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Der Kopfgeldjäger

von Zinker
GeschichteAllgemein / P18 / Het
Astrid Hofferson Hicks der Hüne OC (Own Character)
04.04.2018
09.04.2021
15
21.001
6
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16.03.2020 1.263
 
Bei Hicks und Tjark

Der Tag zog sich in die Länge. Minuten kamen Hicks vor wie Stunden. Tjark war den ganzen Tag an Deck und ließ sich nur gelegentlich unten blicken, um zu kontrollieren, ob alles in Ordnung war und Hicks sich nicht irgendwie befreit hatte.
Langsam verlor Hicks sein Zeitgefühl. Wie lange war er schon hier unten angekettet? 3 Tage? 4 Tage? Auf jeden Fall zu lange. Seine Gelenkte taten ihm weh, er musste sich dringend mal wieder richtig bewegen. Zu gerne würde er jetzt mit Ohnezahn durch die Wolken fliegen und das Gefühl der absoluten Freiheit genießen. Doch ob es dazu jemals wieder kommen würde? Er wusste es nicht. Sein Plan Tjark umzustimmen war fehlgeschlagen, immer wenn er versucht hatte, den Kopfgeldjäger umzustimmen, wurde er angeschnauzt und nachdem Tjark ihm gedroht hatte, ihn zu knebeln, hatte er es gelassen.
Tjark, der an Deck stand und sein Schiff auf Kurs hielt, plante unterdessen, wohin er sich absetzen könnte. Der Süden, das hatte Cat ihm gesagt, der Süden sei schöner als alles, was er sich vorstellen könnte. Erst hatte er sich dagegen gesträubt. Doch die Idee in den Süden, in wärmere Gefilde zu segeln, gefiel ihm immer mehr. Vielleicht fände er dort einen Ort, wo er sich niederlassen könnte. Dort könnte er noch einmal von vorne beginnen.
Der Tag neigte sich seinem Ende zu und die Sonne ging langsam unter. Nun sah er sie am Horizont, die Wolfsinsel. Er hatte es fast geschafft.




Bei Viggo und Ryker


Die Insel, auf der sie Tjark vor zwei Wochen seinen Auftrag gegeben hatten, hatte sich in dieser Zeit ziemlich verändert. Die Drachenjäger hatten dort ihr Basislager aufgeschlagen. Vom Strand aus ragten mehrere Stege etwa 50 Meter ins Wasser und hinter einer Düne, standen überall Zelte und Drachenkäfige, die zum Teil Drachen gefangen hielten. Um das Lager in der Nähe des Strandes aufschlagen zu können, wurde sogar ein Teil des Waldes gerodet, sodass es nun von drei Seiten von Bäumen umgeben war. Drachen der verschiedensten Rassen waren hier gefangen und warteten auf ihren Verkauf.
Zufrieden schaute Ryker auf einen eingepferchten Nadder, der gerade von seinen Männern abtransportiert wurde.
„Bruder“, hörte er plötzlich hinter sich. Viggo stellte sich neben ihn und betrachtete den Nadder, der verängstigt aus dem Käfig schaute.
„Was ist?“, brummte Ryker.
„Unser Freund kommt wieder und ich muss noch etwas mit einem Kunden besprechen. Hättest du wohl die Güte, ihn zu empfangen und zu bezahlen?“, kam es wieder von Viggo.
„Natürlich, Bruder“, antwortete Ryker und grinste böse. Er rief ein paar Männer und holte eine kleine leere Truhe, die er mit Steinen füllte. Diesem Kopfgeldjägerabschaum würde er nie im Leben auch nur eine einzige Münze geben und wenn er frech werden sollte, würde er ihm schon zeigen, wer hier das Sagen hatte. Innerlich hoffte Ryker, dass Hicks noch am leben war, damit er selbst in den Genuss kommen würde, ihn umzubringen. Dieser Junge hatte ihn gedemütigt und das würde er zu spüren bekommen. Der Glatzköpfige ging mit sechs Männern zur Anhöhe und ließ seinen Blick übers Meer schweifen. Er entdeckte Tjarks Schiff und schätzte, dass er etwa fünfzig Seemeilen entfernt war. Vielleicht schaffte er es noch vor Sonnenuntergang.


Kurz darauf legte Tjark an einem der Stege an. Er war etwas verwundert, was in der kurzen Zeit aus der Inselwar. Die Drachenjäger hatten ganze Arbeit geleistet. Er vertäute sein Schiff am Steg und ging unter Deck, um Hicks zu holen.
„Wir sind da!“, brummte er und knebelte Hicks. Er hatte nun wirklich keine Lust darauf, das der Junge ihm wieder ins Gewissen reden würde, um doch irgendwie frei zu kommen. Danach löste er die Fesseln, die Hicks mit dem Boot verbanden und fesselte seine Arme hinter seinem Rücken. So fest verschnürt, führte er ihn zum Steg.
Als Hicks an Deck des Schiffes stand, blieb er kurz stehen und schaute sich um. Er erkannte Ryker, der mit mehreren Männern am Strand stand und wartete. Als er sich umdrehte schaute er zur  untergehenden Sonne. Ob dies der letzte Sonnenuntergang war, den er jemals sehen würde? Er wusste es nicht, deshalb versuchte er ihn irgendwie zu genießen. Doch schon nach wenigen Sekunden schubste Tjark ihn voran und zwang ihn von Bord zu gehen. Bei jedem Schritt in Richtung Land dachte Hicks an Astrid. Was würde er alles dafür tun, um sie noch ein letztes Mal wieder zu sehen, um sie ein letztes mal in den Arm zu nehmen, sie zu küssen und ihr zu sagen, dass er sie mehr liebt als alles andere auf der Welt. Mit jedem Schritt in Richtung Ryker verabschiedete er sich ein bisschen mehr vom Leben, denn so wie Ryker ihn angrinste, war ihm klar, das es bald enden würde, wenn ihm niemand zu Hilfe kam.
Als er und Tjark den Steg verließen kam Ryker auf sie zu.
„Wo ist Viggo?“, fragte Tjark als erstes.
„Beschäftigt“, antwortete Ryker knapp.
Tjark wurde skeptisch. Wo war Viggo und wo war der dritte Mann, der ihm seinen Auftrag gegeben hatte? Die gesamte Szene kam ihm seltsam vor, doch da er das Geschäft unbedingt hinter sich bringen wollte warf er seine Bedenken über Bord und fuhr fort.
„600 Goldstücke waren abgemacht, wenn ich ihn lebend abliefere. Hier ist er“, begann Tjark.
„Stimmt, die sollst du auch haben“, antwortete Ryker eine Spur zu freundlich. Einer seiner Männer brachte die mit Steinen gefüllte Truhe zu Tjark und stellte sie ihm vor die Füße.
„Hier. Jetzt hätte ich gerne Hicks“, sagte Ryker währenddessen.
„Nicht so schnell“, kam es wieder von Tjark. Er kniete sich runter zur Truhe und öffnete sie. Als er erkannte, dass sich nur Steine in ihr befanden, wusste er das es gleich nicht Ärger geben würde. Warum konnte nicht einmal alles nach Plan verlaufen?
„Wollt ihr mich verarschen? Was soll die der Mist?“ fragte Tjark sichtlich verärgert.
„Denkst du ernsthaft, du bekommt für den Burschen 600 Goldstücke?“ feixte Ryker und deutete auf Hicks.
„Das war der Deal“, versuchte der Kopfgeldjäger es noch einmal.
„Ich scheiße auf den Deal. Gib uns den Jungen oder wir erledigen dich und holen ihn uns!“, drohte Ryker und zog eines der Schwerter, die er auf dem Rücken trug.
„Schlechte Idee“, antwortete Tjark gelassen und drückte Hicks hinter sich. Beide wichen zurück auf den Steg wo die Überzahl der Drachenjäger nicht mehr von Bedeutung war.
„Holt ihn euch!“, befahl Ryker seinen Männern. Diese griffen Tjark sofort an. Da man auf dem Steg aber höchstens zu zweit nebeneinander gehen konnte, musste Tjark es immer nur mit zwei Angreifern aufnehmen. Prompt flogen auch die ersten beiden ins Wasser, ehe der Dritte durch einen gezielten Schlag auf die Nase ins Reich der Träume geschickt wurde. Die anderen drei wichen respektvoll zurück. Sie hatten nicht wirklich Lust, sich unnötig verdreschen zu lassen. Dies passte Ryker überhaupt nicht, wie konnten seine Männer nur so unfähig sein? Wutentbrannt stieß er einen seiner Leute vom Steg und griff Tjark selber an.
Tjark wich zurück und zog seinen Säbel. Immer wieder holte Ryker aus, sodass Tjark in die Defensive ging. Irgendwann wagte er den Ausbruch und griff selber an. Ryker gefiel das gar nicht und er wollte den Kopfgeldjäger zurück in die Defensive bringen. Nach einigen Schlägen, denen Tjark nur auswich, blockte er den letzten Schlag ab. Beide Klingen waren gekreuzt und Ryker stand Tjark Auge in Auge gegenüber.
„Gib mir den Jungen!“, knurrte Ryker.
„Nur gegen das Gold. Sonst nehme ich ihn wieder mit!“, antworte Tjark und funkelte ihn böse an.
Im selben Moment explodierte hinter Ryker der Steg und seine Männer wurden ins Wasser geschleudert.
Die Drachenreiter waren gekommen.


Sooo, das nächste Kapitel ist endlich fertig. Viel Spaß damit!
Zinker
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