeinandergepresst, zwang er sich nach kurzem Überlegen dazu, die Klingel zu betätigen. Der melodische Klang, der daraufhin aus dem Inneren des Gebäudes drang, ließ ihn aufgeregt das Gesicht verziehen.

Als gedämpfte Schritte zu hören waren und die Tür nur wenige Sekunden später aufgezogen wurde, hielt der Jäger wie von selbst den Atem an. Doch anstelle seines Bruders stand ihm eine Frau mit dunklen und leicht gelockten Haaren gegenüber, die ihn fragend musterte.

Was zum Teufel…, dachte Dean, ohne etwas zu sagen oder sie in irgendeiner Form zu begrüßen.

Wie erstarrt stand er vor der Tür und wandte die Augen nicht eine Sekunde von ihr ab. Er hatte mit vielem gerechnet, aber sicher nicht mit einer Frau. Sein Gegenüber war ein Stück kleiner als er und zierlich, dürfte in etwa in Sams Alter sein und machte zumindest auf den ersten Blick einen aufgeschlossenen Eindruck. Sie hatte die Haare offen und trug ein dunkelblaues Sommerkleid mit Blumenmuster und eine weiße, dünne Strickjacke.

Sie war hübsch, aber garantiert nicht die Art Frau, die man zu später Stunde in überfüllten Bars antreffen konnte. Sie war vielmehr eine jener Frauen, die nicht auf flüchtige Abenteuer aus waren, sondern etwas Ernstes wollten. Es kostete den erfahrenen Jäger nur einen Blick, um zu erkennen, dass sie etwas zu überspielen versuchte. Sie wirkte niedergeschlagen, als bedrückte sie etwas.

»Hallo«, sagte sie mit belegter Stimme.

Dean schreckte jäh aus den Überlegungen. Erst jetzt bemerkte er, dass er sie die ganze Zeit angestarrt hatte, ohne auch nur ein einziges Wort an sie zu richten. Mit einem unbeholfenen Räuspern fuhr er sich mit der Hand über das Gesicht und zwang sich halbwegs zur Ruhe.

»Hallo…«, sagte Dean immer noch völlig überrumpelt.

Wie von selbst richtete er den Blick auf den Briefkasten neben der Haustür und erspähte über dem Namen seines Bruders die Worte Amelia Richardson. Das musste ihr Name sein und offenbar wohnte sie hier. Zusammen mit Sam. Als seine Freundin.

Dean schalt sich selbst einen Narren. Wieso war er nicht früher darauf gekommen? Er hatte sich in sämtliche Datenbanken auf der Suche nach seinem Bruder gehackt, aber er hatte nicht daran gedacht, zu überprüfen, ob er alleine lebte. Die Verwirrung stand ihm förmlich ins Gesicht geschrieben.

»Kann ich Ihnen helfen?«, fragte sie mit einem Lächeln, das sie aus purer Höflichkeit aufgesetzt hatte. Was auch immer sie belastete, sie schien keine große Lust auf unangemeldeten Besuch zu haben.

Dean bemerkte ihr Verhalten sofort, doch er sprach sie nicht darauf an. Vermutlich wollte sie ohnehin nicht darüber reden. Seine Menschenkenntnis war in all den Jahren, die er als Jäger verbracht hatte, ausgeprägt genug geworden, um sogar derart kleine Unterschiede zu bemerken.

»Das hoffe ich. Ich meine, ich denke schon. Ich…«, stammelte der Winchester und fühlte sich mit der Situation gnadenlos überfordert. Er hatte gemeinsam mit Sam Castiel aus dem Fegefeuer befreien wollen, jetzt sah er sich plötzlich seiner Freundin gegenüber. Dem normalen Leben, das der Jüngere immer gewollt hatte, mehr als alles andere. »Wohnt hier ein Sam Winchester?«

Die Frage war genau genommen völlig überflüssig, wenn er das Namensschild bedachte, aber er hatte keine Ahnung, wie er sonst anfangen sollte.

»Ja, aber er ist gerade nicht da. Er joggt mit seinem Hund«, antwortete sie und entlockte Dean trotz der Situation ein amüsiertes Schnauben.

»Das sieht ihm ähnlich…«, sagte er mehr zu sich selbst als zu Amelia, aber sie hatte ihn dennoch gehört. Das vermittelte ihm der überraschte Blick klar und deutlich.

Ein Haus, eine Frau und ein Hund… das entsprach exakt dem Wunsch, den Sam insgeheim immer gehegt hatte. Er hatte das Jägerdasein nie gewollt, deshalb war er damals davongelaufen, um sein Glück allein zu versuchen. Aber der Familienauftrag hatte ihn immer wieder eingeholt und den Traum in weite Ferne gedrängt. Bis jetzt.

»Soll ich ihm etwas ausrichten?« Wieder war es Amelia, die ihn ins Hier und Jetzt zurückholte.

»Sagen Sie ihm…«, setzte er an, hielt jedoch abrupt inne und betrachtete erneut die beiden Namen auf dem Briefkasten. Der Anblick genügte, um ihn nachdenklich mit den Zähnen knirschen zu lassen und ein schmerzliches Ziehen hinter den Rippen auszulösen.

Dean hatte keine Ahnung, was Sam im vergangenen Jahr durchgemacht und erlebt hatte, aber wenn er Amelia ansah, spielte all das keine Rolle. Sein Bruder hatte sich hier etwas aufgebaut. Etwas, das er nach Jessicas Tod längst aufgegeben, aber nie vergessen hatte: Ein Stück Normalität und er gönnte es ihm von ganzem Herzen.

Ein verdammtes Jahr lang hatte sich Dean durch das Fegefeuer gekämpft und nach einem Weg gesucht, nach Hause zu kommen. Er hatte Sam wiedersehen und genau wie früher mit ihm auf die Jagd gehen wollen, jetzt war er nur so kurz davor und trotzdem zögerte er. Er konnte sich nicht wieder in Sams Leben drängen und das hier zerstören. Nicht jetzt, da er alles hatte, was er sich immer erträumt hatte.

So hart ihn der Gedanke auch treffen mochte, er konnte ihn nicht wieder in das Jägerleben hineinziehen. Das hatte er vor vielen Jahren schon einmal getan und sie alle wussten, wie es ausgegangen war: Mit Jessicas Tod. Er musste Castiel zurückholen und zwar alleine, auch wenn die bloße Vorstellung schmerzte und ihn angespannt die Hände zu Fäusten ballen ließ.

Er hatte Sam wiedersehen wollen, aber ihm wurde unsanft bewusst, dass er genau das nicht konnte. Sollte Sam erfahren, dass Dean am Leben war, würde er alles stehen und liegen lassen und ihm bei seinem Vorhaben helfen. Schlimmer noch. Selbst wenn er sich für Amelia entscheiden würde, würde ihn das Jägerdasein niemals loslassen. Nicht, solange ein Teil seiner Familie noch am Leben war.

»Nein. Nein, nicht nötig«, sagte er schließlich mit einem bitteren Lächeln auf den Lippen und richtete die Aufmerksamkeit zurück auf Amelia. Sein Entschluss tat höllisch weh, aber es war das einzig Richtige, das wusste er. Er konnte und wollte Sam das hier nicht nehmen. Vollkommen egal, was aus ihm selbst werden würde.

»Sicher?«, fragte Amelia und legte die Stirn in Falten. Sein Zögern war ihr offenbar nicht entgangen.

»Ja«, bestätigte er und gab sich die größte Mühe, so entschlossen wie möglich zu klingen, obwohl ihm der unsanfte Druck auf seinen Brustkorb fast jegliche Luft zum Atmen raubte. Er musste hier weg und zwar schnell. »Ich will nicht länger stören, also…«

Mit diesen Worten schenkte er der jungen Frau ein letztes Lächeln, dann machte er auf dem Absatz kehrt und ging unter ihrem konsternierten Blick davon. Auf Höhe des Impala blieb er stehen und fuhr mit der Hand fast andächtig über die Motorhaube. Auch von seinem Baby musste er sich wohl oder übel verabschieden, ob es ihm gefiel oder nicht.

»Du siehst gut aus«, flüsterte er mit einem flüchtigen Schmunzeln auf den Lippen. Sein Wagen war in guten Händen und seinem Bruder schien es gut zu gehen. Das war alles, was er wissen musste.

»Der Impala ist Sams Heiligtum. Er hegt und pflegt ihn, als wäre er das Wertvollste, das er besitzt«, hörte er Amelia sagen. Wie aus einem Traum geschreckt, drehte sich Dean mit gekräuselter Stirn zu ihr um. Sie stand im Türrahmen und beäugte ihn eingehend. »Er gehörte seinem Bruder.«

»Ich weiß«, entgegnete Dean, als er die Aufmerksamkeit zurück auf das Auto richtete. Wenngleich sich die Eingeweide schmerzlich zusammenzogen, formten sich seine Lippen dennoch zu einem vagen Lächeln. Ihre Worte bedeuteten ihm mehr, als sie erahnen konnte. Viel mehr.

Ein letztes Mal fuhr er mit den Fingern über den glänzenden Lack und ließ die Augen über die Karosserie wandern, ehe er sich äußerst widerwillig gänzlich abwandte und das Grundstück verließ. Als er über die Straße eilte, schlug ihm das Herz bis zum Hals.

»Warten Sie!«, rief Amelia ihm hinterher, aber der Jäger ging weiter und reagierte in keiner Weise.

Ohne sie weiter zu beachten, folgte er der Straße bis zu dem weinroten Mustang, der weiter vorne auf ihn wartete. Der Wagen war in jedweder Hinsicht ein Prachtexemplar und trotzdem war er kein würdiger Ersatz für den Impala, den er an diesem Tag voll und ganz in die Obhut seines Bruders gab. Mit einem geräuschvollen Seufzen stieg er ein und zog die Tür hinter sich zu.

Verdammter Mist!, fluchte Dean innerlich und fuhr sich mit der Hand über das Gesicht.

Wenngleich sich alles in ihm dagegen sträubte, einfach zu verschwinden und Sam zu verheimlichen, dass er lebte, wusste er, es war die richtige Entscheidung. Es schien ihm gut zu gehen und er hatte ein eigenes Leben. Ein Leben, das nichts mit Monstern oder unzähligen Gefahren zu tun hatte. Das konnte er ihm nicht zerstören. Nicht schon wieder.

Gerade als er den Schlüssel umdrehen und den Motor starten wollte, ließ ihn der Anblick seines Bruders abrupt in der Bewegung innehalten. Er joggte auf der anderen Straßenseite an ihm vorbei, dicht gefolgt von einem Hund mit langem, scheckigem Fell. Dem auffälligen Mustang schenkte er keinerlei Beachtung.

Gekleidet in kurze Shorts und ein graues Shirt lief er weiter und verlangsamte sein Tempo erst, als er in die Einfahrt bog. Neben dem Impala blieb er schließlich stehen und strich ein paar widerspenstige Strähnen aus der Stirn. Die Haare waren im vergangen Jahr sogar noch länger geworden, davon abgesehen sah er aus wie immer. Kräftig, muskulös und kerngesund.

Schwer atmend und mit schweißnasser Kleidung fuhr er dem nach Aufmerksamkeit bettelnden Hund durch das Fell, bevor er kehrtmachte und gemeinsam mit dem Tier das Haus betrat. Obwohl Sam längst verschwunden war, schaffte Dean es dennoch nicht, den Blick abzuwenden. Ihn nur zu sehen reichte aus, um den Konflikt in seinem Inneren stärker denn je zurückkehren zu lassen.

Dean wollte ihn wiedersehen und ihm sagen, dass es ihm gut ging, aber er konnte nicht. Es war nicht fair, das wusste er, Sam hingegen die Chance auf ein gewöhnliches Leben an der Seite von Amelia zu verwehren war es ebenso wenig. Es war seine Entscheidung und er hatte sie längst gefällt, selbst wenn es ihm verdammt schwerfallen mochte und sich anfühlte wie ein Hieb in die Magengegend.

Ein letztes Mal ließ er den Blick gedankenverloren über die Fassade des Einfamilienhauses gleiten, ehe er den Schlüssel umdrehte. Das Grollen des Motors und das Erzittern der Karosserie ließen ihn augenblicklich Sam und den Impala vermissen, aber er verdrängte es. Dafür hatte er keinen Platz. Nicht, wenn er Castiel retten wollte. Mit einem entschiedenen Ausdruck auf den Zügen fuhr er davon und ließ Sam zurück. Für immer.
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